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„Freiheit und Recht!"
Wiesbaden. DèenStsg, 2a. AprèL
Die „Rreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montaas
vurch die Post bezogen mit verhältnißmaßigem Aufschläge. — Inserate'werden bereitvillir aihenanttrt betragt vierteljährig hier in MeSvaden
Erfolge. - Die Inscrationsgebuhren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer. ° ^ ^' ^ frohen Verbreitung der „Freien Zeitung
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Der^Kampf der Magyaren.
X Wiesbaden, 17. April. Welch' eine freudige
Bewegung herrscht in allen freisinnigen politischen Kreisen, so oft eine Siegesbotschaft aus Ungarn kommt!
In allen Wirthshäusern redet man von nichts anderem; Freunde und Bekannten melden einander die frohe Kunde auf Straßen und öffentlichen Plätzen stehen Gruppen und lesen die neuesten Zeitungen! — Solche Erfolge der Magyaren hätte man vor einem halben Jahre nicht erwartet! Dieses Heldenvolk, das Anfangs nur mit Mißtrauen beobachtet wurde, hat sich die Hochachtung der ganzen Welt erzwungen!
Im Anfang verkannt, hauptsächlich durch die Schuld der Windischgrätzischen Lügenberichte falsch beurtheilt gering geschätzt, hat sich das Volk, das, wie Freiligrath singt, „allein noch am Aufruhr hält", in kurzer Zeit die Sympathien aller Freiheitsfreunde errungen. Hatte auch der Kampf bei seinem Beginn allerdings mehr einem rein nationalen Charakter, er mußte bald, wie alle Kriege, die heutiges Tages längere Zeit hindurch geführt werden, zu einem Kampfe der Demokratie gegen das Herrscherthum von Gottes Gnaden werden. Er ist dies geworden, wie jetzt selbst die „Kölnische Zeitung", die grade nicht zu den klugen gehört, und die bisher stets die Siege der Ungarn wegleugnete, offen eingesteht.
Ja es ist ein Kampf der Freiheit und der Kultur gegen den Despotismus und die Barbarei, ein Kampf, wie ihn, was die Energie desselben betrifft, seit der polnischen Revolution die alterschwache Welt nicht mehr- gesehen hat, und der, was seine innern Triebfedern anlangt, einer noch weit höhern Stufe angehört, weil die Menschheit seit 1830 um ein Bedeutendes fortgeschritten ist. In noch weit höherem Maße als damals die Polen verdienen es jetzt die Magyaren, daß alle freien Herzen für sie schlagen.
Aber, das ist die weitere Frage, wird es jetzt wieder, wie damals, in Deutschland bei dem bloßen hohlen Enthusiasmus bleiben? Wird man wieder, wie man damals thatlos zusah, wie Polen, das von den Russen allein nicht überwältigt werden konnte, durch die geheime Mithilfe von Preußen und Oestreich in seine alten Ketten zurückgeworfen wurde, — wird man auch jetzt wieder unthätig warten, bis die Russen den aus dem Feld geschlagenen Windischgrätz zu Hülfe kommen? Das österreichische Ministerium, oder vielmehr die Ol- mützer Kamarilla, vor deren blutdürstischem Despotismus jetzt auch die Czechen erschrecken, die sich sogar auf die „getreuen" Kroaten nicht mehr verlassen kann, hat den Beschluß gefaßt, nunmehr förmlich und ernstlich die Hilfe Rußlands anzurufen: Wird Europa unthätig zusehen? wird Europa dulden, daß das heldenmüthigste der Völker durch die verbün-
beten Tyrannen hin geschlachtet wird ? Ja man wird es dulden! Die Zeit ist vorbei, wo man den Griechen in ihrem Befreiungskämpfe gegen die Türken durch Zusendung von Geld, Waffen uns Freiwilligen zu Hilfe kam. Man hat im vorigen Jahr im Frankfurter Parlament viel darüber geschwätzt, saß Deutschland mit Ungarn ein Schutz - und Trutzbündniß schließen müsse, daß dies schon durch das materielle Interesse geboten sei, um dem deutschen Handel die Donau und das schwarze Meer zu eröffnen rc.; aber geschehen ist Nichts; es löst sich Alles in leere Phrasen auf. Die offizielle Welt, die herrschende Klasse der Gesellschaft, ist so entmannt, daß sie höchstens nur noch feiger Thränen, aber keiner That mehr fähig ist. ^ie wird das Volk der Magyaren kämpfen, bluten und sterben sehen, wie sie Polen fallen sah; sie wird vor dem großen Grabe stehen und weinen; aber sie wird ihr System, der feigen Ruhe, durch welches dieses Volk geopfert wird, nicht ändern!
Darum dürfen wir's uns nicht verhehlen, das Volk der Magyaren wird vielleicht bald nicht mehr Sieger sein! Die herrlichen Gefilde des Donaustroms werden sich in ein weites Grab verwandeln und die „Ruhe und die Ordnung" wird über dem großen Grabe herrschen. — In der That, die Verhältnisse werden großartig in unserer Zeit. In früheren Jahrhunderten wurden nur einzelne Männer (oder höchstens eine kleine Partei) auf die Scheiterhaufen geführt oder an die Kreuze geschlagen, um für die Menschheit den Märtyrertod zu erdulden; heute ist's anders! die Weltgeschichte wird großartig tragisch! Heute wird das Morden in größerem Dtyle betrieben. Ganze Völker werden auf die Schlachtbank geführt, damit — die Völker lernen, daß sie solidarisch verbunden seien! In früheren Jahrhunderten konnte sich ein Volk befreien, wenn es seine eign en Tyrannen überwältigte; es kümmerten sich die Andern nicht darum: heute ist die große „ heilige Allianz" sogleich bei der Hand, jedes Volk, über welches seine eignen Untere drücker nicht mehr Herr werden können, mit gemeinsamer Hand zu Boden zu werfen, auf daß die Völker lernen, daß auch sie nur durch gegenseitige Hülfeleistung siegen können. Möchten doch bald die Völker diese Lehre entnehmen! Möchten sie sich doch nicht mehr betrügen lassen durch diejenigen, welche dies für „unpatriotisch," für leeren „Kosmopolitismus" erklären, — diese „frommen" Christen, welche es zwar für Christenpflicht halten oder doch es von den Kanzeln herab sich vorpredigen lassen, daß Jeder seinen „Nächsten lieben" nnd ihm helfen müsse, die aber über Vater- landsverrath schreien, wenn man ihnen sagt, daß auch ein Volk dem andern helfen müsse!
Doch für diesmal haben das die Völker noch nicht gelernt. Es müssen erst noch ganze Nationen an's Krenz geschlagen werden, ehe jene Lehre der Gekreuzigten, die Lehre von der Bruderliebe, begriffen wird.
Das Märtyrervolk der Magyaren wandelt eben diesen dunkeln Weg, den Tovesgang nach Golgatha. *)
Die mitleidigen Seelen, sie weinenden Weiber, 1 sie ihm nachfolgen, möchten ihm wohl sein Kreuz tragen; aber Männer, es zn retten, sinnen sich nicht. Das Magyarenvolk wird unter sen Kanonen der russischen Barbarenhordcn verröcheln; aber sein Name wird leuchten bis in die fernsten Jahrhundete und gesegnet werden von den künftigen Geschlechtern, die unter Schatten des Freiheitsbaues ruhen werden, der dem Grabe Ungarns aufwachsen wird.
dem aus
N a s s a n i s ch e r Landtag.
98te Sitzung vom 2l. April.
(Schluß)
nicht
Reichmann eröffnet, daß die Regierung heute noch I in der Lage sich befinde, auf die neuliche Anfrage von Wimpf, I betreffend die Herabsetzung der Gebühren der Gerichtsvollzieher, I eine bestimmte Antwort ertheilen zu können. Wimpf verlangt I Beschleunigung in dieser Sache. Snell: er habe noch kürzlich ; vernommen, daß cs für die Gerichtsvollzieher eine leichte Sache sei, die Taschen sich anzufüllen. Die Leute seien ohnehin zu beklagen, und eine Herabsetzung der Gebühren sehr wünschenS- werth. Werren meint, die Gebühren häuften sich dchwegen, weil innerhalb eines vollen Jahres so zu sagen kein Gerichtsvollzug stattgefnnden habe. Heydenreich übergibt eine Petition der Aerzte, welche auf die künftige Revision der Medizinal- verfaffung des Herzogthums Bezug nimmt.
Jung (Amtssekretär) übergibt drei Petitionen aus dem Amt Dillenburg, welche sich auf die Verfassung beziehen.
Die Versammlung geht sodann über znr Tagesordnung, d. h. Fortsetzung der Berathung über das Landjägergesetz.
Der nochmals an die Kommission zur Begutachtung überwiesene §. 11 wird in der von der Kommission vorgeschlagenen Fassung: „Die Landjäger werden durch ein Justizamt ans die Landjägerinstruktion verpflichtet," angenommen. Nunmehr wird wieder die Verhandlung über die §§. 2), 21, 22, d. h. die Frage, ob die Landjäger bei Dienstvergehen unter militärischer Gerichtsbarkeit stehen sollen oder nicht, eröffnet Der Abg. Müller II. bringt wiederum einen Antrag aus gänzliche Streichung der §§. 20, 21 und 22, und folgeweife auf Beseitigung der Militär-Jurisdiktion bei der Gcnsd'armerie ein, und rechtfertigt diesen seinen.Antrag mit einem von Hergenhahn als KammerMilglicd 1847 verfaßten Kommissionsberichte, so daß er also die Vorschläge des Ministers Hergenhahn mit den Berichten des Abgeordneten Hergenhahn aus dem Felde zu schlagen sucht. Für den Antrag Müller's kämpft Braun, aus Gründen der Zweckmäßigkeit und des Rechts. Was den Rechtspunkt anlange, fo müsse nach den Grundrechten eine Einführung der Militärgerichtsbarkeit bei der Gcnsd'armerie durchaus für unstatthaft gehalten werden, es sei denn, daß man die Grundrechte interpretiren wolle, wie weiland die Advokaten des römischen Reiches das römische Recht über die Rechtswohlthaten der Soldaten interpretirt hätten. Da nämlich die Soldaten nicht unansehnliche Rechtswohlthaten genossen hätten, so halten sich die Advokaten dadurch, daß sie sich selbst für kaiserliche Soldaten des Justizpalastes ausgelegt hätten, in den Besitz genannter Rechlswohlthaten zu fetzen gewußt. Zweckmäßig sei eine beson-
*) Nach den neusten Nachrichten scheinen sich übrigens glücklicherweise keineswegs die Aussichten für die ungarische Sache, welche die der Freiheit ist, so trübe zu gestalten, wie der Verfasser dieses Artikels mit Nothwendigkeit anneh- mcu zu müffln glaubt.
Die Redaktion.
„Dtt Gott der Freiheit, hilf, o hilf! Daß fie der Tyrannen Nacken brechen."
(Aus der „Reimchronik des Pfaffen Manrizius.")
Aus Osten einen tapfern Gruß !
Der Windischgrätz, der größte der Helden, Hat mit den Magyaren viel Verdruß, Trotz allen BülletinS von Weiden.
Der Windischgrätz, der sich jetzt Frtedland nennt,
Dem scheint man tüchtig das Fell zu gerben — Es erbt sich schwerer des Friedlands Talents Als sich gestohlene Güter erben.
Der Perzel steht im offenen Feld,
Und jagt die bezahlten sklavischen Schaaren — Dembinscky, der alte Polenheld, Rächt seine Heimath im Land der Magyaren.
Der CsikoS wirft sich aufs Pferd und flieht
Ins Lager über die grasigen Wellen, Und über die Haide zittert das Lied Rakozy's, des unvergess'nen Rebellen.
Das Lied ist so heiß und so süß zugleich,
Wie goldener, perlender Tokayer — Es singet todteSmuthig und weich: Und sterb' ich auch, so sterb' ich ein Freier!
Mit Zither-, Cymbal-, Geigenklang Fortträgt's der Zigeuner mit wallenden Haaren, Und mit dem ererbten Schlachtgesang Erwacht der Schlachtengeist der Magyaren.
Der Helmbusch weht — der Sporn erklirrt, Und Herren werden die wilden Horden — Das Roß, das noch gestern die Haide durchirrt, Ist ein fliegendes Schlachtrvß geworden.
Der Noßhirt schlief, wo Türkenblut
Getränkt den Grund, den die Rosse beweiden, Was Wunder, daß er mit Heiliger Gluth Hinreitet, zu schlagen die neuen Heiden!
Dn Gott der Freiheit, hilf, o hilf!
Daß sie der Tyrannen Nacken brechen Und beugen und mähen wie Rohr und Schilf, Und die geschändete Freiheit rächen.
Sie haben ja von barbarischer Nacht Die Lande und Volker Europas gerettet, lind ihre Väter hat wilde Schlacht Für uns unter Bergen von Leichen gebettet.
O daß sie trieben, wie Sturm die Spreu, Den Städteverwüster von ihren Schwellen — O daß sie brechen die Fessel entzwei, Die edlen Magyaren, die braven Rebellen! —
O — hör' ich rufen mit wüstem Gebrüll — Wo ist, wo bleibt dein Patriotismus?! Ich sags: wer den Sieg der Knechte will, Weil's LandSleut' sind — das ist ein Cretinismus.
Den Patriotismus, ihr lieben Herrn, Den lass' ich für Windischgrätz's Verehrer, Den miss' ich gern und lass' ihn gern Der Spinne Wuttke, dem Polenverzehrer.
Ich würde jubeln, wenn der Prinz
Von Windischgrätz und seine Thebancr Zurückgetrieben würden bis Linz Und hinter die Thürme der Ligorianer,