Abgeordnete eine von dem Bürgermeister und Schnlrath unterzeichnete Petition aus dem Dorfe Löhnberg bei Weilburg und be- vorwortet dieselbe wie folgt: In dem Dorfe Löhnberg sei bisher der Lehrer C. Pulch nugestellt gewesen und habe derselbe in hohem Grade die Liebe seiner Schulkinder sowie die Achtung der Gemeindebürger sich zu erringen gewußt. Die Vorstände der Gemeinde hätten sogar kürzlich um eine Gratifikation von 50 Gulden für diesen Lehrer nachgesncht; dieser Lehrer sei jedoch nun auf einmal der Gemeinde durch eine Versetzung entrissen worden und man sei allgemein in jener Gegend der Anficht, daß die Versetzung des fraglichen Lehrers erfolgt sei, weil er sich bei dem demokratischen Dereme in Löhnberg betheiligt und gestrebt habe, auch zur politischen Bildung seiner Mitbürger beizutragen. Man erblich also die dieser Versetzung eine politische Verfolgung, und indem er diese Angelegenheit der Kammer drin- gend zur Beachtung empfehle, beantrage er, daß so bald als möglich über die fragliche Petition Bericht erstatttet werden möge. Lang: er unterstütze den Antrag des Abg. Snell, die Bericht- erstattnng über die Petition zu beschleunigen. Eö seien überhaupt bereits vielfache Versetzungen vorgekommen, von welchen man behanpie und wie er glaube mit Recht, daß sie politische Verfolgungen seien. Er wolle einzelne Fälle namhaft machen. Ac- ccssisl Oppermann fei von Dietz nach Zelters versetzt und dadurch genöthigt worden, aus dem Staatsdienste zu treten. Accessist Götz und Amtssekretär Krah, welche sich Beide bei dem demokratischen Verein in Eltville betheiligt, seien von da wegdirigirt worden, und Ersterer sei ebenfalls aus dem Staatsdienst getreten; ebenso habe man die beiden Accessisten Naht nnd Thewalt, welche au der politischen Bewegung regen Antheil genommen, den Erster» von Dillenburg nach Hachenburg, und den Letzter» wieder »ach Selters dirigirt. Halte man diese Versetzungen zusammen und bringe sie in Verbindung mit den Aeußerungen einzelner Deputirten, wornach sie Einfluß auf die Vcrjetznngeu ausübeu könnten, und mit dem weitern Ilmstaude, daß Leute befördert würden, nicht weil sie besonders tauglich, sonder» ihres politischen Glaubensbekenntnisses wegen: so, müsse man darüber vollkommen klar werden, nach welchen: Maßstabe die Regierung zu Werk gehe. Er dringe daher auf Beschleunigung des Berichtes über die fragliche Petition. Der Präsident sagt die baldige Berichterstattung zu. (Schluß folgt.)
Deutschland.
E Wiesbaden, 20. April. Der nassauische „Ministerpräsident" Hergenhahn hat, wie allgemein bekannt, sowohl mündlich, als schriftlich, in eigener Person und durch den Mund seiner Creatoren, den Umstand, daß er sich um die Leitung der Ministerialgeschäfte des Herzogthums bisher so wenig bekümmert hat, und größtentheils nicht nur von dem Sitz der Regierung, sondern sogar ans dem Land abwesend gewesen ist, damit zu entschuldigen gesucht, daß ihm die Vertretung der allgemeinen deutschen Angelegenheiten in der Nationalversammlung weit wichtiger scheine und seine Anwesenheit in Frankfurt, namentlich auch im Interesse des Herzogthums, unumgänglich nothwendig sei. Einen Beweis für die Richtigkeit dieser Darstellung und für die unausgesetzte Mitwirkung des Herrn Hergenhahn bei den Beschlüssen in der Paulskirche liefert uns die Zusammenstellung, welche der Parlamentskalender über die Abstimmungen sämmtlicher Mitglieder der Paulskirchc über die während der ersten acht Monate namentlich abgestimmten drei und neu n- zig wichtigsten Fragen gibt. Darnach hat Herr Hergenhahn nur bei ein und dreißig Fragen mitgestimmt, bei sechszehn ist derselbe mit Entschuldigung abwesend gewesen, und bei sechs und vierzig ohne Entschuldign ng (!). Er hat also nur bei nicht einmal einem Drittheil der wichtigsten Fragen seine Wähler und das Herzogthum vertreten und bei den übrigen mehr als zwei Drittheilen nicht; und bei fast der Hälfte der wichtigsten Abstimmungen ist derselbe sogar ohne alle Entschuldigung abwesend gewesen. „Zahlen beweisen" sagt Napoleon. — Wir behalten uns eine Beurtheilung der Abstimmnn- gen des Herrn Hergenhahn vor und führen einstweilen nur an, daß er sich in der Nat.-Versammlung durch Nichts bemerklich gemacht hat, als durch seine Thätigkeit bei der Mainzer Commission und den Antrag auf Verschiebung des Vollzugs des Gesetzes über Aufhebung der Spielbanken, welcher Antrag bekanntlich von der Versammlung mit Lachen ausgenommen wurde.
D» stolzes Nassau! freue Dich!
Sein Hergenhahn, er kämpft für Dich!
Zu krümmen ihm auch nur ein Haar!
Ich geb' ihm das Geleite
Hub seid ihr ganz von Mittleid baar,
So forder' ich euch zum Streite!"
Doch kaum war noch das Wort verhalltt,
Da streckt ein Schuß ihn nieder
Hub noch ein Schuß! daß stumm und kalt
Ter Flüchtling stürzte nieder.
Dann Tvdesstillc ringsumher.--
Hohnlächelnd steh'n die Schächer.
Die Wiitwe stöhnte tief und schwer:
„Auch euch ersteht ein Rächer"--
Und noch mit nachtumhülltem Sinn
Hat sie ein Wort gesprochen,
Stürzt' leblos auf die Todte» hin--
Das Herz war ihr gebrochen.
Die Windsbraut heult am Bodensee,
Peitscht wild die grünen Wellen Indeß im Busche Ach! und Weh!
Und Todesschreie gellen.
Q Kirberg, 18. April. (Die Wagenliteratur des Volksb oten Zollmann.) Das ver- [ meintliche Attentat der Kirberger Jugend gegen ben Volksboten Bollmann hat diesem Quasi-Märtyrer einen so großen Schrecken eingestößt, daß er nicht mehr in dem unheilvollen Eilwagen, sondern in einem Privatwagen die Reise von und nach Wiesbaden macht, und niemals aussteigt. Wir müssen dies im höchsten Grade bedauern; denn für's erste kommt den hiesigen Gastwirthen von den wohlverdienten Diäten des Volks- boten nichts zu gut mit für's zweite ist den Kirber- gern der Genuß entzogen, den die Mittheilung der J Kammerverhandlungen und interessanter politischer ! Nachrichten von Seiten ihres^ Volksboten ihnen ge- ' währte.
Indessen kann es der Volksbote bei seiner „politi- ' tischen Gesinnungstüchtigkeit" nicht unterlassen, aus dem Wagen heraus auf seine Kirberger Urwähler und Wahlmänner einzuwirken, zwar nicht durch seinen „volksvertreterlichen Mund", sondern durch politische j Traktatlein. Schon bei Gelegenheit der Kammervcr- Handlungen über das Zehntgesetz warf der Mehrerwähn tc solche Schriftchen aus dem Wagen, welche die Zehntfrage im Lichte des Regierungsentwurfs beleuch- i teten, und welche seine nnd seiner Gesinnungsgenossen j Rechtfertigungsgründe wegen ihrer Ansichten in Be- t treff dieser Frage dem Volke gegenüber enthielten. Neuerdings nun hat der Volksbote diesen „volksthüm- lichen" Akt wiederholt, indem er oberhalb des Fleckens ein Broschürchen mit dem Titel: „Was bedeutet eigentlich Demokratie und wer ist ein Demokrat?" (Besonderer Abdruck, aus den Beiblättern, der „Nass. Allg. Ztg.") herauswarf. Es dürfte den Lesern der „Freien Zeitung", welche die „Nass. Allgem." nicht lesen, erwünscht sein, den Inhalt kurz zu erfahren. Dieses Schriftchen ist gerichtet an die „lieben Landsleute" und stellt diesen einen Vergleich dar zwischen der deutschen und amerikanischen Demokratie. Sein Hauptinhalt läuft auf folgende fünf Punkte hinaus: In der deutschen wie amerikanischen Demokratie thut's 1) das Faulenzen nicht, muß 2) der Regierung gehorcht werden, ist 3) die Volksvertretung eine Hauptsache, müssen 4) die Abgaben entrichtet werden und haben 5) die Amerikaner an Rechten kein Titelchen mehr, als wir jetzt haben und festhalten wollen. „Mithin", ist der Schlußsatz dieses Schriftchens, haben wir alles Hauptsächliche, was auch die nordamerikanische Demokratie besitzt."
Daß in diesem Broschürchen weidlich über die deutschen und namentlich nassauischen Demokraten losgezogen wird, braucht wohl nicht bemerkt zu werden von einem Machwerk, das die Presse der „Nass. Allg." zu Tage förderte. Uns belehrt aber dasselbe zur Genüge, was eine gewisse Partei unserer Kammer, die so mit dem Regierungsorgan sympathisirt, eigentlich will, wie weit sich das Maß der Freiheiten und Rechte des Volkes erstrecken soll und wie die dentschen „constitutionellen" Regierungen dieses Maß gewähren wollen. Man sieht es gleich dem Werkchen an, daß seine Absicht ist, die „lieben Landsleute" mit einem blauen Dunste zu benebeln und ihnen die Demokratie verhaßt zu machen. Doch der müßte alles Verstandes baar und ledig sein, der erwarten und glauben könnte, daß solches gelingen wird. — Es hat uns Freude gemacht, den großen Wirkungskreis des Volksboten genauer kennen zu lernen und die Verdienste unseres Vertreters dem nassauischen Volke mittheilen zu können. Nur schade, daß seine constitutionellen Samenkörner auf unfruchtbaren Boden gefallen sind!
Schließlich dem Volksboten dies zum Troste. Die Kirberger sind keineswegs der Absicht, die Ruhe seiner Person gefährden zu wollen; er verkrieche sich nicht mehr in die Wagenecke, sondern trete frei wie ein deutscher Mann hervor. Sie bedauern mit den andern Wählern, daß sie durch einen Mißgriff die Person des Volksboten zu ihrem Deputirten wählten.
In einem sehr gut geschriebenen Artikel der „Trier'schen Zeitung", welcher die neuesten Schritte dre Kabinete Preußen's und Oesterreich's in der deutschen Verfassungsfrage bespricht, heißt es unter Anderm:
Denket nicht, cs sei Unfrieden im feindlichen Lager, es herrsche Zwiespalt zwischen Preußen und Oesterreich, zwischen Preußen und Bayern, zwischen Preußen und Hannover! Dieser scheinbare Zwiespalt ist gerade der Hebel der Contrerevolution, ist grade die Gehmaschine des wiedergebornen Metternich'schen Systems. Diese Theaterszenen, diese abgekarteten Erklärungen und Proteste bilden grade die Entwicklung des reaktionären Feldzugs; die Verschiedenheit dieser einzelnen Noten ist nichts weiter als die zweckmäßige Austheilung der Rollen zu dem bewußten Gesammteyekte. Im Februar d. I. waren Oesterreich und Preußen auch nicht einig über die deutsche Frage: Preußen erntete dabei den Ruhm halbdeutscher Gesinnung, Oesterreich das Lob der Entschiedenheit und Unumwundenheit, — aber bereits am 10. März erklärte die Note des Grafen Arnim, Preußen sehe die Sache ganz an wie Oesterreich. Zur Rede darüber gestellt, einer unwürdigen Politik bezüchtigt, rettete sich der auswärtige Minister vor der zweiten preußischen Kammer durch eine Nichtigkeitserklärung seiner eigenen Note, verhüllte die preußische Regierung ihre grenzenlose Schmach in dem glänzendsten Armuthszeugniß. — Unterdeß kam die Kaiserwahl, Preußen nahm nicht an, nicht einmal bedingungsweise an, Preußen spielte die Kaiserfrage
auf das Gebiet des Bundestages, und ließ der schaf- [ senden Nationalversammlung das zweideutige Recht der Zustimmung zur preußischen Reichsstatthalter- schaft, das weniger zweideutige Recht des Zusehens zur Vereinbarung, d. h. zur Oktroyirung. Nun kommt das entschiedene, unumwundene Oesterreich, beseitigt die Nationalversammlung ganz und gar, sowohl im Punkte der Reichsverweserschaft als der definitiven Neichsverfassung, gibt dadurch dem bayerischen und hannöver'schen Partikularismus festen Fuß, und und überläßt es Preußen, zu erklären, daß seine Meinung im Grunde dieselbe gewesen sei. I Die neue Auflage der Note vom 10. März wird nicht । auf sich warten lassen — und die Beseitigung der I preußischen Kammern eben so wenig.
Das Ministerium Manteuffel kann nicht einmal mit der ersten Kammer die deutsche Reaktion zn Ende bringen, geschweige denn mit der zweiten. Aber es hat erklärt, mit Gottes Hilfe habe es bisher die | Anarchie besiegt, es werde weiter zu regieren versuchen. Die preußischen Kammern sind ihm , bei dieser Regierung im Wege, sie werden vertagt, wo nicht aufgelöst, und der „Gott" der „Neuen I Preuß. Ztg." tritt an ihre Stelle. Mit diesem selbst- | fabrizirten „Gotte" ist allerdings leichter regieren als , mit einer Kammer, die aus Urwahlen ' hervorgegangen ist.
Hat man die deutsche Bundesverfassung in Abwesenheit der Volksvertretung oktroyirt, so ist nichts einfacher, als daß die deutschen Einzelverfaffungen laut Verfassung vom 5. Dezember „mit der für Deutschland festzustellenden Verfaß ung in Einklang gebracht" werden müssen. Ist nun in der oktroyirten Gesammtverfassung ein Census, so versteht sich von selbst, daß — dieser Census in den Wahlgesetzen^der einzelnen Länder nicht oktroyirt — sondern nur ein geführt zu werden braucht. Denn das Reichs- gesetz ist maßgebend.
Das ist das Ende, das ist das Ziel. Zwischen hier und dort liegen die Leichen, fließt Blut. Zwischen hier und dort herrscht der Schrecken, der Belagerungszustand, die Militärgewalt, die Schändung der Justiz, Weinen und Wehklagen, Heulen und Zähneknirschen.
Frankfurt, 19. April. Unter dem Motto: Audiatur et altera pars, geht uns von einem tapfren, greisen Polen, der von den Zeiten Kosciuszko's an für sein Vaterland kämpfte und blutete, folgender Artikel zu, der wohl geeignet ist, die albernen oder böswilligen Deklamationen ruhewüthiger Philister gegen den revolutionären Geist der Polen in ihr wahres Licht zu stellen:
„Die „Kölner Ztg." vom 21. März (Nr. 68) enthält einen Artikel über die „Statistik der polnischen Legion," in welchem folgende Bemerkung auffallend ist: „Es ist nicht uninteressant, bei einem Blicke über den bewegten Schauplatz, den Europa jetzt bietet, zu sehen, welchen Antheil an diesen Bewegungen das Volk hat, welches man füglich das Volk der Unruhen nennen könnte. Wir meinen die Polen." Weiter wird behauptet, daß die Hälfte der alten Emigration, über den ganzen revolutionirten Erdtheil ergossen, hier und da wirke für eine Sache, die dem polnischen Interesse ganz fremd sei.
„Wie ein Richter mit Recht verächtlich wird, der sein Urtheil fällt ohne beide Parteien gehört zu haben, so gehören auch diejenigen zu den verächtlichsten Menschen, welche, ohne der Vernunft Gehör zu geben, über ganze Nationen ein hartherziges Verdammungsurtheil fällen. Nur an edle, gerechte, aufgeklärte Menschen richte ich ein Wort zur Rechtfertigung meiner Landsleute. — Man hat uns ohne unsere Schuld durch List und unwürdige Ränke unseres Vaterlandes beraubt; wohlan denn, wir berauben dagegen alle Stifter dieses Verbrechens und ihre Helfershelfer der R u h e. Die polnische Emigration ist der Geist des erschlagenen polnischen Volkes, der die Welt durchzieht, um alle Völker, die ihre Ketten schütteln und zerreißen, mit dem heiligen Hasse gegen die Räuber unseres Vaterlandes, gegen die schändliche Verletzung alles Menschen- und Völkerrechtes zu erfüllen. Wenn diejenigen, die uns unseres Vaterlandes beraubt haben, zur Ruhe gelangen wollen, wohl, so mögen sie uns unser geraut» tes Vaterland zurück geben. "
„Ein Straßenräuber hat kein Recht sich zu beklagen, wenn er von denen, die er tpreé Eigenthums beraubt hat, beunruhigt wird. Ebenso haben die Polen recht, wenn sie Alles aufbieten, ihr Vaterland wieder zu erlangen, und nur wenn sie dies nicht thäten, würden sie verächtlich sein.
„Eine einfache Frage möchte ich an alle edlen Deutschen richten. Ziemet es sich für die Söhne der Männer, die in den Jahren 1813 —1815 Alles anfboten für die Freiheit und Unabhängigkeit ihres Vaterlandes, die Polen wegen ihrer Bestrebungen zur Herstellung ihrer Nationalität zu verdammen? Kann man nicht Alles, was man jetzt den Polen als ein Verbrechen vorwirft, auch den Männern jenes Tugendbundes, einem Scharnhorst, einem Stein vorwerfen? Kann dieselbe That zugleich eine unsterbliche Tugend und ein Verbrechen sein? — Will man die Polen verdammen, dann gebührt anch einem Herzoge von Braunschweig, einem Schill und Anderen, wie auch den Hunderten von Offizieren, die bei allen den Mächten Dienste nahmen, welche den Krieg gegen den Bedrücker ihres Vaterlandes führten, das Prädikat Avanturiers, Con- dotieri, mit welchem die „Kölner Ztg." die Polen zu