„Freiheit und Recht!"
M 94. Wiesbaden. Samstag, 21. April 184».
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jj. Beleuchtung der beiden Entwürfe des Attsschusses untrer Negierung für die
Zentral - Organisation.
I.
Es ist ein unverkennbares Zeichen der Neuzeit, daß sie das Leben der Menschen in seinen kleinen und größeren Kreisen als ein organisches Ganze aufzu- fassen strebt, in dessen Getriebe der bloße äußere Zweckbegriff nicht mehr ausreicht.
Während im Mittelalter der Staat nichts anders als ein durch Geburt und Gewöhnung bedingtes Neben- einandersein der Menschen zeigt, so strebt die Neuzeit jene Vorurtheile und Gewöhnungen zu zerbrechen und mit dem Prinzipe der Gleichheit das todte Conglome- rat zu einem großen lebensfrischen Organismus zu gestalten. In diesem ist alles Mittel und Zweck zugleich, jede vernünftige Lebensthätigkeit ist durch sich berechtigt und steht nicht mehr einzeln oder für einen kleinen Kreis wirkend da, sondern ist nothwendig zum Lebensprozeß des Ganzen. Selbst die geringsten Leistungen sind nothwendige Lebenszeichen des gesammten Organismus.
So faßt die Neuzeit das Leben der Familie, der Gemeinde und des Staates, und strebt überall die mechanischen Zusammensetzungen derselben, wie sie dieselbe findet, organisch zu gliedern, damit sie sich lebensfrisch durchdringen. Die Schule, die Kirche, die Wissenschaft, das Recht und das soziale Leben, jeder Zweig sucht sich organisch zu ordnen, zu beleben, und zum Staatsganzen in fortschreitendem Lebensprozesse zu umschlingen. Dem oberflächlichsten Beobachter kann diese tief ausgeprägte Richtung der Zeit nicht entgehen; jeder muß bekennen, sie streben nach organischer Einheit.
Dieses Streben machte bewußt und unbewußt den Kern der deutschen Revolution aus. Aus den Con- glomerat der einzelnen Staaten soll die organische Einheit eines Gesammtstaates gebildet werden. Diese Einheit soll aber nicht in der absoluten Spitze nur äußerlich vertreten sein, sondern durch das einheitliche Wirken des gesammten Lebens und Strebens der verschiedenen Stämme erzeugt werden.
Schon langst hat dieses Streben in dem Verlangen nach gleicher Gesetzgebung, gleicher Münze, gleichem Maaße und Gewichte rc. sich vereinzelt ausgesprochen.
— Nach demselben Ziele einer organischen Nengestaltung strebt man in den einzelnen Staaten. Die eisige Decke der Büreaukratie soll zerschlagen und eine auf der organischen Grundlage der Selbstverwaltung basirte Verwaltungsorganisation geschaffen werden. Der preußische Oberpräsidcnt L. F. von Vinke sagt, er habe die Ueberzeugung, daß die Freiheit ungleich mehr auf die Verwaltung, als auf der Verfassung beruhe. Die Verwaltung bildet das Nervensystem, welches alle Glieder des Staatsorganismus durchdringt und beherrscht, das ganze Leben thatkräftig und frisch erhal
ten oder auch zu einem Scheinleben herabwürdigen kann.
Faßt in ganz Deutschland sehen wir in diesem umfassenden Zweige des Staatslebens den alten Adam ausziehen, neue Gemeindeordnungen, Lokalverwaltungsorganisationen auf dem lebensfrischen Boden der Selbstverwaltung im Gegensatz zur Büreaukratie entstehen. Die Büreaukratie, so sehr sie von volksfeindlichen, eigennützigen, jeder freier Bewegung gramen Menschen noch gehalten werden möchte, hat sich überlebt, sargen wir sie ruhig ein und freuen uns, daß die Geschichte auch diesen bittern Kelch glücklich geleert hat.
Der preußische Minister von Stein würdigt die Büreaukratie in seinem politischen Testamente auf eine so ausgezeichnete Weise, daß wir nicht umhin können, sie wörtlich folgen zu lassen.
„Wir werden von besoldeten und mit Büchern gemästeten Büreaubeamten administrirt, welche weder Interesse noch Eigenthum besitzen. Es geht so lange wie es geht. Zn diesen 4 Worten: besoldet, mit Bücher gemästet, ohne Interesse und ohne Eigenthum ist der ganze Inhalt unserer und ähnlicher seelenloser Regierungsmaschinen enthalten. Besoldet und daher auch bestrebt, die bezahlten Stellen und die Bezahlung zn erhalten und zu vermehren; mit Büchern gemästet und daher in dem engen Kreise der Buchstaben, in der Welt der Schematen, nicht in der Wirklichkeit lebend; ohne Interesse und daher ohne alle Berührum mit anderen Klassen der Bürger, welche das Volk aismachen un^ eine besondere Kaste darin bildend, die Kaste der Schreiber; ohne Eigenthum und daher für jede Bewegung, jede Veränderung gleichgültig. Ob die Sonne scheint, ob es irgendwo regnet, ob sich die öffentlichen Lasten mehren oder ob darin irgend eine Erleichterung eintritt, ob man jemand in dem Genusse erworbener Dichte beschränkt oder nicht — alles dieses kümmert sie nicht. — Der Zweck ihres Lebens ist die regel- mäßige Erhebung ihres Gehaltes aus der Easse und dafür — schreiben sie fortwährend! in ihren mit Gitterwerk versehenen Bureau's, unbekannt, unbemerkt, nicht begierig nach dem Beifall der Welt, — und die Kinder , welche, sie erzeugen, erzeugen und erziehen sie zu nichts anderem, als zu ähnlichen Regierungsschreibmaschinen !"
Der Beamtenstand wird solange dem Volke gegenüber ein Kaste bilden, wird so lange dem Volke feindlich gegenübertreten, und ohne das geringste Vertrauen desselben arbeiten, als das büreaukratische System herrscht, als dieses System dem Beamtenstande verbietet, sich auf das Volk zu stützen und so ein wahres Zusammenleben mit demselben unmöglich macht.
Woher kam in Nassau zur Zeit der Märzbewegung das allgemeine Mißtrauen des Volkes gegen den Be- amtenstand und gegen alle die, welche auf irgend eine Weise mit demselben verwachsen waren? Das büreaukratische System war es, was den Beamtenstand sich
vom Volk zu entfernen, Kasteninteressen zu verfolgen, und durch geheimes Verfahren sich der Controls des Volkes zu entziehen veranlaßte. Bestimmungen, wie die kurz vor dem März noch einmal neu eingeschärfte Staatsdiener-Uniformen-Verordnung, die Verordnung über das Benehmen der Beamten in Gasthäusern den Bürgern gegenüber, sind die schönen Ausflüße der büreaukratischen Absonderung.
Durch die Organisation von 1815, welche Nassau zum Musterstaat erheben sollte, wurde das büreaukratische Zentralisationssystem eingeführt. Dieses System führte uns am Ende dahin, daß die besten Gesetze, ja sogar die Verfassung durch höchste und höhere Befehle, durch Instruktionen und Verordnungen, willkürliche Auslegungen und Beschränkungen erhielten, ja daß fast nur durch General-Rescripte verwaltet und die Gesetze nach Gutdünken dadurch aufgehoben wurden. Bis in die Gemeinde und in die Familie drang die Willkür und büreaukratische Tyrannei, wovon die Art, wie die Gemeinde Wiesbaden zum Bauen des Theaters genöthigt und einzelne Familien verfolgt oder begünstigt wurden, schöne Beweise liefern.
Mit Freude wurde daher von ganz Nassau das neue Gemeindegesctz und die Lokalverwaltungsorganisation begrüßt, welche den Beweis liefern, daß inan der Zeit Rechnung getragen, das büreaukratische Be- vormuudungssystem verlassen und zu dem der Selbstverwaltung übergegangen war.
Nach demselben Grundsätze muß nun auch die Spitze der Verwaltung, die Centralverwaltung, organisirt werden, damit die Gesammtverwaltung ein organisches Ganze darstellt. (Forts, folgt.)
Ueber die Waffettthat der deutschen Reichs- trttppeu bei Erstürmttng^der Düppeler
Schanzen
enthält ein in Altona am 14. April angeschlagenes Plakat folgendes Nähere: „Das Kirchdorf Düppel, auf Sundewitt gelegen, dehnt sich bekanntlich hart an der Landstraße entlang, welche von Gravenstein aus hinunter nach der alsener Fähre führt, durch welche die Verbindung der Halbinsel Sudew tt mit der Insel Alsen erhalten wird. Die Fähre aber ist seitdem die Dänen Alsen besetzt halten, schon längst außer Thätigkeit gesetzt, und dafür eine Schiffbrücke über den alsener Sund gelegt, welche bei ihrer Ausmündung auf den Sundewitt mit einem starken, reichlich mit Geschütz besetzten Brückenkopf versehen wurde. Um jedoch diesen Brückenkopf zu decken und die einzige nach dem alsener Sunde führende Landstraße zu versperren, wurden bei dem Kirchdorfe Düppel schon im vorigen Jahr bedeutende Schanzen, im weiten Umkreise, mitKanonen schweren Kalibers armirt, aufgeführt, und jetzt wieder, gleiü nach Aufkündigung des Waffenstillstandes, von dänischer Artillerie besetzt."
Wie und in welch Manier der fromme König Friedericns Wilhetmus der viert in der billigen Statt van Cöllen emp- pfangen nnd zum Keyser gekrönet werden müßt:
^(Fortsetzung und Schluß.)
r Dabei ist auch bemerkt worden Herr Manteuffel, so fid) berühmt gemacht, durch seinen Namen, als nicht im Kalender steht; Brandenburg, von dem die Geschichte den Schnurrenbart bewahren wird durch alle Jahrhundert, und BvdelschwingS so seiner Zeit eine gewaltsame Verwirrniß in deß Marggrawen Finanzen angcricht und am 18 Martii anno urplötzlich und wundersamb aus dcrv Staatskanzlei entschwunden. Seynd auch irsebieucu einige abgebanckt Ministern, kümmerlich cinherwandelnd, wie pensionirte Pudel nach einem allgemeinen Land-Regen, oder gleich Kvmcdy-Spielern so von den groben Bauern durchgeprügclt zu einer Kirchweih. Tief-trauwrige Gesicht schneidend wie Genies so die Welt verkennt, seynd sie teil andern gefolgt und haben büße Buben sich fast sehr lustig über sie gemacht. Einige des heiligen römischen Reichs berittene Landsknecht haben den Schluß dieser Kolonn gebildet, deren ctliebcs Pferds Decken von feinem gewirktem Golt, ringsumbher mit güldinen Schcl- gern, trugen übrrgüldte Lanyen und inmitten seynd ge
ritten 12 mit Trompetten und Hörpaucken, so unauff- hörlich geblasen und gespielt.
Hiernach wurden gesehen etliche Gutschen voller Geistund Weltlichen Königlichen Mayst. Bewandten glanzend von Golt und Silber. Nach folgten hierauff 12 £rom« metter, und nach denen drey Reutter mit deß Reichs Adler gezieret, welche unter das arme Polck ohne .Un- derlaß papireu Gelt geworffen, damit die nach ihnen folgende Clerisey raum hatte durchzugehen. Dann hierauff seynd kommen Se. Erzbischöffliche Gn. Johannes von Geissel, nicht zu verwechseln mit Etzel, so sich dünkelhaft die Geissel Gottes genannt, auch Leo und Reanver, so ' nicht zu verwechseln mit Hero und Leander, sodann Heng- stenbcrgius ter Sohn Habakuck des Propheten, benebst Eichhorn ter Reichslitanei Auetor mit Bunsen dem Ritter, von dem da geschrieben steht, daß er einziehen werde in Cölln auf einem einäugig, zottig Gaul aus Engelland so in seines Landes Sprach beißet Welsch-Pony. Sankt Ladenberg, des Hci. röm. Reichs leibhaftiger Kultuö-Mi- 1 nistcr trägt aber das Haupt des H. Caroli Magni und etliche andre Reliquien.' Nach ihnen kommen 200 Hazt- schiers und Herolde.
Diesen aber vorbeigegangenen erhebt sich ein schrecklich Gedrâng, Tosen, und Jauchzen unter dem gemeinen ! Bolck und erscheint auf einen triumphirlichen Wagen, gezogen von 12 teutschen Jungfrauwen, das alt Kind, der Mutter Arndt, im teutschen Rock, mit offener Brnst,
umklappten Vattermördern, und die weissen Haar be- : kräntzet mit Eichenlaub. Singend das schöne Lied: „Was I ist des teutschen Batterland?" und schlagend mit billiger
1 Hand die Harffeu. Ihm aber folgen der Churfürst, ; Äntiquarius libraris Bassermann, Unterstaats-Sekreta- I rins; der Churfürst und Crcvelder Wechsler von Becke- I rath, des heil. röm- Scckelmeister; Churfürst Mohl, des heil. röm. Reichs Justiz Minister; so sich fürnemblich im Ampt ausgezeichnet, in des und der Thaten des berühmten Ritters Schnapphahnski Anctor gerichtlicher Ber- ffvlgnug; endlich nueterumb zween untergeordnet Staats- sckretarii, als da seynd Mathy und Mevissen. Dann aber passiren die führnembsten der andern Churfürsten, der Essigschwamb Dahlmann, der geringe Lütcratus Biedermann, der unfundirt Beseler, der arm Reimschmidt Jordan, und des heil. röm. Reichs Gesantter gen Oesterreich, Welker, so noch von dem Fußtritt hincket, als er in des Heil. röm. Reichs wichtiger Angelegenheit und Obligen, empfahn zu Olmütz. benebst von Soiron: Auriga cere- visialis
Darauff seynd aber gefolgt, mehrere Churfürsten, so sich letzter Zeit aus ihrer Herzens Berderbnuß zum bessern bekehret, nemblich die Gebrüder Simoni von Breslau, des Reichs Kanarienvöglein Rösler Schulmeister vc« Oels mit der unglücklich Temme, so im Zuchthaus zu einem weichen Menschen ward, da die Engel im Himmel davor gelobet seynd. Unterschiedliche Chui fürst, n teutscher Station seynd diesem gefolgt bis daß der Under