„Freiheit und Recht!"
Jfâ 83 Wiesbaden. Freitag, 20. April , MLN.
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Unsere nächste Zukunft.
Endlich stehen wir am Anfang des Endes — nämlich der Reaktion. Sie spielt eben ihren letzten Trumpf auf gegen Frankfurt, gegen die deutsche Einheit, gegen die Bildung eines deutschen Vaterlandes, von dem wir seit 1815 gesungen haben, daß wir nicht wissen, wo es eristirt. Es muß sich in den nächsten Wochen zeigen, ob die Reaktion die Kraft besitzt, Restrauration zu werden, oder ob sie scheitert bei ihrer letzten Anstrengung, ob die Bewegung umschlägt in eine neue Revolution.
Seit der Antwort des Königs von Preußen an die Frankfurter Deputation ist es sonnenklar, was die contrerevolutionäre Partei in der deutschen Frage will; dadurch, daß man selbst Hrn. v. Vinke dupirt, daß man einen Saucken-Traputschen zu der Erklärung bringt, in Preußen hindere ein Volks- und freiheitsfeindliches Ministerium das Wirken der Volksvertreter, dadurch endlich, daß die Nymphe Egeria des Absolutismus, Herr von Bodelschwingh, mit klassischer Unverschämtheit dem 18. März ins Angesicht schlägt, — ist es bewiesen, daß die vormärzlichen Zustände in feder- Weise zurückgeführt werden sollen. In den Einzel- staaten, auf dem Gebiete der particularen Freiheit, wäre es unthunlich, diesen großen Schlag auszuführen; hier ist man schon so weit rückwärts gegangen als nur irgend möglich. Aber die deutsche Frage, die Frage nach der Einheit, die entweder die Mutter oder das Grab der Freiheit werden kann, die deutsche Frage ist der Ort, wo alle Hebelkräfte des Absolutismus und der heiligen Allianz angewandt werden müssen.
Die Gelegenheit ist günstig. In Frankreich herrscht die crasseste Reaktion, das System wurmstichigen Doc- trinarismus; der letzte Repräsentant der ehrlichen und ernstlichen Republik, Proudhon, ist von der Bourgeoisie verurtheilt, und somit für den Augenblick unschädlich gemacht worden. In Oberitalien hat mit Hülfe des Verraths Radetzky die letzte schlagfertige Armee alten Styles vernichtet, Sardinien für die Contrecevolution erobert. Der ungarische Krieg wird sich wohl noch eine Zeitlang Hinschleppen, und sollten die „Rebellen" wirklich Fortschritte machen, so bedürfte es vor entschiedener und massenhafter Intervention Rußlands hauptsächlich der „wiederhergestellten Ordnung" in Deutschland, des Einverständnisses aller Regierungen, damit nicht jenes tragische Schauspiel an der Donau „folgenschwere Aufregung" Hervorrufe. Der dänische Krieg endlich, der mit einem deutschen Siege wieder eröffnet worden ist, wird grade dadurch zur Marionette in den Händen der Regierungen, die ihn tanzen lassen werden, wie's ihnen beliebt. Haben sie doch durch die Eroberung zweier Schiffe, durch das Vorrücken nach Jütland entschiedene Vertrauensvoten in Händen, — ist doch dieser so volkstümliche, ja revo-
lutionäre Krieg jetzt zum reinen Schauspiel der Diplomaten gemacht.
Wozu also noch zaudern mit dem Begräbniß der demokratischen Einheit Deutschlands, wozu den Frankfurter Traum noch einen Augenblick länger bestehen lassen? Wecken wir die Schläfer auf! — Der König von Preußen nimmt in allernächster Kürze auf den Antrag der Regierringen die provisorische Reichs- gewalt in die Hand. Dadurch ist „Mein Heer" — „Reichsheer" geworden, und kann „in schweren Prüfungen seine Treue bewähren." Die Nationalversammlung, die Volkssouveränität sind — bei Seite geschoben. Hierauf revidirt der Diplomaten- und Fürften- congreß zu Frankfurt aufs Schleunigste die Verfassung, oder vielmehr er legt die bereits fertige Verfassung, ohne allgemeines und directes Stimmrecht, ohne suspensives Veto, der Nationalversammlung zur Vereinbarung, d. h. zum Annehmen oder Ablehnen, vor. Die Nationalversammlung lehnt ab, weil sie ihr Werk nicht verstümmeln lassen will, beharrt auf ihrer Verfassung, dem Kinde ihrer Kaiserlaune. Der Diplomaten und Fürstencongreß, der Fortsetzer des Bundestages, erklärt die Nationalversammlung für aufgelöst. Diese antwortet mit der Permanenz, sie fängt „zu spät" damit wieder an, womit das Vorparlament endete. Die Bundesfestung Mainz ist in der Nähe, östreichische und preußische Truppen vollziehen den Bundesbeschluß, grade wie der Beschluß der Camarilla im November in Preußen vollzogen wurde, ohne daß das deutsche Parlament sich gerührt hätte. Znm Schluß wird unter bengalischem Feuer eine Verfassung oktroyirt, welche die demokratische Einheit Deutschlands unter Belagerung feyt. Dninl »st ver A^"«r>I>ck get^mmr.1 wo es sich fragt: Soll der „passive Widerstand fortgesetzt" werden? Wird ganz Deutschland, auch Mittel- und Südveutschlaud dulden, was Preußen unter partiellen Convulsionen über sich ergehen ließ? (Tr. Z.)
Der II Correspondent in No. 85 dieser Blätter eifert gewaltig gegen unsere Arzneitare. Die alte und die neue sind ihm nicht niedrig genug, und er bemüht sich, dem Publikum an Beispielen die Wichtigkeit seiner Behauptungen nachzuweisen.
. Ich habe schon früher einmal gezeigt, wohin solche Berechnungen führen. Ohne mich daher neuerdings hierauf und auf die dabei mit untergelaufenen Irrthümer einzulassen, will ich nur im Sinne jenes Jherrn zu erwägen geben, ob es erlaubt ist, daß die Rezepte der Aerzte und die Ausfertigungen der Land- oberschnltheißen und Advokaten zu so enorm hohen Preisen verkauft werden, daß 1 Buch Papier, was bei jedem Kaufmann nur 6 bis 8 Kreuzer kostet, in einzelnen Blättchen oder Bogen mit ein wenig
Tinte überfahren, zu 20 bis 100 und mehr Gulden verkauft wird.
Wenn der Herr II Correspondent Vergleiche mit den Kaufleuten anstellen wollte, so mußte er den Apotheker erst zum Kaufmann machen, ausgerüstet mit dein Recht jener vollen nach allen Seiten unbeschränkten Geschäftsbewegung, wie sie der Kaufmann als sein Lebcnselement in Anspruch nimmt; in diesem Falle hätte ich vielleicht nichts zu erinnern gehabt.
Hätte übrigens jener Tadler sich als wahrer Freund des Gemeinwohls und „gründlicher Prüfer" gezeigt, so würde er zunächst untersucht haben:
1) ob das deutsche Apothekerwesen überhaupt auf seinen bisherigen Grundlagen ferner aufrecht zu erhalte sei; und im bejahenden Falle
2) welche Veränderungen etwa im Geiste der Zeit und zur Förderung der Sache selbst vorzunehmen wären.
Hier, wie bei No. 1, würde ihn das Beste des Volkes als oberste Richtschnur geleitet haben. Er hätte etwa so geschlossen:
„Vorsorge des Staats zur Gesundheitspflege ist aus Humanitäts- wie aus materiellen Rücksichten (weil nur der Gesunde arbeiten kann) dringend geboten. Dazu sind wohl eingerichtete, gut unterhaltene und gewissenhaft geführte Apotheken nothwendig. Solche Apotheken dürfen nur von Männern verwaltet werden, welche eine Universität besticht und die Staatsprüfung bestanden haben, und müssen eine große Anzahl von Arzneimitteln vorräthig halten, um in allen, auch den seltensten Krankheiten Hülfe zu gewähren. Da aber diese ganze Einrichtung sehr kostspielig ist, und da sehr viele Arzneimittel leicht ververven, so muß dieser zum Besten des Volks regelmäßig stattsindende Verlust aus her Staatskasse bezahlt oder es dürfen nur so viele Apotheken geduldet werden, daß ein recht lebhafter Umsatz diesen Verlust theils verhütet, theils weniger fühlbar macht. Eine feste Tare (denn willkürliche Preise, wie sie der Kaufmann sich macht, sind unzulässig), eine feste Tare der Gebühren und Arzneimittel hängt hiermit eng zusammen, und Die außerordentlich schwierige Ermittelung der Ansätze dieser Tare, welche keinen Waarenhandel regeln, sondern einen Gesammt- ertrag jeder Apotheke erzielen will, durch welchen ter Apotheker die Möglichkeit erhält, den Anforderungen des Publikums Genüge zu leisten, diese Ermittelung kann nur von den der Sache Kundigsten vorgenommen werden."
Da nun bekanntlich, wenigstens jetzt, die Angelegenheiten der Juristen nicht von Theologen und die der Bergleute nicht durch Botaniker geregelt werden, so wollen wir die ganze Untersuchung ter Frage 2 an praktische Apotheker übertragen."
„Was dann die Tare betrifft, so scheincn^uns freilich einige Ansätze hoch. Weil aber die Regierung bekanntlich für die Apotheker nicht eine besondere Vorliebe hegt, und weil /s ferner bekannt ist, daß die
Q3 Kaiserlied
Erster und einziger Vers.
Es geht mit des Kaisers Erblichkeit, Wie mit Adam's und Eva's Unsterblichkeit. Der Herr gab ihnen Unsterblichkeit Und dennoch starben sie alle beid'.
Schluß.
Wie und in welch Manier der fromme König Friedericns WilhelmuS der viert in der Hilligen Statt van Cöllen emp- pfangen und zum Keyser gekrönet werden müßt:
„Also steht aber geschrieben in der Cronica van Ler billigen Statt van Coellen:" in dem selven Jair 1479 des cyrsten Tages nae sent Albains Lach, dat is ob sent Albinus Lach Der zu sent Phantalcon ress binnen Coellen, quam den Rijn aff zo schiff konynck Maxmilianus zo Coellen mit synre huysfrauwen Les Herzogen Doichter van Meylan ind mit anderen fürsten ind Heren. Ind waren sere cirlicheu intfangen van den 4 orten mit cruy-
zen ind vanen. Jud quam an ter Dranckgasten ant Lat lant. Ind wäre sere cirlicheu intfangen van teil Bür- germeysteren ind Lem Naede ter Stat Coellen. Jud Van waren bereit zwey gehymmclz, inb unter dem cyrsten ginck Le koninck in Len lcytcn tu Rnjchoff van Coellen ind eyn van Mentz. Jnv dat gehemlz Lrocgcn Lie zwene Bnrgcmcister von Coellen mit eylichcu van Raede. Jnv vur Lem gehymmclz vae der konynck unter ginck, ginck eyn greis schare van Grenen Rittern int unteren Ede- lingen. Ind vur den Pipffcn int mancherley spiell. Dcssgelijchèn" gingen euch vur nae fürstlicher wijss Lye trompelter. Hart nae Lem konynge volgende Lie konyngynne unteren yrem gehymmelz, int ,tcr der volgcnven nae vill koestligcr jonfrauwen. Iod gingen al>o zo samen die Dranckgaff ob Lurch sent Marien gredcn kyrchen in teil Dvym. Ind Lae sanck men Te Deum lauda- mus. Jnv van Van gingen Sy zo voiss euer ter Dom- hvff int vur der Hogen (mitten hyn int vur teil Myure broderen hyn bis in syn Herberge by sent Cololumbcn. Item quamen mit der konygyune in Coellen vill tyc ter Stat vcrwijst waren.
Item op teil andren Dach, as de konynck komen was, to schenckde Lie Stat van Coellen tem konyncke 7 wagen Haueren. Item 7 wagen wijns. Item 7 wagen Offen, tair zo wirkliche Bisch ind anders. Ind der konynck mit teil fürsten laegen zo Collen 6 Dage. Ind alle Dage wart der wijn gcschcnckt mit den sannen, tem konünck und den fürsten ouch c/id^en Grenen Lev
konyncks int ander furfhn. ,Jtem als men op brechen foulte, nemelich op unser liever vrauwen Dach Bisita- tionis, dac schickte ter Rait van Coellen den Vurger- mcister ind andere zo dem konynge int schenckven cme 2 Lftlucrcn sannen gantz oucrgulde yecklich haltende 2 quart ino 1 qyut. Ind in den sannen eyn summe van gülden. Ind Lesselven gelijchs der konynginnen 2 sicheren ouergulden sannen ouch etzliche gelt tair in."
Und solches steht geschrieben in ter Cronica van ter Hitligen Etat von Coellen.
Sintemalen und ^obschon dieser Einzug hochselichen Keysers Maxmiliani nun zwaren nicht ter Einzug zu dcro Krönung war, so möcht jeder weise Mann doch leichtlich daraus ersehen und abstrahiren, in welch Manier unser König und zukünftiger Genfer zu seiner Krönung in Coellen zierlich und pomphaft vemnâchst zu empfangen wär.
Um indeß Len LeS Geists Schwachen und Les Witz und Spiritus mangelnden Lie notdürftig Jbcc darüber zu ertheilen, lassen wir nunmehr» folgen, was uns selbstcn vom heiligen Geist Larob ist offentbaret worden.
Wir sagen also erstlich, daß bei Ihrer Mayst. ter Statt Coellen Annäherung: urplötzlich die Erd erdröhnen muß nicht nur von dem Gethön sämptlicher Gecken, sondern vorncmblich von dem allmechtigen und erytwccr- lichen Gebrüll Ler Donnerbüchssen, als da scynd Feld- schlangen, Karthaunen, und sonderlich..Nachtigallen, ,o