„Freiheit und Neeht!"
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JK 91» Wiesbaden. Mittwoch, 18. April Z8HO.
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Der deutsche Wirrwarr.
„Mir ist von alle dem so dumm, Als ging ein Mühlrad mir im Kopf herum."
' x Wiesbaden, 15. April. Ludwig Simon hat erklärt, es sei jetzt die Pflicht aller Deutschen, die Neichsverfassung mit dem Erbkaiser unverändert festzuhalten und ins Leben einzuführen. Eine bedeutende Anzahl der Bevollmächtigten der einzelnen deutschen Regierungen, die so eben ihre Erklärung auf die Cirkularnote Preußens abgegeben haben, hat dasselbe gesagt. Simon und die Fürsten gehen plötzlich Hand in Hand, sind plötzlich darüber einig, wie die Einheit Deutschlands geschaffen werden müsse. Die „Reichs- tagszeituug", ebenfalls damit einverstanden, träumt schon von der nun zu Staude gebrachten „europäischen Großmacht Deutschland" und ergeht sich in allerlei Vermuthungen über die Art und Weise, wie diese neue „Großmacht" von ihren übrigen Schwestern angesehen werden würde. Die preußische Regierung, die, wie der König gegen die Frankfurter Deputation sich osten aussprach, "den Krieg mit dem „ guten Freund " in Dänemark nur contre coeur, nur gezwungen unternimmt, die einen ehrlichen Krieg, einen Krieg von Herzen nur gegen die Demokratie führt, gegen welche ja „nur Soldaten helfen", die so eben einen österreichischen Flüchtling in die Henkerhände des Windisch- grätz ausgeliefert hat, sie soll des Vaterland retten, was doch wohl heißt, es frei und glücklich machen! Preußens König soll durch das, was er ein „Stück Papier" nennt, gezwungen werden, den Willen des Volks zu erfüllen! Der Pesthauch der Diplomatie hat endlich auch die starke Gesundheit vieler Männer des Volks inficirt, daß sie die Dinge^ nicht mehr sehen, wie sie sind, daß sie nicht mehr wissen, was das arme, betrogene, hungernde Volk will! Der bisherige „Mann der Zukunft" schmäht den Glauben an eine „bessere Zukunft"; der Liebling der Nation stößt die harrende, hoffende Braut von sich, daß sie verzweifelnd an dem, was ihr heilig war, nicht mehr „glaubend an Liebe und Treile", die Wege der Sünderinnen betritt! — Doch nein, deutsches Volk, du wirst, wenn auch einen Augenblick irre geworden, doch das Vertrauen nicht verlieren, du wirst vielmehr lernen, nur dir selbst zu vertrauen! Du wirft dich nicht ereifern wegen untergeordneter Fragen; du wirst nicht heulen, wo die Doktrinäre heulen; du wirst, wenn die letzte große Oktroyirung auf den Plan tritt: an dich selbst denken!
Ihr aber, ihr Volksfreunde, denen mitten in der Ermattung und Erkaltung dieser Zeit das Herz noch jung und das Auge klar geblieben ist, alle Morgen und alle Abend sei euer Gebet: Gott der Freiheit hilf, daß wir des Volkes uud seiner Leiden nicht vergessen! Hilf, o hilf, daß uns das Auge klar und das Herz jung bleibe!
Die Doktrinärs als Revolutionäre.
Frankfurt, 14. April. (N. D. Z.) Die ablehnende Antwort des Königs von Preußen, die in derselben augedrohte vereinbarte Octroyirung oder vielmehr die Nichtanerkennung der unverbesserlichen Vortrefflichkeit der Verfassung hat das loyale Blut der Doktrinärs, der Hofräthe und Professoren in gâh- rend Drachengift verwandelt. „Schaart euch um Die Verfassung! Die Verfassung oder die Revolution! Kein Titelchen von der Verfassung geben wir auf!" Die Verfassung soll das Mittel zu einer Agitation werden, welche durch alle Gauen fliegt, und gerade die Leute schüren die Agitation im Volke, welche bis dahin jede Berufung auf das Volk mit Hohnlächeln als ein des Staatsmannes unwürdiges Mittel abwiesen. Jetzt möchten sie das Volk herbeirufen, welches sie sich früher auf fünf Meilen im Umkreise vom Leibe hielten. Gagern wird unverbrüchlich an der Verfassung festhalten, obgleich nach seiner Ueberzeugung das Suspensiv - Veto und das allgemeine Wahlrecht „mit dem Gemeinwohle nicht verträglich" sind; wenigstens wird er in keine wesentlichen (aha!) Abänderungen willigen, wie er mit staatsmännischer Vorsicht stets hinzufügt; unter der Hand veranstaltet er agitirende Volksversammlungen, wie die vorgestrige in der Katharinenkirche. Bassermann sieht die Gestalten auf der andern Seite und die „O.-P.-Z." muß dekretiren, wenn sich die Gagern, Dahlmann, Beseler, Mathy, Beckerath an die Spitze einer Bewegung stellten, so sei diese unwiderstehlich.
Unter der republikanischen Linken ist wegen ihres Verhaltens zu dieser Agitation ein Zwiespalt eingc- treten. Der eine Theil meint, die Verfassung mit dein Erbkaiser sei kein Banner, welches man dem Volke vortragen könne, wenn man für die republikanische Spitze gestimmt und gegen die 35. Eivilliste agirt habe; zudem traut er den revolutionirenden Doktrinärs nur engherzige, egoistische Absichten zu. Ein anderer Theil, darunter Ludwig Simon, stürzt sich mit glühendem Eifer in die Agitation, durch welche er die Revolution vor der Eontrerevolution zu retten meint. Weit entfernt, in die Absichten Ludwig Simon's irgend einen Zweifel zu setzen, glauben wir doch, daß er sich in der Wahl der Mittel für seinen Zweck vollständig geirrt hat. Erwägen wir die Sachlage.
Die Doktrinärs schwärmen für die Verfassung, obgleich sie die einzelnen demokratischen Bestimmungen stets verlästert und begeifert haben, wie der greise Ehemann für das Kind seiner jungen Frau, wenn ihm auch leise Zweifel an dem legitimen Ursprünge aufsteigen sollten. Sie schwärmen für die Verfassung, weil sie sich trotz jener Bestimmungen mit ihr am Ruder zu halten hoffen, weil sie mit derselben dem Absolutismus drohen können, wenn er etwa sich ge
neigt^fühlen sollte, sie als ausgepreßte Zitronen in den Sand zu werfen.
Mehr noch als die Verfassung liegt ihnen aber dec Erbkaiser, tn specie der preußische am Herzen, sei es, weil bei diesem über ihre Vaterschaft kein Zweifel obwaltet, sei es, weil sie mit seiner Hilfe die fatalen demokratischen Zuthaten der Verfassung zu paralysiern hoffen. Es ist Thorheit oder Heuchelei, zu behaupten, man müsse das Erbkaiserthum jetzt mit der Verfassung acceptiren, weil das Ganze erschüttert werde, wenn man an einem Theilchen rüttle. Die Lösung der Oberhauptsfrage im Sinne der Verfassung war durch die Antwort des Königs von Preußen unmöglich geworden. Entweder mußte die Nationalversammlung einen andern Fürsten wählen, oder sie mußte die Oberhauptsfrage für eine offene erklären. Für beides fand sich keme Majorität in der Versammlung. Sie billigte nicht einmal sofort die Antwort ihrer Deputation; sie lehnte, obgleich sie sich für permanent bis zum Zusammentreten des neuen Reichstags erklärt hat, alle Anträge ab, welche die Abgeordneten einzelner Länder in den Stand setzen, trotz etwaiger Abberufungen ihrer Regierungen hier zu bleiben. Hr. Simon mag daraus sehen, was er von solchen Bundesgenossen zu erwarten hat.
Wenn man wirklich die bedrohte Verfassung ernstlich als Agitationsmittel benutzen wollte, so war die Beibehaltung des mit Hohn abgelehnten preußischen Erbkaiserthums ein großer politischer Fehler. Der Agitation war damit die beste Spitze abgebrochen. Das süddeutsche Volk hat einmal eine unläugbare Abneigung gegen den preußischen Erbkaiser; die Demokratie will vollends nichts von ihm wissen. Warum nun die Begeisterung, die für die Verfassung, das Wahlgesetz und die Grundrechte allerdings zu entzünden wäre, durch das Sturzbad des preußischen Erb- kaiserthums vor dem Aufflammen löschen ? War doch selbst die heulende Bourgeoisie nach ihrer Versicherung bereit, eher bis zur Republik zu gehen, als die Verfassung antasten zu lassen, weil sie eines- theils durch die höhnische Ablehnung erbittert, andern- theils wüthend war über die dadurch gefährdete „Ruhe und Ordnung." Durch die ablehnende Antwort war doch wenigstens die persönliche Oberhauptsfrage aus der Verfassung beseitigt; warum ließ man sie nicht offen ? Weil es der Majorität der Versammlung mehr um das preußische Erbkaiserthum, als um die Integrität der Verfassung zu thun ist!
.Der Operationsplan der Doktrinärs ist klar. Sie wollen die Fürsten einschüchtern und insbesondere den König von Preußen auf den Kaiser thron ängstigen; auf dem nächsten Reichstage soll dann die Verfassung „revidirt" werden und mit der durch den Erbkaiser hergeftellten Ruhe, Ordnung und polizeilicher Einheit rechnen sie dann auf eine Revision in ihrem Sinne. Diese Einschüchte-
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A Der Hexenbaum.
Eine Westerwälder Dorfgeschichte.
(Fortsetzung.)
Bald darauf schickte er seinen Diener an ihn ab, und die Ungeduld nicht länger zähmend reiste er endlich selbst nach. Es war an der Hexenbache, wo beide, Vater und Sohn (aber der Vater todt) sich Wiedersehen sollten.
Lange, noch lange harrte Peter an der starren Leiche angeklammert, am beweinenswerthen Orte. Doch eidlich, raffte er sich auf; beklagenswerth, ganz anders wie er die Reise angetreten kehrte Peter ein Bild des Schreckens, mit des Vaters Leichnam nach E. zurück. Doch Peter wie in der Freundschaft wankelmüthig, so machte auch Leiden auf ihn keinen dauernden Eindruck. Er erholte sich bald, mit des Vaters Geld das Fleiß errang, und regsames Streben beisammen gehalten hatte, wischte er bald den Gram hinweg. Von nun an machte er ein großes Haus, spielte den Vornehmen und zeigte sich den andern Bürgern gegenüber mit auffahrendem Stolze. — Doch kehren wir jetzt zu Conrad zurück.
In E. ist das Gasthaus zum Bären, hier versammelte sich Sonntags der munteren Bursche Chor, auch Conrad sah man zuweilen dort.
Es war an einem lebcnsfrischcn Jnnisvnntag als sich wiederum viele lebenskräftige junge Leute, unter andern auch Conrad bei dem reichen Bärenwirth eingefun
den hatten. Sein schmuckes Töchterlein Marthe, die geheime Geliebte Conrads, wartete auf und ermunterte durch ihr nettes Wesen und keck-fröhliche Antworten die ganze Gesellschaft — begeisterten aber Conrad. Da sagte der lange Steffen, ein starker thatkräftiger Bursche indem er Conrad „zum Wohlbekomm's zubrachte" Setz dich hin Conrad, wir sind vergnügt, du trinkst mit unS eins, das kann geschehen antwortete der Conrad, mir ist'S eins trink ich mit dir oder dem dicken Haus, ihr beide seid mir lieb. Wo's lnstig und in Ordnung hergeht, da bin ich dabei. Da nickte ihm daS Marthchen freundlich zu, und pfiffig lächelte der Steffen der den Blick von der Marthe g'sehen hatte. Sv stoßt denn an, brach der Steffen nun loS indem er sich in seiner ganzen Größe aufrichlete. „Der Hecker soll leben" Jubelnd stimmte Alles bei, auch daS Marthchen hatte mit- gerufen. „Ein wackerer Mann" sagte der Conrad, ich wette d'rauf, wenn der uns alle glücklich machen könnte, er thät'S mit seinem Leben. Das solle wohl sein, erklärte der dicke Hans, dann der Hat's bewiesen, hat er nit sehr Leben auf's Spiel für uns gesetzt, und sein Vermögen ist zu Grunde gegangen und jetzt ist er in Amerika. Dem gingS wie dem alten Obstmann, der mußt auch nach Amerika flüchten — bemerkte Conrad, aber da rief der lange Steffen: Und daS ist nicht wahr, der hat nix für uns gethan, der hat blos sich gemeint — da guckt auf den Peter, waS der so stolz ist, der guckt uns alle über die Achsel an. Ja der Apfel fällt nicht weit vom
Stamm. Nun stand aber der Bärenwirth auf und sagte: Steffen da habt Ihr Unrecht, Recht muß Recht bleiben, ich habe eS schon manchmal erzählt, daS war in den dreißiger Jahren, da fuhr ich einen Wagen Korn- stroh in die Stadt; in noch keiner halben Stunde halte ich alles verkauft, ja, damals war noch Geld, das könnt ihr glauben. Was ich sage wollt, ging ich da drauf in die Stadt spazieren, begnet mir ein Herr vor dem Alles den Huth abzicht. Potz tausend sapperment, daS hätt' ich vergessen, unhöflich war ich mein Lebtag nicht. Nun dacht ich, du hast gute Geschäfte gemacht, willst dir was zu Gute haben und gehe ins größte Wirthshaus. Da war der fürnchme Herr drin. DaS ist ein HanS, Conrad, da hab' ich allen möglichen Respect. Da wohnt waS Geschcidtes d'rin. Nun kommt der große Herr auf mich zu, mir lief'S kalt und heiß über den Bnckel und fragr mich ob ich sei auS E; da setzt ich mich in Gravität und sage: Ganz ergebenster, Ja, sagt ich, und fragt mich ob ich den Obstmann kenne, ob der noch Reden mit den Leuten halten thät und da sagt: ich aber, Halt, schmeckts so, tacht ich und sagte nichts und daS war der Regierungsrach 11 und der wollt spccknlireu, hat aber nichts auS mir herauSgekricht, war daS nicht pfiffig Steffen! da habe ich aber bemeift, daß der Obstmann als VolkSmanu verschrien war, und bald drauf ist er fort nbch Amerika. Nun stand aber der Steffen auf und sagte/ wenn das so ist, dann^ wollen wir ihn achten, und im Andenken behalten. lclD