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M88 Wiesbaden. Samstag, IL. April 184».

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DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementsprris beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 fr., auswärts vurch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. Die Jnserationsgebiihren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Das Programm der Demokraten in Frank­reich für die bevorstehenden Wahlen.

Das Programm der demokratisch-sozialen Presse lautet:

B o r b e m e r k u n g.

I Die Republik und die ganze Gesellschaft sind in Gefahr. Eine unverbesserliche Fraktion träumt die Rückkehr der Monarchie; sie weiß, daß in kurzer Zeit die regelmäßige Entwickelung des demokratischen Prin­zips hinreichen würde, um von Grund aus die Miß­bräuche und Privilegien auszurotten. Gegenüber ge­hässigen Verleumdungen, wodurch man sich bemüht, die Bevölkerung über die Vergangenheit und die Ten­denzen der Demokratie zu täuschen, fühlten die Or­gane der demokratisch-sozialen Presse die Nothwendig­keit, sich zu vereinen, um die treulosen Feinde des Volks wirksamer zu bekämpfen. Der Augenblick er­heischt um so mehr diese Allianz, als die Privilegir- 1en aller Regime sich verbündet haben in einem ge­meinsamen Gedanken gegen die Revolution, so ihre verbrecherischen Hoffnungen offen zur Schau tragend. Bei den nächsten Wahlen würde das allgemeine Wahl­recht selbst, erobert durch die Republik, unter den Händen der Royalisten zur Waffe gegen die Republik selbst werden, wenn die Demokraten sich nicht beeilten, sie zu enthüllen. Man klagt die sozialistischen Repu­blikaner an, die Familie, das Eigenthum zerstören zu wollen. Die, welche die Vortheile des Eigenthums und die Freuden der Familie Allen zugänglich machen wollen, greifen weder die Familie noch das Eigenthum an. Jene dagegen, welche sie zum Privilegium einer kleinen Zahl Auserwählten machen und die Exploita­tion der Arbeiter aufrecht erhalten wollen, sind die wahren Feinde der Familie und des Eigenthums.

Die Organe der demokratischen und sozialen Presse, indem jedes derselben in seiner Sphäre seine Unab­hängigkeit und seine Individualität behauptet, haben sich in einer Commission, die sich mit ähnlichen Co- mcte's derselben Richtung in ganz Frankreich in Ver­bindung setzen wird, über folgende Punkte geeinigt:

Programm.

Energische Vertheidigung der republikanischen Form und des direkten allgemeinen Wahlrechts, Aufrechter­haltung und Entwicklung der Constitution im demo­kratischen Sinn, Einheit der Gewalt, formelle Unter­ordnung der vollziehenden Gewalt unter die National­versammlung, wirkliche Preßfreiheit, Abschaffung der Kautionen und der Privilegien der Druckereien, Un­verletzlichkeit des Vereins- und Assoziationsrechts, Recht auf Arbeit, Versorgungsanstalten für Kranke und Greise, gemeinschaftliche, unentgeldliche Erziehung, die zugleich obligatorisch und erschöpfend sein wird den verschiede­nen Anlagen entsprechend; von heute an Ausdehnung des Primärunterrichts auf einer breiten Grundlage, bessere Besoldung und Stellung der Volkslehrer; ad-

Cholera.

Neuestes Auftreten derselben in den Jahren 1845 1848.

(Fortsetzung und Schluß.)

Was namentlich die Kontagiosität anlangt, so ist allerdings in sehr vielen Fällen laut den amtlichen Nachrichten aus Petersburg eine bestimmte Uebertragung von einem Ort zum andern durch Menschen nachge- wiesen; mit derselben Sicherheit aber kann man die Verbreitung der Krankheit auf miasmatischem Wege con- siatiren, und somit ist die für die Praxis wichtigste Frage, soll man gegen das Weiterschreiten dejr Cholera Cordons ziehen und Quarantänen errichten? gewiß zn verneinen, zumal cs sich da um Maßregeln handelt, die sich ohnehin, wie wir das 1830 und 1831 gesehen haben, mit aller Strenge nicht ausführen lassen.

Eine wichtigere und lohnendere Aufgabe für den Staat ist es, wo die Cholera naht, durch zweckmäßige sanitätspolizeiliche Einrichtungen ihr einen Theil des Zünd­stoffes zu entziehen und im Fall jeder einzelnen Er­krankung, namentlich unter den ärmeren Klassen der Be­völkerung, die schnellste und wirksamste ärztliche Hülfe leicht möglich zu machen. Daß es ein Universalmittel gegen die Cholera nicht giebt, daß cs deßhalb ein ver­kehrtes Streben ist, nach einem solchen zn suchen, wird

ministrative und gerichtliche Reform, Vereinfachung des Räderwerks in der Administration und der Formali­täten in der Rechtspflege; demokratische Organisation des öffentlichen Dienstes, Bedingungen der Zulässigkeit, Garantien der Befähigung, Unabhängigkeit des Be­amten außerhalb seines Amtes. Revision der Gesetz­bücher. Wirklich unentgeldliche Rechtspflege. Ab­schaffung der Zwangshaft für Schulden. Abschaffung der Todesstrafe in Kriminalsachen. Demokratische Re­organisation des Land- und Seeheers. Revision der Militärgesetze. Verbesserung des Lohns der Soldaten und der Unteroffiziere. Abschaffung der Conspription. Finanzreform. Demokratische Organisation des Credits für Ackerbau, Industrie und Handel. Centralisation lind Ausbeutung der Assekuranzen, der Bank, der Eisenbahnen, Kanäle, aller Communikationswege und Minen im allgemein gesellschaftlichen Interesse. Reform des Hypothekenwesens. Abschaffung des Wuchers. Verminderung des Büdjets und billige Vertheilung der Steuerlasten. Abschaffung der Salz- und Getränke­steuer, der Naturalleistungen, der Octroi's; Revision der Zollgesetze; Verwerthung der unbebauten Lände­reien, großes System der Bewässerung und Holzzucht; Schöpfung von Entrepots und Nationalbazars; Er- muthigung zu Agrikultur- und Industrie-Assoziationen; Ackerbau-Kolonien im Inland und den Kolonien; Ver­mehrung des öffentlichen Reichthums durch Assoziation der Hauptclemente der Produktion; Anerkennung der Nationalitäten, Allianz der Völker und Befreiung der unterdrückten Völker.

Unterzeichnet ist dies Programm von derReform", derRepublik", demPeuple", derRevolution dem - fratique et sociale", demPopulaire", derTravail affranchie" und derDemocratie pacifique."

Vortrag

des Neichskriegsministers v. Peucker über die Thätigkeit des Reichskriegs ° Ministeriums des Kriegs im dänisch-deutschen Kriege und über den dermaligen Stand der Dinge in demselben.

Frankfurt, 12. April.Meine Herren! Es liegt dem Reichsministerium die Pflicht ob, dieser hohen Versammlung Rechenschaft zu geben über die Maßre­geln, die zur Wahrung der Waffenehre und der Rechte Deutschlands in dem so eben wieder begonnenen Kampfe mit Dänemark getroffen worden sind. Die Kündigung des Waffenstillstandes erfolgte dänischerseits, wie Ihnen bereits bekannt ist, zu einer Zeit, wo es am wenigsten erwartet werden konnte, das heißt in dem Augenblicke, wo die von der vermittelnden Macht porgeschlagenen Grundlagen für den Frieden die diesseitige Zustimmung erhalten hatten, und die Bevollmächtigten zu Friedens- Verhandlungen zusammengetreten waren. Dänemark erklärte, daß trotz der Kündigung des Waffenstill- jedem einleuchten, der erfährt, daß diese Seuche, wie alle anderen, unter ganz verschiedenen Formen sich zeigt, wesentlich anders nach den individuellen Verhältnissen des Kranken sich gestaltet, hier und da sehr wichtige Ver­bindung mit andern Krankheitoformcn eingeht re. Vor allem ist daher daS nicht ärztliche Publicum vor den nie auüblcibeudcn marktschreierischen Ankündigungen gewisser Panaceen u warnen, selbst da, wo sie von ärztlichen CharlatanS auügehen sollten, dagegen dringend zu ermahnen, bei den ersten Erscheinungen deS Uebels sofort ärztlichen Rath in Anspruch zu nehmen, indem bei einer Kraukheit fast so viel auf die schnellste Anwendung der dem Einzelfalle entsprechenden Mittel ankommt, als bei der Cholera.

(Aus derNeuen Zeit.")

Ursprung des Schlosses Malmuison.

(Böses Haus.)

An einem finstern regnigten November-Tage deS Jahres 163:, hielt ein Reiter in einen weiten Mantel gehüllt vor der Thür eines Wirthshauses in dem Dorfe Rueil, welches an den Park von Malmaison grenzt. Sein Filzhut, welchen keine Feder .schmückte, und sein

standes die Wahrung des Friedens seine Absicht sei Die Eentralgewalt glaubte daher dem Vaterlande zunächst keine größeren Anstrengungen für Rüstun­gen auferlegen zu dürfen, als durch die Nothwendig­keit des Augenblicks bedingt wurden. Sie glaubte sich vorerst auf die Mobilmachung einer Streitmacht beschränken zu dürfen, welche im Stande war, die im verflossenen Herbste verlassenen Stellungen in den Her- zogthumern vertragsmäßig wieder einzunehmen. Am 3. März erfolgte daher der Befehl zur Mobilmachung von 3 Divisionen des Reichspeeres und zur vorläu­figen Bereitstellung von noch 3 anderen, um den erste­ren im Falle des Bedarfs Unterstützungen zuweisen zu können. In der ersten darauf folgenden Woche wurde der Centralgewalt klar, was Dänemark mit seinen Friedensversicherungen eigentlich meine. Am 11 März erging daher der Befehl an jene 3 Divisionen, sich sobald ihre Mobilmachung erfolgt sei, unverweilt nach den Herzogthuinern in Bewegung zu setzen. Bei den großen Entfernungen, die bis zum Kriegsschauplatz zu­rückzulegen waren, und für einzelne Heeresabtheilungen über 100 deutsche Meilen betrugen, war der ausge­dehnte Gebrauch der Dampftrast für die Beförderung die,er Truppen unerläßlich. Generalstabsofsiziere wur­den daher von hier ab in mehrfachen Richtungen vor- ausge,endet, um die nöthigen Vorbereitungen zu tref­fen, etwaige Anstände zu beseitigen, und mögliche Ver­wirrungen in den Marschdispositionen ju verhüten. Am 25. März, genau drei Wochen nach dem Tage' wo der erste Befehl zur Mobilmachung in Frankfurt unterzeichnet worden war, standen auf dem Boden der Herzogtümer 30 Bataillone mit 100 Feuerschlünden bereit, den Feind zu empfangen. (Bravo., Diese Streitkraft verstärkt sich im Laufe der nächsten 8 Tage bis zur Höhe von 45,000 Mann und 15) Geschützen, nur die Reiterei konnte der raschen Bewegung der In­fanterie und Artillerie mittelst Dampfkraft nicht so schnell folgen. Auf diese Thatsachen dürfen wir mit gleichem Stolz und gleicher Zuversicht unsere Freunde wie unsere Feinde verweisen. Das Ausland hat auf eine Zerrissenheit unseres Vaterlandes und auf einen Mangel an Thatkraft und Uebereinstimmung in un­seren Heeresabthcilungzn gerechnet. Cs hat sich verrechnet wie alle diejenigen sich verrechnen wer­den, die auf solche Voraussetzungen Pläne gegen unser Vaterland würden schmieden wollen. (Bravo.) Bei dem noch stattfindenbën Mangel einer Kriegsmarine ist der Kriegsschauplatz den Operationen unseres Heereck nicht günstig. Nur zwei Opcrationslinicn erstrecken sich an der Ost- und Westküste der Provinz entlang. Während das dazwischen liegende Land von Mooren und Hecken durchschnitten ist, sind beide Operations­linien nur durch wenige militärisch brauchbare Trans- versalen mit einander verbunden, und überall durch das- nahe Meer flankirt. Das Heer wird daher zu vielfachen Sicherungsstellungen genöthigt, die einen großen Theil der Streitmacht der freien Verfügung

schwarztuchenes WammS ohne Kante zeigten an, daß der Mann nicht zu der, wegen der Gewaudheit, womit sie den Dolch und den Degen zu handhaben wußte, so re- nommirlen Classe der RaffinsS gehörte. Aber auS seinem stolzen Auge, auS sein in zurückg-bogenen Schnauz­bart errieth man leicht in ihm einen jener unabhängigen m'd unruhigen Bürger, deren Väter die Ligue gebildet hatten, und welche durch Richelieus eiserne Hand unter- driickt, für kurze Zeit in den Saturnalicn der Fronde wieder auftauchen sollten, um hinter den Rnhmeostrahlcn deS großen Königs ganz zu verschwinden. Sein Roß seinen von den Beschwerlichkeiten eines langen Weges gänzlich entkräftet.

Uiiser Reisender tritt in daS niedrige, rauchgeschwärzte Gastzimmer, wo er Befehl giebt für sein Pferd zu sorgen und ihm ein Diener zuzurichten. Während daS letztere bereitet wird, führt man ihn in cluS der besten Zimmer deS Hauses. Dort troknet und erwärmt er sich vor einem hellen Feuer von Rebholz. Wenige Augenblicke später hält ein zweiter Reisender gleichfalls die Pferde vor demselben WirthShause und fragt, ob er ein Diner haben könne.

ES thut uns sehr leid," erwiedert ihm die Wirthin, aber auf alles, was unS zu Gebote stände, hat bereits ein Reisender Beschlag gelegt, der ihnen zuvor gekommen ist und dem man sogleich serviren wird."

»Steigen sie hinauf zu ihm," sagt der zuletzt Angekommene,und fragen Sie ihn, ob er mir erlauben