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Wiesbaden. Donnerstag, 12. April

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Der Abschluß der deutschen Revolution.

J Aus dem goldnen Grund, den 2. April. So I wäre denn um mit dem offiziellen schwarzweißen Reichsorgan zu sprechen Deutschlands Umgestal­tung (ich hätte beinahe gesagt Ungestaltung) und mit ihr die deutsche Revolution vollendet, und das deut­sche Volk könnte ob dieser glücklichen Vollendung jubeln. Das deutsche Volk nimmt aber die Gabe, welche die Nationalversammlung ihm bietet das offizielle Jubeln und Glockenläuten, in welchem letzte­ren viele Vorwitzige (?!) das Grabgeläute der deut­schen Freiheit und jener schöpferischen Versammlung hören wollen, ausgenommen mit stummem Ernst und schweigend an. Das Schweigen der Völker aber ist die beste Lehre für ihre Fürsten und Vertreter.

Wir müssen gestehen, wir sind aufs Aeußerste ent­rüstet über einen Erbkaiscr, weil wir darin einen Hohn auf die menschliche Vernunft erkennen, am mei­sten aber über einen preußischen Erbkaiser, weil wir darin dem Despotismus die Krone aufgesetzt sehen, indessen wundert es uns nicht, ihn von dieser Natio­nalversammlung zu empfangen.

Als vor Wochen Schulmeister Welcker in be­kanntem Kammerpathos die Phrase:Das Vaterland ist in Gefahr!" vom Katheder schleuderte zu Gunsten seines Bausch- uud Bogen-Antrags, da sahen wir keine besondere Gefahr, als den gähnenden Abgrund, an den uns gerade die Unentschlossenheit Welckcr's und Consorten gebracht, den wir aber schon so lange zu sehen gewöhnt, daß uns nicht mehr davor schwin­delt. Uns wollen überhaupt die äußeren Gefahren, welche jederzeit die bemäntelnde Parole für die ehr­geizigen und feindlichen Pläne jener sogenannten halb- liberalen Helden abgeben mußten, nicht die bedeutend­sten erscheinen. Die größte Gefahr sahen wir viel­mehr gleich nach der Märzerhebung im Schooße des Volkes selbst erwachsen, in dem Mangel an wahrhaft revolutionärer Energie und Organisation. Dies hat die Revolution im Keim erstickt, die Entwicklung Deutsch­lands im Geiste der Neuzeit verhindert, und alle spä­tern nachtheiligen Schritte, auch den preußischen Erb-

kaffer, geboren.

Eine jede wahrhafte Revolution ist das vollgültig­ste Zeugniß der Unzufriedenheit eines Volkes mit sei­nen dermaligen Zuständen muß darum eine vollstän­dige Abrechnung und einen totalen Bruch mit densel­ben bedingen.

Unsere Erhebung kennt von dem Allein Nichts.

Das Volk stellte blos Forderungen an seine Fürsten;

sie war also nur eine großartige Volksdemonstration, die schon in ihrer Anlage verkehrt war. Einheit und Freiheit! war der Wahlspruch derselben. Die Einheit war nur auf zwei Hirten zu erreichen, auf dem Weg organischer Entwicklung, wie in Italien, oder durch mechanische Oktroyirung von Außen, wie

Zwei Trinksprüche

des Volks-Repräsentanten Felix Pyat.

II.

Ans die Soldaten!

(Fortsetzung und Schluß.)

Auf die neue Armee, auf die republikanischen Krieger, welche nicht mehr einem einzelnen Menschen sondern dem Volke gehören (Beifall,) welche nicht mehr die Armee der Gewalt und der Eroberung, sondern die Armee des RechtS und der Freiheit bilden! (Bravo'S.) Auf die Ar­mee der französischen Republik! (Langer, stürmischer Beifall.) Frankreich ist daS lebendige Recht, die ge­rüstete Freiheit; eS hat eS bewiesen in allen seinen Kriegen, von den Kreuzzügen bis zur Revolution.

Und jetzt, wo der Weg zu dem allgemeinen Ziel von unserem Blute bezeichnet ist, konnte sich jetzt die Armee wieder rückwärts wenden? Kann sie schwanken zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen der Republik und dem Königthum ? WaS ist überhaupt die Republik? Die Herrschaft deS Volkes. Und waS ist die Armee? DaS bewaffnete Volk. (Erneuerter Beifall.) Sie ist der jüngste, kräftigste, und stärkste Theil des Volkes; sie kömmt auS dem Schooße deS Volkes und kehrt zu dem Volk wieder zurück. (Bravo! Sehr gut!)

in Rußland. Deutschland ist den letzten Weg ge- $ ^on dein Augenblick, da das Vorparlament seine Permanenz verwarf, hatte es die Revolution, wel­cher es sein Dasein verdankte, und alle Konsequenzen daraus verneint. Die Nationalversammlung trägt schon in ihrer Wahlart und in ihrem Zusammentritt, fern von aller revolutionärer Selbstständigkeit, den Stempel der Vereinbarung, der immer auffallend der und einflußreicher werden mußte, je mehr sich die Regierungen von ihrer augenblicklichen Verblüfftheit und Schwachheit erholten, und der nach der Nrichs- verwesungsschöpfung sie ganz beherrschte.

Mit diesem Akt hatte sie ihr Verhängniß erfüllt, und alles Spätere sind nur unbedeutende Gewichte, die in die eine oder andere Wagschalle fallen, aber keinen Ausschlag geben. Von diesem Augenblick blieb ihr nur zweierlei: entweder im Gefühl ihrer Inkom­petenz auseinander zu gehen, ohne eine Verfassung ge­geben zu haben, oder ein konstitutionelles und nach den einmal bestehenden Umständen das preußische Erbkaiserthum zu schaffen, und damit den Samen einer neuen Revolution zu streuen. Denn mag auch der König von Preußen feine Hauspolitik auf Deutsch­land übertragen, mag er Deutschland wie Preußen zu einem Militärstaat umschaffen und unter dem Schutz seiner Bajonnete wie in Berlin Preß- und Clubgesetze oktroyireu, mag er mit einem Wort die Zeiten einer traurigen Restauration heraufbeschwören: das Volk wird am Ende auch vom Restauriern satt und auch meines herrlichen Kriegsheeres" Bajonnete werden es nicht hindern, zu sagen: Wir sind satt.

Bei einem guten König ist alles möglich, aber das Volk ist, wenn es ernstlich will, allmächtig.

*§*, Son der Lahn, 31. März. (Die Nachtheile | der neuen Kreiseintheilung.) Der Beschluß der Nass. Ständekammer vom 6. Februar über die Kreiseinthei- lung des Herzogthums hatte eine große und gerechte Unzufriedenheit, daß ich nicht sage Entrüstung im Lande hervorgerufen. Daher halte ich es für eine ernste Pflicht, auf diesen Gegenstand noch einmal zu­rückzukommen, selbst wenn es zu spät sein sollte; denn es ist, wie Vas Sprichwort sagt, noch nicht aller Tage Abend, und was verkehrt ist und nichts taugt, wird nicht lange das Tageslicht sehen, sein baldiger Abend ist gewiß.

Das Schema der genannten Eintheilung ist be­kanntlich von den beiden Abgeordneten Schmidt von Hömberg, Amts Nassau, und Born von Langenscheid, Amts Diez, entworfen worden. Rührt dasselbe von ihnen her, so hat es sich bewährt, daß ihnen die tech­nische und materielle Kenntniß zu einem Werk von dieser Bedeutung abgeht. Aber warum hat denn die

Der Soldat ist der Arbeiter des Krieges, wie der Ar­beiter der Soldat deS Friedens. (Lebhafter Beifall.) Derselbe Ursprung, dasselbe Ende, dieselben Gefühle, die­selben Interessen. Nein, die Armee wird nicht mehr ver­gessen, daß sie die Tochter deS Volkes, daS Volk selbst ist. (Bravo!) Sie wird nicht vergessen, daß sie in ihren Fahnen daS Blau, die Farbe der Blousen hat. (Bei­fallssturm, lange lebhafte Aufregung.)

Sie wird noch weniger vergessen, wie das Volk während 14 Jahrhunderten deS Königthums, in denen eS sich eben so tapfer wie heute erzeigte, wie daS Volk in diesen 14 Jahrhunderten nur zwei Generäle in der königlichen Armee hatte: Fabert und Chevert; und sie wird sich als zum Gegensatz dessen erinnern, wie sich innerhalb dreier Jahre die Republik die Hoche, Marceau, Kleber, Desaix, Jourdan und so viele andere noch em­porschwangen, welche nur als die Sterne einer Armee von VolkS-Generalen leuchten. (Stürmischer, wiederhol­ter Beifall.)

Nein, Soldaten Frankreichs, Ihr werdet nicht ver­gessen, daß Eure wahren Freunde die wahren Repu­blikaner, und daß die wahren Feinde von Euch, den Männern deS Vaterlandes und der Ehre die Nerräther und Feigen, die honetten Gemäßigten sind, welche man um jeden Preis von Euch vertheidigen lassen will (Sehr wahr! Sehr wahr!), die Privilegirten und Kreuzritter von Pergament und Chilef-Groschen. (Bravo! Vravo!) Die Einen, die verkommenen Nachfolger der Strauchdiebe

Ständekammer gerade diesen Plan unter so vielen andern angenommen? Aus keinem andern Grunde wohl, als weil man leider über die wichtigsten An­gelegenheiten bei allem Gerede nicht reiflich und gründ­lich genug verständigt, oft mit einer unverzeihlichen Leichtigkeit darüber weggeht und den Privatrücksich- ten zu viel Einfluß gestattet. So legt, um Beispiele anzuführen, der Deputirte Zottmann (mit Born und Schmidt) die drei Aemter Limburg, Runkel und Die; zu einem Kreisamt zusammen, mit Bestimmung seines Wohnorts Limburg zum Kreissitz, weil in Limburg über 8000 Eilwagen im Jahr ankämen, der Verkehr mithin der drei Aemter mit der Stadt Limburg er­leichtert werde; und er glaubt mit dieser Behauptung schlagend für seine Sache und das ist diesmal die Sache Limburg's, nicht des Landes geredet zu haben. Allein ich frage: Wo sind denn die Tausende von Eilwagen, die aus dem Amte Diez, von Holz­appel, aus dem Aarthal, von Runkel re., lauter Or- teu des beabsichtigten Kreisamtes, nach Limburg gehen und den Leuten den weiten Weg dorthin verkürzen sollen? Hätte der Limburgische Deputirte in pflicht­mäßigem Bewußtsein seiner höhern Pflicht als Ver­treter des Nassauischen Volkes und Landes etwa das Amt Hadamar und Walmerod zu Limburg hinzuge­than, so wäre in seiner Bemerkung wegen der nach Limburg rollenden 8000 Eilwagen doch noch Sinn und Verstand; so aber ist sie eine große Verkehrtheit, selbst wenn sie von einer ganzen Volkskammer ange­staunt worden wäre. Noch verkehrter ist eine andere nach Hohn und Witz riechende Aeußerung dieses er­leuchteten Landesabgeordneten:der Abgeordnete Wimpf meine wohl für Weilburg kein Kreisamt, sondern ein Grenzamt," und ahnt nicht, daß er seiner geo­graphischen Schulweisheit eine arge Schlappe versetzt, denn er weiß nicht, daß Weilburg, welches das Glück

hatte ihn, so viel bekannt, jahrelang als Soldat in seinen Mauern zu besitzen, zwei Stunden von der Ostgrenze des Weilburgischen Amtes entfernt liegt, während die Stadt Limburg die Grenze des Amtes und des beabsichtigten Kreisamtes vor dem Thore seiner Vorstadt auf dein rechten Lahnufer nach dem Dorfe Elz zu hat. Denn um diese Grenze allein, merken Sie sich das wohl, Herr Deputirter Zollmann, handelt es sich hier, nicht um eine andere, wie etwa um eine Landesgrenze. Endlich legt derselbe limbur- gische Deputirte das Amt Runkel mit Limburg und Diez aus ^em Grunde zu einem Kreisamte zusammen, weil die Stadt und das Amt Runkel wegen des Ei­sensteintransports mit der Stadt Limburg in gar leb­haftem Verkehr stehe, während es jedem Kinde bekannt ist, daß bisher und jetzt noch fast das ganze Amt Runkel mit der Stadt Weilburg im innigsten Verkehr steht. Man ist leider daran gewöhnt, solche und an­dere vielfältige unüberlegte Bemerkungen täglich von unsern Landesvertretern in den Kammersitzungen aus­sprechen zu hören. Es gehört wahrlich kein großer

und Strolche, die Vollblut-Kinder der adligen Straßen­räuber, haben mit den Fremden gegen Euch, gegen die Söhne Frankreichs gekämpft (Aufregung)! sie haben die edelsten und bravsten eurer Chefs gemordet, welche wie Ney, Brune Ramel, Lagarde ßabéDopère, Verton und Bo­ne den französischen Namen bis an die Sterne trugen; sie haben den Größten und Glorreichsten von euch Allen, als den Räuber einer gottbegnadeten Krone, an den Fel­sen der Ohnmacht geschmiedet und den Bestialitäten der Engländer prciSgegcbeu. (Große Sensation.) Und während ihr eure Fahnen in Asche verbranntet imd die Asche in Wasser verschlucktet, um den ewigen Feinden Frankreichs auch nicht den geringsten Triumph von ihrem verräterischem Sieg zu lassen, haben euch diese feigen Flüchtlinge und VaterlandSverräther selbst auS eurem Heroismus ein Verbrechen gemacht und euch die Räuber der Loire getauft. (Tumult und stürmischer Beifallruf.)

Die andern, die Barone deS Wuchers, die Mar- guiS der Agiotage, die Ritter der Wechselreiterei und deS BankruttS nennen euch ChauvinS, sie die Alles verhöhnen nnd zertreten, waS nicht Gold und Silber ist, die nichts Heiligeres als den Geldsack, und kein an­deres Vaterland als die Börse kennen (Lebhafter Bei­fall), sie, deren höchster Beweggrund die Rente ist, die­ser Thermometer der Schmach und Entehrung Frank­reichs, welcher steigt, wenn die Wage Frankreichs fällt, wie er gestiegen ist als ihr bei Waterloo fielt. (Lange, stürmische Unterbrechungen.)