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Kreit Ztilung.

_________M____Freiheit und Reegs!«

/R 8'1. Wiesbaden. Dienstag, 10. April ' I8W

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Gesetzgehende Versammlungen in den Kleinstaaten.

(Stoff zur Beleuchtung der gesetzgeberi­schen Thätigkeit des nassauischen Ministe­riums und der nassauischen Abgcordneten- Bersammlung.)

CL Wiesbaden, 9. April. DieNassauische All­gemeine Zeitung" vom 6. d. Mts. enthält unter dem obigen Titel einen Artikel, der sich das Gepräge offi­zieller Weisheit gibt und darzuthun versucht, daß die Abgeordneten - Versammlung nicht den geringsten Beruf habe, bei der Gesetzgebung mitzuwirken. Jemanden, der die Sachlage nicht genau kennt, mochte es wundern, daß eine Regierung, deren erster Chef (wie wenigstens er sagt) selbst an der Spitze der Revolution gestanden hat, um das konstitutionelle Prinzip in Nassau wieder- herzustellen, also auch namentlich, um der Kammer ih­ren Antheil an der Gesetzgebung zu sichern, daß eine solche Regierung, ein Jahr nach Ablaus dieser Revo­lution, in ihrem offiziellen Organ in einem Artikel von offizieller Färbung dem Landtag den Beruf, an der Gesetzgebung Theil zu nehmen, gradezu absprechen läßt. Wir für unsern Theil wundern uns darüber durchaus nicht. Denn wir haben kürzlich in öffentlicher Sitzung des Landtags von dem Landtagskommissär Reichmann Aeußerungen über die gesetzgeberischen Befugnisse oder vielmehr Nichtbefugnisse der Kammer vernommen, welche in ihrer Verletzung aller konstitutionellen Grundsätze so weit gingen, daß selbst der sonst gewiß nicht antimini-- sterielle Kammerpräsident Wirth sie mit Entrüstung bei Seite schob und, ihnen zuwider, zur weiteren Ver­handlung schritt; wir wissen ferner, daß das ministerielle Organ, dieNassauische Allgemeine Zeitung", schon vor dreiviertel Jahren zur Mediatisirung der Kammern, d. h. zur Abschaffung derselben, auffordertc, indem sie einen Rathschlag des berüchtigten badischen Bundestags­gesandten von Blitterödorf, der hierauf gerichtet war, empfehlend abdruckte; wir wissen ferner, daß dasselbe Ministerium, welches in der Thronrede vom 11. Mai v. I. dem Landeeine gerechte Vertheilung der Staats­lasten nach Verhältniß des Einkommens" versprach und welches am 7. November v. I. ein Gesetz über die Ein­führung einer wachsenden Einkonunenstener publizirte, bis zur Stunde jenes Versprechen unerfüllt und dieses Gesetz unvollzogen gelassen hat; wir wissen ferner, daß dasselbe Ministerinin, welches sich unbedingt der Zentral­gewalt unterworfen und am 19. Oktober v. I. die Verkündigung und die Vollziehung der Reichsgesetze verordnet hat, das Stück 10 des Reichsgesetzblatts zurückhielt und erst durch die Opposition in der Kammer dazu gezwungen werden mußte, dasselbe zu publiziren; wir wissen endlich, daß derselbe Minister, welcher im Frühjahre v. I. auf dem Wege der Revolution das Zweikammersystem vernichtete und an seine Stelle das

Einkammersystem einsetzte, nun in seinem Verfassungs- entwurfe dem Lande das Zweikammersystem wieder auf- zwingen will. Nach Allem Dem also können wir uns gar nicht darüber wundern, daß das ministerielle Blatt dem nassauischen Landtag allen Beruf zur Gesetzgebung achpricht (gerade wie seiner Zeit Herr von Savigny dem ganzen deutschen Volk ben Beruf zur Gesetzgebung abgesprochen hat), sondern wir können in diesem Um­stand nur eine Bestätigung unserer schon seit langer Zeit feststehenden Ansichten über die Konsequenz unseres nassauischen Ministeriums, sowie über seine Ansichten und Absichten erblicken, und wir freuen uns, daß die Nassauische Allgemeine Zeitung" unvorsichtig genug ist, es vor den Augen des ganzen Landes zu enthüllen, eine wie große Last sogar dieser gegenwärtige, in seiner Mehrheit doch so geduldig fügsame Landtag für ein Ministerium ist, das in Berlin Gelegenheit hatte, die Großthaten eines Manteuffel und Wrangel zu bewundern.

Der Verfasser jenes Artikels in derNassauischen Allgemeinen Zeitung" sucht seinen Satz, daß die Kam­mer keinen Beruf zur Theilnahme an der Gesetzgebung habe, zu beweisen dadurch, daß er behauptet, die Kam­mer habe alle von der Regierung vorgelegten Gesetzent­würfein allen wesentlichen Theilen unverändert ange­nommen."

O, Ministerium Hergenhahn, Gott behüte Dich vor Deinen Freunden, Vertheidigern und Advokaten! Die gute ministerielle Mehrheit unseres Landtags glaubte dadurch, daß sie allen Anordnungen des Ministeriums ihre Genehmigung gab und für seine Gesetzentwürfe stimmte, alles vortreffllich gemacht und sich einen ro­then Nock verdient zu haben, und nun kommt das ministerielle Blatt selbst und demonstrirt dieser ministe­riellen Mehrheit unserer Abgeordneten-Versammlung folgenden logischen Schluß vor:

i z O bersatz: Wer alle von der Regierung vor­gelegten Gesetzentwürfe in allen wesentlichen Theilen unverändert annimmt, der hat keinen Beruf zur Gesetzgebung.

Untersatz: Ihr habt alle von der Regierung vorgelegten Gesetzentwürfe ohne wesentliche Veränderungen ange- nommen.

Schlußsatz: Also habt Ihr keinen Beruf zur Gesetzgebung.

Da habt Ihr's, Ihr ministeriellen Kammermitglie­der! Undank ist der Welt Lohn! Zuerst habt Ihr dadurch, daß Ihr Euch auf die Seite des Ministeriums stelltet, das Vertrauen Euerer ^Wähler verloren, welche Euch, dies in zahlreichen Adressen ausgesprochen haben. Doch Ihr getröstctet Euch dessen, denn Ihr fandet vollen Ersatz für das verlorene Vertrauen des Volks darin, daß Ihr glaubtet, Ihr hättet das Vertrauen des Ministeriums und das Ministerium hätte das Euripe. Allein plötzlich findet das offizielle Organ des

Ministeriums die neue Wahrheit, daß ein fügsamer Laudtag zwar schön, aber gar kein Landtag noch weit schöner sei, theils der Ersparung des Gel­des wegen, das man besser zu neuen Waffenröcken und neuem Lederzeug und zur Anfertigung preußischer Pickel­hauben verwenden, oder auch etwa zur Civillisie schla­gen könnte, theils der größeren Ungenirtheit und Un- gebundenhelt wegen; und das offizielle Organ zerschnei­det plötzlich das süße Band der Liebe und Freundschaft, das Euch mit dem Ministerium verknüpft hielt, und spricht zu Euch:Hebet Euch weg von dannen! Ihr habt keinen Beruf zur Gesetzgebung, denn Ihr habt für unsere Entwürfe gestimmt!"

So sehr wir nun auch von der Nichtigkeit des von dein geehrten Herrn Mitarbeiter des offiziellen Blattes augenscheinlich vorausgesetzten Obersatzes:

Wer alle von der nassauischen Regierung vorgelegten Gesetzentwürfe in allen wesent­lichen Theilen unverändert annimmt, der hat kemen Beruf zur Gesetzgebung."

überzeugt find, und so wenig es sonst unser Beruf ist, die ministerielle Mehrheit unserer Kammer zu verthei­digen, so müssen wir doch der Wahrheit die Ehre ge­ben und versichern, daß die Behauptung derNass. 2lUg. Ztg.", daß die Kammer alle von der nassauischen Regierung vorgelegteu Gesetzentwürfe in allen wesent­lichen Theilen unverändert angenommen habe, so sehr diese Behauptung sich den Anschein offizieller Weisheit und Gewißheit zu geben bemüht ist, doch von einer wahrhaft seltenen Ignoranz (Unwissenheit) zeugt. Wir wollen hier nicht auf eine Kritik der gesetzgeberischen Thätigkeit des Ministeriums zurückgehen, obgleich die­selbe durch jene Kritik der gesetzgeberischen Thätigkeit der Kammer mehr als provozirc (hervorgerufen) ist. Nur darauf wollen wir aufmerksam machen, daß die meisten unter den wichtigeren Gegenentwürfen, welche das nassauische Ministerium bis jetzt vorgelegt hat, keine Arbeiten des Ministeriums, sondern blose Ab­schriften der in andern deutschen Staaten bereits be­stehenden Gesetze oder vorgelegten Gesetzentwürfe, ge­wesen sind, daß also, wenn etwas Gutes darin war, unser Ministerium blos das Verdienst des Samm­lers und Handlangers, keineswegs aber das Ver­dienst des Urhebers und Meisters anzusprechen hat. So ist z.B. das Wechselgesetz von der Kam­mer unverändert angenommen worden. Allein es ist auch kein Buchstabe dieses Wechselgcsetzes von der nas­sauischen^ Negierung ausgegangen. Es ist eine Arbeit der in Leipzig zusammengetretenen Conferen; von Rechtsgelehrten und Handelsverftandigen aus allen deut­schen Staaten, juiD wenn dies Gesetz vortrefflich ist, so kann die nassauische Regierung gar nichts dazu.

Dagegen sind bei den übrigen wichtigeren Gesetzen die Entwürfe der Regierung keineswegs unverändert angenommen worden. Der Iagdgesetzentwurf hat, wie allbekannt, die wichtigsten und wesentlichsten Veränderungen seitens der Kammer erlitten. Bei

Die Schlacht bei Grochow.

Eine Skizze aus der polnischen Revolution, von einem 'Augenzeugen.

Die Schlacht bei Grochow die größte, welche in Europa seit der Schlacht bei^Waterlvo vor gefallen ist, wurde am 25. Februar 1831 geschlagen. Von dem Platze aus, auf dem ich stand, konnte man das ganze Schlachtfeld übersehen.

Die russische Armee wurde von Diebitsch befehligt, und bestand aus 140 Tausend Mann Infanterie, 40 Tausend Mann Kavallerie, und 312 Kanonen. Diese ungeheure Streitmacht war außer der Reserve in zwei Schlachtlinien ausgestellt. Ihr linker Flügel, zwischen Werschau und den Morästen der Weichsel, zählte vier Divisionen Infanterie von 47,000 Mann, drei Divi­sionen Kavallerie von 10,500 Mann und 8 Kanonen; der rechte Flügel enthielt drei und eine halbe Division Infanterie von 31,000 Mann ; vier Divisionen Kavallerie von 15,750 Mann, und 52 Artillerie stücke. Am Rande des großen Waldes von Elders von da, wo ich stand, deutlich erkennbar, war die Reserve ausgestellt, welche der Großfürst Constantin befehligte. Dieser furchtbaren Armee konnten die Polen nicht ganz 50,000 Mann mit 100 Kanonen unter dem Befehl des Generals Skzrynecki entgegen stellen.

Mit Tagesanbruch setzte sich der ganze rechte Flügel der russischen Armee in Bewegung und griff unter einem

furchtbaren Feuer aus 50 Kanonen den polnischen linken Flügel an. Unübersehbare Jnfanterie-Colonnen rückten mit dem Entschlusse vor, den Tag durch einen einzigen überwältigenden Sturm zu gewinnen. Die Polen mit 6,500 Mann und 12 Kanonen wichen keinen Fuß breit zurück; sie wußten, daß sie auf keine Unterstützung »offen durften und kämpften mit verzweifeltem Muthe. Mehrere Stunden lang hielten sie den Angriff aus, bis das Feuer der Russe» nachließ. Gegen 10 Uhr bedeckte sich plötz­lich die Ebene mit den russischen Truppen, die aus der Deckung des Waldes in endlosen Reihen hervorstromteu. Zwei Hundert Kanonen, in ununterbrochener Linie auf­gefahren, eröffneten ein Feuer, unter dem die Erde er­bebte, und so hitzig, daß sich die ältesten Osfi.iere, von denen viele bei Marengo und Austerlitz gefochten hatten, keines ähnlichen erinnern konnten. Die Russen unter­nahmen jetzt einen Angriff auf den rechten Flügel der Polen, aber auch hier wurden sie wie auf dem linken zurückgeschlagen. Diebitsch schickte den größern Theil seiner Truppen gegen den Wald von Elders und hoffte mit dieser Bewegung die Polen in zwei Hälften zu theilen. Hundert und zwanzig Kanonen richteten ihr Feuer auf diesen einzigen Punkt, und fünfzig Bataillone unaufhör­lich in den Kampf vorgeschoben, unterhielten eine in den Annalen des Krieges unerhörte Metzelei. Ein polnischer Offizier, der sich in der Schlacht befand, sagte mir, daß die kleinen Bäche, welche den Wald durchschneiden, mit Todten so gefüllt waren, datz die Infanterie über sie wie

I über Brücken marschierte. Die heldenmüthigen Polen vertheidigten mit zwölf Bataillonen vier Stunden lang den Wald gegen die ungeheure Uebermacht. Neunmal wurden sie daraus vertrieben und neunmal schlugen sie die Russen mit einer Reihe bcwundcruswerth ansge­führter Manöver wieder zurück. Die Russen erlitten un­ermeßlichen Verlust. Polnische Batterien flogen in wenigen Augenblicken von einem Punkte zum andern; wie Caval- (erie rückten sie zum Angriffe vor, manchmal bis auf Hundert Fuß den Kolonnen deö Feindes entgegen, und eröffneten ein mörderisches Kartätschenfeuer.

Um 3 Uhr beschlossen die polnischen Generale, von denen viele verwundet worden den meisten wurden die Pferde unter dem Leibe erschossen, weßhalb sie zu Fuß an der Spitze ihrer Divisionen kämpften, eine rückgängige Bewegung, um die Russen auf die offene Ebene zu ziehen. Die russischen Truppen defilirten nun­mehr wieder aus dem Walde, und eine Wolke Cava­liere, der mehrere Regimenter Kürassiere vorausspreng­ten , begann den Angriff. Oberst Pientha, der auf ei­ner zerbrochenen Kanone stehend, mit vollendetem sang froid seine Batterie 5 volle Stunden lang unaufhörlich spielen ließ, erwartete kaltblütig den Sturm, um dem Feinde noch eine nachdrückliche Ladung zu geben, und verließ dann in vollem Gallop einen Posten, den er unter dem furchtbaren Feuer der ru|fi|d)en Artillerie so lang behauptet hatte. Dic,e schnelle Bewegung sei Batterie ermutigte die russischen Truppen. D.e Caval-