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worden und hat sich die größte Zeit seines Lebens in fremden Ländern aufgehalten; er hat sich keiner Po­pularität zu erfreuen und über seinen Charakter sowie über seine geistigen Fähigkeiten zirkuliren die sonder­barsten Gerüchte. Eine Kammer, die nur den kleinsten Begriff von ihrer Stellung hat, mußte in einem so wichtigen^ Augenblicke ihre ganje Aufmerksamkeit dem Schicksale des Landes zuwendeu, das sie berufen hatte, seine Interessen wahrzunehmen. Wie die luxem­burgische Kammer dies gethan hat, finden wir kein Beispiel in den Annalen der Geschichte. In der ersten Sitzung am,29. wurde vorerst zur Wahl der Vorsitzenden und der Schriftführer geschritten. Meh­rere Mitglieder^ stimmten für die ungeeignetsten^Per- sonen, deren es in unserer Kammer leider sehr^viele gibt; auch die Namen der Bürger Blanqui und Ras- peil gingen aus der Wahlurne hervor, und derSpaß" war so weit getrieben, daß man sich nicht mehr in einer Ständeversammlung, sondern am Spielplätze einer unartigen Jugend glaubte. In den darauf folgenden Sitzungen wurde die Adresse berathen, und zur Ab­wechselung die sehr zarte Frage gestellt, ob die Depu­tation auch Reisegelder beziehen soll?! Lassen wir dies feine Conveuienzstückchen bei Seite und gehen wir lie­ber gleich zu der Adresse selbst über. Dort heißt es u. a., daßwir nichts zu beneiden und nichts mehr zu wünschen (?) hätten und daß wir die Anhänglich­keit des Fürsten für sein Volk mit einer unbegrenzten Liebe und Ergebenheit vergelten werden". Klingt es nicht wie Hohn, wenn die Deputirtenkammer sagt, daß in unserm Lande, wo ein Census und noch dazu ein hoher Wahlcensus besteht, das Volk nichts mehr zu wünschen noch zu beneiden habe? Gehört nicht mehr als niedrige Kriecherei dazu um bei einem Regierungs- Antritt und unter so prekären Umständen von^unbe- gränzter Liebe und Ergebenheit zu sprechen?! Ein einziger Deputirter, der Fürsprech Andre, der allein die Linke bildet, erhob sich gegen diesen schamlosen Ser- Vilismus, aber es half soviel als spräche er zu den Vier Wänden. (Tr. Z.)

Trier, 2. April. Der gestrige Abend ist in un­serer Stadt sehr unruhig verlaufen. Die Spannung zwischen den Bürgern und dem Militär wird von Tag zu Tag stärker und wir sehen unter diesen Um­ständen traurigen Conflikten entgegen. Allgemein wird uns der Beginn der gestrigen Schlägereien, welche in der Fleischstraße, sowie in der Brückenstraße und Na­gelstraße stattfanden, in folgender Weise angegeben. Einige Jungen sangen das Heckerlied und mehrere 27er oder 26er wollten sie daran verhindern, indem sie ihnen sagten, dieses Lied sei verboten. Es mischte sich ein Erwachsener in den Wortstreit und entgegnete den Soldaten, daß sie ebensowenig dann das Recht hätten, das Preußcnlicd zu singen; der Wortwechsel endete mit Thätlichkeiten, an welchen sich bald viele Bürger und Militärpersonen, Gemeine, Antheil nahmen. Die Soldaten zogen blank und es wurden viele Personen von ihnen mit den Säbeln in der Faust bis an ent­fernte Orte verfolgt. So z. B. erzählte uns ein Bür­ger in der Nagelstraße, daß ein junger Mensch sich in sein Haus geflüchtet habe, dessen Thüre zufällig noch nicht geschlossen war. Die Soldaten, circa 20 an der Zahl, erwischten den Verfolgten, ehe er das Asyl vollständig erreicht hatte und versetzten ihm mit ihren Waffen Hiebe, von welcher einer ihm eine Wunde in den Kopf beibrachte. Ein glücklicher Zufall wollte es, daß das Opfer seinen Drängern entrann; der junge Mann nahm durch den Garten des Hausbesitzers über eine Mauer die Flucht und entrann auf diese Weise seinen Verfolgern. Schreiber dieses selbst beinerkte zwischen 8 und 9 Uhr eine Menge Soldaten, welche durch die Fleischstraße zogen und in dichten Haufen auf dem Marktplatze sich aufstellten. Selbst nach 10 Uhr war die Ruhe noch nicht hergestellt. Eine Stunde früher führte uns unser Weg am Hotel de Venise vorüber, eine große Masse Menschen war dort ver­sammelt. Artilleristen und Husaren wurden dort vom Volke, in dessen Mitte sie sich bewegten, freundlich em­pfangen, überall sprach sich indessen die größte Ent­rüstung über die 26er und 27er aus. Sollten die Be­hörden nicht Veranlassung nehmen, durch entsprechende Maßregeln diesen unseligen Zuständen ein Ende zu inanen ? (Tr. Z.)

Berlin, 1. April. Gestern Abend war in dem Lokal des Hrn. Ewest (Jaroschewitz) eine Versamm­lung der Wahlmänner einiger Bezirke um einen Be­richt der von ihnen gewählten Abgeordneten über die bisherigen Verhandlungen der zweiten Kammer ent­gegenzunehmen. Es hatten die Abgeordneten Waldeck, Reuter und Jung bereits unter großem Beifall ge­sprochen, so daß der Zweck der Versammlung bereits vollständig erreicht und man nur uoch damit beschäf­tigt war, einen Vorstand zu wählen, welcher berech­tigt sein soll, ähnliche Versammlungen zu berufen, da drangen die Schmetterlinge des Völkerfrühlings, die warnenden Stimmen des Gesetzes, die Konstabler herein und fordertenim Namen des Gesetzes" zuin Auseinandcrgehen auf. Der Sprecher erklärte die ganze Sache für eine zufällig zusammengekommene Ge­sellschaft, die hier ihr Glas Wein trinken wollte. Zum Beweis stimmte ein ganzer Tisch das Lied an: Es kann ja nicht immer so bleiben." Eine warnende Stimme erklärte das für Beleidigung der obrigkeit­lichen Personen. Auch ein Militärpiquet drang nun hinein. Man verhaftete den Wirth und einen

Assessor Gubitz, der nur gesagt hatte:Ich bitte Unté

Der schleswig- holstein'sche Hauptmann Reichenbach wurde von einem Lieutenant aufgefordert, sogleich das Ziminer zu verlassen, man müsse sonst zum Aeußersten schreiten. Die beiden Gefangenen wurden sehr roh behandelt, aber bald wieder frei ge­lassen! ' 3

Das sind Vorbereitungen zum Einzug der Frank­furter Deputation ! (N. D. Z.)

Berlin, 2. April. Die von uns vor einiger Zeit gegebene Nachricht, daß in einem böhmischen Bade ein Fürstencongreß stattsinden solle, gibt jetzt verschie­denen politischen Kreisen Stoff zu allerlei Vermuthun­gen. Uns wird von guter Hand mitgetheilt, daß, ob­schon man zuerst in den allgemeinen europäischen Äir- hältniyen den Hauptgrund zu diesem projektirtem Kon­greß fand, man jetzt Seitens der deutschen Regierun­gen dahin wirkt, vorzugsweise auf jenem Congresse die Verständigung der deutschen Fürsten untereinander und mit der Frankfurter Nationalversammlung zu Stande zu bringen. (F. I.)

Schleswig, 1. April. Wenn nicht alle An- zelgen trügen, fo werden die Feindselig­keiten am 3. d. M. eröffnet werden.

Die preußische Gesandtschaft in London hat am 29. v. M. den dentschen Konsnlaten in England mit Bezugnahme auf die frühere Erklärung Hebeler's, daß die Waffenruhe bis zum 15. April dauern solle, fol­gende Mittheilung gemacht:Ich bin so eben von dem Ritter Bunsen beauftragt worden, Sie zu benachrich^ tigen, daß der dänische Gesandte am hiesigen Hofe, Graf Reventlow, erklärt hat, es sei ihm keine Mit­theilung darüber geworden, daß seine Regierung eine solche Absicht habe (nämlich die Waffenruhe bis zum 15. April dauern zu lassen), daß vielmehr nach den ihm zugekommenen Depeschen die Waffenruhe n:ur bis zum 2. April einschließlich dauert. Von Seiten der preußischen und hanseatischen Konsuln in den verschiedenen englischen Häfen sind sofort die erforderlichen Maßregeln getroffen worden, um die deutschen Schiffer von diesem Stand der Dinge in Kenntniß zu setzen, damit sich dieselben vor der dro­henden Gefahr schützen können.

Es sollen neue Noten von St. Petersburg und vom Londoner Kabinet angekommen sein. (F. I.)

Italien.

Triest, 28. März. Nach gestern erhaltenen amt­lichen Nachrichten landeten die Venezianer, 1000 Mann .stark, in der Nacht vom 24. d. bei Conche, und be­festigten sich in einer sehr vortheilhaften Stellung. Da General Landwehr vermuthete, es sei auf etwas Grö­ßeres abgesehen, so griff er sie gleich am Morgen mit den 'in der Nähe befindlichen 6 Kompagnien Prinz Emil Infanterie und zwei Kanonen an, und vertrieb sie nach einem kurzen Kampfe. Der Rückzug der Ve­nezianer artete bald in wilde Flucht nach ihren Schif­fen aus, wobei viele ihre Gewehre rc. in die Kanale warfen. Der Verlust des Feindes ist nicht genau be­kannt; einige Todte blieben auf dem Kampfplatze; 20 bis 30 ertranken beim Umschlagen eines Schiffes, die Verwundeten, worunter sich der die Expedition befeh­ligende Obrist Noara befinden soll, nahmen sie mit. Unsererseits blieben 2 Todte und 2 wurden schwer verwundet. Täglich erhalten wir Militärverstärkung vom Innern, wovon dann freilich ein Theil nach Istrien wieder abgeht. Die feindliche Flotte läßt sich noch immer nicht blicken. (Allg. Z).

Chur, 31. März. Heute lief bei unserer Regie­rung eine Depesche ein von dem schweizerischen Konsul in Mailand d. d. 29. Mär;, welche neben einer Ab­schrift des zwischen König Viktor Emanuel und Feld­marschall Radetzky abgeschlossenen Waffenstillstandsver- trags die Anzeige enthält, daß gestern und heute, also den 28. und 29. dieses Monats, bei 10,000 Mmm vom Kriegsschauplatz nebst einem Theile des Stabs nach Mailand zurückgekehrt seien. Am 28. wollten 500 Mann vom Regiment Savoyen-Infanterie (Flücht­linge von Novara her) die Schweizergrenze in Bri- sago bei Lokarno überschreiten, wurden aber zur Ab­legung der Waffen aufgefordert, worauf sie Rechtsum­kehrt machten und den Weg nach dem Simpkum ein­schlugen. (Schw. Merk.)

Turin, 29. März. In Folge der Weigerung mehrerer gestern genannter Minister fand heute eine Ministeränderung statt. Abbe Vicenzo Gioberti ist ad interim Unterrichtsminister.

Die Kammer ist immer noch in Permanenz und hörte gestern Abend den Bericht der Deputation an, die zum neuen Könige geschickt worden. Derselbe hat erklärt, daß er Hoffnung habe, Radetzky werde von seinen Waffenstillstandsbedingnngen wesentlich ablas­sen (?!). Uebrigens werde er (Viktor Emaunel) nicht von der Bahn seines Vaters weichen rc. (M. Z.)

Ungarn.

Pesth, 27. März. Endlich bin ich in der Lage, ziemlich verläßliche Nachrichten von den Vorfällen auf dem Kriegsschauplätze zu bringen. Da die Insurgen­ten auf der Hatvaner, Szolnoker und Keskemeter Straße nicht durchzubrechen vermochten, marschirte General G ö r g e y mit einer starken Heersäule nach seinem alten Tummelplätze in den obern Ge­genden. Zwar gelang es den österreichischen Gene- nerälen Götz und Jablonovsky, unterstützt von den

Freischälern Hurban's, die Städte Kaschau und Eperics m kasserllchen Hänchen zu erhalten, doch wurden die

""?.?^5"isse der loyalen Einwohner des Sa- roser Komltats schonungslos geblündert, und das Werk der Zerstörung mit solchem Feuereifer betrieben, daß

5 ^" der Heerstraße nun mehr nackte, dachlose Mauern gegen Himmel ragen. Unter anderm wurde d.eNatwnalgar^ sechzehn Zipserstädte, da sie nicht frelwilltg die Waffen gegen ihren legitimen Wn und Kaiser ergreifen wollten, auf zweihundert Wagen fortgeschleppt. Lierauf ging der Zug nach M.s- kolcz. Das M der Nachbarschaft liegende Gut des Grafen St. Szwmay, der bekanntlich ein Freicorps für den kai,erlichen Dienst angeworben hatte, erfuhr zuerst die Rache der Malkontenten; dann kamen die Besitzungen der gleichfalls loyalen Grafen Pallavicini im Borsoder Comitat an die Reihe, und so schritt die Verwüstung und Plünderung unaufhaltsam bis Gyarmath vor. Das Ziel des Marsches scheint der Uebergang über die Waag und später der Entsatz der hartbedrängten Festung Komorn zu seyn. Dieser Um­stand und das bodenlos schlechte Wetter änderten die Operationspläne der Kaiserlichen. Das ohnehin läh- mige Terain ward nämlich in Folge des fünftägigen Schnee- und Regeuwetters derart morastig und imprak­tikabel, daß die Kanonen bis über die Räder in den Koth versinken und selbst die Pferde der schweren Rei­terei, bis an die Fesseln in Schlamm watend, nur mühsam auf der Heerstraße fortkommen. Von einer Kavallerie-Attague auf den Feldern könnte also noch weniger die Rede sein. Ohne Mitwirkung der Ar­tillerie und Reiterei ist aber kein Feldzug denkbar. Aus dieser Rüchsicht zog sich das auf der Hatvaner Straße mänövirirende österreichische Armeecorps auf Waitzen zurück und nahm dort eine feste Position ein, um den Feind vernichtend zu empfangen und den be­absichtigten Entsatz von Komorn zu vereiteln. Die Garnison dieser Festung wagte Ende der vorigen Woche abermals einen Ausfall aus dem Donaubrückenkopf, willens, die kaiserlichen Schanzarbeiten zu zerstören oder doch wenigstens zu hemmen, wurde jedoch mit blutigen Köpfen zurückgetrieben. Die Oesterreicher zähl­ten nur wenige Verwundete, obgleich während des gan­zen Ausfalles ein äußerst lebhaftes lebhaftes Feuer von der Festung aus unterhalten wurde (C. B. a. B.)

Aus Vinkonvice, 24. März, berichtet dieSüd­schlesische Zeitung": Reisende brachten uns heute die Nachricht, daß in Semlin eine außerordentliche Auf­regung herrsche. Straßenzüge in ungarischem Kostüm, ungarische Freiheitslieder, Eljens und Zivios dem Kossuth erschallen in der Stadt. (N. D. 3.1

Vom Kriegsschauplatz in U n g a r n lauten die neuesten Nachrichten dahin, daß Weiden mit 36 Ka­nonen und 3 Bataillonen am 26. vor Komorn artge- kommen ist. Das furchtbare Bombardement der Festung bauert fort. Die Donausürstenthümer werden immer mehr mit rnsischen Leermassen überschwemmt. Nicht Bem, sondern Puchner soll geschlagen und in die Walachei gedrängt worden sein.

Schweiz.

Bern, 2. April. DieRevue" von Genf stellt über die Vorgänge in Italien inhaltsschwere Betrach­tungen an. Wir geben den Schluß:Wer sind die Verräther in dem geheimnißvollen Abenteuer? Es ist vor Allem die allgemeine Verschwörung der Reaktion, die in diesem Moment auf allen Punkten Europa's operirt. Eine neue Lehre für die Revolutionen! Die Völker, die noch aufrecht stehen, werden sie dieselbe beachten? Schweizer und Franzosen, versteht ihr sie? Es ist die Koalition von 1814 und 1815, wo die Oesterreicher in demselben Augenblick in Alessandrien stehen, wo Oesterreich seine Verbindung mit Rußland vor ganz Europa kund gibt. Ein Schritt noch und man steht in Frankreich; noch ein Schritt und man überschreitet den Rhein bei Basel, wie anno 13. Haben wir nicht noch immer Anhänger der Neutrali­tät um jeden Preis, die sich jeden Augenblick bereit finden lassen, den Kosaken und Kroaten die Thore der Schweiz zu öffnen, und hält nicht Frankreich seine bereit?" (F. I.)

Frankreich.

Paris, 28. Mär;. Gestern stand vor dem Kriegs­gerichte eine Frau, Namens Leblanc, welche beschul­digt ist, mehreren Mobilgardisten in den Junitagen mit einem großen Fleischmesser den Kopf abgeschnitten zu haben. Die Angeklagte ist eine hochgewachsene, breitschultrige Frau; ihre Gesichtszüge sind regelmäßig, ihre Gesichtsfarbe hochroth; sie trägt eine Haube mit rosenfarbenen Bändern und ein Kleid von braunem Merino; ihr ganzes Aeußere drückt einen gewissen Wohlstand aus. Unter den Beweisstücken erblickt man ein 18 bis 20 Zoll langes Messer, womit die Ange­klagte die schreckliche Operation vollzog. Sie wurde am 26. Juni um 4 Uhr Morgens im Faubourg du Temple von einem Mobilgardisten in dem Augen­blick arretirt, wo sie im Begriffe war, einem verwun­deten Kameraden desselben den Kopf abzuschlagen. Einer der Augenzengen, ein Mobilgardist, macht fol­gende Aussage:Der Tag begann zu dämmern, wir befanden uns bei der Barriere St. Maur, wo man uns mit Flintenschüssen traktirte; die Kugeln pfiffen uns um die Ohren. Ich sah eine Frau aus einem Hanse treten, ans welchem man auf uns feuerte, und einen Augenblick darauf sah ich sie niedergebeugt am