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Freiheit und Recht!"

Wiesbaden. Freitag, 6. April

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Der Berliner Hof und die PaulSkirche.

-2 Wiesbaden, den 5. April.

Der König von Preußen hat der Frankfurter Deputation erklärt,daß es jetzt an den Regierungen der einzelnen deutschen Staaten sei, zu prüfen, ob die Verfassung dem Einzelnen wie dein Ganzen fromme."

Das nennen wir endlich offen und ohne Rückhalt reden!

Ein deutscher Fürstencongreß wird hiernach wohl demnächst zusammentreten und sich über die Frankfurter Arbeit aussprechen: und sicher wird diese neue deut­sche Nationalversammlung jene Arbeit nur höchstens als Vorarbeit, als Material, benutzen, und zweifels­ohne wird diese neue konstituirende Versammlung die unbequemen Wege der Vereinbarung und der Ver­ständigung bei Seite setzend die breite Bahn der Oktroyirung betreten.

Auf diesen Punkt des absoluten Verlusts der Volkssouveränität hat also die Gesellschaft der Paulskirche die deutsche Nation durch ihre unverant­wortliche Halbheit und Thatenlosigkeit gebracht.

Heiße Thränen könnte man über die Wirksamkeit jener Gesellschaft, welche der deutschen Nation weder die Freiheit noch die Einheit wohl aber durch ihr Zaudern den permanenten Belagerungszustand zum Geschenk gemacht hat weinen, wenn diese Thränen nicht durch heilige, bei Gott gerechte Zornesgluth zurück­gehalten würden!

Diese Idealisten in der Paulskirche konnten sich wirklich schmeicheln, der Berliner Hof würde die Sou­veränität des deutschen Volks, d. h. die Thätigkeit der Nationalversammlung, anerkennen!! ?

Zur Zeit, als Friedrich Wilhelm den Hut vor den Leichen des Volks abzog, zur Zeit, als der Prinz von Preußen die preußischen Staaten verließ, um in Bel­gien und England konstitutionelles Staatsrecht zu stu­piden zu jener Zeit konnte der Berliner Hof ge­zwungen werden, die Souveränität des Volkes anzu­erkennen.

Allein von Beginn ihres Zusammentritts an hat die Nationalversammlung in Frankfurt kein andres Ziel emsiger und erfolgreicher verfolgt: als die Wiederbefe­stigung der seit März vorigen Jahres heftig erschütterten fürstlichen Gewalten.

Jetzt, nachdem die Frankfurter Professoren ^tc fürst­liche Macht wieder allenthalben festgestellt, wie je vordem, jetzt darf sich Niemand wahrlich wun­dern, wenn der Berliner Hof die Hirngespinnste jener Professoren, deren er jetzt nicht mehr bedarf, mit Gemüthsruhe der Rumpelkammer übergibt. Das Kabinet von Potsdam schloß den Waffenstillstand von Malmö ab, ohne sich im mindesten an die Wünsche

der Frankfurter Zentralohnmacht zu kehren; der preußi­sche Hof schwankte, ob er das Ministerium Branden- burg-Manteustel beibehalten oder entlassen solle, und beschloß aber sofort, dieses Ministerium beizubehalten, nachdem die Nationalversammlung in Frankfurt den Beschluß gefaßt hatte,den König von Preußen zu ersuchen, das Ministerium Branden­burg-Manteuffel zu entfernen;" deutsche Reichskom- miffäre riethen dem mehrgenannten preußischen "Mini­sterium von einer Oktroyirung der Verfassung ab und als sie nach Hause kamen, fanden sie die ok- troyirte Verfassungsurkunde im preußischen Staats- anzeiger.

Hatte der Berliner Hof durch solche Thatsachen nicht hinlänglich und klar ausgesprochen, daß für ihn die Beschlüsse der konstituirenden Nationalversamm­lung gar keine Bedeutung hätten? Trotz der gemach­ten Erfahrungen boten die Frankfurter Professoren ih­ren Kaiserbeschluß dem Berliner Hof zur Annahme an. Aber der preußische Hof ist sich konsequent geblieben, und hat gezeigt, daß ihm jetzt eben so wenig an den Projekten der Frankfurter Herren liegt als vorher.

Das Volk hat den Frankfurter Vertretern längst alles Vertrauen entzogen, und jetzt weisen die Fürsten die Anerbietung derselben Vertreter mit Hohn von sich. Das ist der gerechte Lohn der Un­entschiedenheit, Halbheit, der Thatenl 0- sigkeit.

Der Krieg zwischen Oestreich und Sardinien.

Jetzt endlich liegen die Ereignisse des piemontesi- schen Feldzugs bis zum Sieg der Oesterreicher bei Novara offen und deutlich vor uns.

Während Radetzky absichtlich das falsche Gerücht verbreiten ließ, er werde sich auf der Defensive halten und gegen die Adda zurückgehen, zog er in der Stille seine sämmtlichen Truppen um St. Angelo und Pavia zusammen. Er war durch den Verraty der österrei­chisch-reaktionären Partei in Turin vollständig von allen Plänen und Dispositionen Chrzanowski's von der ganzen Stellung seiner Armee unterrichtet, wogegen es ihm gelang, die Piemontesen über die (einigen voll­ständig zu täuschen. Daher die Aufstellung der pie- montesischen Armee zu beiden Seiten des Po, die nur darauf berechnet war, von allen Seiten zugleich mit einer konzentrischen Bewegung gegen Mailand und Lodi vorzudringen.

Aber dennoch war bei einem ernsthaften Widerstand im Centrum der piemontesischen Armee keineswegs an die raschen Erfolge zu denken, die Radetzky jetzt er­rungen hat. Trat ihm das Corps Nomarino bei Pavia in den Weg, so blieb Zeit genug, ihm den Ucbergang

über den Ventil zu bestreiken, bis Verstärkungen heran­gezogen waren. Inzwischen konnten die Divisionen die auf dem rechten Po-llfer und bei Arona standen ebenfalls emtreffen; die piemonte^e Armee, parallel dem Delfin ausgestellt, deckte Turin, und war mehr als hinreichend, die Armee Raoetzky's zu Paaren zu treiben. Darauf, daß Ramorino seine Schuldigkeit thun würde, mußte natürlich gerechnet werden.

Er that sie nicht. Er gestattete Radetzky den Uebcigang über den Tessin, und damit war das pic- montesische Centrum durchbrochen, waren die jenseits des Po ausgestellten Divisionen i sollet. Damit war eigentlich der Feldzug schon entschieden.

Radetzky stellte nun seine ganze, 6070,000 Mann mit 120 Kanonen starke Macht zwischen dem Tessin und der Agogna auf, und nahm die fünf den Tessin entlang ausgestellten piemontesischen Divisionen in die Flanke. Die zunächst ausgestellten vier schlug er mit seiner kolossalen Uebermacht bei Mortaro, Gaelesko und Vigevano am 21. zurück, nahm Mortaro, zwang da­durch die Piemontesen sich auf Novara zuurückzuzieheü und bedrohte die einzige ihnen noch offene Straße nach Turin, die von Novara über Vercelli und Chivaffo.

Diese Straße war aber bereits für die Piemon­tesen verloren. Um ihre Truppen zusammenzuziehen und namentlich um die am äußersten linken Flügel um Arona ausgestellte Division Solaroli heranziehen zu können, mußten sie Novara zum Knotenpunkt ihrer Operationen machen, während sie sonst hinter der Sesia eine neue Aufstellung nehmen konnten.

Von Turin daher bereits so gut wie abgeschnitten, blieb ihnen Nichts, als entweder eine Schlacht bei No­vara anzunehmen, oder sich in die Lombardei zu werfen, den Volkskrieg zu organisiren und Turin sei­nem Schicksal, den Reserven und Nationalgarden, zu überlassen. Radetzky würde in diesem Fall sich ge­hütet haben, weiter vorzudringen.

Dieser Fall setzt aber voraus, daß in Piemont selbst der Aufstand in Masse vorbereitet war, und das war eben nicht der Fall. Die bürgerliche National­garde war bewaffnet; aber die Masse des Volks war waffenlos, so laut sie nach den Waffen verlangte, die in den Arsenalen lagen.

Die Monarchie hatte es nicht gewagt, an dieselbe unwiderstehliche Gewalt zu appelliren, welche Frank­reich 1793 rettete.

Die Piemontesen mußten also die Schlacht von Novara annehmen, so ungünstig ihre Stellung und so groß die feindliche Uebermacht auch war.

Vierzigtausend Piemontesen (10 Brigaden) mit verhältnißmäßig schwacher Artillerie, standen der gan­zen österreichischen Macht, mindestens sechszigtausend Mann mit 120 Kanonen, gegenüber.

Die piemontesische Armee war zu beiden Seiten der

Die Ciseilbahnen in Deutschland

(Fortsetzung und Schluß.)

Von Lundcnburg aus theilt sich diese Hauptstraße nach Norden in zwei Arme; indem der eine nach Brcs- la», der andere über Prag durch Böhmen nach Dresden und Leipzig geht. Auf letzterem Wege fehlt noch die Strecke zwischen Prag und Dresden. Doch ist von Dres­den aus bereits bis Pirna gebaut; und von Prag bis Aussig hofft man noch in diesem Jahre fertig zu werden.

2) die zweite Hauptstraße führt durch Mittel- Deutschland. In Magdeburg würden, wie in einem Knotenpunkte, die Bahnen von den Häfen der Nordsee und Ostsee Zusammentreffen, und von da ans führt dann die Straße über Leipzig, Altenburg, Plauen, Hof, Nürn­berg, durch ganz Baiern durch und wird ihr Endziel in Lindau am Bodensee und in München erreichen. Auch diese Hauptstraße ist beinahe vollendet. Ganz Baiern ist von Norden nach Süden mit dem Schienenwege durch­zogen ; bloß das Stückchen von Kaufbeuren bis zum Bodensee fehlt noeb. Zum Anschluß an ;bie sächsische Bahn fehlt noch das Stückchen von Plauen bis Reichenbach, das wegen der großartigen Ueberbrückung des Götschthales bedeutende Schwierig^ iten hat. Die im Bau begriffene Bahn von Magdeburg nach Wittenberge wird erstere Stadt direct mit Hamburg verbinden unb den bisherigen bedeutenden Umweg über Berlin ersparen.

3) Die dritte Hauptstraße wird die westliche sein.

Sie reicht von Süden nach Norden bereits von der Schweiz bis Frankfurt. Von pier aus wird sie über Kassel nach Karlshafen gehen, welche letztere Strecke bereits eröffnet ist. Von Karls Hafen wird eine Bahn über Paderborn und Lippstadt in Bielefeld an die köln- mindener Eisenbahn anschließen und so die Verbindung des südwestlichen Deutschlands mit der Worb; und Ostsee herstellen. Der Bau dieser Bahnen ist gesichert und wird zum Theil bereits lebhaft betrieben. Die Bahn von Karlshafen nach Bielefeld hat der preußische Staat über­nommen, und wird der Bau unverzüglich beginnen. Da­gegen fehlt cie Verbindung zwischen Frankfurt und Köln längs dem Rheine, und scheint vor der Hand noch wenig Aussicht, daß dieselbe hergestellt wird. Von Köln aus erreichen wir die belgischen Nordsec-Hâfen bereits in 12 Stunden. Die Verbindung mit Holland fehlt noch, doch ist die Strecke von Arnheim nach Oberhausen weder so lang noch so schwierig, saß man nicht auf den bal­digen Ausbau derselben hoffen könnte.

Von Westen nach Osten werden nach Vollendung des Eisenbahn-Netzes gleichfalls drei Hauptstraßen führen:

1) Die nördliche, von der belgischen Gränze beginnend, führt über Köln durch Westfalen, Hannover, Braunschweig, Magdeburg, Berlin zunächst bis Stettin und Posen; ihre Vollendung wird diese Straße durch die große Ost- Bahn nach Königsberg erhalten. Diese Straße ist in so fern von Bedeutung, als sie ein ganz neuer Handelsweg dem Westen und Ostern Deutschlands ist, da früher der

Westen mit dem Osten mehr durch den Seeweg und den Weg über Frankfurt verbunden war.

2) Der Weg durch Mittel-Deutschland zieht sich von Main; aus über Frankfurt durch Kurhessen, durch Thüringen nach Leipzig und mündet von da über Dres­den, Bautzen und Görlitz in die schlesische Bahn. Diese Straße entspricht ganz dem uralten Handelswege zwischen dem Westen und Osten, der alten Meßstraße zwischen Frankfurt unb Leipzig. An der Vollendung dieser Straße fehlt noch die hessische Süd-Bahn von Frankfurt bis Kassel allerdings eine bedcntcndc Strecke. Eine Ver­bindung dieses Schienenwegs mit dem nördlichen wird durch die Verbindungsbahn zwischen Karlshafen nud Biele­feld hergestellt werden.

3) Eine Eisenbahn-Verbindung von Westen nach Osten im südlichen Deutschland ist eben nur erst angebahnt: Die würtcmbergische Staats-Eisenbahn, die bereits von Heilbronn bis Göppingen befahren wird, wird das Mittel­glied sein, das die badische and baierifebe Süd-Nord-Bahn verbindet. Ueber den Punkt des Anschlusses der ivürtenn bergischen an die badische Staatsbahn wird noch unter­handelt. Wenn dieses Mittelglied ausgebaut sein wird, so ist die westliche Schienenstraße im südlichen Deutsch­land bis München vollendet. Die Wetterführung von München nach Wien dürfte wohl einer ferneren Zu­kunft angeboren. .

Die Eisenbahnen Deutschlands sind gröstentheils durch Privatkräfte gebaut-worden, nnb zwar von 41 Actien-