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Heute hat indessen die Herz. Regierung den Ent­wurf eines r e v i d i r t e n Staatsgrundgesetzes der Kammer zur Berathung und Genehmi­gung vor gelegt; also einen Gesetzentwurf vorge­bracht in einer Weise, in welcher die Kammer auf Veranlassung namentlich auch des Abg. Heydenreich die Initiative ergriffen hat. Wir wollen nicht glau­ben, daß der Abg. Heydenreich, nachdem er die Ini­tiative hat ergreifen helfen, auf einen Negierungsent­wurf wartete und deßwegen mit Großmann gemein­schaftlich den oben gedachten Beschluß zu Stande ge­bracht hat, obgleich Manche der Ansicht sind, durch den fraglichen Kommissions- und Kammerbeschluß hätte die Regierung die Möglichkeit erhalten, dem Ausschuß zuvorzukommen. Es wird sich indessen ganz bald zeigen, wie die Sache sich verhält, bei der Frage, welcher Entwurf den Berathungen zu Grunde gelegt werden soll. ,

A. Wiesbaden, 3. April. Der heute von der Regierung vorgelegte Verfassungsvorschlag übergeht die Domänen frage mit Bezug auf das'Steuer­edikt, und fußt auf dem Zweikammersystem. Es lebe Vater Hergenhahn, der Begründer des Ein- kamtnersystems I

II Oberscheld, Amts Dillenburg, Ende März. Wir können nicht sagen, daß in Folge der großen Ereig­nisse im vorigen Jahre unsere Gemeinde einen glück­lichen Tausch in ihren Beamten gemacht habe was früher Schultheiß hieß wird jetzt Bürgermeister ge­nannt. bind dieses Meistern der Bürger hat sich un­ser neuer Bürgermeister Hartmann, der übrigens noch recht gut werden kann, wenn er sich von Leuten mit gesundem Verstände rathen läßt, tu solchem Grade angelegen sein lassen, daß man sich wundern muß, wie die Gemeinde so lange hat Stillschweigen beobach­ten können. Denn wir fragen vor allen Dingen, wo­zu anders ist der Gemeinderath da, als daß der Bür­germeister ihn in allen Dingen zu Rathe zieht? und nicht die Männer allein, die, wie die frühern Land- stände, zu Allem Ja sagen. Wir halten es doch für ausgemacht, daß in der jetzigen Zeit mit dem Wechsel der Personen auch ein Wechsel des Systems verbun­den sein muß. Aber das leidige Commandiren und Poliziren! wobei dann gewisse Personen glauben, daß Alles gut gehe, wenn sie nur am Ruder sind. Möge sich das unser Herr Bürgermeister merken und möge er sich mit den Ideen, die außerhalb unseres Dorfes die herrschenden sind, etwas vertrauter machen; denn damit.ist nichts gethan, daß man z. B., wenn eine Petition ans Parlament vorgeseblagen wird, um das freieste Wahlgesetz, Wegfall des Reichsraths re. ?c. zu verlangen, Zeter und Republik schreit. Sollte jedesmal das, was der Herr Bürgermeister nicht versteht, eine Republik sein, so wird ihm bald der Himmel, wo Andere nur Baßgeigen er­blicken voll Republiken erscheinen.

Frankfurt, 1. April. Um flaute verändern d ie Sache! Bei der Berathung des Reichswahlge- setzes erklärte der Herr Er-Ministerpräsident v. Ga- gern nach Ausweis der stenographischen Berichte Seite 5301: Ich gehöre der Partei an, welche das allge­meine Stimmrecht mit tem Gemeinwohl für unverein­bar hält. Ferner donnerte er gegen die direkten Wah­len, und bat bei dieser Gelegenheit um Erlaubniß, das vorzulesen, was er früher einmal hierüber in der hessischen Kammer geäußert habe, weisser es nicht besser auszudrücken vermöge.

Trotz dieser Wühlereien gegen das allgemeine Stimmrecht erhob sich derEdle" mit dieser ganzen Partei" für den Antrag: das Wahlgesetz, so wie es tu erster Lesung beschlossen nunmehr endgültig anzunehmen, als nämlich der Erbkaiser auf andere Weise nicht durch­gehen konnte. Wir fragen nunmehr, wie konnte Gagern und seine Partei, wenn sie wirklich wie sie am 20. Februar behaupteten, das allgemeine Stimm­recht mit dem Gemeinwohl für unverträglich hielten, um ihren Erbkaiser das Gemeinwohl vernichten? Mit welchem Ramen verdient diese Handlungsweise bezeich­net zu werden?Edel" ist es gewiß nicht! (Rt.-Z.)

Frankfurt, 3. April. Man sagt, der österreichi­sche Abgeordnete aus Leitmeritz, der Dichter Moritz H artma n n, der allerdings wenig Neigung verspüren dürfte, nach Oesterreich zurückzukehren, habe hier das Bürgerrecht erlangt. (L. Z.)

Darmstadt. In einer der letzten Kammersitzungen machte Herr Jaup ganz erbauliche Mittheilungen. Die Einquartirungsgelder würden nämlich sobald noch nicht bezahlt werden, weil weder in der Reichskasse, noch in der Landeskasse Geld vorhanden sei. Wir fragen den Herrn Jaup einfach, durfte er die enormen Summen, die unser unglückliches Ländchen an die Reichskasse bezahlen mußte, erst vor wenig Wochen 105,000 fl. für die Flotte auszahlen, oder war es nicht vielmehr seine Pflicht, das abzuziehen, was das Reich an Hessen schuldet? Wir erfahren bei dieser Gelegenheit, daß Rheinhessen allein 200,000 fl. für Einquartirung zu fordern hat, daß man also dieser unglücklichen Provinz eine enorme Zwangssteuer auf­gelegt, die nicht den Reichen, sondern den Armen trifft. Gesetzlich besteht die Verpflichtung, daß 14 Tage nach dem Abmarsch der Truppen die Einquartirung bezahlt werden muß. Die Regiernng hat nicht allein die Steuer eingenommen, welche vor dem 10. März be­standen , sondern auch die Einkommenssteuer, sie hat

außerdem noch zwei Millionen Papiergeld. Wo ist das Geld hingekommen? Ein Volk, welches am Rand ter Verzweiflung steht, hat das Recht darnach zu

Nastatt, 2 April. Die von den Geschwornen in Freiburg verurteilten Struve und Blind wurden heute mit denk ersten Bahnzug aus dem Oberland hier­her verbracht und werden nun wieder in der Bastion 30 festgehalten, bis das Oberhofgericht in Mannheim über das von Brentano ergriffene Rechtsmittel der Eayation entschieden haben wird. Eine Infanterie- abtheilung diente von Freiburg bis hierher zu ihrer Bedeckung und vom hiesigen Bahnhof bis zur Bastion wurden sie von einer Abtheilung Dragoner begleitet, während in dem Wagen je zwei Gensd'armen und ein Scharfschütze Platz genommen. (Fr.J.)

d Mannheim, 2. April. Die auf heute anberaumte Wahl eines Abgeordneten zur verrotteten 2, Kam­mer an die Stelle des ausgetretenen Bürgers Bren­tano, ist nicht zu Stande gekommen. Von der Gesammtzahl der Wahlmänner waren, wie wir bei­läufig früher ankündigten, nur 42 erschienen, und da­runter der bekannte dermalen intermistischè Rcichsstaats- sekretarius Bassermann, obgleich er von hier,dem Wahlorte, hinweggczogcn," und darum nach der Wahl­ordnung nicht wahlberechtigt ist, ferner einer und der andere Wahlmann, welche gegen die etwaigen Ver­such einer Minoritätswahl zu protestiren kamen, ohne selbst wählen zu wollen.

Nach sehr langem Warten begann von Seiten ter reaktionären, neuvaterländischen Wahlmänner eine Be­rathung, wie man des Widerstrebens der heute Aus- gebliebenen ungeachtet, eine neue Wahl gültig zu Stande bringen möchte, und namentlich machten die Bürger- Weller, der berühmte Kammer-Vicepräses, und Bürger- Hofrath Mohr, Er-Abgeordnetcr vormärzlichen Datums, Vorschläge, welche dahin zielten, durch Beihülfe der Regierung demnächst eine Wahl, und wäre es eine Minoritätswahl zu Stande zu bringen! Allein auch die­ses Projekt mißlang, selbst eine große Mehrheit der vorhandenen Wahlliebhaber erklärte sich dagegen, und so wird denn ein neuer Wahltermin angesetzt werden, dessen Resultat voraussichtlich das des heutigen sein wird. (M. Aztg.)

München, 29. April. Trotz der vielfachen Ge­rüchte von Auflösung der Volkskammer, von Oktroyi- rüng des Wahlgesetzes unt der Verfassung steht hier­nach immer Alles auf dem alten Punkte. Man hätte das Erste wohl gern gethan, aber das bekannte Schwanken läßt zu keinem Entschluße kommen, und das Mini­sterium der Angst, das sich gleich seinen Vorgängern ängstlich an das Portefeuille auHammert und um die­ses nicht zu verlieren alle möglichen Halbheiten vor­kehrt, sieht trotz seiner Beschränktheit ein, daß die Auf­lösung der Volkskammer nur zu seinem Untergänge, zur Beschleunigunn desselben beitragen würde. Es hat deßhalb die Vertagung bis zum 21. April verlängert. Die Oktroyirung des Wahlgesetzes und der Verfassung ist, auch bei dem besten Willen der reaktionären Par­tei, eine Unmöglichkeit; ungeachtet ihrer Blindheit er­kennt sie, daß Oktroyiern so viel wäre, als sich außer­dem Gesetze stellen, und wenigstens den Schein der Gesetzlichkeit will sie sich wahren. (M. Aztg.)

Berlin, 1. April. Die Kurfürsten aus der Pauls­kirche werden morgen am Bahnhöfe von den Vätern der Stadt empfangen und während ihres hiesigen Auf­enthaltes auf Stadtkosten gespeiset und getränket wer­den, was Herrn Riesser gewiß aus gastronomischen, wie Herrn v. Raumer aus ökonomischen Motiven angenehm zu hören sein wird. Eine braunschweigische Deputation, die den König um Annahme bitten will, erregt hier viel Heiterkeit, hat aber bis jetzt noch keine Audienz erhalten und erhält schwerlich eine solche, da. man bei Hofe nicht genirt sein will und durch Man- teuffel's Vermittlung der Magistrat sogar bestimmt wurde, seine bereits couvertirte und höchst vorsichtige Adresse nicht abzusenden.

An der Börse wirkte die steigende Unsicherheit in der Kaiserfrage, wie auch ein Gerücht, daß Däne­mark plötzlich die Friedensunterhandlungen abgebrochen habe, sehr beunruhigend, weil man Nußland's dro­henden Einfluß dort wie hier thätig sieht.

Berlin, 2. April. Vorgestern Abend schon trat die Kommission der zweiten Kammer zur Entwerfung einer Adresse zusammen und entschied sich mit 12 gegen 10 Stimmen für die Unruh'sche Vorlage, die jedoch der Minorität 51t phrasenreich und gedankenarm ist, wcßhalb dieselbe eine neue Vorlage entwerfen wird. Nach Unruh's Entwürfe legt die zweite Kammerdie dringende Bitte ehrfurchtsvoll an Ew. Maj. königliches Herz, die Erwartung der deutschen Nationalversamm­lung und die Hoffnungen des durch dieselbe vertrete­nen deutschen Volkes zu erfüllen." Die erste Kammer nahm heute einstimmig eine Adresse an, in der es heißt:Wir erkennen die Schwierigkeit der Fragen, die dabei zur Erwägung kommen. Die Verständigung mit andern deutschen Negierungen, der Inhalt meh­rerer in die Neichsverfassung aufgenommener Bestim­mungen, die Anforderungen und Opfer, welche für Preußen aus dieser neuen Stellung erwachsen können, wiegen in der Wagschaale der Entscheidung, deren das deutsche Volk sehnsüchtig harrt." Die erste Kam­mer vertraut jedoch, daß es gelingen werde u. s. w., und verspricht dem Könige,daß unser Volk seinem Könige mit vollster Kraft und Begeisterung in Allem

K Seite stehen werde, was derselbe zur Ausführung großen Pflichten zum Heile Deutschlands für nothwendig erkennen wird." (M.Z.) s f f März. Die gestern in der Stadt sehr Messung einer allgemeinen Ain- mstle hat sich wenigstens für jekt noch nicht »ÄJÄ ?" Kaiser _ werde um P D-D" «"treffen und dann dieser so sehr «tonten Maßregel gnad-nvoll Raum geben Fast alle heutigen Blatter kommen auf die allgemeine Ver- brettung des obigen Gerüchtes zurück

Der Einmarsch von 60,000 Tuffen in Siebcnbür- gen 'st kaum m Zweifel zu ziehen; der Stand der Dinge daselbst, so wie tn Ungarn wird trotz der er­warteten Bulletins noch immer nichts weniger als be­friedigend dargestellt.

Nach Mittheilungen von Reisenden, die diesen Mor­gen aus Ungarn kamen, bestätigt es sich, daß die Dinge vorerst (!) noch nicht zum Besten dort stehen. Man war selbst nicht ohne Besorgniß für die Behaup­tung der Schwesterstädte. In den südlichen Gegenden hat Feldmarschall-Lleutenant Rukavina den separa­tistischen Gelüsten der Serben gegenüber einen harten Stand und die Widersetzlichkeit der letzteren soll bei­nahe bis zu einer offenen ausgeartet sein. Die Gast­wirthe in Temeswar, welche eine Anzeige über abge­haltene aufreizende Reden unterlassen, werden mit Ar­rest und Geldbußen von 100 fl. bestraft, was bei Wiederholungen verschärft wird. (Allg. O.-Z.)

Wien, 30. März. Der gestrigeAbend-Lloyd" bestätigt die Nachricht von einem verstärkten Einmarsch der Russen in Siebenbürgen. ^Sicherem Vernebmen nach", sagt dieses halboffizielle Organ,hatten 30,000 Russen den Befehl erhalten, in Siebenbürgen einzu­rucken und soll dieses bereits geschehen sein." Weiter­hin, heißt es, sei ein Courier mit der Nachricht ange­langt, daß B e in von den Russen gänzlich aufs Haupt geschlagen, sich in die Walachei geworfen habe. '

Frankreich.

Paris, 31. März. Der Moniteur meldet die ihm gestern durch den Telegraphen zugegangene Nachricht von der Wahl des Königs von Preußen zum deutschen Erbkaiser. Dieses Ereigniß macht hier wenig Ein­druck. Das Journal des Debats zweifelt, daß von den deutschen Fürsten ein Einziger unter den jetzigen kritischen Verhältnissen diese Wahl annehme.

Im Faubourg St. Germain zirkulirt, nach An­gabe der Reform, eine Glückwunschadresse an Radetzky/ die bei den Legitimisten zahlreiche Unterschriften findet. So wären wir denn, ruft das genannte Blatt, wieder- glücklich bei dem Kosackenjubel von 1815 angelangt!

Proudhon hat gestern^das Rechtsmittel der Kassa­tion gegen das ihn treffende Urtheil eingelegt. Die demokratischen Blätter eröffnen Subskriptionen zur Deckung der Geldbußen des Peuple, die freilich lang­sam, aber sicher vorschreiten. ^M. Z.)

Paris, 1. April. Die Post aus Turin, welche wir eben erhalten, ist wichtig. Sie bringt uns ein neues sehr mattes Ministerium des neuen Königs und eine überaus stürmische Kammersitzung, die bis Mitter­nacht dauerte und mit dem Beschlusse endete:Wer­den zwischen Chrzanowsky und Radetzky abgeschlossenen Waffenstillstand anerkennt, ist ein Verräther des Vater­landes."

Das Gerücht läuft im Operngange (heute Sonn­tag ist bekanntlich keine offizielle Börse), daß die Nea­politaner am 29. März Palermo zu bombardiren be­gonnen. Offenbar voreilig! Die neuesten Berichte aus Palermo und Neapel findet man in der Times vom 31. März. Sie reichen aus Neapel bis zum 20. nnd Palermo bis zum 13. März und lassen allerdings eine Katastrophe vermuthen.Doch (schreibt der Times­korrespondent) die Frauen arbeiten an den Festungs­werken und die Jugend durchzieht die Straßen unter dem Gesänge: Aus der Haut der Bourbonen machen wir Felle für unsere Trommeln." Bei solchem Ent­husiasmus dürfte auch der Todtengräber Thiers Lügen gestraft werden.

Während Herr Thiers gestern auf der Tri­bune der Nationalversammlung zwei Stunden lang bewies, daß Italien todt sei und die Zuckungen dieses Leichnams keine Intervention werth seien, erhielt Ledru- Nollin aus Oberitalien Briefe, welche anzeigen:

1) daß die Oesterreicher trotz deS Waffenstillstandes die Feindseligkeiten wieder begonnen und Ber­gamo bombardirt hätten;

2) daß die Bevölkerung von Mailand aufgestanden sei und alle österreichischen Insignien abreiße, daß in allen Dörfern die Sturmglocke erschalle;

3) daß sich Genua zur Republik umgeschaffen, und unter das Protektorat Englands gestellt habe.

Bestätigen sich alle diese Nachrichten, die Ledru- Nollin der Nationalversammlung vorlas, so sieht Je­dermann ein, daß in Italien der Krieg mit der Ver- rätherei Nomarino's noch nicht zu Ende ging, sondern erst anfängt. (Mainz.Z.)

Italien-

Turin, 26. März. Es ist schwer, eine Schilde­rung unserer Zustände zu geben, und ich kann es nicht anders zusammenfaffcn, als indem ich sage: es sieht aus, wie nach einer Niederlage. Uneinigkeit, gegen­seitige Vorwürfe, abenteuerliche Gerüchte stoßen lind drängen sich von allen Seiten. Die NeakOousparttt