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Dreiheit nnd Hecfit!

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Wiesbaden. Donnerstag, 3. April

1850

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Dogen. Der AbonnenteNtSpreiS betraf vierteljährig hier in Wiesbaden 1 ff. 45 fr auswärt-, Durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen uno sino bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von imrffnn.m. Erfolge. - Die Znserationsgebudren betragen für die vierspaltrge Petitzeile oder deren Naum 3 Kreuzer. J ^w

Bericht der unterzeichneten Abgeordneten zur verfassung­gebenden deutschen Nationalversammlung, betreffend die Vorgänge in der Paulskirche am 27. und

28. März 1849.

(Eingesandt.)

Als Nationalvertreter sind wir Unterzeichneten ver- bunden, ein Zeugniß der Wahrheit vor dem deutschen Volke abzulcgen von den folgenschweren Vorgängen des 27. und 28. Märzes; wir halten uns dazu um so mehr verpflichtet, weil wesentliche Umstände von manchen Zeitungen verschwiegen, von andern verun­staltet wurden.

Obgleich in der Nationalversammlung ununter­brochen anerkannt wurde, daß eine Verständigung mit den einzelnen Staaten über die Verfassungsbestimmun­gen stattfinden solle, so find doch die Bemerkungen der Regierungen in der Nationalversammlung nicht zur Berathung gekommen. Ohnerachtet diè Nationalver- sammlung durch einen besondern Beschluß bestimmt hatte, daß Unterhandlungen mit dem österreichischen Ministerium gepflogen werden sollten, und das öster­reichische Ministerium mit Vorschlägen neuerlich ent- gegengekommen war, so haben die letzteren doch nicht die allergeringste Berathung gefunden. Diese Unter­lassungen zu verhindern, waren wir außer Stand; unsere Anträge wurden zurückgewiesen. Bereits war die Nationalversammlung durch den Welcker'schen An­trag, durch das ununterbrochene Bearbeiten der Presse und durch ausgestreute Gerichte in den Zustand höch­ster Aufregung versetzt.

Als unsere Aufgabe sahen wir es an, für das ge­kämmte Deutschland eine Verfassungsform zn schaffen und widerstrebten demgemäß der Annahme eines erb­lichen Kaiserthums, weil dieses die Einheit Deutsch­lands auf immer zerreißend die Gesammtkraft unseres Volkes vernichtet, die Freiheit gefährdet, die Gleichbe­rechtigung .aller Stämme verletzt, Unruhe nach sich zieht statt Ruhe, und das Vaterland in große Gefahr stürzt. Gar kein Mandat aber haben wir zur Erwählung einer Kaiser-Dynastie.

Nachdem von der Nationalversammlung der An­trag, ein erbliches Kaiserthum einzufetzen, am 23. Ja­nuar mit einer Mehrheit von 52 Stimmen und zum zweitemnale am 21. März in dem Welcker'schen An­träge mit 31 Stimmen Mehrheit verworfen worden war, bekam derselbe Antrag, ohne von neuem bera­then zu sein, am 27. März bei 538 anwesenden Na­tionalvertretern eine Mehrheit von vier Stimmen. Um eine erbliche Kaisergewalt über das deutsche Volk zu begründen, muß der Nationalwille sich unzweideu­tiger , übereinstimmender, allseitiger äußern. Wie Stimmen dafür erlangt wurden, das wollen wir hier ebensowenig beachten, alsprüfen, ob die Abgeord-

n e t e n aus Schleswig über die wichtigste Frage unsererZukunft den Ausschlag'geben durften, nachdem in §. 1 der Verfassung am 23. März beschlossen war, daßdie Verhältnisse des Her- zogthums Schleswig der definitiven Anordnung Vor­behalten bleiben", es mithin fraglich ist, ob die dem­nach nurprovisorisch zugelassenen Schleswiger beiDeutsch- land verbleiben oder md)t: aber erwähnen wollen wir, daß gerade vier Abgeordnete ausOestreich, welche den An­trag bejahten, am andern Tage die Erwählung verwei­gerten. Unter den die Erblichkeit Annehmenden wa­ren 150 Preußen, die insofern in eigener Sache stimm­ten, da bekannt war, daß es sich allein um die Er­hebung des preußischen Königs, ihres Fürsten, zum Beherrscher der übrigen Staaten und Stamme handle. In großer Mehrheit erklärten sich dagegen die Abge­ordneten aus Baiern (dagegen 52, dafür nur 13), Würtemberg (dagegen 19, dafür 7), Baden (dagen11, dafür 5), Oesterreich (dagegen 106, dafür 4), Sach­sen (dagegen 15, dafür 5).

Kanin war am Abend des 27. Märzes die Lösung der tief einschneidenden Frage mit der zweifelhaften Mehr­heit von yi34 der anwesenden Nationalvertreter gegeben, so kam am folgenden Tag ein Antrag über die Art der Wahl des Kaisergeschlechts in die Nationalversammlung.

Ob zu einem solchen Wahlakt die verfassunggebende Nationalversammlung beauftragt und berechtigt sei, wann und wie die Erwählung vorzunehmen, in wel­cher Weise die Verfassung vollzogen und verkündet werden solle, stand zu erörtern. Blochten Viele schon ihr Gewissen dadlirch beschwert finden, daß Ihnen die Gelegenheit dadurch genommen war, durch eine Schluß­abstimmung über das Ganze des Verfaffungswerkeö sich rechtsverbindlich auszusprechen, so wurde jetzt eine voreilige Entschließung über die Wahlart gefordert; denn kein Bericht, keine Begründung der Anträge be­fand sich in unsern Händen. Und doch setzt die Ge- schäftsorbuung 8. 32 ausdrücklich, nur geringfügige odersehr dringende" Sachen ausnehmend, wörtlich fest:Die Hauptverhandlung über einen Antrag kann nicht vor Ablauf von 24 Stunden nach dessen. Ver- theilung im Druck in der Nationalversammlung ftatt- sinden." Erst während der Verhandlung selbst wurde ein Blatt mit den Anträgen des Ausschusses vertheilt und die Verhandlung schleunigst beendigt. Denn nach­dem die Versammlung nach dem Wortführer des Aus­schusses einen einzigen Redner dagegen hatte sprechen lassen, Herrn Reichensperger, und seinen triftigen Grün­den und Anführungen kein Einwand entgegengesetzt worden, nur höhnisches Gelächter, ward den übrigen angemeldeten Rednern das Wort abgeschnitten und der Schluß der Verhandlung decretirt, dann schnell durch das bei so getheilter Meinung des Parlamentes nn- sichcre Mittel des Aufstehens nnd Sitzenbleibens abge­stimmt - und im Fluge waren zehn gewichtige An­träge über. Verfayuugsverkündignng und Kaiserwahl angenommen. Darauf wurde vom Präsidenten die

Verfassung als gültig erklärt, ohne daß ihr Wortlaut verlesen worden wäre, und sofort zur Kaiserwahl ge­schritten, deren Vornahme nicht auf der Tagesordnung angekündigt worden. Also ein dringlicher Antrag über eine Kaiserwahl! Bei dem Namensaufruf erklärten zweihundert und achtundvierziq Abgeordnete, daß sie nicht wählen würden, 290Abgeordnete(worunter 164 aus Preußen) wählten einen Erbkaiser. Als der letzte Abgeordnete befragt war, rief der Präsident den König von Preußen zum Kaiser der Deutschen aus, und hatte kaum angefangen zu sprechen, als schon bestelltes Glockengeläute ertönte. Ein paar hundert Abgeordnete hatten theils Erklärungen über ihre Weigerung, zu wählen, theils auch Vorbehalte rücksichtlich der von ihnen mitvorgenommenen Wahl eingereicht. Der Prä­sident verlas diese nicht, zuwider dem regelmäßigen Gebrauch. Als wir ihre Verlesung forderten, befragte er die Versammlung, deren Mehrheit die Verlesung unserer Erklärungen verweigerte. In drei Stunden war dieses alles abgemacht.

Wir fragen, welche Dringlichkeit der Umstände ein solches Ueberstürzen rechtfertigt? Denn wir kennen keine allgewaltig zu solch betäubender Hast hindrän­gende Noth. Die Macht der Thatsachen wird unserm öffentlichen Widerspruche Nachdruck geben: von uns weisen wir ab die Verantwortlichkeit. ImWeiden­busch" beräth und beschließt die Paatei, welche die Mehrheit besitzt: in der Paulskirche wird nicht mehr berathen, sondern was im Weidenbusch beschlossen war, von ihr zum Beschlusse der Nationalversammlung er­hoben. Das Gesetz der Mehrheit gilt in den Parla­menten, aber wir glauben nimmermehr, daß die in der Geschäftsordnung hingestellten Vorsichtsmaßregeln, deren Zweck ist, vor Uebereilung und Ungerechtigkeit zu schützen, Vorsichtsmaßregeln, die bei den untergeord­netsten Geschäften streng beobachtet werden, in so ernster und wichtiger Angelegenheit durch Mehrheits­beschlüsse niedergeschmettert werden dürfen.

Dies ist der Sachverhalt und das Verfahren. Richte darüber das deutsche Volk, richten seine Negierungen und Ständeversammlungcu!

Frankfurt a. M., 30. März 1849.

Bothmer von Earow für Hannover. Dr. Heinr. Wuttke, Abgeordneter aus Sachsen. Dr. Linde aus Maiuz, Abgeordneter von Westpfahlcn. Buß aus Frei­burg, Abgeordneter aus Westphalen. Karl Moring, Abgeordneter aus Wien, von Sommaruga, Abge­ordneter airé Eger. Dr. Kreutzberg, Abgeordneter für Gablonz. Dr. Polaßeck aus Weißkirch. Graf aus München. Schreiner aus Gratz. Dr. v. Lassaulr aus München, v. Neuwall aus Brünn. Peter Ka- nitsch aus Karlsberg in Kärnthen. Ignaz v. Kür­singer aus Salzburg. Karl v. Kürsinger aus Salz­burg- I. Lindner für Amstetten. J. G. Neumann. Fr. Göbel für Jägerndorf. Rapp für Kumberg. Dr. Werner, Abg. für Melk. Jos. Weiß für Grinn. Weber

Die Eisenbahnen in Deutschland.

AlS vor etwa zwölf Jahren der Bau der Eisenbahnen in Deutschland begann, berichteten die öffentlichen Blätter beinahe über jeden Spatenstich, der geschehen war, und die Eröffnung einer nengebanten Strecke ward mit vielem Jubel verkündigt: Nach und nach nahm das ab und im vorigen Jahre erregten die politischen Ereignisse der­maßen die öffentliche Aufmerksamkeit, daß die politischen Zeitungen des Eisenbahn-Baues gar nicht gedachten. Und doch ist just im Jahre 1848 trotz aller politischen Kämpfe, trotz des Darniederliegens von Handel und Gewerbe so rüstig gebaut worden , wie fast niemals. Es' wurden 94 Meilen Eisenbahn eröffnet und neun ganze Bahnen Lem Betrieb übergeben. Eine kurze llebersicht vom Stande des deutschen Eisenbahn-Baues dürfte auch in diesem Blatte an seiner Stelle sein.

Ganz vollendet und dem Verkehr übergebeu wurden die Bahnen von Münster nach Hamm, von Elberfeld nach Dortmund, von Oberhausen nach Ruhrort; alle drei Seitenbahncu der köln-mindener. Ferner von Jüterbogk nach Riesa, eine Verbindungs-Bahn zwischen der bcrlin- anhaltischen und der leipzig-drcsdcncr. Ferner die Bahnen von Stettin nach Posen, von Frankfurt nach Hanau, die Seitenbahn von Löbau nach Zittau in der Oberlau- sitz, die Seitenbahn von Brieg nach Neisse in Schlesien und eine kleine Seitenbahn für Pferde von Fröttstett

nach Wackershausen in Thüringen. Sechs von diesen Bahnen sind in Preußen, eine in Sachsen, eine in Thüringen und eine in Hessen erbaut worden.

Außer diesen ganzen Bahnen wurden einzelne Strecken auf anderen im Bau begriffenen vollendet und dem Ver­kehr übergeben.

Die hessische Fricdrich-Wilhclms-Nordbahn ward von Kassel bis Karlshafeu an der Weser, und auf der Strecke von Kassel nach Eisenach, wo die Friedrich-Wilhelms- Nordbahn sich an die thüringische anschliegen wird, ward eine Strecke Bebra nach Guxhagen eröffnet.

In Mecklenburg ward die Strecke von Schwerin nach WiSmar vollendet.

Auf der pfälzischen Ludwigs-Bahn ward die Strecke von Homburg bis Kaiserslautern eröffnet

Im Ganzen werden jetzt 850 Meilen Eisenbahn in Deutschland befahren.

Von diesen kommen 540 auf Nvrddentschland, da­runter 326 allein auf Preußen. In Sübdeutschlaud, Oesterreich einbegriffen, sind 310 Meilen vollendet.

Die deutschen Eiseubahnen werden nach Vollendung der hessischen Friedrich-Wilhelmö-Bahn ein zusammen­hängendes Netz bilden.

Bis jetzt sind nur 624 Meilen ganz zusammenhängend, und zwar sämmtliche Bahnen Norddeutschlands, die sich durch die schlesischen Bahnen an die österreichischen an­schließen. Dieses Eisenbahn-Ney, schließt sich durch die rheinische Bahn an die belgischen und die französischen,

und dadurch entsteht ein Eisenbahn-Netz, daS sich über daS nördliche Frankreich, Belgien und den größten Theil Deutschlands erstreckt. Seine Endpunkte sind westlich TourS, Havre, Dieppe, Bvulongne Ostende Antwerpen und Eisenach; südlich Bonn, Reichenbach, Pirna, Zittau, Cilly; östlich Krakau und Posen ; nördlich Stettin, Kiel, Rendsburg und Bremen. Ein kleines Eisenbahn- Ney ist im Südwesten Deutschlands vollendet. Es reicht südlich bis an die Gränze der Schweiz, westlich bis an die Gränze von Frankreich, nördlich bis Wiesbaden und östlich bis Hanau und Offenbach.

Nach dem Ausbau noch einiger Bahnstrecken wird Deutschland von Norden nach Süden von drei großen Hauptstraßen durchschnitten sein:

1) Die östliche Straße von den Ostsee-Häfen nach dem adriatischen Meer. Diese Hauptstraße ist beinahe vollendet; sie zieht sich von Stettin über Berlin, Frank­furt a. d. O., Breslau, Wien bis Cilly. Die Strecke von Cilly bis Triest ist noch zu bauen. Die Häfen der Nordsee stehen mit dieser Hauptstraße (von Hamburg nach Berlin, von Bremen über Hannover, Braunschweig, Magdeburg .Leipzig, Dresden, Breslau u. s. w.) bereits in Verbindung.

(Schluß folgt.)