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Funft besorgt, Ihrer Aufforderung, unsere Wünsche au Sie gelangen zu lassen, um so lieber Nachkommen, weil wir nicht gesonnen sind, die Zahl Derer, die von den Märzerrungenschaften eine schiefe Ansicht haben, um eins oder mehrere Mitglieder aus unserem Wahlbezirk vergrößert zu sehen.

Zuerst mußten wir, gegenüber Ihrer früher schein­bar so volksfreundlichen Gesinnungen, gerechte Ver­wunderung empfinden, daß Sie bei der Frage, ob die Kreisbezirksräthe aus direkter oder indirekter Wahl des Volkes hervorgehen sollten, sich der Abstimmung enthielten, während Ihr Talent in den Volksversamm­lungen zu Herborn für die direkte Wahl, als die freieste und beste, kaum Worte genug zu finden vermochte.

Ihr nächster Schritt war nicht geeignet, uns eine bessere Meinung von Ihrer Wirksamkeit beizubringen; vielmehr gesellt sich zu dem Mißtrauen gegen Ihre politische Gesinnung unser tiefster Unwille, daß bei der Frage wegen Amnestie unserer unglücklichen Brüder, der sogenannten politischen Verbrecher des vorigen Jahres, Sie der Einzige waren, der dem einmüthigen Beschlusse der Kammer, um alsbaldige Begnadigung sich zu verwenden, entgegentrat. Es kann unsere Ab­sicht nicht sein, eine in aufgeregten Augenblicken mit ungesetzlichen Mitteln unternommene Widersetzlichkeit vollständig rein zu waschen; doch aber verstehen wir die edle Absicht für des Volkes Wohl und Heil Leben und Freiheit einzusetzen ; und solch' edler Muth ist uns trotz der anhaftenden Verirrung viel ehrenwerther, als die unbändig wortfreisinnigen politischen Glaubensbe­kenntnisse Derer, die, wenn cs gilt, zurückweichen und das auf sie vertrauende Volk im Stich lassen. Uns ist immer das Befürworten einer Begnadigung als der schönste Ruhm erschienen; wie vielmehr in vorliegen­dem Falle, wo politische Verurtheilte, als wären es schwere Verbrecher, erbarmungslos dem Zuchthause überantwortet sind. In so gewichtigen Dingen darf der Mann, der uns vertritt, nicht anderer Meinung sein als wir; und Sie haben es nicht einmal der Mühe werth gehalten, Ihr Sitzenbleiben zu rechtferti­gen! aber wollen Sie sich nur nicht in Ihrer Meinung durch das Gutachten dieses oder jenes Gerichtshofes, der sich gegen eine Amnestie erklärte, bestärkt glauben; denn uns will bedrucken, als könnten Handlungen, deren Motive einer politischen Neuzeit allein angehö­ren, mit dem Maßstabe einer veralteten Juristenweis­heit nicht bemessen werden.

Sie schreiten weiter fort und bezeichnen diesen Weg durch ein feindseliges Auftreten gegen den Grundsatz der Einkommensteuer. Um kurz zu sein, erklären wir Ihnen, daß wir uns die Freiheit nehmen, das Gegen­theil von ihren Behauptungen zu bekennen. Wir hal­ten das Princip der Einkommensteuer in den Staaten, die auf der Höhe der Zeit stehen und eine Zukunft haben wollen, für allein richtig, weil nur dadurch die kaum erträgliche Last dem bedrängten Volke abgenom­men und auf diejenigen übertragen wird, die bisher übermäßig begünstigt wurden. Fehlerhafte Einführungs­maßregeln lassen sich sehr wohl von dein richtig blei­benden Grundsätze unterscheiden und diesen wollen wir engherzigen Geldsäcken nimmermehr aufgeopfert selben.

Zum Ueberflusse haben wir viertens noch Ihr jüngstes Votum über die Wahl der Geschworenen. Wir erklären Ihnen, daß trotz Ihrer Abstimmung es nie unsere Meinung sein wird, daß die zum Geschwor­nen erforderlichen Grundeigenschaften: gesundes Urtheil, Unparteilichkeit und Charakterstärke im ausschließlichen Besitze der studirten und vermögenden Klasse seien. Wir haben die Erfahrung auf unserer Seite; und wer den gewöhnlichen schlichten Mann nur darum, weil er nicht studirt hat- und keine hohe Steuer bezahlen kann, von der Wahl zum Geschwornen ausschließen will, der verleugnet ein unveräußerliches Menschenrecht und tritt eine der werthvollsten unserer Märzerrungenschaften mit Füßen. - -

Wenn Sie so in allen Stücken das direkte Gegen­

theck von dem gesprochen und gethan haben, was Ihre Wähler von Ihnen erwarteten und jetzt vor Ihnen erklären, so werden Sie wohl keine besondere Lust mehr haben, Vertreter des I. Wahlbezirks zu sein; und wir fordern Sie, unter Beziehung unsers entschie­densten Mißtrauens, hiermit auf, gemäß der am Wahl­tage zu Herborn gegebenen Zusage, Ihr Mandat in die Hände Ihrer Wähler zurückzugeben.

E Von der obern Weil, Ende März. Aller Anfang ist schwer das zeigt sich wieder bei der Einführung der neuen Gemeindeverfafiung und den Wirkungen, welche dieselbe auf das Gemeindeleben äußert. Es will an manchen Orten den Leuten noch nicht in den Kopf, daß sich die Minorität der Majo­rität unterwerfen muß. Manche Gemeinderäthe neh­men Anstand, einen Beschluß zu fassen, wenn dies nicht einstimmig geschehen kann. In andern Ge­meinden nimmt man wahr, daß Diejenigen, die bei einer Abstimmung in der Minderzahl bleiben, nichts Eiligeres zu thun zu haben meinen, als sich sofort beschwerdeführend an das Amt oder an die Regierung zu wenden, ein Verfahren, wodurch offenbar die Gemeinden die Verwaltung ihrer Angelegenheiten sich wieder aus der Hand spielen. In andern Gemeinden wieder will der Hader und Streit kein Ende nehmen, weil der Horizont noch zu beschränkt ist, weil man an kleinlichen Dingen hängt und den Blick nicht zu dem Wichtigen und Allgemeinen zu erheben vermag. Es ist dies freilich nicht zu verwundern, wenn es sogar noch Bürgermeister gibt, welche die ganze politische Bewegung der Zeit für zweck- und nutzlos halten. In unserer Gegend ist gewiß ein regeres politisches Leben als in vielen andern Strichen unseres Herzog- thums, und dennoch gibt's au der Weil noch Bürger­meister, welche jede Petition, die ihnen zum Unter­schreiben vorgelegt wird, mit den Worten:Es batt doch naut!" wegschiebcn. Ein Anderer dieser Herren machte es bei einer solchen Gelegenheit noch schöner; er fragte nach dem Verfasser der Petition, und legte sie dann mit den Worten bei Seite:Der N. hat mir nichts zu befehlen, ich unterschreibe bloß, was mir vom Amte zugeschickt wird!" Möchten diese Herren, die freilich, Gott sei Dank! in unserer Gegend nur noch einzelne Ausnahmen bilden, doch bedenken, was die jetzige Zeit von dem obersten Gemeindebeamten fordert. Möchten sie, anstatt in der alten Trägheit und politischen Gleichgiltigkeit zu beharren, ihren Mit- bürgeru mit gutem Beispiel voraugehen und es als die wichtigste Aufgabe ihres Amtes anseheu, das po­litische Leben da, wo es noch schläft, zu wecken und zu kräftigen!

Berlin, 29. März. Die Neue Preuß. Ztg. ruft der Deputation der Paulskirche höhnend zu:Die Re­volution hat jetzt einen Ambassadeur-Nock angethan ; sie nahet mit Szepter und Krone, und bald werden wir die verführerischen Worte vernehmen:Dies Alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich an- betest." Wie wird die Antwort lauten, wird die Ehre mächtiger fein als die Schmach, und das Glück stärker als die Noth? Kann man auch eine Krone verschen­ken, die man nicht besitzt, und was kann Preußen von Frankfurt empfangen, das es nicht schon hätte? Wir verschmähen diesen trügerischen Schmuck, der in Staub zerfällt, wenn man ihn berührt. Wir wollen cs nicht, diesprunkende Gewand, denn die es spann, war keine reine Inngfrau." Jahrhunderte voll Ruhm und Ehre haben Preußen's Thron gegründet als einen ehernen Fels, fest, daß die Wogen des Aufruhrs an ihm zerschellen, und nur dem Meister wird es ge­linge», das Werk zu zertrümmern. Die Hand, welche die Krone mit Unrecht bringt, wird sie auch zurück­fordern mit Gewalt, wenn es ihr paßt; und was wird der Krone Preußen's bleiben, wenn auch die Liebe und Treue derSchwarz -Weißen" in dem deutschen Wirbel aufgegangen ist? Die Wahl ist eine

ernste:Der rechte Ritter sprengt heran und warnt j den Grafen sanft und gut, doch baß hetzt ihn der linke Mann zu schadenfrohem Frevelmuth." Ist der Schritt gethan , man kann ihn schwerlich zurück thun, ist die neue Krone angenommen, man kann die alte schwerlich behalten, und die alte war eine Ehrenkrone. Der Enkel seiner großen Väter darf nicht ein kleiner märzerrungener Kaiser sein, und Friedrich's Szepter ist ein besserer totab, als jene kleine Wünschelruthe, mit welcher Heinrich Gagern seine Treuen dirigirt."

Berin, 30. März. Die Kaiserkrone ist derEris- apfcl, der die beiden Parteien, auf welche sich die Dynastie bisher stützte, für immer zu verfehden droht. Die spezifische Partei, die Absolutisten vom reinsten Wasser, deren Organ die Neue Preuß. Ztg. ist, schreibt dem König die unbedingte Zurückweisung als Ehren- und Gewifienspflicht vor, die konstitutionelle Regie­rungspartei dagegen will eine verbindliche Ablehnung unter Vorbehalt der möglichen Annahme, wenn die allgemeine Fürstenzustimmung und mehrere wesentliche Abänderungen in der Rbichsverfassung, worunter das suspensive Veto und das Wahlgesetz, erfolgen. In dem Ministerrathe, der gestern gehalten wurde, stimm­ten diese beiden Meiunngsschattirungen, die dort ver­treten sind, darin zusammen, daß man Sr. Maj. nicht rathen könne, die Kaiserkrone ohne Weiteres aus den Händen der Frankfurter Versammlung anzunehmen. Der hiesige Magistrat hat auch bereits Wind von die­ser Stimmung in den offiziellen Regionen bekommen und sich deßhalb der Adresse der Stadtverordnetenver­sammlung, welche sich für unbedingte Annahme ausspricht, nicht augeschlossen, sondern nach Charlotten­burg eine Separatadresse abgeschickt, worin es heißt: Wir verkennen nicht, daß große Bedenken sich der Entschließung Ew. Majestät entgegenstellen könnten; aber wir vertrauen auch, daß dieser Entschluß Ew. Majestät dadurch erleichtert werden wird, daß der Patriotismus der deutschen Fürsten und Stämme die Hindernisse beseitigt, welche der Begründung selbst eines starken engern Bundesstaates und der Gestaltung einer lebenskräftigen Organisation desselben gegenwär­tig uoch entgegenzustehen scheinen." Diese beiden Adres­sen werden übrigens wahrscheinlich vor der Hand ohne Antwort bleiben, da der König in der vollständigsten Rathlosigkeit cs auf den Eindruck des Momentes an­kommen lassen zu, wollen scheint. Die Antwort, welche der König der Deputation auf die Adresse der zweiten Kammer ertheilte, ist ein Muster konstitutio­neller Leerheit. Man hatte gehofft, der redseligen Majestät werde eine Andeutung entschlüpfen; doch ver­gebens.Möge der göttliche Segen Ihre Wirksamkeit begleiten, dann wird das große Werk, an welchem die zweite Kammer mit arbeitet, wohl gelingen; dann werden die Hoffnungen auf eine schönere Zukunft un­seres theuern Vaterlandes in Erfüllung gehen." Von Deutschland, von unserm großen Vaterlande keine Silbe! " (M. Z.)

Berlin, 30. März. Vor einigen Tagen haben sämmtliche Offiziere des Garde-Corps eine prachtvoll geschriebene Anerkennungsadresse, welche auch der Prinz von Preußen mit unterzeichnete, an den Feldmarschall Radetzky nach Italien abgesendet. (A.Z.C.)

Berlin, 30. März. Die Nachricht von der Wahl Sr. Majestät zum deutschen Kaiser hat hier keinen so großen Anklang gefunden, als man wohl erwarten mochte. Das Staatsministerium trat gestern zu einer Berathung über die Annahme der Kaiserkrone zusam­men. Wie vorauszusehen, sprach sich in dem Minister­rath die Meinung aus, daß man Sr. Majestät nicht rathen könne, die Kaiserkrone aus den Händen der Frankfurter Versammlung ohne Weiteres anzunchmen; es müsse die Annahme an die Erfüllung verschiedener Bedingungen geknüpft werden. Gilt nun auch die zu erlangende Verständigung mit den übrigen deutschen Fürsten als die vornehmste jener Bedingungen, so kam doch auch schon hier die Frage wegen des suspensiven

sturme des vorigen Jahres, vor allem aber durch die Ereignisse in Bukarest, und durch zahlreiche Flüchtlinge von dort her aus seinem langen Schlafe zum nationalen Bewußtsein aufgeweckt worden. Wie in Südslavieu und bei den Czechen die Idee der Nationalität nur von einigen , Parteiführern und der wenig zahlreichen Klasse der wis- : seuschaftllch Gebildeten getragen wird, keineswegs aber im ganzen Volke zum Bewußtsein erwacht ist: so ist unter den Wallachen der politische und nationale Gedanke nur bei ihren Popen und Prokuratoren (Advokaten;) und wie die literarischen Häupter der Südslaven, als Gaj, i Vuk Stepanoww, und die Parteisührer der Czechen, als | Brauner, Hawliock und Andere, von einem großen Süd- slavien und Czechien träumen, so die gebildete, phan- tastssche Jugend der Wallachen von einem künftigen großen Dakv-Romanicm

Diesen furzen Ueberblick der geographischen und cthuo- praphischcn Verhältnisse glaubten wir vvrausschicken zu müssen, um dadurch die politischen Verhältnisse des Landes wie sie waren und wie sie augenblicklich sind begLkisiieher zu machen.

Siebenbürgen war bis vor etwa 300 Jahren mit Ungarn zu einem Königreiche vereinigt; tiefe Union hatte sich schon seit 1550 anfangs in eine förmliche Trennung, dann in eine reine Personal-Union aufgelöst, welche letztere durch die pragmatische Sanktion ihre bestimmte Gestal­

tung erhielt, und mit Ausnahme für die drei 1834 mit dem Königreiche Ungarn unirten WechKomitate bis auf die Jetztzeit fortbestand. Die alte Verfassung des Landes war, wie sich leicht denken läßt, eine sehr komplizirte. An der Spitze der Verwaltung stand der Kaiserliche Gouverneur von Siebenbürgen, welcher von der si eben­bürg ischen Hofkanzlei in Wien seine Befehle er­hielt und mit derselben über alle innern Angelegenheiten des Landes kommunizirte. Neben ihm stand als Landes- Vertretung der vereinigte siebenbürgische Landtag, welcher aus 22 Abgeordneten der 11 sächsischen Stühle und Distrikte, aus einer entsprechenden Zahl von Deputirten der Szeklerstühle und der ungarischen Komitate zusam­mengesetzt war. Die wallachische Nation, obgleich die bei weitem zahlreichste, war auf diesem Landtage gar nicht vertreten. Dagegen konnte der König, resp. Kaiser, zur Wahrung seiner Rechte eine gewisse Anzahl von Deputirten, welche man Rega listen heißt, selbst er­nennen,und zwar so viel, als er in seinem Interesse zu ernennen nützlich fand, so daß also die Nativnal-Dcr- tretung der Willkür des; jeweiligen Monarchen voll­kommen preisgegeben war.

Unter dem Landtage standen für die Regelung der politischen Angelegenheiten, der inneren Verwaltung und der Gesetzgebung die Repräsentationen oder Tag- satzungen der drei berechtigten Nationen: 1) Die

Nations-Universität der Sachsen, ober die Tagsatzung der 11 sächsischen Stühle und Distrikte, welche sich alljähr­lich in Hermann stadt versammeln; 2) die ungarische Marschal-Kongregation, bestehend aus den Vertretern der ungarischen Komitate, und 3) die Stuhl-Kongregation der Szekler, bestehend aus den Abgeordneten der ver­schiedenen Szeklerstühle. Die untersten Glieder in der Kette dieser politischen repräsentativen Körper bilden bei den Sachsen die Publika (ober Stuhl-Versammlungen,), welche in den einzelnen Kantonen und Gemeinden, un­abhängig von den Ortsmagistraten, also von Städten, Flecken, Dörfern und Landgemeinden beschickt werden, die Szeklerstuhl- und die ungarischen Komitats-Ver- sammlungen Diese wählen für die inneren Angelegen­heiten der Nation die Deputirten für die Nations-Uni­versität, die Marschal- und die Stuhl-Kongregation ver­fassen für ihre Deputirte streng gehaltene Mandate und wählen mit Ausnahme einiger Stuhlbeamten sämmtliche Verwaltungs-Beamte ihres Distriktes.

Die drei Nations-Tagsayungen beschäftigen sich ledig­lich mit den inneren Angelegenheiten, mit der Bewirth- schaftung der Nationsgüter, mit Armen-, Schul-, Kirchen- und Zunftwesen, mit Wahlsachen, mit Kontrolle und An­stellung der Beamten u, s. w.; während der gemeinschaft­liche siebenbürgische Landtag, welcher sich in Klau­senburg versammelt, die gemeinschaftlichen Landes-