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„Freiheit und Recht!"
Wiesbaden. Mittwoch, 4* April
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Die „Freie Zeitung" erscheint mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. - Der Abonnementspreis beträgt vierteliäbria bier in Wieske , n - "““"^ vurch die Post bezogen mit vkrhâUnlßmaßlgem Aufschläge. - Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der große,? Berbreitunader^ treten» J5 ^' auswärts Erfolge. — Die JnseraüonSgebuhren betragen für die vierspaltige Petttzeile oder deren Raum 3 Kreuzer. 9 P -verorenung der „Freren Zeitung" stets von wirksamem
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Kalender-Glossen.
f ! △ Vom Westerwald. Unzweifelhaft ist der Kalender diejenige Druckschrift, welche am meisten sich dazu eignet, dem Volke gute Begriffe über sich selbst und über seine ganze Umgebung, wie es damit webt und lebt, Aufschluß und hinreichende Belehrung zu geben. Der Reiche wie der Arme kauft und benutzt ihn das ganze Jahr hindurch, selbst bei den unbedeu- teusten Gelegenheiten, wie sie Handel unh Wandel immerwährend darbieten, ist der Kalender der nächste beste Rathgeber.
Betrachten wir nun unsern offiziellen Landeskalender, und sehen wir, mit welcher Nichtachtung hier ein endloses Geschwätz über den gesunden Menschenverstand vernichtend losfährt. Hier ist keine Rede von Belehrungen, wie sie jedem Staatsbürger zu wissen durchaus nothwendig sind, keine Rede von Aufschlüssen über den Staat und Staatsverhältnisse, keine Rede von belehrenden Nachrichten über Landesgesetze, keine Rede über Bürgerpflicht und Bürgertugend, aber sonst des unnützen Geschreibsels viel, eine Menge der albernsten Geschichtchen. Fangen wir vorne an. Nachdem verdeutsche Michel über den Gregorianischen Kalender, über die 4 Quatember, die 12 himmlischen Zeichen, über astronomische Jahreszeitwechsel, über vie Sonnen- und Mondsfinsternisse (von der StaatSfinsterniß ist keine Rede) ganz speziell unterrichtet worden ist, schreitet die Belehrung zu einer weitläufigen Auseinandersetzung über den Kalender der Russen und der Juden, denn Jammer und Schade wäre es, wenn das nassauische Volk davon keine Kenntniß haben sollte. — Im dießjährigen Kalender finden wir einen weitläufigen Aufsatz über den Aberglauben unserer Voreltern, wahrscheinlich der gewandten Feder eines schreibsüchtigen Lehr-Vikars entsprossen. Der liebe Leser erfährt hier, daß aller Aberglaube ein falscher Glaube ist (Hört!), herrührend aus dem Zeitalter heidnischer Gebräuche. Der Aberglaube wird hier sehr geistreich in einen thätigen und einen leidenden Aberglauben abgetheilt, davon viel Rührendes erzählt, wie das Hauptstück des Aberglaubens, nämlich das Weissagen, viel Unheil über die Völker gebracht und auch manchmal Krieg, und Seuchen hervorgerufen habe. Der deutsche Michel wird dann zum Schluß gewarnt, an Leichenvögel, Trauervögel und Thiergänge zu glauben, auch müsse es ihm (im Jahr 1849 nämlich) gleichgültig sein, ob sein Ochs oder seine Kuh von schwarzer oder anderer Farbe sei, auch über den aufwühlenden Maulwurf, die zirpende Grille, den tikenden Holzwurm und über den Anlauf der Spinne müsse er kalten Blutes hinwegsehen. Hörst du es, deutscher Bürger, an Leichen- und
I Trauervögel sollst du nicht mehr glauben, aber sehen sollst du, wie man die Leichen deines Blum und deiner andern vielen Freiheitshelden nach ruhmvollem Tode mit Koth bewirft. Gleichgültig soll es dir sein, ob dein Ochs oder deine Kuh schwarz oder weiß sei, ob sie aber von stehenden Heeren dir verpreßt werden, darüber sollst du dich trösten. Ueber den tikenven Holzwurm und den Anlauf der Spinne sollst du hinwegsehen , während die tikenden Erbkaiserlichen in Frankfurt dich mit dem Anlauf des preußischen Wrangelsäbel bedrohen.
Doch davon genug, die Presse wird sonst schon wieder „roh."
Am Schlüsse bietet,der diesjährige Landeskalender ’ dem deutschen Michel etwas zu rathen. Sicherlich würde er diesen Stand seiner Märzrevolution nicht errathen haben, doch wer weiß, was noch kommen wird. Sollte übrigens der Erbkaiser gelingen, so schlagen wir für das Jahr 1850 als Titel des nass. Kalenders einen Namen vor, er möge dann heißen:
Preußisch ° Deutsch - Nassauischer Erbkaiserlicher
Christlicher Unterthanen - Kalender.
.Oesterreich und Preußen.
Die Schwarzweißen in Frankfurt wollen jetzt die Oesterreicher, welche sich dafür bedankt haben, unter den Fittichen des königlich kaiserlich preußischen Ablers zu leben, im Parlamente an die Luft setzen; alles aus Liebe zur deutschen Einheit! Mr werden es noch erleben, daß man sich aus Liebe zur deutschen Einheit im Parlamentt herum prügelt.
Und weßhalb sollen die Oesterreicher ausgestoßen werden? Weil der Oesterreichische Hof die deutsche Einheit nicht anerkennen will! Und haben sie denn die Schwarzweißen dort mit ihrem Kleindeutschland anerkannt? Und erkennt sie Preußen an? Unterwirft : es sich der Centralgewalt, gibt es den Grundgesetzen Geltung? Das Einzige worin sich in dieser Beziehung [ Oesterreich von Preußen unterscheidet, ist, daß es offener auftrit. So schlecht seine Regierung auch sein mag, so ist sie doch immer noch offener, als die preußische, und hat es in der Heuchelei noch lange nicht so weit gebracht. Kaum hat die Oesterreichische Regierung das Messer vom Halse, so wirft sie die Maske der Freisinnigkeit wieder ab; — der Preußischen dagegen ist die Heuchelei zur andern Natur geworden.
Preußen hat Oestreich gegenüber im Kampfe gegen die Freiheit die Rolle jenes Schwaben gespielt, der mit sechs Genoßen und einem Spieß auf die Hasenjagd ging, und dabei sagte: j
„Hânsrrle geh du voran, Denn du hast Stiefeln an, Daß er dich n cht beißen kann."
Als nun aber Oesterreich voran ging, und sich mit den Magyaren herumschlug, da suchte Preußen den günstigen Augenblick zu benutzen, um hinter seinem Rücken die Kaiserkrone wegzufischen. Man wird es ihm gedenken! Mag nun die Revolution oder die Reaktion siegen, es sieht nicht zum Besten für die preußische Dynastie aus; sie hat sich zwischen Thür und Angel geschoben, und könnte leicht etwas geklemmt werden.
Das Oesterreichische Haus geht in aufrechter mann* licher Haltung dem Abgrunde entgegen, und wähnt ihn mit einem kühnen Anlaufe überspringen zu können; die preußische Regierung taumelt wie ein Betrunkener auf engem Pfade zwischen zwei Abgründen bald rechts und bald links wankend dahin, bis jetzt am Gängelbande gehalten von dein Schutzengel, der den Trunkenen wie den Kindern beigeordnet zu sein scheint, aber am Ende ist doch kein Halten mehr.
(Wächter am Rhein./
, ch Dillenburg, 31 März. Heute ist von hier eure mit 178 Unterschriften versehene Mißtrauensadresse der Wahlmänner aus den Aemtern Herborn und Dillenburg für ihren Abgeordneten H ey d e n r ei ch (schade, daß Wenckenbach il. frei durchgekommen ist) an den Präsidenten unsrer Kammer zum Verlesen und einhän- I digen abgegangen. Da die Zahl der Unterschriften die ; absolute Majorität um 21 übersteigt, so wird Herr Heydenreich, wie er es selbst zugesagt, sein Mandat in die Hände seiner Wähler zurückgeben. Die Adresse ; lautet:
An den Abgeordneten des I. Wahlbezirks, Herrn Medicinalrath Heydenreich in Wiesbaden! Als Sie im November vorigen Jahres zum I Vertreter unseres Bezirks in die Kammer der Abgeordneten gewählt waren, versprachen Sie in unser [ Aller Anwesenheit, die Rechte und Freiheiten des Volkes zu wahren und zur Durchführung der von Ihnen in öffentlichen Versammlungen so eifrig vertheidigten Grundsätze der Volksherrschaft das Ihrige beizutragen. Sie schloffen damals mit der gewichtigen Zusage, Sie würden auf der Stelle Ihr Mandat niederlegen, wenn 1 Sie mit der Gesinnung der Wählermehrzahl in Zwiespalt gerathen wären. Wir haben uns nun bisher I beim Durchlesen der Kammerverhandlungen vorzugsweise mit ihrer Person beschäftigt und mußten leider die Bemerkung machen, daß Sie, je länger in Wiesbaden, desto mehr von den Ansichten der unterzeichneten Wahlmänner sich entfernen, so daß wir, um die Zu-
Die Zustande in Siebenbürgen.
(Aus der „deutschen Reform.")
(Fortsetzung und Schluß.)
" Wie gewöhnlich die Länder, welche eine Gränzscheide zwischen großen Ebenen und Völkerstämmeu bilden, so ist auch Siebenbürgen von vielen in Abstammung, Sprache, Religion und Sitte verschiedenen Nationalitäten bewohnt. Im Nordwesten gegen Großwardein und die galizische Gränze hin wohnt an beiden Seiten der Gebirge ein magyarischer Stamm, ungefähr 4—500,000 Köpfe stark und in eine Anzahl von Komitaten getheilt, von denen die drei westlichsten seit 1834 dem Königreich Ungarn vollständig cinverleibt sind.
Im Innern des Landes, in einet ununterbrochenen Kette von Thälern, bisweilen auch rahmartig zwischen den übrigen Volksstäwr. en wohnend, hausen die Sachsen, etwa 250,000 an d- Zahl, welche 1146, unter König Gesa II. von Ungarn, aus den Gegenden von Trier, Kobleyz und Bonn einwanderten, und zum Audenken an das ältheimathliche Siebenbirge am Rhein das Land Siebenbürgen nannten. Sie sind ein nüchternes, wohl- häbiges Völkchen, welches Ackerbau und Industrie treibt; aber wie es Kolonisten gewöhnlich zu sein pflegen, durch und durch materielle Egoisten, welche weder einer politischen Begeisterung fällig sind, noch politische Begriffe
haben, die über den engen Kreis ihrer alten NatiouS- Privilegien hinausgehen. Der sicbenbürgische Sachse ist in seinem ganzen Wesen und Charakter der Urtypus des ächten deutschen Michels; diese schlafmützige Gemüthlichkeit, die sich höchstens bis zur sentimentalen Poesie erhebt, dieses tabakumgualmte Dämmern in Den Gedanken, diese hausbackene Bornirtheit, dieser Mangel an Energie und stolzem Selbstbewußtsein, dieser ehrliche Fleiß und diese ehrliche Dummheit! Der Sachse ist somit ganz das Gegenstück seines magyarischen Nachbarn, dessen Halo orientalischer Charakter, gepaart mit der occidentalischen Thatkraft, nur zu häufig zur Wildheit und Rohheit answächst.— Der eigentliche Sitz des sächsischen Lebens ist Hermannstadt — dort tagt die Nations-Universität, dort wohnt der Nationsgraf und die alte Büreaukratie, dort endlich herrscht die Elite des sächsischen Spießbürgerthums. Außer diesem Hermannstadt und Kronstadt haben die Sachsen keine bedeutenden Städte; sie wohnen in Flecken, Dörfern und meistens in einzeln liegenden Gehöften, welche uns in ihrer äußeren Erscheinung und inneren Einrichtung ganz an die vereinzelt liegenden Bauerhöfe in Norddeutschland erinnern. Das ganze Sachsenländchen ist in 11 Stühle (Kreise) und Distrikte eingetheilt, welche ähnlich den Schweizerkantonen eben so viele Landgemeinden bilden.
Der dritte Volksstamm Siebenbürgens sind die S z ekler (Siculi) — etwa 300,000 an der Zahl; ein wildes Reiter- und Soldatenvolk, welches aus einem Ge
misch von magyarischen (hunnischen) Horden, die hier in den Gebirgen hängen blieben, und wallachischen (dako- romanischen) Autochthonen entstand. Sie treiben mehr Viehzucht als Ackerbau, mehr Raub als Gewerbe, mehr Schmuggel als Handel. Wohnend in dem Gränzgebirge gen Ost und Süd, bewandert in den Gebirgspässen und Schluchten, stets zu Pferde einherreitend, befördern sie die Manafaktur-Prodnkte des Westen, besonders der leipziger Messe, über die wallachische Gränze, um sie von dort wieder nach Oesterreich hineinzuschmuggeln, weil eS leichter und wohlfeiler ist, den Trausiw durch Oesterreich und Ungarn zu bezahlen, und von der benachbarten östlichen Gränze zurückznschwärzcu, als von der entfernten westlichen Gränze direkt durchzuschmuggelu. Auch sie sind in eine Anzahl Stühle eingetheilt, und bilden neben den Ungarn und Sachsen die dritte politisch berechtigte Nation Siebenbürgens.
Der vierte, zahlreichste Stamm des Landes sind die Wallachen, oder wie sie,sich selbst nennen, die Roumaincn. Sie bewohnen den ganzen Süd- und Nord-Osten, haben meistens die Thäler inne, während die Szekler in den Bergen Hansen, treiben Ackerbau und Viehzucht, und gehören jenem großen Volksstamme an, welcher die Wallachei und die Moldau und einen Theil des südlichen Rußlands bewohnet. Seit Jahrhunderten unterdrückt und von ihren Popen beherrscht, hat dieses Volk in seiner große« Masse allen poliitfchen und moralischen Charakter verloren, ist feig und schlaff, und,crst'durch die Frühlings-