Einzelbild herunterladen
 
  

Gerechtigkeit. Man hat sein Grab von Dornen und Disteln gereinigt, mit denen es die Tyrannei bewachsen ließ,- und es mit einem sinnreichen Denkmal geziert und mit Rosen bepflanzt. Der einfache Quaderstein, auf hem sich ein Kreuz, das Zeichen des Christen­thums , erhebt, fuhrt, nebst dem Geburts- und Sterbe­tag und dem Schlußvers seines Vaterlandsliedes:

Vaterland, dein sei mein Leben, Dein mein Hoffen, Fürchten, Streben, Und zum Lohne gib dafür Grab in freier Erde mir!

noch die Inschrift mit goldenen Buchstaben:

Du starbst nach langer Kerkernacht

Ein heiliger Streiter:

Der freie Geist sucht in gestirnter Hoh' Des Lichtes Urquell.

Man hat eineWeidigstiftung" gegründet, welche jetzt ein Kapital von 1000 fl. besitzt; und man hat in Butzbach, wo Weidig 25 Jahre lehrte und wirkte, beschlossen, alljährlich seinen Todestag unter Glocken­geläute durch würdige Feierlichkeiten, Gedächtnißreden, durch das Singen seiner schönsten Lieder zu feiern und die Pflanzung eines Haines, welcher Weidig's Namen führen soll, erhöhete am 23. Februar das erste Fest zum Andenken des Edeln. Alle diese Beweise innigster Verehrung und Dankbarkeit sind uns eine Bürgschaft dafür, daß Weidig's Name leben wird für und für, wenn die Erinnerung an seine grausamen Feinde längst in Vergessenheit und öde Nacht gesunken ist.

Frankfurt, 29. März. DieDeutsche Ztg." gibt heute mit unbegrenzter Naivetät Aufschluß darüber, was eigentlich von der Behauptung der Doktrinärs, daß die konstitutionelle Monarchie und das Erbkaiser- thum tief im Volke wurzle, zu halten sei. Sie ge­steht nun selbst zu, daß diese unsinnige Kaiseridee künstlich von den wenigen Urdvktrinärs unter die A b - geordneten geschmuggelt sei.Leugnen wir es nicht, als das Parlament zusammentrat, da war die Ueber­zeugung. von der Nothwendigkeit des Erbkaiserthums noch keineswegs allgemein im Volke; man wollte eine republikanische Spitze, oder ein Direkto­rium. Später erzeugte ruhige Ueberlegung und der Gang der Ereignisse bei dem Volke den Wunsch nach dem Kaiserthum (d. h. die Doktrinärs, welche durch den Verrath an der Revolution die Unsicherheit der Zustände erzeugten, indem Niemand ernstlich an die Dauer der Restauration glaubte, schrien bei jeher Gelegenheit, der Kaiser sei das Ende aller Noth des Handels und Wandels, und einige wenige Heuler mögen ihnen das wirklich geglaubt haben.). Aber die Abgeordneten waren einmal auf andere Ueberzeugung hin gewählt, und der Um­schwung sonnte sich ihnen daher nur all- mâhlig mittheilen." Ist damit nicht deutlich ein­gestanden, daß die Abgeordneten, welche jetzt die Ma­jorität für den Erbkaiser bilden, gegen den Willen ihrer Wähler gestimmt haben, daß es erst langen Jntriguirens und Korrumpirens der Urerbkai- serlichen bedurfte, um diese klägliche Majorität zu Stande zu bringen? Heißt das nicht geradezu ein­gestehen, wir haben die Revolution verfälscht, ver­pfuscht und verrathen?Darum ist es allerdings ge­lungen, was Gagern vorausgesagt hatte," wie die O.-P.-Z." jubelt. DieDeutsche Ztg." lobt die Simon von Breslau, Löwe, Rappard, weil sie trotz alledem für den Kaiser stimmten, lobt den blondge lockten Dulder Jakobus Venedey, weil er sich der Ab­stimmung enthielt. Sie haben dieses Lob verwirkt. Das Volk wird sich unwillig, mit Verachtung von Leuten abwenden, welche einer Marotte zu Liebe die Freiheit zu ihrem Schutze dem Absolutismus in die Arme legen.

Die Dokrinärs trösten sich damit, daß die klägliche Majorität im Parlamente durch die ungeheure Majo­rität im Volke getragen würde. Wir sind überzeugt, daß hier in Süddeutschlaud 19/2o des Volkes gegen das Erbkaiserthum und den preußischen Erbkaiser in specie sind. Und die Wenigen, die dafür sind, Be­amte und engherzige Krämer, sind es nur, weil sie den Versicherungen der Doktrinärs, daß durch den Kaiser diese Zustände endlich aufhören würden, geglaubt haben. Ich möchte nur wissen, was die Leute sich unter diesen Zuständen denken, die durch den Kaiser aufhören sollen; der Handel und die In­dustrie liegen darnieder, weil Niemand an den Be- stand der augenblicklich siegreichen Contrerevolution glaubt. Ich möchte nur wissen, welches Provisorium durch das Erbkaiserthum definitiv werden soll. Die ganze Kaiserwirthschaft kommt mir trotz aller Erblich­keit entsetzlich provisorisch vor. Alles Irdische ist ver­gänglich !

Die Revolution von 1848 ist, nach ihrem ersten Akt zu schließen, nicht ein Trauerspiel, wie wir glaub­ten, sondern ein höchst ergötzliches Lustspiel. Wer kann cs ernsthaft ansehen, wenn die Franzosen eine Revo­lution machen, um sich einen Louis Napoleon zum Präsidenten zu setzen, wenn die Deutschen Berge be­wegen, um sich von eben so perfiden als schweins­ledernen Hofrathen einen Friedrich Wilhelm als Kaiser aufkneten zu lassen, der erst durch die Verschleuderung schöner deutscher Provinzen möglich wurde! Oder wären das nur die komischen Episoden, welche auch Shake­speare seinen erschütterndsten Tragödien einwebt, um dem leidenschaftlich bewegten Gemüthe des Zuschauers einen Ruhepunkt zu schaffen? Sehr wahrscheinlich!

(N. D. Z.)

Freiburg, 28. März, Abends 8 Uhr. (Frb. Z.) Soeben ist die Verurtheilung Gustav Struve's und Karl Bl ind's erfolgt. In allen Fragen in ^etreff der Aprilereignisse erklärten die Geschwornen G. Struve fürnichtschuldig", weildie Sache in Folge der Revolution geschehen sei. Die auf die September- ereignisse bezüglichen Fragen beantworteten sie zum Theil mitschuldig" aber mit Beisätzen, z. B.:mil­dernden Umständen" oder:ohne Vorbedacht mit mil­dernden Umständen." Aehnlich beantworteten sie die Fragen, welche K. Blind betrafen. Auf eine Bemer­kung des Präsidenten, daß die Worteohne Vorbedacht" nicht klar seien, zogen die Geschwornen sich nochmals zurück und gaben dann statt der mit den erwähnten Zusätzen versehenen Antworten entschiedene, die auf schuldig" lauteten. Der Antrag des Staatsanwalts wurde genehmigt und Gustav Struve und K. Blind jeder zu einer Zuchthausstrafe von acht Jahren oder vielmehr dem entsprechend t zu fünf Jahren vier Mo­naten Einzelhaft verurtheilt. Ueberdies haben sie die Prozeßkosten zu tragen. Brentano erklärte, er werde das Rechtsmittel der Nichtigkeitserklärung er­greifen. Die Verurtheilten sprachen nichts mehr.

Köln, 31. März. Gestern traf die Franlkfurtet Deputation hier ein, welche dem König von Preußen die in vier Abstimmungen durchgefallene, und endlich bei der fünften hängen gebliebene Kaiserkrone anbieten soll. Am Abend beeilten sich die Herren der Vürger- und Heulervereins im schwarzen Frack und weißen Handschuhen, den Abgesandten im Hotel Disch ihre Huldigung darzubringen. Die Herren mochten eben .ihre ersten Herzensergüsse ausgetauscht haben, als sich draußen vor dem Hotel zahlreiche Volkshaufen cinfan- den, um den Frankfurter Vaterlandsrettern unmittel­bar, ohne alle vermittelnde Deputationen, ihre Sym- pathieen an den Tag zu legen. Liebevolle Rufe nach Soiron," Pfeifen, Trompeten, Küchen-Zimbeln und ähnliche vaterländische Instrumente tönten in einem Konzert zusammen, wie es Heulergemüthern nicht an­sprechender geboten werden konnte. Dazwischen erklang plötzlich ein Leierkasten die Menge schwieg wie auf einen Zauberschlag , und man hörte die Melodie eines allbekannten Liedes, in welches das Volk alsbald einsiel: Allons, enfants de la patriel

Die Herren Deputaten hielten es nöthig, zu ihrem Schutz gegen diese Töne Gend'armerie und Linienmili­tär aufzubieten. Die Truppen luden vor dem Hotel ihre Gewehre, während sicherm Vernehmen nach in der Hausflur zwei literalische Notabilitäten, Herr Brügge­mann und Patriot Benedir, einem Stabsoffizier mit ihrer bürgerlichen Weisheit sekundirten, und nur von Gewaltmaßregeln" gegen dasLumpengesindel" die Sicherheit der Stadt abhängig machten. Das Militär- trieb das Volk mit gewohnter preußischer Humanität auseinander, wobei ein honetter Bürger, der sich eben in's Hotel Disch begeben wollte, von einem Polizei- spion und Er-Lieutenant einen Stockhieb über den Kopf erhielt, daß er blutend zusaininenstürzte.

Die Frankfurter Deputation möge diese Huldigung der ersten preußischen Stadt, welche sie besuchte, mit in die märkischen Kaiserlande tragen. (N. Rh. Z.)

München, 29. März. Unser Landtag ist durch allerhöchstes Neesript vom heutigen vom 10. April an auf 11 weitere Tage, nämlich bis zum 21. April, vertagt. (A. Abdz.)

Berlin, 29. März. Die telegraphische Depesche von der Wahl Friedrich Wilhelms IV. zum Kaiser der Deutschen traf gestern Abends bereits hier ein und gab Stoff zu lebhaften Debatten, doch keineswegs zu Freu­denbezeugungen: Die Krone Preußen wird sichver­bindlichst ablehnend" gegen die Deputation der Natio­nalversammlung aussprechen und Bedingungen stellen, worunter die Zustimmung der Fürsten, wie wesentliche Modifikationen im Wahlgesetz, obenanstehen. Als Be­leg für diese heute überall verbreitete Ansicht führe ich Ihnen an, daß die Negierung bis jetzt nicht einmal dem Präsidenten beider Kammern offiziel Kunde von der Frankfurter Depesche gegeben hat, um eine außer­ordentliche Sitzung der Abgeordneten zu veranlassen. Die Stadtverordneten-Versammlung ist ehrenhalber der Aufforderung des Magistrats zu einer Comite- Bildung beigetreten, um die Frankfurter Deputation im Namen der Stadt zu empfangen. Nach lebhafter Debatte faßte die Versammlung mit 52 gegen 20 Stimmen den Beschluß, eine Glückwunsch-Adresse mit der Bitte um Annahme der Kaiserwürde an den Kö­nig zu senden. Die hiesige Garnison soll bleibend um 6000 Mann vermehrt und zu deren Unterbringung eine Anzahl neuer fester Kasernen gebaut werden.

Hamburg, 28. März. Der preußische General­konsul Hebeler hat dem preußischen Konsulate am 23. durch Cirkular in Bunsens Auftrage gemeldet,daß eine Verlängerung des Waffenstillstandes zwischen der deutschen Centralgewalt und Dänemark bis zum 15. April vereinbart worden ist, und daß die letzterwähnte Macht, wenn gleich sie die angekündigte Blokade offi- ziel nicht zurücknehmen wird, doch dieselbe vor den: 15. April nicht in Wirksamkeit treten lassen wolle." In Kopenhagen machte die Regierung am 26. bekannt, daß in Folge von Londoner Mittheilungen die Feind­seligkeiten dänischerseits faktisch bis zum 3. April sus- pendirt seien. Flyveposten will wißen, daß man deut­scherseits bereits auf Schleswigs Trennung von Hol- ; stein und engere Verbindung mit Dänemark einge- j gangen rmd nur über Rendsburg noch nicht ganz einig sei! . (M. Z.)

Reâ^ ^ârz. Nach ziemlich gleichlautenden

. C der Fall Komorn's nur durch Ueber- nnb X ' ,?cm diese Festung uneinnehmbar Dr lange Zeit mit Kriegs- und Mundvor- X S sei. - Seit gestern erscheint die allge­meine osterr. Zeitung wieder, aber im Pilaerge- Pölich mit der Redaktion des dahin verstanden, unter dessen Firma ganz wie zuvor in demselben Formate und Druck so ""' »y« Md Abends, erscheinen. - Mucr- d.ngS »°n, G-nverneur Weiden die C-mpietirunn des Standes der unter dem TitelMnnicipalaarde" bestehenden l;:c|iäcii städtischen SicherheitSwach- anae- ordnet worden. 9

Wren, 27. März. Ban Jellachich hat sein Haupt­quartier noch in Felegyhaz; seine Vorposten stehen 4 Stunden von Szegedin. G.-M. Thodorowich befindet sich in Klein-Kanisa und dessen Vorposten in dem eine halbe Stunde von Szeged in entfernten Dorfe Szörög; Szegedin ist eng cerniirt, die Theuerung groß und da alle Zufuhren aus dem Banate abgeschnitten sind, so ist die Uebergabe bald zu hoffen.

N n g 6 r N>

P sth, 23. März Die Nachricht, daß Feldmar- schaU-Lieutenant Graf Schlick vor einiger Zeih persön­lich in ein Handgemenge mit Husaren gerieth, in dem er trotz seiner Bravour und Fechtkunst der Uebermacht hätte unterliegen müssen, wären ihm nicht Kroaten zu Hülfe gekommen, hat sich bestätigt. Seine Retter wa­ren einige Mann vom sechsten Georger Grenzregiment, welche der wackere Hauptmann Rain, der die Gefahr des Generals zuerst wahrnahm, im Sturmschritt und mit den: CommandoFällt das Bajonnct" herbeiführte. Die Grenzer warfen sich wie die Löwen auf die Hu­saren und erstgenannter Offizier rannte einem der bär­tigen Reiter, als er eben einen Kopfhieb nach dem Grafen Schlick führen wollte, den Säbel unter dem rechten Arm in den Leib. Ich verdanke diese näheren und verläßlichen Details einem mir befreundeten Ober­lieutenant des Georger Grenzinfanterie-Regimentes. Feldmarschall-Lieutenant Schlick ist aber auch überall, wo der Kampf am gefährlichsten zu werden droht, raucht mitten im Feuer seine Cigarre und ist der Ge­genstand allgemeiner Verehrung unter der Mannschaft wie unter den Offizieren. HL. Bl. a.B.)

Pesth, 24. März. Nach einer Mittheilung in der heutigen Pesther Zeitung fand kürzlich in Debreczin zur Feier des angeblichen Sieges bei Kapolna eine großartige Feierlichkeit statt, zu der sich sämmtliche Jnsurgentengeneräle einfanden und wobei eine Ver­leihung des neugestifteten ungarischen Ordens stattfand. Es ist dies eine Art croix dhonèur, das sogenannte Ludwig Koffuthkreuz, das Generäle in Brillanten, Staabsoffiziere in Gold und Subalternoffiziere in Sil­ber gefaßt auf der Brnst tragen. Die Mißhèlligkeiten zwischen Görgey und Dembinski sollen beigelegt wor­den sein und die Versöhnungsscene hinter Szolnok in Török Szent Miklos stattgefunden, haben, wobei Kos- suth die Rolle des Vermittlers spielte. Ersterer behielt das Obercommando über sämmtliche Jnsurgentenheere, dagegen ward Dembinski Chef des ungarischen General­quartiermeisterstabes und muß der Feldzug streng nach den Operationsplänen geführt werden, die er vorzeich­net. Den Oberbefehl über Dembinki's Corps führt der ehemalige österreichische Staabsoffizier und nun­mehriger Malcontentengeneral Vetter; vor Arad com- mandirt ein Franzose, Namens Duchatel.

(C. Bl. c. B.)

Eine lithopraphirte Cvrrespondeuz aus Wien schreibt:

Die Ungarn rücken immer nach Pesth, und werden Atles aufbieten, um Arad, Comorn, Peterwardein ent­setzen zu können, was auch gelingen dürfte, da die un­garische Heeresmacht täglich größer uuD begeisterter wird, während die kaiserlichen Truppen, durch angestrengte Märsche, schlechte Verpflegung und fortwährende Schar­mützel in Zahl verringert und auch entmuthigt werden. In neuester Zeit ist bei Török Szent Miklos ein sehr hitziges Gefecht vorgefallen, wo beide Theile sehr große Verluste erlitten, die Ungarn aber das Schlachtfeld be­hauptet haben. Bei Szegedin erwartet man dieser Tage ein starkes Zusammentreffen der ungarischen Süd-Armee unter Vetter und Damjanich mit den serbischen Armee- corps. Die Serbianer sind wirklich mit Mann und Maus, mit Sack und Pack nach Serbien zurück, und diese bei 8000 Mann starke Truppe wird den kaiserlichen Generalen stark abgchcu. Peterwardein ist noch immer von ungarischen Truppen bes'tzt, und wie ich gestern er­fuhr, so ist die Mannschaft darin, nachdem sie alle ver­dächtigen Offiziere in die Kasematten geworfen hat, ent­schlossen, eher die alten Felsen Peterwardein in die Luft za sprenge», als sich zu ergeben. Die Douanschiffahrt ist somit also wohl von Carlviviy ans eröffnet, aber nicht weiter aufwärts, da jedes Fahrzeug, welches sich Peterwardein, das die ganze Donau vollkommen beherrscht, nähern möchte, in Grund geschossen werden würde, Co­ncor» wird seit dem 17. März ohne allen Erfolg bom- bardirt, großes Belagerungsgeschütz wird täglich mit Dampfschiffen nach Comorn hinabgöschafft. Bem hat Hermannstadt erobert und die 3000 Mann Russen und 2000 Oestreicher, die darin garnisonirten, vertrieben.

Ueber Hermaunstadt's Einnahme durch Bem schreibt ein Wiener Corresp. derBörsenhalle" :Ein Blick ans die Karte zeigt, mit welcher Verwegenheit der Znsurgenten- chef diesen Coup ausgeführt hat, indem er, wie die Nachs