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Wiesbaden. Dienstag, 3. April

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der AbonnementSpreiS beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 fr auswärts Durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. Die Jnserationsgebühren betragen für die vcersxaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

âeiheit und Recht!"

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Bestellungen auf das mit dem 1. April begonnene neue Quartal beliebe man baldigst zu machen; hier in Wiesbaden in der H. W. Ritter schon Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.

Die Presse Preußens über den erblichen | weiter ^ das: ~ . z hptsip Ä?rtp<7 mit rvftp

preußischen Kaiser.

-x-Wiesbaden, den 3. April.

Wir theilen hier die Betrachtungen dreier Berliner Blätter über das preußische Erbkaiserthum mit. Diese Betrachtungen, wenn wir sie zusammenhalten, werden uns anzeigen, wie etwa des preußischen Königs Ant­wort bezüglich der Annahme der Kaiserkrone ausfallen wird.

DieNeue Preußische Zeitung", das Organ der Pietisten, Hofjuuker und der Royalisten vom reinsten Wasser, das Lieblingsblatt des Berliner Hofes, crtlärt es füreine Schmach, eine Sünde für den König, aus den Händen der Vertreter des deutschen Volks eine Krone anzunehmen."

DieDeutsche Reform", ein Blatt der Doktrinäre, welches den Coustitutioualismus vertritt, verlangt: der König solle bei der Wahl Bedingungen vor­schreiben, und zwar solche, wodurch die demokratische Grundlage (Wahlgesetz, suspensives Veto) des Frank­furter Verfassungsbau's wieder vernichtet werden würde."

DieCoustitutionelle Zeitung" das Organ des Herrn Hansemann (welcher in letzterer Zeit häufig zum König gerufen wurde), der Börsenmanner und der Partei, die die Ruhe um jeden Preis will sagt:sollte sich zeigen, daß der Kaiserbeschluß nur aus den Com­binationen der parlamentarischen Parteien hervorge­gangen ist, so wird derselbe sammt Allem, was in Frankfurt gebaut und erdacht worden, ohne Wirkung bleiben." .

Fassen wir diese drei Urteile zusammen, so wird sich eine muthmaßliche Antwort des Königs ergeben, worin er in erster Reihe versichert, daß er zwar ein Deutscher sei, sodann aber zufügt: 1) daß er auch Preuße sei, 2) kein demokratischer Kaiser sein wolle, 3) und als alter Bundesgenosse deutscher Fürsten alte Bundesverträge zu beachten habe.

Doch lassen wir jetzt die Urtheile der genannten Berliner Blätter selbst folgen:

I. DieNeue Preußische Zeitung" schreibt:Feier­lichst verwahren wir uns dagegen, daß wir für ein einiges und mächtiges Deutschland kein Herz hätten, feierlich dagegen, daß wir den lebendigen und aufrich­tigen deutschen undpreußischen Patriotismus der Mehr­zahl Derer bezweifeln, welche in dem Welcker'schen Anträge die Erfüllung aller ihrer deutschen Hoffnun­gen sahen, feierlich dagegen, daß wir zur Ueberzeugung Derer, welche das Scheitern des letzten: beklagen, Hohn für die würdige und angemessene Waye erachteten." Man sollte nun wunder glauben, was darauf folgt.

: Ein deutsches Kaiserthum heiße Krieg mit Oesterreich und Rußland: wahr­

| erleuchte die Räthe des Königs. Schmerzlich bewegt, blicken wir zurück auf das vorige Jahr; am heutigen Tage erhielt Alfred von Auerswäld vom Könige den Auftrag, ein Cabinet zu bilden, und Camphausen wurde Ministerpräsident Camphausen statt Brandenburg Auerswald statt Manteuffel! und statt des Grafen Arnim der Freiherr Heinrich von Arnim!"

IN. DieEonstitutionelle Zeitung" schreibt, wie folgt/.

Es frägt sich nun, ob Se. Majestät der König diese von dem Kurfürstencollegium des souveränen Vol­kes ihm dargebotene Kaiserkrone annehmen wird ohne Zustimmung des Fürstencollegiums. Vor uralten Zeiten waren die Fürsten eifersüchtig auf die Privilegs?» der Kurfürsten und es frägt sich, ob sie heute eher im Stande sind, ihren Einreden Nachdruck zu verschaffen, wo die Wahlhenc» selbst aus der Volkswahl hervorgegangen sind. Spricht sich die deutsche Nation kräftig und un­zweifelhaft für den Beschluß ihrer Vertreter aus läßt sich daraus mit Zuverlässigkeit erkennen, daß sie in ihrer überwiegenden Mehrheit bereit ist, die Traditionen einer tausendjährigen Geschichte zu verlassen, die be- deutensten Attribute der Selbstständigkeit der Einzel­staaten der Idee und dem Bedürfnisse der Einheit zu opfern; bietet die Einheit desKleindeutschlands," wel­ches sich unter Preußens Herrscherstamm stellt, min­destens einen solchen Zuwachs an Macht und Ansehen daß sie in der That Oesterreich entbehrlich macht und dasVereinigte Deutschland" in die Verfassung setzt allen bevorstehenden Chancen eines europäischen Krie­ges zu trotzen, dann wird der gestrige Beschluß der deutschen Nationalversammlung in Der Weltgeschichte glanzen, dann wird auch Preußens glorreiche Dynastie unterstützt von der ganzen Macht des Landes, sich nicht der gemeinsamen Sache entziehen. Sollte sich aber zeigen, daß dieser Beschluß, nur aus Den Combinatio­nen parlamentarischer Parteien hervorgegangen, ohne kräftigen Nachhalt in der Nation ist; daß die größeren Elnzellande sich absondern; daß Preußen nur einen Zuschub unbedeutender Ländchen erhielte, um dafür nicht nur sich selbst aufzulösen, sonder» auch zu einem Kampfe gegen das gejammte Europa gedrängt zu wer­den bann wird der gestrige Beschluß, sammt Allein, was in Frankfurt gebaut und erdacht worden, ohne Wirkung bleiben: höchstens ein Vergleichungspunkt für die Entwickelungsgeschichte einer späteren Zeit. Fast gleichzeitig mit dieser Nachricht kommen uns die Sieges- berichte Radetzkys zu. Das alte Oesterreich seine heftigsten Feinde müssen das gestehen ist inmitten Der schweren Krisen, die es betroffen, noch immeran Ehren und an Siegen reich."

scheinlich auch mit England und Frankreich, und über­dies mit Bayern und Hannover: denn die Deutschen dieser Lande stehen bekanntlich mit ihren Regierungen in dieser Frage großentheils zusammen; deutscher Bruderkrieg und in diesem daS übrige Europa gegen uns. Dann folgt eine vermeintlich juristische Ausein­andersetzung,daß der legale Auftrag der Abgeordneten in Frankfurt dahin gehe, mit den Regierungen aller der Länder, welche Abgeordnete nach Frankfurt gesendet haben, das deutsche Lerfassungswerk zu vereinbaren, und daßdie Nationalversammlung, wenn sie auch die Kraft hätte, nicht das Recht hat, aus eigener Macht­vollkommenheit eine Verfassung zu diktiren"; und end­lich die wiederholte Bemerkung:daß es eine Schmach, ein Sünde für den König von Preußen sei, aus den Händen der Vertreter des deutschen Volkes eine Krone anzunehmen."

, II. DieDeutsche Reform" läßt vernehmen:

Die erbkaiserliche Partei ist durchgedrungen, aber um welchen Preis! Die neugegründete Gewalt ist beinah so schwach, als die frühere Kaiserinacht seit dem westphälischeu Frieden war; nicht einmal gegen Abänderungen der Verfassung soll das Reichsoberhaupt ein absolutes Veto haben. Freilich nicht die fürstlichen Obrigkeiten schränken die Oberhoheit ein, wie damals, sondern die Repräsentation ves Reichs in Staatenhaus und Volkshaus. Das Recht der deutschen Fürsten ist nahezu vernichtet; der Reichsrath, der, aus ipmi Be­vollmächtigte» zusammengesetzt, au der Reichsregierung theilnehmen sollte, ist ganz beseitigt, Und vollends das eigentlich volksthümliche Recht Der Wahl ist scho­nungslos der Demagogie preisgegeben die Pseudo­demokraten sind ans d.r geheimen Abstimmung bestan­den. Und doch ist ein Gewaltiges geschehen, das aus den Annalen der Geschichte nie wieder zu tilgen ist: die Ration hat in ihrer gesetzlichen Vertretung auf gesetzlichem Wege dcu Petter Deutschlands bezeichnet. Wie kann König Friedrich Wilhelm diese Sendung erfül- en? Nicht, indem er ablehnt, wohl aber, indem er Be­dingungen vorschreibt. Hierauf war von jeher alle Welt gefaßt; nach dem jetzigen Ausfall wird es von Allen erwartet werden, von der Demokratie in der Hoffnung, daß Verwirrung daraus entstehe, von allen Freunden des Vaterlandes in der Zuversicht, daß nun endlich Deutschland eine Ordnung und Obrigkeit er­halte. Die kaiserl. Partei zu Frankfurt hat den Be­schluß ohne Zweifel nur in der Erwartung gefaßt, daß diese Bedingungen erfüllt werden; und sie werden es: denn der Widerstand der Linken wird ohnmächtig, sobald die Oesterreicher die Paulskirche verlassen. Gott

Die Zustände in Siebenbürgen.

(Aus derdeutschen Reform.")

" Die Kämpfe, welche seit eiueni Jahre in den Ein­geweiden der österreichischen Monarchie wüthen, haben sich allmälig von den westlichen Gränzen dieses großen Staates, von Italien, wo sie begannen, über den Mittel­punkt desjReichs, über Wien hin gegen Osten gezogen, in Die Pusten Ungarns, in die Haideflächen und Moräste von Kuwanen- und Haiduckenlanb und in die Thäler und Gebirgsschluchten Siebenbürgens. Dort, wo auf den Grenzen der europäischen Civilisation die Geschichte in den Zeittn der großen Völkerströmung wilde Trümmer mannigfacher Stämme angehäuft und zurückgelassen hat, wo in den unabsehbaren Flächen zwischen Theiß, Marosch und Temos der kühne Pandure für seines H. Stephans alte Krone zu den Waffen gegriffen, wo der rein magyar­ische Haiduckcnhäuptling für Kossuth in die Schlacht ge­ritten, wo der stolze Kumane sich für den Fortbestand eines staatlichen Magyarenthums erhoben, wo der un­garfeindliche Raize mit mordbrcnnerischcn Gedanken in den Donausüpfeu lauert, und der räuberische Serbe durch Oesterreichs Geld und lockende Beute jum vernichtenden Nationalitätskampfe aufgr stachelt wurde, wo Wallachen und Ruthenen, Roumaiuen und Szekler neben german­ischen Sachsen hausen ist jetzt Der Schauplaty des blutigen Drama's, worauf alle Augcu Europa'» gerichtet sind. Aber die österreichischen Heeresmasscu, welche von

den Alpen Steiermarks bis zur russiisch-polnischen Gränze bei Krakau in ununterbrochener Kette ausgestellt stehen, bilden gleichsam den Vorhang der Bühne, der nur dann und wann für wenige Momente aufgezogen wird, so daß Europa gewöhnlich nur das wilde Schlachtcugetümwcl hinter demselben vernimmt, ohne ein nur halb klares Bild des mörderischen Kampfes vor Augen zu haben. Dabei ist der Schauplatz selbst eine jener Gegenden Eu- ropa's, welche topographisch und ethnographisch zu den dem mestlichen Europäer unbekanntesten Weltstrichcn ge­hören, da die gemöhnliche Wissenschaft und Literatur nur sehr wenig allgemein gelesenes Material über Lage und Zustand jener Länder uns darbietet. Denn außer John Paget's (Hungaria and Transsylvania) und Gèrcm- do's flüchtigen Neisewerken müßten wir wenige Schriften, welche über diese Gegenden einiges Licht verbreiten.

Besonders aber sind es Die für ganz Europa und speziell für Deutschland so wichtig geworbenen Zustände in Siebenbürgen, worüber ein undurchdringliches Dunkel lastet. Wie oft hören wir nicht selbst den gebilveten Zeitungsleser fragen:'Wer sind denn eigentlich jene Szekler, welche uns wie die hunnischen Horden Der Völker- wanderungszeit geschildert werden? Wer die Rvumaincn oder Wallachen, welcbe als vierte siebcnbürgische Nation jetzt auftreten? Was ist es mit ihnen und der sächsischen Nations-Uni zerstreit, und wie kommt es, daß ein deutscher Stamm sich so erniedrigt, russische Hülfe anzufichen?

Diese Fragen zu beantworten, und so viel es durch

Darstettang der Landesverhältnisse möglich ist, das Dunkel, welches über diesem blutigen Schauplätze eines Nutional- itâten-Kricges ruhet, zu lichten, wollen wir in gedrungener Kürze hier versuchen:

Siebenbürgen ist, wie schon der Name besagt, ein Gebirgvland, welches sich wie eine feste Burg zwischen den beiden großen Thalebeneu der Moldau und Wattachei einerseits und der Theiß anderseits erhebt. Nur wenige Pässe führen von Osten her in das Land und dienen als große Verkchrsstraßeu, worauf die Manafaktur-Produkte des westlichen Europa den Märkten von Bukarest und Jassy zugeführt werden. Gegen Süd und West zerreißen zahlreiche Flüsse die Gebirgswände und bilden theils engere Schluchten, theils breitere Pässe, welche in die Ebenen des Banat und des eigentlichen Ungarn führen. (Die Pässe von Fekete-T^ Belenyns und Haluiagy.) Im Innern ist das Land von parallelen und sich kreu­zenden, wilden Gebirgsketten durchzogen, welche unzèch- ltche, gewöhnlich nur eine Melle breite, höchst frucht­bare und romantische Thäler ciuschließen. Reich au Ge­treide, an Gold, Eisen und Salz, dessen Stock sich den Karpathen entlang nach Wiclitzka erstreckt, liefert das Land, nebst den bedeutenden Einkünften aus den Kron- dvwaiuen, acht, nach ungarischen Schätzungen sogar 11 Millionen Gulden Rein-Ertrag in die österreichische

Staatskasse.

(Forts, folgt.)