tltung.
„iTrei stets und AecKt!"
Wiesbaden. Samstag, 31. Nkärz
1 SW
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Die letzt<Frucht der Märzrtvolution.
' * Wiesbaden, 29. März. Die Frankfurter Professoren lassen sich nicht irre machen; sschon zweimal hatten sie vergeblich angesetzt; doch zum dritten wurde ihre Beharrlichkeit mit Sieg belohnt.
Mit vier Stimmen wollen die Theilnehmer an der Gesellschaft in der Paulskirche dem deutschen Volke , einen erblichen Kaiser geben, und sie haben sogar schon den Beschluß gefaßt, Friedrich Wilhelm von Hohenzollern die Kaiserwürde anzutragen.
Wir wollen davon heute schweigen, daß die Frankfurter Versammlung schon längst beim Volke nicht das geringste Vertrauen mehr besitzt, daß^fle es mit allen Parteien verdorben hat, indem sogar die konservative Kölnische Zeitung neuerdings den Stab über sie bricht, und in Nr. 74 sagt: „Die deutsche Nationalversammlung hat sich durch die letzte große Krisis um ihre ganze Bedeutung gebracht. Es ist der Geist von ihr gewichen, der sie zusammenführte und in dem sie die Berechtigung ihres Daseins hatte: sie ist in einem Zustande der innern Zersetzung und des moralischen Bankerotts;"--und daß folgeweise diese Versammlung ohne alles Vertrauen beim Volke, dessen begründeten Klagen sie stets ein taubes Ohr lieh, — unmöglich einen Zustand in Deutschland herbeiführen wird, welcher auf Dauer Anspruch machen könnte; wir wollen hier nicht davon reden, wie die Versammlung mit ihrem Kaiser das österreichische Volk, nicht bloß seine Dynastie, welche ein solches Loos wohl verdiente, aus den Grenzen Deutschland's gestoßen. Wir wollen heute nicht weiter erörtern, daß der Kaiser uns nicht die Einheit bringen wird, — denn sollte er letzteres, so müßte er straff und stolz gegen alle Dynastien Eu - ropa's in die Schranken treten, und allen deutschen Fürsten außer ihm jenen napoleonischen Troß, welcher das historische Recht nach Willkür zu Boden stampft, entgegensetzen, — wohl aber die Blume der Freiheit mit Leichtigkeit vollends zerpflücken kann, — nur das Eine wollen wir, die wir uns die Aufgabe gesetzt, den Klagen des stenerzahlenden und arbeitenden Volks Worte zu leihen, vor Allem konstatiren: die letzte Frucht der Märzrevolution ist also eine neue Besteuerung, eine große Civilliste. Denn man wollte ja einen Kaiser, und ein Kaiser muß, wie die Professoren meinen , kaiserlich bezahlt werden. Wir können uns nie zu der Ansicht bequemen, daß nur eine kostspielige Regierung stark sein könne. Der Präsident der nordamerikanischen Freistaaten bezieht 33,000 Rthlr. — und wahrlich, er hat mehr Macht lind verdient mehr
den Namen eines Regenten, als jene englische Königin, jene Puppe in der Hand ihrer Minister, welche auf sehr kostspielige Weise die Idee des englischen Staates verkörpern soll. „Große CiviUisten bringen Geld unter die Bürger"; wir aber erwiedern euch: wenn ihr die Alten und Schwachen versorgt und die Hülflosen Kinder erzieht, und den Hungrigen Arbeit und damit Brod gebt, so bringt ihr auch Geld in Zirkulation. Von der Märzbewegung erwartete das Volk vor Allem Steuererleichterung, und die Märzbewegung hat nur neue Lasten bis jetzt, — erhöhte Ausgaben für Beamte, Landstände Reichsstände, Heer und eine nagelneue Civilliste, — zu den alten Lasten hinzugefügt.
Um aber dem geehrten Leser einen Begriff von den alten Ausgaben des deutschen Volkes nur in einer Hinsicht zu geben, lassen wir hier zum Schlüsse nachstehende Stelle aus den „Rheinischen Jahrbüchern" vom Jahr 1845 folgen:
„In 16 Jahren haben Frankreichs Bourbonen 5,466,725,722 Franken gebraucht, Eine Familie in 16 Jahren 1,457,793,526 Thaler! Aber geht dies uns an? Der Unterschied ist nur, daß in Frankreich Eine Familie, in Deutschland Fünfunddreißig Familien zehren.
Ungefähre Zahl der Mitgli.eder:
Anhalt-Dessau..... „ Bernburg . . . .
„ Köthen . . , . .
Baden . .......
Bayern . .......
Braunschweig ...... Hannover ....... Großherzogthum Hessen . . Kurfürstenthum Hessen . . . Hessen-Homburg . . . . . Hohenzollern-Hechingen. . .
„ Sigmaringen. . Holstein-Schleswig (Dänemark) Lichtenstein ....... Lippe-Detmold ..... „ Schaumburg . . . . Luremburg (Niederlande) . . Mecklenburg-Schwerin . . „ Strelitz . . . Nassau ........ Oestreich ....... Oldenburg....... Preußen . . . . . . . Neuß-Greiz ...... „ Schleiz...... „ Loben stein . . . . .
15
2
3
18
21
2
14
29
8.
13
42
12
8
14
7
5
11
39
9
29
5
28
2
Sachsen....... Sachsen-Altenburg . . . „ Coburg-Gotha . . „ Meiningen . . . „ Weimar .... Schwârzburg-Söndershäusen „ 9luboIftßVt ♦ Waldeck .«./... Würtemberg . . . . .
16
17
16
5
10
12
12
33
Summa . 526
Außerdem gibt es 827 mediatisirte Fürsten und Fürstinnen, zu deren Familien noch 573 Grafen und Gräfinnen gehören.
Also 1353 Fürsten!
Ferner leben in und von Deutschland mindestens 180 Minister, 260 Gesandte.
Die jährlichen Gehalte und Einkünfte, gering angeschlagen, von
Rthlr. Rthlr.
526 Unmittelbaren,
jeder zu 50,000 = 26,300,000
827 Mittelbaren
„ „ 25,000 = 20,675,000
573 Grafen
„ „ 10,000 = 5,730,000
180 Ministern
„ „ 10,000 =• 1,800,000
260 Gesandten
„ „ 10,000 — 2,600,000
Summa 57,095,000
Diese Alle habt ihr zu ernähren! —
Wißt ihr, wieviel arme Familien, jede zu 5 Personen, mit 200 Thaler Zuschuß davon leben könnten? Nur 285,475 Familien, 1,427,375 Menschen. Dazu rechnet noch die Ausgaben für Soldaten- und Beamtenheere !
Dazu rechnet noch die für Hofbediente, Kammer- Herrn, Marschälle, besoldete Zeitungsschreiber, Spione u. s. w.! ---"
Hiernach magst du erkennen, deutsches Volk, wie recht wir haben, wenn wir dir wiederholt zurufen: Zahle, zahle! denn zum Zahlen bist du ja mir auf der Welt. '
Nationalverfammlung zu Frankfurt.
197. Sitzung.
m Die Sitzung beginnt um 10% Uhr. Nach Verlesung deS Protokolls und zwei dagegen von Berger und Simon von Trier gemachten Reklamationen verkündigt Präsident, daß gestern der yieid)5Denve]et im Beisein des Präsidenten der Nationalversammlung, einiger Mitglieder der Bureaus und der Mililster Gagern und Mohl erklärt habe, er wolle die Würde eines Reich sver- wcsers niederlegen. Dagegen habe er Borstellungen gemacht und der Nèichsverweser sich eine Stunde Bedenkzeit erbeten, dann aber dem Präsidenten des Reichoministeriums folgende Mittheilung gemacht:
N Nassowitisch - deutsches Schlaflied
O, nafsowitisch Deutsche
Michel, was tobt Ihr so sehr?
Hält denn nicht Ordnung die Peitsche? Schlafet, was wollt Ihr mehr?
Ist nicht Euer Volksmaun Minister? Und auch in Frankfurt ist Er, In Potzdam und überall i st er.
Schlafet, was wollt Ihr mehr?
In Euerer Kammer die Mehrheit Schwärmet für Ihn so sehr.' WaS ist denn noch Euer Begehr heut? Schlafet! Was wollt Ihr"mehr?
Zum dritten ein viertes Simpel, Das fünfte kommt nachher.
Was wollt noch weiter, Ihr Gimpel ? Schlafet, was wollt Ihr mehr?
Neichstruppen habt Ihr im Lande, Und wollt Ihr, dann kommen noch mehr. Demokraten schlägt man in Bande, Schlafet! Was wollt Ihr mehr?
Ihr habt ja dreifarb'ne Kokarden
Und Fahnen für Bürgcrwchr.
Mit dem Andern müßt Ihr noch warten, Schlafet! Was wollt Ihr mehr?
Ludwig Koffuth
(Fortsetzung.)
Die Regierung hatte zwei Feinde verloren, aber dafür war der dritte ein furchtbarer, riesenhafter Feind für sie geworden.
Im Jahre 1847 war er zum Deputaten ins Repräsentantenhaus gewählt. Fürst Bathyany hatte die Führung der Opposition übernommen und Kossuth war der Sprecher derselben.
Schon damals lebte sein Name im Munde aller Magyaren und in den Märztagen stand er an der Spitze der Deputation, welche vom Kaiser so viele und große Zugeständnisse erwirkte. Als Bathyany mit der Bildung eines Ministeriums beauftragt ward, wurde Kossuth Fmanzminister und von diesem Augenblicke zeigte er erst recht klar und deutlich, wie aufrichtig er der Sache der wahren Demokratie ergeben sei. Von demselben Augenblicke, in welchem er ins Ministerium trat, wurden die Ungarn gerechter gegen die verschiedenen in ihrem Lande
lebenden Nationalitäten; von demselben Augenblick an trat Ungarn in die Reihe der übrigen Freiheitskämpfer und mit dem Blute seiner besten Söhne hat es den Pakt, welchen cs mit der demokratischen Partei abgeschlossen hat, besiegelt.
All das was Kossuth als Finanzminister gethan, ist unnvthig zu erwähnen, weil es noch im Gedächtniß Aller lebt; ebensowenig wollen wir umständlich erzählen, wie er, als Ungarn an den Abgrund der Gefahr gestürzt wurde, an die Spitze des Landesvertheidigungs-Ausschusses trat, wie er im Ungarlande herumzog und durch feurige Reden die Bauern begeisterte, sich kühn ins Schlachtgewühl zu stnrzeu, wie er endlich durch die riesenhaftesten Anstrengungen es dahin brachte, daß der Feind Ungarns, Zellachich, aus den Gauen seines Vaterlandes hinaus- gejagt wurde«
Daß Kossuth eines der größten Rednertalente Europas ist, wollen wir nicht erst unsern Lesern durch unser Urtheil beweisen, die folgende Reden Kossuths wird einen bessern Beweis liefern, als unser Urtheil zu geben
Stande wäre.--
im
Wir theilen hier mit
Koffuths Aufruf an die Ungarn.
Ein Prophet, spreche ich zu Euch, Patrioten ! arme, verrathene Magyaren! Oft hab' ich prophezeit seit sieben Jahren, und ich schaudere, seh' ich, daß Alles, aber Alles schrecklich schnell in Erfülluug gegangen ist!