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Snbordinationsverhältm'ß der jünger» Aerzte wird aber erst nach 30 Jahren (wie genau berechnet) also jenseits des Grabes aufhören! Ueberhaupt gehört der Jugend die Zukunft, auf der Jugend beruht die Hoffnung und die Stärke der Gegenwart liegt in ihrem Busen: beim Krieg zieht die Jugend aus: sie muß auch ein Recht haben, an der Zukunft gestalten zu helfen.

§ Diez im März. Zu Ende vorigen Monats wur­den sechs Soldaten von Wiesbaden in das hiesige Zuchthaus abgeführt. Dieselben gehörten zu dem Ba­taillon des Herzoglichen Feldregiments, welches nach der Rückkehr von Schleswig bei dem Wiederab­marsche nach Baden bei Freidiez und bei der Plätz- mühle bei Wiesbaden, dem Commando seiner Offiziere nicht mehr folgen wollte. Ein Vorfall, unerhört in den Annalen der Nassauischen Truppen, tiefbetrübend für Jeden, welcher weiß, daß die Nassauer nur einer guten Führung bedürfen, um sich mit jeder Truppe zu messen. Die Ehre der Nassauischen Truppen er­fordert daher, daß die Untersuchung gegen jene sechs Soldaten der Oeffentlichkeit baldigst übergeben und da­durch jeder Zweifel beseitigt wird:

1) über die Nothwendigkeit der Errichtung eines Nassauischen Feldregiments und

2) über die Nothwendigkeit der Aburtheilung jener sechs Soldaten des Herzoglichen 1. Regiments bei dem 2. Regimente, nach der Auflösung des Feldregiments.

Jeder Militär, also auch der Chef des Nassauischen Feldregimeuts weiß ja, daß die Subordination die erste Grundsäule des Militärstandes, daß die Ausbeutung der Subordination zu selbstsüchtigen ehrgeizigen Zwecken aber das beste Mittel ist, jene Grundsäule bis in ihr unterstes Fundament zu (erschüttern, weil der Zeitgeist ebenso wenig vor der Uniform eines Soldaten, wie vor dem Gewände eines Opferpriesters zurückschreckt.

LPC Frankfurt, 25. März, Die gestrige Sitzung war eine der abspannendsten, ermüdendsten. Nichts als Abstimmungen durch volle 7 Stunden, dabei fielen fast alle Amendements der Linken und alle Minoritätsan­träge des Verfassungs-Ausschusses durch. Trotzdem scheint die Rechte, oder wenigstens die erbkaiserliche Partei der Rechten (Weidenbusch) mit der raschen Er­ledigung des ersten Abschnittes höchst unzufrieden zu sein; und versuchte es, sie durch namentliche Abstim­mungen in die Länge zu ziehen. Die Obcrhaupts- frage rückt ihr zu rasch auf den Leib, und läßt ihr nicht Zeit genug, für ihren Lieblingsmarotten, den Erbkaiser, genugsam zu wühlen, und sich nach schwa­chen Seelen umzuthun, die etwa noch zu gewinnen wären; und sich von ihren Leitern in Preußen die Parole zu holen. Noch einmal wird sie alle ihre Ge­schütze spielen lassen, noch einmal wird Gagern und Herr Mathy, der Weckauf, in das Feuer gehen. Doch hoffen wir vergebens! Selbst wenn der Kaiser eine Majorität von 12-15 Stimmen erhält er wäre dann doch fast nur von Preußen gemacht, und ein ächter preußischer und nnächtdeutscher Kaiser, den der mit schwarzrothgoldener Fahne die Straßen Berlins englisch durchreitende Friedrich Wilhelm IV. unmöglich annehmen könnte.

Seit gestern geht das Gerücht von einer bevor­stehenden Oetroyirung, die am 27., wie ein kalter Blitz, in die Paulskirche fahren soll. Vielleicht eine leere Erfindung der Erbkaiserlicheu, vielleicht auch nicht; denn die Reaktion ist leider consequenter als

erkennt, das nachgerade Mißtrauen genug besitzt, um ciu- zuschen, daß es immer und überall mitsprechen und da­her die Mittel dazu haben muß, damit die Majorität seiner Vertreter auch jederzeit die Majorität des Volkes vertritt.

Man hat G. den deutschen Lamartine genannt, allein in der einzigen Rede Lamartine's zur Vertheidigung des Einkammersystems zeigt er sich wenigstens als poli - tischen Gegensatz zu G. Lamartine erkennt und ver­theidigt wenigstens das Princip terunbegrenzten" De­mokratie so schlagend, so überführend, und zwar gerade durch Das, was G. verwirft.

Wir müssen zum Schluß noch einen Grundgedanken Gagcru's berühren, von welchem sein ganzes System, alle seine Bestrebungen ausgehen, der mit seinem Wesen aufs Innigste verwachsen ist. Jeder denkende Mensch wird erkennen, daß es in der menschlichen Gesellschaft ein Oben mit Unten giebt, bevorzugte Geister, bevorzugte Kräfte aller Art. Also eine Aristokratie, die immer herrschen, die stets tonangebend sein wird Sie wird demnach eineGewalt" bilden, welche die roherenKräfte begrenzen" muß. Diese Wahrheit mußte G. als fein­fühlender Mann schon früh empfinden; allein seine Seele war nicht stark und elastisch genug, um in allen Theilen deS Lebens diese Wahrheit herauSzufinden, nicht energisch und selbständig genug, um in der Freiheit der Sebst- bestimmuug daS höchste Ziel dieser Wahrheit zu er­kennen, nicht vertrauend genug auf die Macht der Natur, um jedem Verhältniß, dem Individuum wie dem Volke dieses ewige Rewt zuzuerkennen.

Hierin liegt der Schlüssel zu Gagcru's gesellschaft­lichen Vorzügen wie zu seinen politischen Mängeln. Möchten die letzter« nicht völlig ein Werk zerstören, das die Natur so reich ausgestattet.

die Demokratie, und sie will ihr Werk symetrisch vol­lenden. Wurde in Berlin oktroyirt, wurde in Krem- sier oktroyirt, warum nicht auch in Frankfurt? Daun aber werden wir sehen, ob in der Majorität der Na- tioual-Versammluug ein Fünkchen Muth, ein Fünkchen Ehrgefühl, ein Atom von jener deutschen Vaterlands­liebe ruht, von welcher sie so emphatisch in geschwol­lener Prosa und in gereimten Citaten deklamirt. Wir werden dann sehen, ob sie nur soviel Ausdauer besitzt, wie der von ihr so oft geschmähteClubb Unruh". Allein was ist von einer Versammlung zu erwarten, die erst vorgestern, Hr». von Gagern und dem Re­publikaner Soiron au der Spitze, den heiligen Satz alle Gewalt geht vom Volke aus" verneinte, und die Volkssouveränität verlängnete. Nur ein Umstand könnte möglicherweise die Herren Soiron, Beseler, Zell^ Reh und Konsorten einigen als Muth verkleideten Starr­sinn einflößeu: die Aussicht auf die Reichsrichtergagen, welche die Herren schon so ziemlich sicher unter sich brüderlich vertheilt haben sollen.

Als charakteristisch für unsere interimistischen Mi­nister fügen wir nur noch hinzu, daß die Herren Bas­sermann, Mathy, Mohl und Beckerath, nachdem sie die Ministerbänke verlassen, sich ihre Plätze auf der äußersten Rechten auserwählt, während sich der edle Gagern neben seinen Soufleur und Bruder Mar vorn ins rechte Centrum setzte. Duckwitz unb Peucker find spurlos verschwunden. Schneer wandelt betrübt in den Gängen auf und ab, und sucht sich eine Heimath. An die Miuisterbank, wo er sonst saß und durch Räu­spern die Aufmerksamkeit des Edeln auf sich zu ziehen suchte, wagt er nicht mehr sein schweres Haupt zu lehnen, da sie möglicher Weise von Männern aus dem linken Centrum besetzt werden könnte. Allein die Furcht ist eitel, denn es heißt, der Reichsverweser wolle die Portefeuilles an Männer, die nicht im Parlament sitzen, vertheilen. Auch sollen es weder Preußen noch Oesterreicher sein. Der Name des Fürsten v. Fürsten­berg wird Viel genannt, Römer aus Stuttgart hat abgelehnt. Von der Pfordten, der als sächsischer Mi­nister nicht die deutschen Grundrechte proklamiren wollte, solides deutschen Reichsmiuisteriums halber hierher berufen worden sein. Charakteristisch für die jetzige Führung der Geschäfte im Rcichsmiuisterium ist Fol­gendes: Der schändliche Mord in Bernburg wurde in Folge ciugegaugcner Adressen von dem Petitionsaus­schusse verhandelt. Herr Bassermann, dem, beiläufig gesagt, Herr v. Gagern die Führung der Geschäfte im Ministerium des Innern ganz allein überlassen hat, verweigerte aber jede Auskunft weil solche Dinge keine laufenden Geschäfte seien!

LPC Frankfurt, 26. März. Die Linke ist wie eine schöne reiche Braut, um deren Besitz zwei Freier sich bewerben, deren Eristenz von der Eroberung ab­hangt, sagte heute Jemand, als er das Drängen und Treiben der Kaiserlichen und der Direktorial-Werber sah, welche einzelne Schwankende zu gewinnen suchten. Die Weidenbuschpartei, die im Siegesrausch des Wel- ker'schen Antrages von keinen Concessionen hören wollte, läßt jetzt alle Freiheitsfragen offene Fragen sein; sie gibt zu, daß Unterschriften zur Sicherung des Wahl­gesetzes, des suspensiven Veto's, in ihrer Mitte ge­sammelt werden, und um einige Stimmen zu gewiu- neu, verpflichten sich mehr als hundert ihrer Anhänger schriftlich später dem Könige von Preußen, wenn er Erbkaiser sein sollte, keine Concession zu machen. Gleiche Preise bietet die Direktorial-Partei ja noch mehr, indem sie das suspensive Veto in Verfas­sungs-Angelegenheiten und den Wegfall des Reichsra- thes den Stimmen der Linken unterordnet.

Wie sehr beide Parteien daran gelegen ist, die Linke zu gewinnen, mag man aus der heutigen Ab­stimmung über das suspensive Veto ersehen. Das vo­rige Maj ging es mit nur wenigen Stimmen durch es wäre wahrscheinlich dieses Mal gefallen, wenn nicht die erwähnten Handels-Unternehmungen in schönster Blüthe ständen. So eben fiel das absolute Veto mit einer Stimmenzahl, wie sie gewöhnlich die Miuoritäts- crachten der Linken vereinigen. Der Reichsrath, der als Damoklesschwerdt über uns hängt, wäre vielleicht in gleicher Weise gefallen, wenn nicht ein Mitglied der Linken allzu logisch eine falsche Taktik vorgeschla- gen hätte, welche von der Kaiserpartei mit Begierde aufgegriffen wurde. Das Resultat der endlichen Ab­stimmung vorauszusetzen, ist keinem möglich. Man überbietet sich in statistischen Aufstellungen, ohne eine Gewißheit herstellen zu können.

Die große Mehrzahl der Linken hat sich für das Direktorium entschieden/ da sie hierin die einzige Mög­lichkeit des Verbleibens Oestreichs und die richtige Auffassung der thatsächlichen Verhältnisse im übrigen Deutschland erblickt, vielleicht werden nur einige we­nige Stimmen den Ausschlag in dieser brennenden Frage geben. Ob dieselben auf den Erbkaiser, ob sie auf das Direktorium fallen werden, wollen wir nicht entscheiden, wir wissen es nicht.

Die Ministerkrisis ist noch nicht beendet. Wir wider­sprechen noch einmal auf das Bestimmteste den An­gaben, daß Römer zur Bildung eines Ministeriums berufen geweseu sei. Es wird auch sobald kein neues Ministerium geben, denn Niemand bezeigt Lust, die Erbschaft Gagerns anzutreten. Man möchte fast sagen, daß ein Reichsministerimn überhaupt unmöglich sei, so sehr ist der Widerstand der Einzelregierungen an­gewachsen, ohne daß die Centralgewalt die Mittel hatte, sie zur Nachgiebigkeit zu zwingen.

Die Abstimmung über den Welcker'schen Antrag bot für Gagern nur die Gelegenheit, zurückzutreten, die Nothwendigkeit dieses Rücktrittes war längst da, durch das Verhalten der Negierungen in der dänischen Kriegssache. _

Preußen weigert sich, als europäische Großmacht, daran Theil zu nehmen, da Frankreich und Rußland Einsprache gethan hätten. Die kleineren Staaten wollen ihr Kontingent von der Theilnahme Preußens abhängig machen, und die Schleswig-Holsteiner fürch­ten mehr die preußische Hülfe, als sie dieselben wün­schen, da sie sich zu wohl der Art und Weise erinnern, wie Wrangel den Krieg im Interesse des Königs von Dänemark zu führen verstand.

Das falsche Spiel, welches damals die preußische Diplomatie spielte, ist ihnen noch im besten Andenken sie verdanken ihm die Zögerung des Krieges, den Rück­zug aus Jütland, den Waffenstillstand zu Malmö sie werden ihm auch noch einen schmählichen Frieden und die Losreißung Schleswigs verdanken müssen. Uebrigens ist der Wayenstillstaud noch bis zum 3. April verlängert.

Großes Aufsehen machen die Nachrichten aus Un­garn ;^man fühlt, daß dort und in Italien die deutsche Verfassungs-Angelegenheit entschieden wird.

Frankfurt, 27. März. In der 194. Sitzung der Nationalversammlung wurde mit der einfachen Ab­stimmung über den Verfassungsentwurf des Morgens und des Abends fortgefahren, und die §§. 54115 ohne wesentliche Abänderungen nach der ersten Lesung beibehalten.

Frankfurt, 27. März. In der heutigen Abcud- sitzung wurde § 68 (früher § 69):Die Würde des Reichsoberhauptes wird einem der re­gierenden deutschen Fürsten übertragen", mit 279 gegen 255 Stimmen angenommen.

Frankfurt, 27. März, Abends 6 Uhr. § 69 (früher70)des VerfassnngSausschusses :Diese Würd e ist erblich im Hause des Fürsten, dem sie übertragen worden. Sie vererbt im Man­nesstamme nach dem Rechte der Erstgeburt" wird mit 267 gegen 263 Stimmen angenommen.

Durch Aufsicht» und Sitzenbleiben wurde ferner der § 70 (früher 71) angenommen: Das Reichö- oberhaupt führt den Titel Kaiser der Deutschen.

(O.-P.-A.-Z.)

Berlin, 24. März. Minister v. Arnim erklärte in der ersten Kammer: daß die Regierung in der deutschen Frage an der Verständigung mit allen deutschen Regierungen festhalte. (Z. f. N.)

Berlin, 25. März. Eine heut stattgefundene Ver­sammlung ließ keinen Zweifel darüber, daß an eine Vermittelung zwischen der sehr kompakten Opposition gegen die von Herrn Rintelen im Ordonnauzwege verfügte und jum Theil bereits vollzogene Umgestal­tung des Gerichtswesens und dem Gouvernement nicht zu denken sei. Die Regierung hält diese aus allen Fraktionen beider Kammern gemischte Opposition, wie cs scheint, für die bedenklichste. Es ist ihr vor Allem darum zu thun, hier Konzessionen zu erlangen, und in der That war es ihr auch gelungen, einen der nicht am wenigsten einflußlosen Gegner, Hrn. Borne­mann, zu gewinnen. Hr. Bornemann veranlaßte heut eine Konferenz sämmtlicher rechtsgelehrten Mitglieder aller Parteien in beiden Kammern. Er machte Vor­schläge, wie man, ohne den Rechten der Volksvertre­tung zu vergeben, die Verlegenheit der Regierung bei den Organisationsgesetzen beseitigen könne. Jin We­sentlichen gingen diese Vorschläge dahin : einen Antrag auf vorläufige Genehmigung der Gesetze und der zu ihrer Ausführung getroffenen Maßregeln zu unter­stützen. Die Konferenz ging indeß völlig resultatlos zu Ende. Man war in überwiegender Majorität der Meinung, es sei nicht die Aufgabe der Volksvertre- tretung, die Regierung aus Verlegenheiten zu ziehen, die sie selbst sich unbedacht bereitet habe. Das de­finitive Geschäftsreglement der zweiten Kammer ist jetzt beendet. Die jetzt geltende provisorische Geschäfts­ordnung ist darin wesentlich modisizirt, der freien Be­wegung der Debatte ist bei weitem mehr Raum ge­währt. In Betreff der Interpellationen ist den Mi­nistern überlassen, wann und ob überhaupt sie die­selben zu beantworten gedenke».

Einem Privatbriefe eines höher» russischen Beamten zufolge sind russische Garden in Warschau cingerücft, die Garnison Warschaus erhält durch sie einen Zuwachs von 40,000 Mann. (F.J.)

Altona, 24. März. Die von jenseits der Elbe erscheinenden Truppen werden sofort nach Norden be­fördert. Mit der Ankunft des als Oberbefehlshaber der in Schleswig-Holstein operirenden Truppen be­zeichneten General v. Prittwitz sind auch die preußi­schen Quartiermacher angekommen und der Anmarsch preußischer Truppeu dürfte wohl bald zu gewärtigen sein. Das kurhessische Bataillon ist theilweise nach Rendsburg verlegt, ein Rest davon weilt noch hier. Ein zweites weimarisches Bataillon, sowie nassauische Artillerie sind heute angekommen.

Wien, 22. März. (Die Beschießung Ko'- morn's. Ueberga ng d es Uhlan en-Regi m ents Coburg zu Dembinski.) Briefe aus der Nähe von Komorn geben die Nachricht, daß das Bombarde­ment der Festung bereits am 17. begonnen und bis nach 7 Uhr Abends gedauert habe, am 18. wurden