der Staatsdiener in der demokratischen Staatsform spricht, als der Wolf in Schaafskleidern da, denn die Allgemeine und ihre Helfershelfer wollen gar keine demokratische Staatsform, sie meinen, das Volk habe mit der neuen Gemeindeverfassung einstweilen Demo- kratie genug, denn sonst könnten sie keine Artikel bringen, wie der in No. 40.
Die Vorsehung aber wolle die Civilangestellten Nassaus bewahren, daß man sie, wie jetzt leider die Offiziere, künftig ohne Gehalt entlassen, ihnen jederzeit kündigen kann. Wir wollen nicht weiter ausführen, was alsdann aus dem Volke selbst werden würde und müßte. Die Anhalt-Dessanische Verfassung vom Oktober v. I. hebt das Recht der Regierung zur Kündigung ohne Weiteres auf, diese Verfassung ist aber demokratisch- monarchisch.
Wer also die öffentlichen Angestellten nicht ferner zu Dienern im Marschall'schen oder einem ähnlichen Systeme herabgewürdigt sehen will, wem es wirklich nur um die Sicherheit für den richtigen Vollzug der Gesetze zu thun ist, und wer nicht durch Anpreisen des Bedientenwesens sich selbst denStempel einer Bedientenseele aufdrücken will, der erhebe seine Stimme laut und kräftig dafür, daß nicht nur der Minister, sondern auch jeder öffentliche Angestellte selbst für alle seine öffentlichen Handlungen dem Staate verantwortlich gemacht wird.
cf. pag. 5 — 6 des Berichtes des engeren Ausschusses über die Organisation der Verwaltung und §. 82 des Entwurfes über die Organisation der Verwaltung.
Dann, nur dann wird er bewirken, daß der richtige Vollzug des Gesetzes gesichert ist, dann wird das Wohl und Wehe des Staates dem persönlichen Einflüsse der menschlichen Fehler eines einzigen Mannes entzogen, dessen alleinige Verantwortlichkeit, zumal wenn alle öffentliche Angestellten gesetzlich von ihm ganz und gar abhängig sind, nur ein leerer Schall ist, mit welchem man Kinder, aber kein zum thatkräftigen Manne herangewachsenes Volk, welcher nicht ungestraft mit sich spielen läßt, ferner noch täuschen kann.
DeuèfehZKnK.
N. Nassau. Nr. 70 der „Nass. Allg." enthält eine Erklärung des Abgeordneten Schmidt gegen den P Korrespondenten von Nassau, die schon dadurch hinlänglich charakterisirt wird, daß ihr nicht einmal die „Nass. Allg." die Spalten ihres Sprechsaals öffnete, sondern dieselbe unter die bezahlten Inserate verweist. Ich würde dieses Machwerk gebührenderweise ignoriren, da Herr Pfarrer P. zu erhaben ist, über solche Angriffe, und keiner Vertheidigung bedarf, wenn ich nicht die Gelegenheit benutzen wollte, um Herrn Schmidt einmal auf sein eignes Ich aufmerksam zu machen. Den Ausgang der Untersuchung gegen Hrn. Schmidt wegen Wilddieberei, die demselben sehr im Kopfe he- rumzugehen scheint, werde ich seiner Zeit dem Publikum mittheilen, und hoffe nur, daß dieser wirklich so ganz ohne unangenehme Folgen sein möge, wie Herr Schmidt vermuthet. Daß Herr P., der nebenbei gesagt ein sehr tüchtiger Kanzelredner ist, in Amerika der Concurrenz eines Schneiders unterlegen sein soll, könnte nur die Unzulänglichkeit der dortigen Zustände beweisen, ebenso wie der Umstand, daß man den Höm- berger, und nicht Herrn P. zum Deputirten gewählt hat, wahrlich nicht für die geistige und moralische Ueberlegenheit des erster» spricht, sondern nur für die damalige Unbekanntschaft des Publikums mit den betreffenden Persönlichkeiten.
Auch das Wirthshausgespräch hätte Herr Schmidt besser nicht erwähnt, da man weiß, wie leicht Worte falsch aufgegriffen und in ganz entgegengesetztem Sinne dem Dritten und Vierten wiedererzählt werden, sondern vernünftiger seine schriftstellerische Thätigkeit der
Widerlegung der im Artikel D Ems angegebenen Thatsachen zugewendet, die ihn doch nicht unbedeutend graviren. Aus allem ersehen wir leider, wie Herr Schmidt zu den Personen, die den Märzgrundsätzen treu geblieben sind, in immer schärfern Gegensatz tritt, woraus zu schließen ist, daß er sich von den Prinzipien, zu deren Vertretung ihn das Volk gewählt hat, immer mehr entfernt. Doch was hilft es, den so selbstständigen und konsequenten Mann einen andern Weg führen zu wollen!
H Nassau. Heute ist von dem Bürgerverein in Nassau folgendes Gesuch an seine Hoheit den Herzog abgegangen:
„In dem offenen und vollen Vertrauen, welches Unterthanen gegen ihren Fürsten gebührt, nahen wir uns Ew. Hoheit mit der unterthänigsten Bitte , um gnädige Bewilligung einer allgemeinen Amnestie für die politischen Culpaten unseres Landes.
Nicht soll Verkennung der Nothwendigkeit einer gerechten Vergeltung unsere Bitte uns einflößen, daß wir reden was das Recht verbietet, aber auch nicht Verkennung des hohen Vorrechts eines Fürsten, Gnade vor Recht ergehen zu lassen, wo die Rücksicht auf die Wohlfahrt des Ganzen es erlaubt, unsere Bitte znrück- halten, daß wir schweigen, wo die brüderliche Theilnahme zu reden uns drängt: geben Ew. Hoheit, als der Erste unter den deutschen Fürsten, der der Freiheit Plan gab, auch der Erste, der das Vergehen entsühnt, geben Ew. Hoheit den Gefühlen Raum, welche die Großmuth zu dem schönsten Schmucke einer Krone und zu dem süßesten Lohne eines edlen Herzens machen, und das Land wird Sie segnen als den Wiederbrin- ger einer bessern, das Alte heilenden, glücklichen Zeit!
In dieser freudigen Hoffnung stehen wir unserer unterthänigsten Bitte um gnädige Bewilligung einer allgemeinen Amnestie für die politischen Enlpateu unseres Landes rc. re.
0 Rennerod, 23. März. Ich erlaube mir, Herr Redakteur, Ihnen Kenntniß von einem Vorfall zu geben, welcher für Sie nicht ganz uninteressant sein möchte, ein Vorfall, der überdjes auch gewiß der Veröffentlichung verdient und das Treiben einer Partei, welche den religiösen Fanatismus gegen jeden Fortschritt auszubeuten sucht, augenfällig macht. In dem pente Morgen gewesenen Gottesdienste ereignete es sich nämlich, daß der hiesige kathol. Caplan Stähler im Gang seiner Predigt Veranlassung nahm, seine Zuhörer von den: Lesen verderblicher Schriften, an welchen die neuere Zeit so reich sei, zu warnen; er entblödete sich nicht, seinen Einfluß als Geistlicher, auf eine solche Weise geltend zu machen; in heftigen Worten donnerte er von der Kanzel herab gegen die Leser Ihrer „Freien", sowie gegen diejenigen des „Frankfurter Journals", diesen so verderblichen, schlechten Blättern, wie sich der genannte Herr Caplan auszudrücken beliebte. — Ein solche Handlungsweise, welche von allen Vernünftigdenkenden, mtt Indignation andererseits auch mit Bedauern aufgenommen werden muß, und vielseitig auch in der hiesigen Gegend auf- genommen worden ist, spricht hinlänglich durch sich selbst und bedarf eines weiteren Commentars nicht. Der genannte Hr. Caplan, noch seine Anhänger, haben übrigens dadurch etwas für sich gewonnen; durch jene intouerante und offenbar schon an und für sich rohe Ausdrucksweise werden die Leser der ihm verhaßten und ihm wohl mit Recht verhaßten Blätter, da sie das Treiben einer Partei, welche allen und jeden Fortschritt, sowie die Volksbildung, aus selbstsüchtigen Zwecken zu verhindern strebt, ins helle Licht stellen, in ihren politischen Tendenzen nur mehr bestärkt und beseitigt werden, sie werden sich durch Pfaffengeschwätz nicht beirren lassen.
Es ist uns schon von mehreren Seiten namentlich auch aus den Rheingegenden berichtet worden, daß sogenannte Priester gegen die „Freie Zeitung", welche
sehr wol zwischen Priester und Pfaffen zu uuterschei- den weiß, von der Canzel herabdonnern, und ihrem kindisch läppischen Zorne an genanntem Platze über dieses Blatt Luft machen. Wenn solches im offnen hellen Lichte der Sonne von der Canzel herab geschieht, wie mag da erst im Geheimen, vor Allem im Beichtstühle, gewirkt werden!
Was uns anlangt, so können uns solche höchst unziemliche Angeiferungen nur zur Ehre gereichen , sie beweisen uns, daß die Worte der „Freien Zeitung" nicht alle auf dürres Feld oder unter die Dörner fallen, und wir sind überzeugt, daß solche Schinähungen, außer bei durchaus feigen und knechtischen Seelen, die- sem Blatte eine nur immer weitere Verbreitung geben müssen. Die Redaktion.
LPC. Frankfurt, 24. März. Das Vcrfassungs- wcrk schreitet in großer Schnelligkeit vorwärts, und geht voraussichtlich noch vor Ablauf dieses Monats zu Ende. Was bann? Das läßt die kleindeutsche Partei des Weivenbusches sich keinen Kummer machen, sie ist keineswegs so, wie es einem Vater ziemt, um das weitere Fortkommen des mit so bedeutender Kraftanstrengung erzeugten Parlamentskindes besorgt. Sonst hätte sie als heute Schulz von Darmstadt interpellirte: ob Geldmittel und Truppen vorhanden seien, um renitenten Einzelregierungen zu begegnen, eine würdigere Antwort gehabt, als bloßes Hohngelächter! — Hofft man, wünscht man vielleicht nach der Verwerfung des Welcker'schen Antrages Widerstand von oben und eine gnädige Octroyirung? Aber es wäre naiv, zu glauben, daß aus einer solchen ein preußisches Erb- kaiserthum ersprießen könne; indessen erzählt wurde heute, daß der Weidenbusch sich schon jetzt alles Ernstes im Octroyirtwerden übe, er habe sich vorläufig den Entwurf des Verfassungsausschusses von Beseler und Comp. octroyiren lassen, und sich feierlichst verpflichtet, für nichts besseres zu stimmen. In der Siz- zung schien sich dies zu bestätigen. Es handelte sich nm den den Abschnitt vom Reichsgewalts-Umfange. Die Linke hatte, wie schon bei der ersten Lesung, in allen Punkten für die Reichsangelegenheiten eine intensivere Eoncentration beantragt, als dem Verfassungs- ausschusse, insbesondere nach seiner Kenntnißnahme von den decentralisirenden dynasiischen Noten, gefällig gewesen war. Dieselbe blieb überall allein. Kein einziger jener Fanatiker des „Bundesstaats" stimmte mit ihr, die doch in allen Blättern ihrer Clique kaum Platz genug fanden, ihre sittliche Entrüstung über Verrath am Vaterlande, und ihre Wehmuth über den Verlust des Universalheilmittels gegen alles Volksweh, der Einigung im Schulgemäßen „Bundesstaate" auszu- schütten, als zuerst die Rede davon war, daß die Linke nicht Eigendünkel genug besitze, um dem noch dazu zweideutigen terminus technicus „Personal-Union" die Sympathieen Deutsch-Oestreichs zum Opfer zu bringen. Es ist gut so. Die Wahrheit tritt dadurch endlich so grell zu Tage, daß sie auch dem gläubigsten Volk in die Augen beißen müßte; die Wahrheit: daß für G a g e r n, Basse r m a n u u. s. w. Freiheit, Einheit, Bundesstaat, nichts als Phrasen waren, mit denen sie den Kern ihres Strebens, das preußische Erb- kaiserthum in Kleindentschland eine Weile verhüllten, um es zur rechten Zeit dem ermüdeten Parlamente, dem ungeduldigen Volke über den Kopf zu werfen. Geschwindigkeit ist keine Hexerei, sagt Philadelphia, aber das Kunststück mißlang dennoch, und die Spieler wichen beschämt hinter die Coulissen zurück. — Die Ministerkrisis ist noch nicht beseitigt. Sie erregt weniger Betrübniß, als man vielleicht erwartete, nnd es wird mit Freuden begrüßt werden, wenn endlich einmal Männer von ächter, deutscher Farbe die Leitung der deutschen Angelegenheiten übernehmen. Daß Römer von Stuttgart mit der Bildung des neuen Ca- binets beauftragt sei, hat sich nicht bestätigt, dagegen spricht man vom Fürst zu Fürstenberg aus Baden,
wie er in sclbstgcschaffencn Dingen seiner Phantasie freien Lauf läßt, so sieht auf der andern Seite offenbar zu wenig. Er sieht die Reaction noch weniger als Eisenmann, der sie doch endlich entdeckte, da er nicht selbst dabei beschäftigt war. Während der rasende Ajax weiland unter den Schaafen wüthete, weil er überall sich von Feinden umzingelt sah, sieht G. in den waffen- Ichmicdendcu und waffenklirrcndcn Feinden nur lenksame Schafe; er sieht in der Camarilla keinen listigen Ulysses und hilft selbst dessen woffindröhneudes Trugwerk, den Belagerungszustand herbeiziehen. Aber Priams Veste mußte untergeben und dem jungen Griechenland weichen. Mag die junge Volkerfreiheit durch Trug und Verrath, durch eigene oder fremde Gewaltstreiche gefördert werden, mag sie G. beschirmen oder unterdrücken, sie wird siegen. Möge G diese Völlerfreiheit nicht „allzuspät" im rechten Lichte sehen.
Daß G. zu den Pölizcimaßregeln, zu dem Militär- despotismus seine volle Zustimmung giebt, daß er mit Wissen und Willen ans der Cemralgewalt eine Polizcicin- Heit machen läßt, daß er selbst ein Hauptorgan der bewaffneten Reaction ist — liegt auf der Hand. Wir haben diese seinem Charakter scheinbar widersprechende Erscheinung vielfältig zu erklären gesucht. Doch bleibt es auffallend, daß er seit Erschaffung des Prädicats „Reich" auch nicht Eine freisinnige Maßregel ergriff ober ihr das Wort redete, daß er nie bei einem volks- thümlichen Beschluß sich betheiligt, daß er auch nicht
Einen Versuch machte, der freien Entwicklung des Volküwillens Bahn zu brechen! Sein legitimistisches j System der indirekten Wahlen, der zwei Kammern und , der Erblichkeit der Executivgewalt muß sich als das j einzige Heil der Welt in seinem Kopf unbeweglich fest- I gesetzt haben, so daß er in jeder Aenderung desselben nur j Anarchie, rothe Republick, Guillotine, spartanischen Com- 1 munismus, Pöbclhcrrschaft u. s. w. sicht und um jeden ' Preis zu bekämpfen sucht. Wir gestehen, wir hätten, obgleich wir in G. von jeher das aristokratische Element erkannten, ihn nie für einen Volksmann hielten, wir hätten dennoch etwas weniger systematische Consequenz, weniger loyalen Glauben und weit, weit mehr hn manes Rechtsgefühl, weit mehr lebendige Menschenliebe bei ihm erwartet.
Wir sind jetzt überzeugt — trotz allen Behauptungen und sichtbarem Anschein des Gegentheils — daß G. nimmermehr den jetzigen Gewaltzustand theoretisch gebilligt haben würde, wenn ihn die Wirklichkeit nicht überrascht und geblendet hätte. Wir glauben noch immer, daß er diesen Despotismus, diese unerträgliche Tyrannei nur als Jnterrregnum und Folge der Anarchie gutheißt, und nicht glaubt, daß die gewaltsamen Aufstände nur Folge der Reaction, der unerfüllten Verheißungen, der Langsamkeit, That- und Fruchtlosigkeit der Volksvertretung ist. Seine Parteilichkeit in seiner Stellung als Präsident der Nationalversammlung ist zu sichtlich, um unbemerkt zu bleiben, sie ist eine nothwendige Folge
seiner innern ^Parteilichkeit.
Obgleich nicht Doktrinär von Fach, ist G. doch den Doctrinkn der Gelehrten und Staatsmänner ergeben. Die papierne Freiheit, die historische Bevormundungs- entwicklung, die vorausbestimmcudcn Rechtsthcorien, das Prokrustesbett der Justiz, die leitende Hand der Staats- regierung stimmt vollkommen in sein System der „Begrenzung." Er unterstützt und begünstigt daher in unp außer der Paulskirche die Parteien der doktrinären Schule, welche dort so reich und so vielseitig vertreten sind und von einem Bienenschwarm von Laien und Dilettanten unterstützt werden. Er begünstigt deren Formalismus und scheinbare Nechtsbegründung, welche zu Gunsten des Ministeriums und der „Rechten" ausfällt, oder doch nicht weit davon abfällt; er tritt mit immer größerer Entschiedenheit der freier Hinausstrebenden Richtung der „Linken" entgegen.
(Fortsetzung folgt.)