Präsident wußte sich nicht anders zu vertheidigen als daß er den Schutz des Präsidenten Grabow durch die Geschäftsordnung anrief. Herr Grabow beeilte sich v. Kirchmann zur Ordnung zu rufen, lange nachdem die Worte selbst gesprochen und rief zugleich die Neclama- tion der gesummten Linken wach. Alles lärmte durch- einander, Waldeck donnerte „Redefreiheit!" dazwischen, d'Ester bewies, daß der Minister, weil er nicht Abgeordneter sei, nicht das Recht gehabt, einen Ordnungsruf zu proviziren, Grabow rechtfertigt sich, er sehe eine persönliche Beleidigung der Minister in dem Vergleich Kirchmann's, endlich macht Jacobi darauf aufmerksam, daß V. Kirchmann keine persönliche Beleidigung, sondern nur ein Urtheil über die Handlungen des Ministern ausgesprochen. Da erhebt sich Munster p.°y. Heidt: „Das Ministerium kann cs den Abgeordneten nicht gestatten, ein Urtheil über es zu sprechen" und Alles endet in einem ironischen Bravo und Beifall bei der Linken über diesen conftitutioncUcn Grundsatz. Die lganze Debatte beider Tage hatte etwas Unerquickliches und Resultatloses. Das Resultat der Abstimmung selbst war vorher entschieden. Die Linke stellte wiederholt durch Jacobi, Waldcck, v. Kirchmann und V. Unruh, in Abrede, daß durch diese Abstimmung den Rechten des Volks irgend etwas vergeben werden könne, v. Kirchmann zumal machte geltend, daß durch den Beschluß über die Gültigkeit der Verfassung vorder Revision nichts für das Land gewonnen sei, da die Adresse kein Act der Gesetzgebung, kein bindendes Gesetz sei und Niemand gehalten, die Bestimmungen derselben zu beachten. (Fr. I.)
Wien, 18. März. In Folge der Kriegserklärung Sardiniens ist Triest und die ganze Provinz Küstenland am 17. d. M. in Belagerungszustand erklärt worden. Gleichzeitig mit dieser Nachricht bringt die offizielle „Wiener Zeitung" das Kriegömanifest, in welchem alle Beschwerden Oesterreichs aufgezählt find. — Heute ist hier in den meisten Kirchen ein offizielles Dankgebet abgehalten worden: nur war es allgemein auffallend, gerade heute so starke Patrouillen zu sehen. Zuerst vier Rothmäntel, dann wenigstens dreißig Soldaten, hinterdrein vier Cavalleristen und zum Beschluß noch einige Croaten, ist der Effeltlvbcstaud einer solchen Mannschaft. Bis zur Stunde hat sich jedoch nicht das geringste ereignet, wodurch sich eine so auffallende Entfaltung der Streitkräfte rechtfertigen ließe. Merkwürdiger Weise geschieht es heute zum ersten Male, daß diese Nothmäntel im Innern der Stadt verwendet werden, denn bisher sah man diese Athleten nur in den entlegensten Vorstädten. Es ist überdies um so unwahrscheinlicher, daß die geringste Demonstration versucht worden wäre, da cs fortwährend regnet. Die ganze Stadt ist aber dadurch sehr aufgeregt. Die ungarische Banknotenffage hat endlich eine ruhigere Lösung erhalten, und werden die 1- und 2 fl.- Stücke bis zu 24. d. M. gegen österreichische umge- wcchselt. Nach dieser Zeit tritt unabänderlich der vorige Beschluß der Nichtgiltigkeit derselben ein.
Brcmerhafen, 16. März. Heute früh kam die erste der drei großen Dampffregatten von Liverpool hier an, die für die deutsche Flotte augekaust sind. Es ist ein ausgezeichnet schönes und starkes Schiff von 440 Pferdekraft, das mit drei 68pfündigen Bombcu- kanonen und sechs 32Pfüudern bewaffnet werden soll. Leider aber kam wenige Stunden später auch die Hiobspost, daß die zweite, ebenso große Dampffregatte, die wo möglich noch schöner sein soll, bei TerscheUing an der holländischen Küste gescheitert, und nur ein Theil der Mannschaft gerettet sei. Dieser schwere Verlust ist für den Augenblick unersetzlich. Ob dabei irgend ein Verschulden von Seiten des Befehlshabers oder der Mannschaft obwaltet, wird die anzustellende Untersuchung ergeben. Für jetzt fehlen uns noch alle näheren Nachrichten. (L. Z.)
Großbritannien.
London, 17. März. Der ministerielle „Globe" bezweifelt das Gerücht, daß das russische Gouvernement von der Pforte die Erlaubniß zur Durchfahrt seiner Flotte ins Mittelmeer erbeten, und daß Herr- Titow auf deren Zurückweisung erklärt hätte, daß die Russen dann die Durchfahrt durch die Dardanellen erzwingen würden. Dieses Gerücht, sagt der „Globe", scheint, mindestent gesagt, nicht wenig unwahrschein- lich, noch dürften wir, selbst bestätigte es sich, der Ansicht sein, als böte es Grund zu ernstlicher Besorg- niß. Die Schwäche der Türkei ist eben jo sehr wie die Stärke Rußland's der Gegenstand großer Uebertreibung gewesen, »ich ein Augenblick Erwägung wird zeigen, daß der berührten Drohung, wäre sie wirklich angewandt worden, nicht wahrscheinlich der Versuch folgen dürfte, sie auszuführen. Sollte inbe||cn sich in der That bewähren, daß Rußland die ihm zugcschne- beue drohende Sprache geführt, so muß bemerkt werden, daß diese Frage eine solche ist, welche die Türkei nicht allein betrifft. Durch den Vertrag von 1841 willigte das ottomanische Gouveruemert ein, für Frie- denszeit die Durchfahrt durch die Dardanellen allen fremden Kriegsschiffen, welcher Nation auch immer, zu schließen, und bei diesem Vertrage waren Frankreich und^England so gut wie Rußland betheiligt.
Frankreich.
Paris, 19. März. An der Börse sprach man heute von einer legitiinistischen Bewegung im Süden und schrieb dieser angeblichen Nachricht das abermalige Weichen der Fondscourse zu. — Auch dem Vice-Präsidenten der Republik sollen jetzt Repräsentations-Kosten bewilligt werden. Die mit der Prüfung des desfall- sigen Entwurfs beauftragte Commission will beantragen, daß ihm die feste Summe von 40,000 Fr. ausgesetzt werden soll. — Der „Moniteur" veröffentlicht heute eine Anzahl von Unter-Präfcctcn.
Paris, 19. März. Der Moniteur enthält heute die Publikation des Wahlgesetzes. — Das Journal des Debats und nach ihm alle Morgenblätter veröffentlichen heute das Kriegsmanifest Karl Albert's von
Sardinien. Dieses Aktenstück ist (offenbar von Ferrari) mit großer Gewandtheit abgefaßt. Das Turiner Kabinet macht sich laut ihm kein Geheimniß über die Schwierigkeit seiner Lage, indem cs — ein Völklein von vier Millionen — gegen das österreichische Kaiserreich den Krieg beginnt. Aber, heißt es darin, wir hoffen, für die Sache der italienischen Freiheit wenigstens einige Vortheile zu erringen. Diese Sprache ist würdig und bescheiden. Piemonts König hat aber and; diese Rechtfertigung mehr als irgend ein anderes gekröntes Hanpt nöthig. Sehr vorsichtig finden wir den Umstand, daß Roin's und Toscana's mit keiner Silbe darin gedacht ist. — Aus Toulon schreibt man vom 15. März: In der Rhede noch Alles ruhig. Die zur Truppeneinschiffung gerüsteten Schiffe liegen bereit. Für den kommandirenden General sind Quartiere gemiethet.
Aus Palermo vom 18 März wird berichtet, daß in einem Ministerrathe, der mehrere Stunden dauerte und welchem die Admiräle Eugland's und Frankreich's beiwohnten, das Ultimatum des Königs von Neapel verworfen wurde.
Italien.
Die „Allg. Zeitung" meldet aus Rom vom 8. März die wirklich merkwürdige Thatsache, daß ein armenisches Kloster in Nom sich unter den Schutz der türkischen Fahne begeben hat. Seit dem 6. März weht dieselbe nun in der Nähe St. Peters. Wer hätte je für möglich gehalten, daß der Erbfeind der Christenheit in der Hauptstadt der Christenheit einmal als Schützer eines geistlichen Klosters auftreten würde!
9t a ch sch r i f t.
Wien, 18. März. Man versichert, daß Fürst Windischgrätz zum Oberhofmeister des Kaisers ernannt werden, seine Stelle niederlegen und das Coinniando zwischen den Generalen Jellachich und Schlick getheilt werden soll. Noch vor 8 Jahren bekleidete Ersterer den simpcln Grad eines Majors in der Armee. (F.J.)
Von der österreich. Grenze, 18. März. Die Agramer „Novine" vom 15. März bringt die kurze Nachricht; daß soeben die Serben dem kaiserlichen Heere ein Gefecht bei Hatzfeld im Banat geliefert, weil die kaiserlichen Truppen den dortigen serbischen National-Ausschuß mit Gewalt auseinander jagen wollten. Dem wird zugleich ein Gerücht beigefügt, daß nämlich die Magyaren aud) Hermannstadt erobert und das kaiserliche und russische Heer sich zurückgezogen haben. Die Novine sind das bedeutendste Organ der Croaten und erfreuen sich des ausgezeichnetsten Nufes der Glaubwürdigkeit. — Ueber- einstimmenden Nachrichten zu Folge hat der ungarische Krieg neuestens eine sehr verhängnißvolle Wendung genommen. Der jüngere Dohn des Fürsten Windischgrätz ist von den Magyaren gefangen genommen worden. — Eine Krisis in den südslavischen Gegenden stellt sich als unvermeidlich dar. (Lcipz. Z.)
Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.
Bekanntmachungen.
Vosks-V ermannn sung zur
Erinnerung an die Märzrevolution von Wien und Berlin
Sonntag den 25. März,
2 Uhr Nachmittags,
auf dem Uochusöerge Lei Gingen.
Eine große Anzahl Mitglieder der äußersten Linken der Nationalversammlung wünscht mit Bürgern der nahen und fernen Umgegend diesen Tag ernster Erinnerung zu feiern.
(34g) ^iir die jetzige Saison
empfehlen wir unser reichhaltig sortutes Waarenlager, insbesondere aber eine Parthie CachemirS mit Atlaöstreifen (für Confirmandinnen sich namentlich eignend) zu 30 fr. die Elle, Mousseltne de lain e in den geschmackvollsten Mustern v. 16 kr. per Elle an,
Toil de Nord in den neuesten Dessins . . . . „ 14 fr. „ „ „
Mohairs (Leinen und Wolle)........„14 fr. „ „ „
Toil de France (Leinen und Baumwolle) . . . „ 12 fr. „ „ „
Alle Alten Cattune (ächtfarbig) .......„10 fr. „ „ „
und eine reiche Auswahl in jeder Gattung Sommertücher von fl. 1. 30 fr. per Stück an.
L. As 99t. Dreyfus in Mainz, Ecke der Schuster- und Jesuitengasse.
Frankfurt. Cours der Staatspapiere. Schluß der Börse.
(362) Deutschkatholischer Gottesdienst findet statt Sonntag den 25. d. M. um halb 10 Uhr im bisherigen Locale des Schützenhofes.
Wiesbaden, 23. März 1849.
Der Vorstand der dcutschkalhol. Gemeinde.
B£S£=» Nicht zu übersehen.'
(363) Ein sprechender grauer Papagei, meh« rere Kakadu's und andere große und kleine ausländische Vögel sind zu verkaufen bei
A. Hopvmann,
d. Z. im Gasthaus z. gold. Schwanen in Wiesbaden.
(333) Das am Eck der Burg- und Mnhl- straße sowie am Markt und dem herzoglichen Palais zu Wiesbaden gelegene dreistöckige Wohnhaus, welches sich wegen seiner vortrefflichen Lage zu jedem Geschäftsbetriebe bestens eignet, ist unter sehr annehmbaren Bedingungen zu verkaufen. Näheres ertheilt auf portofreie Briefe H. Matern in Wiesbaden.
(350) Ein Soldat, der fünf Jahre gedient, sucht einen Einsteher.
Nähere Auskunft hierüber ertheilt
die Redaction.
Offene Stellen.
(347) Gesuche um Lehrlinge in verschiedene Geschäfte mit und ohne Lehrgeld sind eingeschrieben aus dem Geschäfts-Bureau von Carl
Oesterreich
P P
Preußen
Bayern
Würtemb.
Baden
P P _____P_____
Den 22. März 1849.
Metalliques Obligationen ....
P ff • • • ’
p ff ' '
Wiener Bank-Actien..... 500 fl. Loose ........ 250 fl. Loose von 1839 .... Bethmännische Obligationen . . .
/ p p •
50 Thaler Prämien-Scheine . . . Staats-Schnld-Scheine a 105 . . Obligationen........ Ludwig-Kanal-Actien incl. d. v. C. Bexbacher Eisenbahn-Actien . . . Obligationen . . ......
Obligationen........
Lotterie-Anlehen â 50 fl. von 1840 35 fl. Loose vom Jahr 1845 . . .
pCt. 5 4 3
2% 3
4 4% N O /2
4% 3% 5 3%
Papier § 73% 58% 43% 38%
1168 124%
78 62
71
80 79% 45 71% 93%
78% 96% 76 47% 27%
Geld
73%
57 %1 43% 38%'
1163 , 124 1
77 %: 61%' 70%| 100
79%' 78%'
71
93% 77% 95%
75%|
27 %1
Darmstadt ff ff
Kurhessen
Nassau
Frankfurt
M Holland
Spanien
Polen
Sardinien
Den 22. März 1849.
Obligationen.......
Lotterie-Anlehen von 50 fl. . . 25 fl. Loose....... Friedrich-Wilhelms-Nordbahn .
40 Thaler Loose bei Rothschild . Obligationen ....... Obligationen bei Rothschild , .
ditto 25 fl. Loose . .
Obligationen.......
ditto von 1839 . . .
ditto von 1846 . . .
Taunus-Eisenbahn-Actien â 250 fl. Jntegr.-Obligatiouen .... Syndikats ........ Innere Schuld neue Obligationen Ardoins incl. 14 Coup. . , . Lotterie-Loose 300 .....
ditto 500 .....
36 Frs. Loose bei Gebr. Bethman
pCt. 3%
4
4
5 3%
3 3% 3%
2% 3%
3
Papier 78% 86% 69% 22% 34 26%
80% 20% 77% 92% 88% 287
48%
22%
74% 27%
Geld
77% 86
22 33% 26%
80 20% 77
92
88
284 48
21%
96% 73%
Cours der Wechsel.
Den 12. März._________
Amsterdam , 100 fl. Crt. . . .
Augsburg, 100 fl. Crt. . . .
Berlin, 60 Tblr ......
Bremen, 50 Nthlr. in Louisd'or .
Hamburg, 100 Mrk. Bco. . . .
Leipzig, 60 Thlr......
„ in der Messe ....
London, 10 Livr. St.....
■ Lyon, 200 Fr. ......
1 Paris, 200 Fr .......
Kurze Sicht
Zwei Monat
Gold- und Silber-Sorten.
Neue Louisd'or............
Friedrichèd'or .............
Ducaten............ .
20 Frank-Stücke...........
Holländische 10 fl. Stücke........
Englische Souverains........ .
Laublhaler .............
Preußische Thaler...........
Hochhaltiges Silber..........
Gering-mittelhaltiges Silber........
fl-
11
9
5
9
10
12
24
24
kr.
5
55
38
38
4
3
30
20
Briefe
119% lOö1/,
88% 105%
120%
98%
Geld
100%
98%
95%
95%
Briefe
Geld 100
87%
120%
u^eMXe^oT in 9Ri<>8b<iben und können ju