nicht sehr zu freuen. Wirklich benahmen sich hier die Russen auf eine auffallende Weise. Man hört Ein- zelnheiten, die, wenn sie hinlänglich beglaubigt wären, allerdings die baldige Entfernung der russischen Hülfs- truppen wünschenswert!) machen müßten. Man hat hier eine Art Einkommensteuer auf die Einwohner, zum Unterhalte der russischen Truppen, geworfen; während wir früher der Meinung waren, daß uns diese Last aufgebürdet werden wird. — Man spricht von starken türkischen Truppenmassen, die hiernach der Wallachei kommen sollen; man erwartet auch hier neue russische Truppen."
„Hermannstadt, 26. Febr. Ueber Bem zirku- liren hier allerlei Gerüchte, ein Beweis, daß man über seine Bewegungen nicht genau unterrichtet ist. Heute sprach man hier, daß er an den Folgen seiner Amputation gestorben wäre (!), was ich noch nicht glaube. Wahr ist es indessen, daß er Mangel an Munition leidet. Indem (!) er Verstärkungen und Munition über Klausenburg aus Ungarn erwartet, richtet er seine Macht gegen Maros-Vasarhely; denn (!) obgleich Oberst Urban nur mit 4 Bataillons regulären Militärs operirt, so fürchtet Bem doch diesen Helden viel mehr, als alle Corpskommandanten sammt den russischen Kosaken. Nachdem man hier zwei Wochen in Unth^itigkeit.zugebracht, fängt man heute an, sich zu bewegen. Es sind in diesem Augenblick 2 Briga- denin Bewegung gesetzt, die eine marschirt gegen Schäß- burg, die andere über Mediasch gegen Blasendorf. Auch der romanische Präfekt A. Severn, der mit 400 Landstürmern in Resinari poftirt war, hat Befehl erhalten, gegen Blasendorf zu marschireu. Die Hülfe aus dem Banat kommt noch immer nicht; dagegen spricht man von neuen russischen Truppen, die hierher kommen sollen. Dies kann ich um so weniger glauben, als die Nachrichten aus dem Nachbarlande alle darin übereinstimmen, daß große türkische Truppenmaffen im Anzuge gegen die Wallachei seien." (N. Nh. Ztg.)
Italien.
Palermo, 12. März. Die Proskriptionen aller Art, wie sie aus der Blüthe des östreichischen Bluthsystems Sitte sind, dauern in der ganzen Lombardei fort. In Parma hat der General Dangenfeld, ohne irgend einen Vorwand, eine neue Steuer, c*est-â-dire Plünderung von 500,000 Fr. ansgeschrieben.
9t i e d e r l a n d e.
Haag, 17. März. Eine Proklamation des Cabi- nets an das Volk ruft den Prinzen von Drunten zum Könige aus unter dem Namen Wilhelm III. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten war gestern nach London abgereist, um dem Kronprinzen die Nachricht von der Krankheit des Königs zu überbringen. Heute gingen andere Personen ab, um deffcn plötzliches Hinscheiven zu mclbcn. Ganz Holland ist in Bestürzung. Die Truppen haben bereits den Eid der Treue geleistet.
Frankreich.
Paris, 18. März. Der Moniteur, bisher taubstumm für die ganze europäische Bewegung, öffnet endlich den Mund. Er sagt:
„Wir empfangen die Nachricht, daß der Waffenstillstand am 12. März Mittags zu Mailand gekündigt worden ist und daß mithin die Feindseligkeiten am 21. ihren Anfang nehmen können. König Karl Albert wollte am 13. Abends Turin verlassen und sich nach Alessandria begeben. Die Truppen der Garnison sollten ihm am andern Tage folgen."
— Der Constitutionnel geht etwas weiter als der Moniteur. Er weiß, daß Minister Ferrari die Kün
Verhältnissen-,das Wünschenswerteste sei. — Der in unserem gestrigen fersten) Schreiben erwähnte feierliche Protest Englands gegen die Erneuerung der Feindseligkeiten ist den betreffenden Departements-Chef wirklich in der Form einer vertraulichen Mittheilung bekannt geworden. — Besonders wichtig ist auch die Bestätigung der von uns gegebenen Nachricht, daß Frankreich durch seinen Gesandten in Kopenhagen die Verlängerung des Waffenstillstandes und somit des Status quo begehrt hat. — Alles dieses, sowie auch die gestern schon besprochene ungenügende Concession von Seiten Dänemarks (stillschweigende Verlängerung brr Waffenruhe) knüpft sich an die in der ersten Siz- zuug der Landesversammlung erfolgten Negierungs- Mittheilungen. (K. Z.)
Wien, 16. März. Die drei Tage, welche die Militär-Commission für die Ruhe der Stadt fürchten zu müssen glaubte, sind ohne die mindeste Störung vorübergegangen. Nichts davon ist geblieben, als der Contraft zwischen Heuer und dem vergangenen Jahre. Mit dem 15. März des Jahres 1848^ glaubte man in Oesterreich die Revolution abgeschlossen; man gab sich den süßesten Hoffnungen für die Zukunft hin. Die, blutigen Schlachtfelder Ungarns und der Lombardci- die blutigen Straßenkämpfe in Wien, Prag und Lemberg haben uns traurig genug bewiesen, wie vorschnell jene Hoffnungen gewesen sind. Seitdem ist ein Jahr verflossen, und halten wir eine Rundschau in Oesterreichs Provinzen, so drängt sich uns die traurige Ueberzeugung auf, daß der Tag des Friedens weiter als je hinausgerückt sei. Gestern Abends kam folgende telegraphische Nachricht über Cilli: Fclvmarschall-Lieutenant Baronf'H e ß an den Ministerpräsidenten Fürsten Schwarzenberg.
Der Waffenstillstand wurde am 12. März von Seiten Piemonts aufgekündigt, wonach die Feindseligkeiten am 19. und 20. beginnen können.
Ungarn.
Die Bresl. Ztg. enthält folgende magyarische Corre- spondenz, die wir diesmal ausnahmsweise für sehr unsicher, und wenigstens ihrer ersten Hälfte nach für reinen Pesther Stadtklatsch halten müssen:
„Die Raitzen sind abermals bei Theresiopel von den Ungarn auf's Haupt geschlagen worden. In Folge dessen hat der kaiserliche Kommandant der Temesvarer Festung, General Rukavina, einen Kourier an Win- dischkrätz nach Pesth geschickt mit der Bitte um sofortige Hülfe, da er sich sonst ergeben müsse. Der ungar. General Görgey hat die Festung Komorn, welche von dem kaiserlichen F.-M.-L. Simunich bereits beschossen ward, entsetzt. Simunich zog sich mit Hinterlassung vieler Bagage gegen Leopoldstadt zurück. Der F.-M.-L. Graf Schlick, welchem Windischgrätz die Leitung des Rückzugs anvertraute, ist gestern in Pesth angekommen. Derselbe sprach sich in einem Privatzirkel mit höchster Bewunderung über Dembinski aus. — In Folge der , neuen überaus strengen Absperre sind wir ohne sichere Nachrichten über die gegenwärtige Stellung der ungarischen Armee, doch geben die fortwährenden Rückfuhren von Geschütz und Munition deutliche Fingerzeige von dem Vordringen der Ungarn. Gestern traf ein ungarisches Streifcorps in Pomontor ein, 1 ^ Stunden von Ofen, was in der Ofener Festung den größten Allarm verursachte. Die meisten Wiener Großhändler aber, welche zum gegenwärtigen Josephimarkt in Pesth sind, ließen ihre Waaren einpacken und nach Wien zurückführen."
Aus Siebenbürgen erhalten wir durch den öfter. Corresp. folgende Berichte, die wir ebenfalls nur unter allen Vorbehalten mittheilen, da sie gränzenlos parteiisch-östreichisch sind.
) Kronstadt, 22. Febr. Der hiesige sächsische Magistrat, der zuerst den General Lüders um eine russische Hülfe angegangen, scheint sich schon jetzt seines Schritts
digung des Waffenstillstandes den Kammern in Turin offiziell anzeigte und daß der lombardischen Division, auf ihr Ansuchen, die Ehre zu Theil werde, den Vortrab zu bilden.
— Temps sagt: „Während die piemontesische Partei in die Lombardei vorrückt, hat die sardinische Regierung gleichzeitig Befehl gegeben, Oesterreich auch zur See anzugreifen. Albini, der sardinische Admiral in den Gewässern kdes adriatischen Meeres, hat die Ordre erhalten, das österreichische Geschwader, das Venedig bewacht, in Grund zu schießen, wenn Venedig nicht anders gerettet werden könne. Vice-Admiral Corsi, der bisher vor Cagliari (Insel Sardinien) lag, rückt dem österreichischen Admiral Kastner entgegen, welcher Miene macht, die römisch-toskanischen Gestade zu beunruhigen. In Genua werden außerdem Reserve-Fahrzeuge in großer Anzahl ausgerüstet. Wie man sieht, nimmt der Kampf eine furchtbare Ausdehnung an."
— Presse, National, Siècle und das übrige con- servative Heer enthalten nichts weiter. Dagegen langt die Times vom 17. eben an mit der Nachricht, daß die Londoner Zolldirection den „Bombay" in Beschlag genommen habe, daß der eben mit 1200 bewaffneten Mann nach Palermo absegeln wollte, wie dies dieselbe Times gestern bereits anzeigte. (N. Nh. Z.)
Erklärung.
Der Nass. Zuschauer Nr. 55. und 56 enthält tn seiner Sprechhalle die Empfangsbescheinigung eines mit Schimpfwörtern versehenen Briefes aus Dillenburg , wobei die Redaktion eine „witzige (d. h. armselige) Abweisung" versucht, durch eine Erwähnung von Galläpfeln. Da dieser Ausdruck mich in den Verdacht einer Urheberschaft oder Theilnahme brachte, so richtete ich an die Redaktion einen ernsten Brief mit einer Erklärung, welche indessen nicht abgedrnckt wurde; vielmehr enthielt die Nummer 62 eine Erklärung der Redaktion, worin von „Giftschrank" „erklärten Feinden" und auch von meiner behaupteten Nicht- thcilnahme die Rede ist. So muß ich auf die Sache zurückkommen. Ich will die impertinente Frechheit durch eine, wenn auch noch so elende Anspielung auf meinen Namen, mich ohne weiteres zu verdächtigen übergehen und erkläre, daß ich mich niemals, wie sehr sich auch meine Verachtung gegen diesen „Zuschauer steigerte, zu anonymen Briefen weder je herabgelassen noch herablassen werde. Was aber das Witzige betrifft, so ist mir bis zum gegenwärtigen Augenblick noch keine Anlage der Art von Seiten der Redaktion bekannt geworden, es müßte denn die berühmte Auskramung des „Giftschranks" in dem Abends von Limburg nach Hadamar fahrenden Postwagen gemeint sein.
Dillenburg, den 17. März 1849.
Ferdinand Gallo.
Amtliche Nachrichten.
Die erledigte Schulstelle zu Oberjosbach ist dem Lehrer Egenolf von Dornassenheim übertragen, und der Lehrer Rusch zu Schmitten zum Lehrer in Dornassenheim ernunt worden.
August Ohly zu Dickschied ist nach bestandener Prüfung in die Zahl der geprüften Kandidaten der evangelischen Theologie ausgenommen worden.
Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.
BekanntMachn« gen.
Volks-Versammlung
zur
Erinnerung an die Mtärzrevolution von Wien und Berlin
Sonntag den 25. März,
2 Uhr Nachmittags, auf dem Uockusbeege Bet MZinSen.
Eine große Anzahl Mitglieder der äußersten Linken der Nationalversammlung wünscht mit Bürgern der nahen und fernen Umgegend diesen Tag ernster Erinnerung zu feiern.
(359) Um auch den weniger Bemittelten die Theilnahme an seiner Vorlesung über die Octoberrevolution in Wien zu ermöglichen, hat sich auf vielfaches Zureden von Bürgern Wiesbadens
Herr Fenner von Fenneöerg, ehemaliger Oberkommandaut der Wiener Volkswehr, aus Südtprol, eine weitere Vorlesung
Freitag den 23. März,
Abends 8 Uhr, im GaftsShas zu âre Vier Jahreszeiten
abzuhalten entschlossen. Der Eintrittspreis beträgt 12 fr. Die Karten werden vor dem Beginn der Vorlesung an der Kasse ausgegeben.
w Mobilien-Versteigerung.
Montag den 2. April, Morgens 9 Uhr anfangend und nöthigenfalls die folgenden Tage werden auf freiwilliges Anstehen wegen Wohnortsveränderung in der Wohnung des Herrn Hofmarschalls Grafen von Urfüll (Rheinstraße, London-Hotel) verschiedene aufs beste erhaltene Möbel von Mahagoni, Nußbaum rc., als ein vorzüglicher Wiener Flügel in Mahagoni von Graf, drei sechs Fuß hohe Spiegel mit Goldrahmen, Sopha mit Stühlen, Sessel, Secretäre, Schränke aller 'Art, Commode, ein Büffetschrank von Mahagoni, Schreib-, Spiel- und andere Tische, Bettstellen aller Art, Bettwerk, Vorhänge, Leitern, 1 Kronleuchter, 1 Kinderwägelchen, Kinderschlitten, 1 Kinderbillard, allerlei sonstige Kleinigkeiten, Küchengeräthschaften, ein eiserner Kochheerd rc. Sodann ein Wiener zweisitziger Stadtwagen, 1 Tilbonry mit Geschirr, diverse Geschirre, Sättel, Zäume, Decken rc. gegen gleich baare Zahlung an den Meistbietenden durch die Bürgermeisterei dahier versteigert.
Wiesbaden, den 19. März 1849.
Dienst-Gesuch.
(360) Ein gewandter junger Mensch, welcher deutsch und englisch spricht, mit sehr guten Zeugniffen versehen, sucht eine Stelle als Bedienter, Hausknecht, Gartenbursche u. dgl.
Näheres im
Gasthaus zum gold. Schwanen, anfangs der Kirchstraße.
(356) Shawls, schwarz und weiß gewirkt, zu außergewöhnlich billigen Preißen bei
W. Zwermann seel. Wittwe.
Derfteigerungsanzeige
(358) Donnerstag den 29. März d. I , Morgens 10 Uhr, läßt Martin Grisar von Samberg in seiner Behausung daselbst nachstehende Gegenstände unter annehmbaren Bedingungen freiwillig versteigern, als; 1 braunes achtjähriges Wallachpferd, 2 doppelspän- nige Chaisen mit Glasverdeck, 2 vollständige Leiterwagen, 2 neue Pferdegeschirre mit Mes- singplatirung, 1 große Kelter mit eisernen Schrauben und sonstiges Fuhr- und Acker- geräthe.