des Welcker'schen Antrags wird also allgemeine Mißstimmung . hervorbringen.
Dann verweist der Redner auf das Uebergewicht des preußischen Elementes, das, wenn Oesterreich ausgeschlossen wird und die preußische Dynastie aus den deutschen Kaiserthron kommt, ganz Deutschland beherrschen wird. Ganz Preußen sei von dem preußischen Partikularismus durchdrungen, die Rheinprovinzen selbst nicht ausgenommen, und wenn dieser Partikularismns auch jetzt in der bewegten Gegenwart zurückgedrängt sei, werde er doch in ruhigeren Zeiten desto kräftiger wieder zum Vorschein kommen. (Beifall.) Man ruft uns zu, wir sollen eine große That thun; ist das eine große That, wenn wir durch einen übereilten Beschluß ganz Deutschland dem Hause Hohenzollern überliefern? (Beifall.)
Schüler als Referent für das zweite Minoritätserachten: Was heißt denn eigentlich in Bausch und Bogen abstimmen, das heißt die Majorität will die Minorität terrorisiren, will sie um ihr Recht der Abstimmung über die einzelnen Punkte bringen.
Sie will der preußischen Dynastie die Kaiserkrone über Deutschland übertragen, sie will dadurch eine Einheit Herstellen, ich sinde aber nichts unbegreiflicher, als die Einheit durch eine Dynastie Herstellen zu wolle». Grade die Dynastien sind die Träger des verderblichen Partikularismus, daher findet man rechts den Partikularismus, links die Einheit. Nennen Sie mir auf der Rechten einen Oesterrcicher, der für, einen Preußen, der gegen den preußischen Erbkaiser stimmt, es wäre denn, daß Einer den Papst als seinen Monarchen anerkennt. (Beifall.)
Würde sich der König von Preußen unterwerfen, wenn die Kaiserkrone Baiern oder Württemberg übertragen würde? Ich sage nein. Nicht unserm Beschluß also unterwerfen sich die Dynastien, sondern der Macht Preußen's. Die ganze Sache redu- zirt sich also auf rein dynastische Bestrebungen, die sehr leicht mit Hülse des Auslandes zu einem verderblichen Bürgerkrieg führen können. Sie nennen das Einheit, wenn Sie Deutschland zwischen Oesterreich und Preußen theilen, Sie nennen das Einheit, wenn Sie dem dynastischen Partikularismns volle Freiheit der Entfaltung verschaffen.
Wir sagen, die Fürsten müssen annehmen was wir beschließen, damit sie es aber annehmen können, müssen wir eS so beschließen, wie eS ihnen ansteht, das ist auch eine Art Oktroyirung. Viele Redner haben von kühnen Thaten, großen Handlungen u. dergl. gesprochen, waS ist das für ein Kühnheit, sich hinter Preußen zu verkriechen. Ich halte das für eine sehr kleine That und fürchte, wenn wir Preußen zum Schwert für Deutschland machen, daS Schwert werde gegen die deutsche Freiheit gerichtet sein. Der König von Preußen wird nur annehmen, wenn die Fürsten bei- stimmen, eS wird also kein Kaiser mit demokratischem, sondern ein Kaiser mrt dynastischem Oel gesalbt (Beifall), kein Volkskaiser, sondern ein Fürstenkaiser, und die Wurzel seiner Macht ist einzig die materielle Stärke. DaS wird, dazu führen, daß wenn daS Volk etwas gegen die Centralgewalt hat, dieser die einzelnen Fürsten, und hat eS etwas gegen die einzelnen Fürsten, die Cen tralgewalt diesen zu Hülfe kommt, und sie sich so die Hände reichen werden, um die Demokratie zu unterdrücken. Wollten Sie einen Kaiser der sich auf daS Volk stützen sollte, so müßten Sie ihn aus den minder Mächtigen wählen, dann wäre er genöthigt der Macht des Mâchtigcru gegenüber, seine Macht im Volke zu suchen. (Beifall.) DaS hätte zur Verminderung der stehenden Heere, zu Volkswehr u. s. w. geführt. (Beifall.) Der König von Preußen wird stets neben der Reichspolitik seine HauSpolitik befolgen, und dieser den Vorzug geben, darum sei an eine Auflösung Preußens in seine Provinzen nicht zu denken.
Wir haben wohl gesehen, daß Völker sich Könige setzten, noch nie hat aber ein Volk einen solchen Verrath an seiner Freiheit begangen, sich einen Fürsten um seiner Hausmacht willen zum Könige zu wählen,
Das Erbkaiserchum würde nichts sein als eine Assekuranz- Anstalt für die einzelnen Fürsten, deshalb wollen es die Fürsten und nicht daS Volk; eS ist nichts als der alte Bund mit einer gekrönten Spitze, und jede Combination mit den Fürsten wird aber auch unter einer andern Form wieder zum alten Bunde führen.
Ich habe mein Mandat so verstanden, daß wir die einzelnen Dhnastien erhalten sollten, insoweit sie mit der Freiheit und Einheit Deutschlands vereinbar sind. Sobald sie das zu sein auf; hören, wird daS Volk ihre Erhaltung nicht wollen, und in vielen Cabinetten wird an dem Beweis eifrig gearbeitet, daß sie unvereinbar mit der Freiheit und Einheit Deutschlands sind. (Lärm.) Deshalb hat daS Volk auch keine monarchische Spitze verlangt, vielmehr ist ein Schrei der Entrüstung durch das ganze Volk gegangen, als die Kaiseridee zum erstenmal auftauchte.
Es beruft sich zwar Waitz auf die wachsenden Ideen, die sich in Adressen zeigen, von wem aber gehen diese Adressen aus? Von dem Theile des Volkes, der meint, es sei Schlafenszeit, der einen gesunden Belagerungszustand verlangt, um nur Ruhe zu haben. (Beifall.) Die wachsenden Ideen sind die der Einheit und der Freiheit, auf die müssen wir uns stützen. (Beifall.)
Nach einer Verbreitung über die auswärtige, namentlich die russische Politik, wobei er darauf hinweist, daß Preußen ja noch keine Anstalt mache, den Deutschland drohenden Heeren Rußlands andere entgegenzustellen, geht der Redner auf die Verhältnisse zu Oesterreich über. Zwei Momente, sagt er, hatten daS Uebergewicht im verflossenen Jahr, das Moment der Freiheit und das der Nationalität. Die Diplomaten suchen jetzt w eder an deren Stelle die dynastischen Interessen zu setzen. Mit Oesterreich stellt sich die Frage so: wollen wir, daß Ungarn und Italien für Oesterreich, über daß Oesterreich für uns verloren ginge. Wir haben die Consequenzen der Revolution verleugnet, daS rächt sich' jetzt an der deutschen Freiheit und Einheit. Wollen wir bie, so müßten wir auch ein freies Polen, ein freies Ungarn, ein freies Italien wollen. (Beifall.) Auch die Wiener Erhebung war eine nationale, und nur die fixe Idee der Gegenwart, die überall rothe Republik zu sehen meint, kann sie für eine republikanische ansehen. Man fragt, was daS Reichsministerium hätte thun sollen? ES hätte Gut und Blut von ganz Deutschland daran setzen sollen, um Oesterreich für Deutschland zu erhalten. Wenn eS aber gar nichts that, nicht einmal einen Tropfen Dinte für Oesterreich verspritzte, so bleibt freilich einem solchen Ministerium nichts übrig, als sich vor den Augen der Nation da zu verbergen, wo die Nacht am finstersten ist.
Der jetzige Minister wollte einen Tausch eingehend, fing aber damit an, auSzugeben ohne etwas dafür einzunehmen, er gab ein Kaiserthum hin für einen Kaiser.
Der Redner erklärt sich entschieden gegen den Plan des Ol- mützer CabinetS, mit der Gesammtmonarchie in den deutschen Länderstaat einzutreten, der auf metternichsche Politik gegründet sei. Er verlangt ernste Maßregeln gegen Oesterreich und spricht die Meinung auS, daß kein Blut, sondern nur eine militärische Demonstration nöthig sein werde, um eS zum Nachgeben zu zwingen. Sollte aber wirklich der Bürgerkrieg daraus entstehen, so ziehe er einen Bürgerkrieg, um Oesterreich zu erhalten, einem Bürgerkrieg vor, um Oesterreich loszuwerden.
An der Spitze der deutschen Verfassung müsse der Reichstag stehen, der wohl einen Beamten, einen ReichSstatthalter zur Ausführung seiner Beschlüsse ernenne», niemals aber sich einem erblichen Herrn unterwerfen könne. Dieser letztere müsse zu einem verderblichen Dualismus führen. Er selbst werde und könne nie für einen erblichen Kaiser stimmen, weil das allen seinen Begriffen von Sittlichkeit, Recht und Freiheit ganz widerspreche. (Lauter Beifall.)
Rieß er als Referent für die Majorität, vertheidigt zunächst die formelle Zulässigkeit deS Ausschußantrags, mit dem Wunsch nach Beschleunigung deS VerfaffungSwerkes, der sich aus den
Gegenanträgen offenbare. Sowie der AbsolitiSmuS durch rasches Eingreifen sein Ziel erreicht habe, so solle hier ein Werk der Freiheit durch rasches Handeln zur Vollendung gebracht werden.
Dann verweist er auf die vorbehaltene Revision der Verfassung, wodurch nicht die Grundlage des ganzen Werkes in Frage gestellt, vielmehr nur der öffentlichen Meinung eine Möglichkeit gegeben werden solle, sich in einzelnen Punkten Geltung zu schaffen, bei denen eine Uebereilung stattgefunden. DaS absolute Veto, daS, wie er offen erklärt, der Verfassungsausschuß wieder einführen wolle, werde derartigen Abänderungen nicht entgegen sein; hierauf folgt eine lange Vertheidigung reS absoluten Veto, daS nur eine Frage der monarchischen Ehre und Würde, nicht aber eine Frage der Freiheit sei; dann einige Bemerkungen über daS Wahlgesetz, verbunden mit der Rechtfertigung gegen verschiedene Angriffe auf den Redner.
Nach einer kurzen Debatte über die Fragestellung erscheint Nadowitz auf derNednerbühue und zeigt au' daß er und seine Partei, die bis jetzt sich nicht hätten entschließen könne», mit der Majorität zu gehen, sich jetzt entschieden hätten, für den Welcker'schen Antrag zu stimmen. Er sei nicht berechtigt, die Gründe hier anzugeben, es werde dies aber in einer schriftlich beim Präsidenten nach erfolgter Abstimmung cinzureichcndeu Erklärung geschehen. (Unwillen'.)
Raveaux: So lange diese Versammlung hier beisammen sitzt, ist eS nicht vorgekommen, daß ein Mitglied nach Schluß der Debatte feine und seiner Partei Abstimmung im Voraus an- gekündigt hat, um damit der Versammlung zu impouireu und auf die Majorität einen Einfluß zu gewinnen. (Lauter Beifall.) Er wolle daher im Namen der Linken die Mißbilligung derselben über dieses Verfahren Radowitz's aussprechen. (Beifall.) Präsident erklärt, daß er Nadowitz nur das Wort zur Zurücknahme seines Antrags gegeben habe, und die Abstimmung beginnt. Es wird zuerst das erste Minoritätserachten, über den Welcker'schen Antrag zur Tagesordnung übcrzugehcn, durch Namensaufruf und mit 272 gegen 267 Stimmen verworfen.
Venedey's Nein erregt einen Sturm von Pfui! Pfui! auf Seiten der Linken, von der er damit abgefallen.
Die Anträge von Rühl und von Linde auf motivirte Tagesordnung werden zurückgezogen, ebenso daö Sondergutachten von Schüler und Wigard.
Es kommt hierauf der Antrag der Majorität des Verfassungs- Ausschusses zur Abstimmung durch Namensaufruf, er wird mit 283 gegen 252 Stimmen abgelehnt. (Klatschen auf der Gallerte, das aber auf das Ruhegebot der Linken sogleich wieder aushört.)
Eine Masse zum Theil sehr umfänglicher Erklärungen sind eingegangen, sie werden zum Druck verwiesen.
Gr»mbrecht beantragt die weitere Abstimmung zu vertagen, um den Einzelnen Zeit zur Ueberlegung zu gestatten.
M. Mohl erklärt sich dagegen; es sei Zeit, den Unterhandlungen endlich ein Ende zu machen; ganz Deutschland sicht auf uns und weiß, daß unterhandelt wird; verwerfen Sie diese skandalcuse Vertagung. (Stürmischer Beisall.)
Präsident: Es kaun nichts skandalenseres geben, als den Antrag einer Partei skandaleus zu nennen. (Beifall von der Rechten.)
M. Mohl: Ein Beschluß mag unantastbar sein, aber über einen Antrag muß cs jedem Mitglicdc gestattet sein, seine Gefühle auszusprcchcn. Ich unterwerfe mich dem Ordrungsruf des Präsidenten, aber ich sage mit Galiläi: sie bewegt sich doch.
Vogt erklärt sich ebenfalls gegen dee Vertagung, schlägt aber vor, die Sitzung auf eine Stunde auszusctzen.
Kerst erklärt: er und seine Partei wisse, was sie wollen, sie erkennten die Berechtigung der österreichischen Abgeordneten nicht an, in dieser Frage mitzustimmen. (Heftiger Unwille.)
Präsident weist die Bemerkung Kcrst's als ungehörig von der ganzen Berathung zurück. (Beifall.)
Ravcaux erklärt sich für eine Vertagung auf 1 — 2 Stun- den, und spricht zur Versöhnung und Verständigung.
Ueber die Vertagung auf morgen muß durch Stimmzettel abgestimmt werden; von dem ganzen Ministerium stimmt nur Eagern allein dagegen; will er sich etwa wieder populär machen? Die Vertagung wird mit 274 gegen 248 Stimmen angenommen.
Die Sitzung wird daher ansgehoben und Idie weitere Abstimmung auf die morgende Tagesordnung gebracht. (R.T.Z.)
Deutschland.
WB Wiesbaden, 6. März. (Die Organisation der BauverwaltungZ Wenngleich es erfreulich ist zu sehen, wie diesem so wichtigen Zweige der Staatsverwaltung von vielen Seiten die Anerkennung zu Theil wird; so ist es aber doch gleichzeitig sehr zu bedauern, wenn dieser Gegenstand auf eine so selbstsüchtige Weise ausgebeutet werden soll, wie dies von einem Ritter in Nr. 45 der Nassauischen Allgemeinen geschieht. Der Verfasser dieses Artikels ereifert sich hier gegen einen Artikel desselben Blattes, insbesondere aber gegen die Trennung des Hohbaues vom Ingenieurbau- wesen , und sucht in einer sehr verunglückten Weise darzuthun, wie dieses in unserm Lande nicht möglich aber auch nid)t nöthig sei.
Der verehrliche Correspondent sagt zwar: Wenn man den Ansprüchen der Wissenschaft und der Technik die gebührende Rechnung trage und sich auf den Boden der gegebenen Verhältnisse unseres Herzogthums stelle, so müsse er seine volle Zustimmung geben, — glaubt jedoch weiter, dieses wegen der bisherigen Einrichtungen und der finanziellen Lage unseres Landes uicht für praktisch halten zu müssen, und sucht durch die bestehenden Prüfungsvorschriften seine vorgebrach- te» Gründe zu rechtfertigen. Wir glauben jedoch, daß dieselben gerade das Gegentheil von dem darthun, was der verehrliche Correspondent der Allgemeinen beweisen will. — Wir glauben deßhalb in dem verehrlichen Ritter der Allgemeinen ein Prüfungsmitglied zu erkennen, und müssen deßhalb unser Bedauern dahin aussprechen, daß derselbe seinen Stand nicht begreift und erkennt. Denn wenn derselbe angibt, die Differenzial- und Integralrechnung sei für die bei uns vorkommenden Bauten fast ohne allen praktischen Nutzen, so legt er damit unzweideutig an den Tag, daß er die Schriften über diese Fächer gar nicht kennt, geschweige denn versteht; denn die meisten derselben setzen Kenntniß des höher» Calculs voraus, und sind darauf basirt.
Wenn der Verfasser weiter darthun will, daß beiden Fächern gleiche Studien (Hauptgrundsätze) zu Grunde lägen, so müssen wir weiter fragen, ob der Staat sich damit begnügen kann, ob derselbe überhaupt
Jemand jZutraue» bei Übertragung von Geschäften, wie gerade im Bauwesen, welche mit der finanziellen Lage so enge verbunden sind, schenken kann, der diesen Gegenstand nur in allgemeinen Sätzen kennt, und dem das Wesen der Wissenschaft selbst unbekannt ist? Wir antworten unbedingt mit Nein, und müssen den Verfasser auf ein Gleichniß, welches bei der Limburger Versammlung einer gleichen Behauptung entgegen gehalten wurde: daß die Medizmalwiffenschaft mit der Thierarzueikuude wohl auch auf einem Hauptgrundprinzip beruhe, verweisen, und können dem Verfasser nur rathen, als Vertheidiger der Hauptgrundsätze in Zukunft sich von einem Thierarzt behandeln zu lassen, er wird sich auf diese Weise am besten vom Gegentheil überzeugen.
Der verehrl. Korrespondent findet sodann einen großen Vortheil für die Gemeinden in der bisherigen Besorgung der Ingenieur-Geschäfte durch die Land- Baumeister, welche ohnehin die Distrikte bereisen müssen, hat aber sehr klug davon stillgeschwiegen, daß immer noch ein Geometer u. s. w. zngezogeu werden muß, und dadurch zwei Männer zu besolden find, wo ein Einziger ausreicht und jedenfalls bessere Resultate erzielt würden, — dabei darf aber weiter nicht übersehen werden, daß auch die Ingenieur-Bezirke, so weit solche der verehrliche Correspondent huldvoll belassen will, über das ganze Land sich erstrecken.
Die von dem verehrliche» Correspondmten der Allgemeine» mit großer Aengstlichkeit verfochtene Vereinigung der beide» Fächer u»d Bildung kleiner Bezirke deuten an, daß derselbe das alte Institut der Werkmeister wieder heraufbeschwören will, und daß er sich alsdann um die wohl bald gebildet werdende Stelle eines ReichswerkmeisterS bewerben will, zu der wir ihm viel Glück wünsche».
§§. Dillenburg. Vielleicht in wenigen Orten, nur außer der Hauptstadt, ist die Einrichtung und Ausbildung der Bürgerwehr mit solchem Eifer betrieben worden, und aller Hindernisse ungeachtet daran festgehalten worden, als gerade hier. Davon hat uns die Feier des letzten 4. März einen schönen Beweis geliefert, und wenn nur die Bewaffnung vollständiger gewesen wäre, so würde dem militärischen Theile der Festfeier zu voller Befriedigung wenig gefehlt haben. Denn nachdem Abends vorher ein Zapfenstreich unsrer zahlreichen und unermüdlichen Bürgerwehr - Musik auf den bedeutungsvollen Tag vorbereitet hatte, wurden wir früh durch Böllerschüsse und Tagsreveille geweckt, und alsbald schmückte» sich alle Häuser mit wenigen bezeichnenden Ausnahmen, mit den bunten Fahnen des Festes. Von dem herrlichsten Frühlingssonnenschein begünstigt, wurde am Nachmittag durch unsern wackern Commandanten May eine Parade abgehal- te», bei der ein Wehrmann, Herr Dr. Rossel, an die aufgestellte Mannschaft, die von einer dichten Me»- schenmaffe, besonders von Landleuten, umwogt wurde, eine kräftige Ansprache hielt, die seitdem auf vielseitiges Verlangen dem Druck übergeben worden ist. Der Abend vereinigte die Wehrmänner auf dem Saale des Rathhauses zu einer fröhlichen Feier, die unter der wetteifernden Mitwirkung der beide» Gesangvereine und der Bürgerwehrmusik dem ganzen Feste einen der Bedeutung des Tages entsprechenden und alle Theilnehmer aufs höchste befriedigenden Abschluß gab. Am meisten dürfen wir unsere Zufriedenheit darüber kund geben, daß die Sache der Volksbewaffnung, die während der winterlichen Zeit eingeschlafen zu sein schien, durch jene Feier neue Anregung und bei der überwiegenden Mehrzahl der Bürger eine rege Theilnahme gefunden hat. Denn es fehlt leider auch bei uns nicht an Menschen, die, wie sie überhaupt um Alles gern die Erinnerung an den vorjährigen März aus dem politischen Kalender des Bürgers allmälig ausmär- ze» möchten, namentlich unsre erste, wenn auch noch so unvollkommene Errungenschaft, die allgemeine Volksbewaffnung wegschaffen und dem Volke die sauer errungenen Waffen wieder aus den Händen winde» möchten.
Da nun aber das Gesetz vom 11. März einmal besteht, da die Bürgerschaft in Maye es zu handhaben fortwährend entschlossen ist, weil, nachdem die Reaktion auch anderweitig so plump aufgetreten, selbst dein Kurzsichtigsten heut zu Tage die Augen aufgehcn, — so müssen solche Geg»er freilich zu verstecktere» Mittel» greifen, um ihren Zweck zu erreiche» und einem vormärzlichen Heiozustand wieder auf die lahmen Beine zu helfen. Da wird denn bei_ allen Gelegenheiten theils das Institut selber angegriffen und seine derma- ligen Mängel grell ausgemalt oder ins Lächerliche gezogen; da werden dem Commando bei Handhabung der Disciplinarvorschrifteu allerlei Hindernisse in den Weg gelegt; da wird selbst im Wehrmannsgericht die verbindliche Kraft der bestehenden Ordnung bestritten und dergleichen mehr. Indem man so die Bürgerwehr moralisch zu lähmen strebt, wähnt man bald auch ihre physische Existenz vernichtet zu haben. Unbegreiflich ist es nur, wie Männer, welche solche Ansichten als ihre Ueberzeung unverhohlen aussprechen, denen diese ganze Einrichtung der Bürgerwehr ba'd ein Aergerniß, bald eine Thorheit ist, es noch über sich gewinnen könne», ein Commando bei derselben zu bekleiden und vor der Fronte den Schleppsäbel klirren zu lassen. Die Bürgerschaft als solche, die Versicherung könne» wir ihne» und ihren Gesinnungsgenossen an anderen Orten geben, wird sich so leicht nicht irre führen lassen, sie wird für Vervollständigung ihrer Bewaff-