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beigelegt; denn von allen diplomatischen Kniffen und Pfiffen, die sich durch die ganze schleswig-holstein'sche Affaire von Anfang des vorjährigen Krieges bis jum Malmöer Waffenstillstand hindurch ziehen, liegt gerade ( in den angedeuteten beiden Eigenschaften der Diplo­matie Grund und Quelle. Wie ich dies meine, darüber soll das Nachfolgende den genügenden Auf­schluß ertheilen.

Die Diplomatie kann nur bestehen auf Kosten des souveränen Volkswillens. Er, der offene und öffentliche, bedarf keiner Lüge. Die Diplomatie muß also aus reinem Selbst-Erhaltungs- ! trieb den souveränen Volkswillen hassen und ihn zu vernichten suchen. Die schleswig-holstein'sche Sache war die Sache des Volkes; der souveräne Wille des­selben sprach sich offen und entschieden dafür aus; er sandte, was er hatte, seine Freiwilligen hin zu den Brüdern im Norden; er sah es mit Freuden, als die von ihm erschaffene und jetzt ihm untreu gewordene Gewalt deutsche Krieger hinsandte, um den eiteln und hochmüthigen Anmaßungen des Dänenkönigs mit deut­schen Kartätschen zu begegnen. So weit hatte der souveräne Volkswille mehr oder weniger Antheil an der ächt deuschen, nationallen Sache. Nun begann die Diplomatie ihre Thätigkeit ganz, sie schloß einen schimpflichen Vertrag, d. h. schimpflich für's Volk, ehrenhaft für sie, wenn man nämlich bedenkt, worin sie von jeher ihre Ehre gesucht hat. Warum wurde der Vertrag geschlossen^ Aus Furcht vor dem skan­dinavischen Bund und den Kosaken und den Garden aus St. Petersburg? Wer dieses glaubt, müßte Ge­schichte studirt haben, um darin die fürstlichen Genea­logien zu lernen, aber nicht um den Geist der Ge­schichte zu erfassen, der sich hindurch zieht, und die Thaten der Tyrannen und die höllischen Dramen der Unterdrücker richtet. Aus ihr lernen wir, daß sich die Diplomatie nicht fürchtet, wenn das Blut der Völker fließt. Hätte sie keine andere Gründe gehabt als diese, sie hätte Tausende und aberinals Tauseude deutscher Jünglinge auf dem Schlachtfeld verbluten lassen. Nein, das waren ihre Gründe nicht. Sie wollte wieder stark werden, und leider! ist sie sehr naturwüchsig, das Wachsen geht sehr schnell bei ihr, wie das Sinken; sie ist reproduktiv wie keine andere Macht der Erde. Um wieder stark zu werden, mußte sie die Zügel wieder in die Hand bekommen; mithin mußte zu diesem Zweck auch der Kampf in Schleswig- Holstein eingestellt werden; denn mit ihm hatte sie nichts zu schaffen, obwohl sie ihn erschaffen hatte, sie, die Inkompetente und doch zu Kompetente, wenn es ihre Macht, ihr Leben gilt. Sie hatte fol­gendermaßen kalkulirt: Der Krieg muß vor der Hand ü tont prix eingestellt werden, abgesehen davon, ob er später wieder beginnt oder nicht; das Letztere liegt dann in unserer Hand. Muß er wieder ausbrechen, gut, dann haben wir Truppen. Dann aber ist es auch ein Soldatenkrieg, und der kann uns nur nützen, während er jetzt als Volkskrieg, wenn er, wie sich's nicht anders erwarten läßt, von gutem Er­folg ist, nur mit zu unserm Untergang beitragen kann.

Wie durfte denn das deutsche Volk lernen, einen Krieg ohne diplomatische Ränke zu führen! ? Diese Gedanken müssen uns bei der ganzen Betrachtung lei­ten, dann wird es uns auch sehr leicht, Alles, was früher geschah und jetzt in dieser Angelegenheit geschieht, genügend zu beurtheilen. Was es also zu bedeuten hat, wenn wir lesen, die Reichsgewalt wolle ein Reichsheer, bestehend aus den Truppen der kleinern deutschen (wohl hauptsächlich süddeutschen?) Staaten, nach Schleswig-Holstein abschicken, ferner, Preußen wolle sich bei der Sache nicht mehr betheiligen, son­dern bloß ein Observations-Corps an Mecklenburgs Grenze aufstellen u. s. w., das ist leicht zu entziffern. Die diplomatischen Kniffe haben indeß ihre nachthei­ligen Wirkungen auch durchaus nicht verfehlt; sie haben es nämlich dahin gebracht, daß die Begeisterung des Volkes für den schleswig-holstein'schen Feldzug bedeutend gesunken ist. Und dies kommt Alles daher, weil es jetzt kein Volkskrieg mehr, sondern ein Sol­datenkrieg wird, der Blut und Geld kosten und doch nur zum Erfolge haben wird, was die Diplomatie daraus zu machen beliebt.

§. Nassau. Vom hiesigen Bürgerverein wurde fol­gende Adresse an Herrn Abgeordneten Leisler ab- gesendct:

Aus den Zeitungsberichten haben wir ersehen, daß Sie in einer der letzten Sitzungen bei Gelegen­heit der Verlesung eines Mißtrauensvotums gegen Sie aus den Aemtern Braubach und St. Goarshausen die Behauptung aufgestellt haben, Sie seien nicht der Ver­treter der beiden genannten Aemter, sondern der des ganzen Landes, und nur letzteres in seiner Gesammt­heit habe das Recht, Sie zurückzurufen, wo bei Sie sich auf das Beispiel des großen Washington stützen. Wir wollten gerne diese ganze Argumentation gelten lassen, wenn Sie auch in anderen Punkten jenes erhabene, welthistorische Muster nachahmten, und vor allen Din­gen dessen eiserne Consequenz Wir können Ihnen aber diese erste Eigenschaft jedes selbstständigen Man­nes nicht zusprechen, wenn Sie sich urplötzlich aus einem wilden Vorparlamentsrepublikaner in den Füh­rer der atterzahmsten constitutionell-monarchisch Ge- filmten umwandeln, und da wir nach allem Voran- gegangenen auchkeine Hoffnung haben, Sie eher wieder inconsequent zu sehen, als bis die jetzige Wahlperiode beinahe vorüber ist, dies den Interessenten aber jeden-

hlls zu lange dauern würde, so bitten auch wir als ein Theil des Gesammtvolkes Sie, baldmöglichst das Mandat in die Hände Ihrer Wähler zurückzugeben.

Frankfurt, 19. März. Die erblichen Kaiserlinge haschen nach jedem Strohhalme, um ihre schwarz-weiße Flagge über Wasser zu halten, und werfen sich des- halb in diesem Augenblicke mit allem Accente selbst auf die durch die Blätter gehende Nachricht, daß man in den sächsischen Kammern die Verweigerung der Mar- ' tikularbeiträge für die Flotte beabsichtige. Herr von Wydenbrugk hat heute daraus deducirt, daß nur der Erbkaiser im Stande sein werde, diese widerspenstigen Kleinstaaten zu Paaren zu treiben und daß man um mit Raveaur zu reden diese particularistische Freiheitsgährung mit dem Spunde der Kaiserkrone ver­keilen müsse. In dem Augenblicke, wo die deutsche Freiheit unter Wrangel's und Windischgrätz's Obhut verblutet, ist es wahrhaftig eine ernste Verpflichtung derjenigen Männer, welche in den kleineren Staaten das Volk vertreten, ihm an Freiheit zu retten, was irgend noch zu retten ist und dafür alle jene Mittel anzuwenden, welche ihnen zu Gebote stehen. Finden es diese Männer bedenklich, in dieser Lage des Vater­landes einer Centralgewalt Vertheidigungsmittei zu bewilligen, welche bis heute ihre bewaffnete Macht nur zur Unterdrückung der Freiheit im Innern verwendet hat, so kann man das in der That weder sträflich noch undeutsch nennen, demungeachtet haben die sächsischen Abgeordneten der Linken zu Frankfurt ihre Freunde in Dresden aufgefordert, die Bewilligung der Matrieu­larumlage auszusprechen, aber sie setzen dabei voraus, daß dies unter Bedingungen und Verwahrungen ge­schehe, welche nicht zulassen, daß die Einheit durch den Verlust der Freiheit erkauft und somit das Vaterland verrathen werde. (Reichstz )

Frankfurt, 19. März. Das Parteigetriebe hier ist wahrhaft eckelhaft, ein allgemeines Feilschen Mark­ten, Handeln, Pochen und Prachern, als handle es sich um Meßgüter oder wäre die Paulskirche eine Börse; stimmt Ihr bei a mit uns, so stimmen wir bei b, mit Euch u. s. w. u. s. w. Ist denn kein Mann da, der wie weiland Luther hintritt und unbekümmert um Alles, was rings um ihn vorgeht, treu seinen großen Grundsätzen einfach erklärte, hier stehe ich, ich kann nicht anders. (Maunh. Aztg.)

Darmstadt, 18. März. Daß mit der ersten Kam­mer keine Gesetze im Sinne der neuen Zeit zu Stailde zu bringen wären, sah so ziemlich Jeder ein; daher das allgemeine Verlangen nach Auflösung beider pri- vilegirten Kammern und Einberufung einer konstitui- renden Versammlung. Herr Jaup zog es vor, seine beglückenden Entwürfe imliberalsten Sinne" mit den bestehenden Kammern in's Leben zu rufen. Die Kam­mer der Standeshekren, welche schon neulich durch den Hrn. v. Breidenstein erklärte, eine Revision der Ver­fassung sei höchst überflüssig, hat bei der Berathung Über das Wahlgesetz gestern sowohl die Vorlage der Regierung, als die Zusätze der zweiten Kammer in den wesentlichsten Punkten verworfen. Wählbar für die erste Kammer soll nur der sein, der 200 fl. direk­ter Steuern zahlt oder 1500 fl. Rente, Pension oder Gehalt bezieht! Ob sie auch den Census für die zweite Kammer beschlossen hat! wissen wir nicht; da die Sitzungen geheim sind, müssen wir für die Einzelhei­ten die Veröffentlichung der Resultate abwarten.

(N. D. Z )

Darmstadt, 19. März. Nach der Proposition des großh. Kriegsministeriums an die zweite Kammer, die Kosten der Militärvermehrung auf 2 pCt. der jetzigen Bevölkerung betr., beträgt das auf 2 pCt. der Be­völkerung erhöhte Contignent, die gegenwärtige Be­völkerung des Großherzogthums rund zu 850,000 Seelen angenommen, 17,000 Mann. Die dermalige Stärke des großherzoglichen Truppenkorps ist 9350 Mann. Es ist also eine Vermehrung um 7650 Mann erforderlich, um der verlangten höheren Leistung zu entsprechen. Das erhöhte Contingent wird zu bestehen haben in Infanterie 13,121 Mann, Reiterei 2128, Feld-Artillerie mit 34 Geschützen 1224, Belagerungs- Artillerie 54, Pioniere 170, zusammen 1700 Mann.

Hannover, 15. März. Nach den von Frankfurt beim hiesigen Kriegsministerium eingetroffenen Nach­richten sollen circa 6000 Mann Hannoveraner, die jetzt nebst einem Bataillon Altenburger diesseits der Elbe liegen, am 20. d. M. über die Elbe gehen. Da­zu sollen dann zunächst einige hessische Regimenter, welche am 18. d. Ms Kassel aufbrechen, stoßen. Ueber den Oberbefehl ist noch nichts bestimmt. (H. B.)

Würzburg, 19. März. Gestern fand hier eine Volksversammlung statt, in welcher eine Adresse an die Nationalversammlung in Frankfurt beschlossen wurde, daß sie das in erster Lesung angenommene Wahlgesetz in der zweiten Lesung unverändert beibe­halten möge. (W. Z.)

Magdeburg, 17. März. Die morgen uns bevor­stehende Feier wird eine sehr großartige werden. Eine große Anzahl wird sich daran bethätigen. Die Preise der Hin- und Rückfahrt von Berlin nach Magdeburg sind morgen von der Direktion der Bcrlin-Potsvam- ! Magdeburger Eisenbahn für die 3. Wagenklaffe auf 15 Sgr. (für circa 40 Meilen) ermäßigt, und die Reise hieher wird den Berlinern noch dadurch wohl- , feiler und angenehmer gemacht, daß angesehene Fami- ; lien unserer Stadt sich erboten haben, morgen eine be-

stlmmte Anzahl Fremder bei sich aufzunehmen und un­entgeltlich zu bewirthen. Natürlich werden und sind bereits die umfassendsten militärischen Maßregeln für Ruhe und Sicherheit der Stadt und Festung auf Mor­gen getrosten. u 3.)

Berlin, 17. März. Ich Beeise mich, Ihnen mit zutheilen, dast nach heute hier eingegangenen Nachrich­ten aus Kopenhagen das dänische Gouvernement die noch gestern befürchteten Feindseligkeiten am 27. März mcht wieder aufnehmen nnd and) die Häfen keiner strengen Blokade unterwerfen wird.

Berlin, 18. Mäaz. Berlin soll den 18 März vergessen lernen, wenigstens sich entwöhnen, seiner offen zu gedenken; darum hatte General Wrangel all' und jede Demonstration untersagt. Nur der General selbst demonstrirte mit einer bis in die Zähne bewaff­neten und jeden Augenblick schlagfertigen Armee von circa 30,000 Mann in und um Berlin, um noch einmal wieder Den alten Gegensatz, die alte Kluft zwischen Bürger und Soldat recht augenfällig zu machen. Durch Berlin aber ging ein stilles Loosungswort zum Friedrichshain"! und von den frühesten Morgenstunden ab pilgerten bis zur Dunkelheit über 100,000 Menschen, einzeln, in Familien, im engern Verein mit Freunden dem neuen Wallfahrtsorte zu, bis in den Nachmitlagsstunden Alles in einem großen Strome sich dem Thore zu chaotisch ergoß. Schon am Abend zuvor waren die Gräber im Friedrichshain von befreundeten Händen mit Kränzen und Blumen ge­schmückt, die Grabstätten mit neuen Denkmalen viel­fach versehen worden. Neue Spenden an Immor­tellen -Kränzen brachte der heutige Tag. Vormittags und in den ersten Stunden des Nachmittags passirten die Pilger ungehindert die Thore der Stadt, unbeirrt von den militärischen und Constabler-Posten, welche dieselben bewachten, unbeirrt von den, stets zum Auf­sitzen bereiten, neben ihren Pferden stehenden Kuiras- sieren und Dragonern, deren Schwadronen in den Gehöften der zunächst vor dem Thore bis ptm Fried­richshain gelegenen Häuser, Jedermann sichtbar, auf­gestellt waren, und von Zeit zu Zeit patrouillirend die Menge durchschritten und die Menge theilten. All- mählig änderte sich die Scene. Der Strom der An­kömmlinge schwoll, die Menge sing an, zu Zehntau­senden zu zählen; einzelne Verhaftungen traten ein bei Personen, die entweder eine zu umfangreiche deutsche Tricolore, oder eine rothe Kokarde trugen, oder gar in einer, einem Zuge ähnlichen Weise und mit Trauer- Emblemen erschienen. Die bewaffnete Macht unter­stützte die Verhaftung Einzelner; Trompetensignale be­deuteten den zu stark conglomerirten Massen, aus­einanderzugehen, und die Cavallerie deployirte auf den breiten chaussirten Wegen am Friedrichshain. Nur selten erklang ein Schrei des Unwillens, ein Drohwort aus der in dumpfem Ernst sich zurückbewegenden Menge. Endlich um 4 Uhr sperren sich die Thore, die zum Friedrichshain führen; Militär rückt davor, mit gespanntem Hahn das Gewehr am Fuß; dem Strome hinaus wird Einhalt gethan; zurück gelangen die draußen Befindlichen nur einzeln durch fdfmale Pforten neben den Thoren. Am Landsberge-Thor stauet sich zuerst die gewaltige Masse und bildet eine lebendige Mauer, dichte Schichten hinter einander, den Soldaten gegenüber. Die innere Empörung der Gemüther findet lange keinen Ausdruck, bis sie endlich in einem einmüthigen Chorus, in einer einförmigen Trauermelodie sich Luft schafft. Es war ein unheim- licher und seltsamer Moment, der uns für die nächste Stunde besorgt machte. Dem Knäuel des Gewoges an diesem Thor uns entwindend, eilten wir dem neuen Königsthor zu; auch hier gesperrt, das Militär im Keil am Thore aufgestellt und die Menge, die hinaus wollte, drängte heran; da ertönt dreimal die Trom­mel, die Gewehre richten sich plötzlich auf den wo­genden Menschenknäul denn der Offizier komman- dirte:Legt an!" Entsetzt wich das Volk zurück und die Soldaten setzten auf Kommando die Gewehre ab. So weit unsere Wahrnehmungen und der Ver­lauf des Tages, als wir diesen Bericht schließen (7 Uhr).

Altona, 17. März, Mittags. So eben empfan­gen wir die ersten Mittheilungen über den gestern er­folgten Zusammentritt unserer Landes-Versammlung. Die meisten Abgeordneten hielten schon Tags vorher vertrauliche Berathungen über die gegenwärtige Situa­tion der Herzogthümer. (K. Z.)

Eine Correspondenz von der Eider in denBerl. Nachrichten" macht auf den materiell sehr wichtigen Punkt aufmerksam, daß die Stadt Kopenhagen von dem Kriege sehr große Vortheile hat und noch größere erwartet, und daß sie mit ihren 120,000 Einwohnern, worunter die ganze Bureaukratie des Landes, den zehnten Theil der Bevölkerung von Dänemark bildend, das ganze Königreich, und mithin leicht auch ein schon schwankendes Ministerium beherrscht. Da nämlich Ko­penhagen die einzigen Fabriken des Landes besitzt, so werden hier alle Militär-Reguisiten gemacht, und der Krieg wird dieser Stadt daher zu einem industriellen Ereigniß. Dann aber hoffte Kopenhagen durch den Kriegsstand auf den Erwerb des Zwischen- und Groß­handels für die Hälfte des Königreichs, der bisher durch Hamburg betrieben ward. Die Kriegspartei in Kopenhagen hat daher diese mächtige und wichtige Stadt hinter sich, und Nationalität und Ehre vergol­den in den Augen des Volkes den nur halb verftedttn Egoismus.