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M 68. Wiesbaden. Mittwoch, 21. Mär, >84».

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 (L 45 fr,, auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. Die Jnserationsgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Bestellungen auf das mit dem 1. April beginnende neue Quartal beliebe man baldigst zu machen; hier in Wiesbaden in der H. W. Ritter schon Buchhandlung, auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.

Die Revolution in Italien.

J Aus dem goldnen Grund. Die Donnerschläge der Revolution von 1848 sind verhallt. Die Reaktion hat sie besiegt. Aber noch ist das Drama nicht be­endigt. Der Unterdrückungskampf in Ungarn, welcher das Nachspiel der Contrerevolution werden sollte, ist zum Vorspiel eines neuen Aktes geworden. Dieser neue Akt wird eben in Italien aufgeführt. Mit der Erhebung in Italien ist die Revolution in ein neues Stadium getreten, sie hat eine neue Gestalt und Farbe angenommen.

In Italien flattert die rothe Fahne, die einzig gültige Farbe einer ordentlichen und vernünftigen Re­volution, nicht das Symbol der Guillotine und des rothen Schreckens, wie sie gewisse bekannte Nachteulen nur zu deuten verstehen die Italiener haben gegen Abtrünnige Großmuth bewiesen, und die verführten Opfer der Reaktion Laugier mit dem Oelzweige des Friedens besiegt sondern als das Zeichen des entschiedenen Radikalismus und einer von allem Zau­dern und Schwanken entfernten revolutionären Me­thode. Diese zwei Stücke sind die nothwendigen Be­dingungen einer jeden Revolution vor Allem in unsern Zeiten die sichern Garantien für das Ge­lingen der italienischen.

Die Führer derselben verstehen ihre Zeit und ihr Volk. Ein einiges, freies Italien! Nieder, ru­fen sie, mit den fremden Tyrannen; nieder mit den in Mitten des Volkes erstandenen Zwingburgen von Privilegien jeder Art!

Die Italiener wollen keine Bastardfreiheit, welche die Lage der zahlreichsten Klasse nicht hebt; keine Frei­heit, gegen welche der Ruf von Tausenden von Un­glücklichen protestiren könnte; sie wollen keine reaktio­näre Kasten mehr, darum versprechen römische Mi­nister Befreiung des Unterrichts von den Geistlichen.

Freilich solche Grundsätze können die offiziellen Parteien der sogenannten freien Völker Europas nicht billigen. Die honnette Republik Frankreich bedroht darum die soziale Republik Rom ihre gehaßte und verleugnete Stiefschwester mit einer ächt schwe­sterlichen Intervention, und Oestreich brandschatzt be­reits in römischen Städten.

Doch der neue Freistaat mit seinen revolutionären Regierungen, deren Glieder nicht, wie in Deutschland, altkluge Präzeptoren oder gar Apostaten, sondern die treuesten und feurigsten Anhänger der Revolution, läßt sich weder durch äußere noch innere Feinde schre­ien und trifft nach beiden Seiten hin die energischsten Maßregeln. Im Gefühl und Bewußtsein der Größe,

welche jede siegreiche Erhebung einem Volke verleiht, beweist sie (die Regierung), gestützt auf die Constitu­ante, den entschlossenen Charakter des Convents von 1793. Sie, die von allen Seiten Bedrohte, protestirt im Gefühle ihres guten Rechtes und im Xiamen des Volkes, das sich eher unter den Trümmern seiner Wohnungen begraben läßt, als daß es sich einer Horde von Kroaten fügte, gegen jede fremde Einmischung; sie begrüßt den Einmarsch der Oestreicher in Ferrara mit geheimer Freude als ein Ereigniß, das zu Schritten zwingt, welche den Rückzug unmöglich machen. Hier werden die Italiener, wie ihr großer Cäsar, über den Rubikon gehen. Sie predigt konsequent Vernichtungs­kampf gegen fremde Unterdrücker und Feinde der ita­lienischen Freiheit und Einheit. Krieg ist die ver­bindende Idee der einzelnen Staaten zu einer sich von innen herausbildenden Einheit, deren Mittelpunkt Rom und Toskana, und der sich nach und nach alle übri­gen Staaten anschließen werden. Grenzenlos ist der Enthusiasmus, mit dem das Volk ihren Forderungen nachkommt. Jeder gibt, was er hat; die Reichen lie­fern Geld. Der Arme legt sein Blut auf den Altar des Vaterlandes. Die Glocken werden zu Kanonen gegossen, und ihr Donner wird dem Gott der Freiheit eine willkommenere Hymne sein, als die Klänge, mit welchen sie bisher zu seinem Dienste riefen. Die über­flüssigen Pferde werden zur Bespannung der Artillerie in Anspruch genommen.

Ebenso entschieden sind die Maßregeln nach Innen. Fern von dem lächerlichen Vertrauen zu den besiegten Gewalten, finden die Italiener ihren Schutz nur in sich selbst. Ihr Enthusiasmus, allgemeine Bewaffnung und Massenerhebung sind die Garantien ihrer Revo­lution und werden sie vor Irrthümern und Fehlern bewahren, ^welche die vorjährige Revolution verderbt und in ihren Folgen zu einem Verbrechen gemacht haben. Solidarische Verbindlichkeit für den Schaden, welchen die Oestreicher in Ferrara angerichtet, und in einzelnen Landestheilen anrichten werden, spornt zu größerer Aufopferung der Einzelnen.

Die Dekrete, welche, gegen jeden reaktionären Versuch vorsichtig, die Geistlichen auf ihr himmlisches Hand­werk verweisen, und die geflohenen Bourgeois und Adlichen unter Bedrohung angemessener Geldstrafen zurückrufen; die Drohung Venedigs, 66 vornehme österreichische Gefangene erschießen zu lassen, wenn sie nicht die gebrandschatzten Thaler an Ferrara zurückzahlten, sind ebenso kräftige, als zweckmäßige Schritte.

Solche Haltung eines revolutionären Volkes ist Achtung einflößend und garantirt die Erreichung des

vorgesteckten Ziels. Italien wird trotz der schlauen Diplomatie eines jesuitischen Gioberti und seiner schwa­chen oder bornirten Collegen, trotz den reaktionären Bestrebungen Carl Alberts und des Bourbonen Ferdinand, trotz dem verzweiflungsvollen Aufbieten der letzten Kräfte von Seiten Oestreichs, frei und einig werden. Wenn Rom, Florenz, Livorno und Toskana, unterstützt von Venedig, Genua und Neapel, unter einer Fahne zum großen Freiheitskampf mar- schiren, dann werden die Kanonen von Mailands Wällen die Musik zur Freiheitshymne Italiens und den Todesreigen der österreichischen und aller andern Bedrücker in Italien aufspielen. Es lebe das freie Italien!

Die neueste preußische Note.

Circulare an die preuß. königl. Missionen, bei den deutschen Regierungen.

Die k. k. österreichische Regierung hat durch ihren Gesandten am hiesigen Hofe der königlichen Regierung die Vorschläge mitgetheilt, welche sie durch Instruktion an ihren Bevollmächtigten bei der provisorischen Cen­tralgewalt vom 27. v. Mts. in Betreff der Bildung einer obersten Centralerekutivgewalt in der deutschen Bundesverfassung in Form eines Direktoriums hat nach Frankfurt gelangen lassen. Es gereicht der königl. Regierung zur großen Befriedigung, daß da­mit nun auch Oesterreich den von uns vorgeschlagenen Weg der Verständigung in Frankfurt betreten hat. Wir haben uns daher auch nur mit Vergnügen bereit er­klären können, diese Vorschläge einer reiflichen Erwä­gung zu unterziehen, und der königl. Bevollmächtigte in Frankfurt wird mit hinreichenden Instruktionen ver­sehen werden, um in die Besprechungen und Bera­thungen über dieselben in Frankfurt eintreten zu kön­nen, von welchem wir die Hoffnung hegen dürfen, daß sie zu dem neuen von uns angestrebten Ziele der Ver­ständigung unter den Regierungen und mit der Natio­nalversammlung führen werden.

Wir zweifeln nicht, daß auch die übrigen deutschen Negierungen, denen die österreichischen Vorschläge in­zwischen, sei es direkt, sei es durch ihre Bevollmäch­tigten, bekannt geworden sein werden, zu einem glei­chen Verfahren bereit seien.

Ich ersuche daher Euer re. rc., den Regierungen, bei welchen Sie akkredirt sind, den Wunsch des kön. Kabinets auszudrücken, daß dieselben baldmöglichst ih­ren Bevollmächtigten in Frankfurt die nöthigen In­struktionen ertheilen wollen, um an den Berathungen

Die Hasenschlinge.

(Aus demdeutschen Bauernbuch" von C. A. Schloenbach.)

(Schluß.)

Des Abends spät trank er einen tüchtigen Schnaps; den gab ihm der Krämer umsonst, weil der Klaus Courage haben müsse, wenn die Frau des Rachts nicderkäm und während nun die Frau ein todtes Kind nr Welt brachte, brach der Klaus beim Pastor ein und fand auch richtig das schlecht verwahrte Kästchen; er hatte während seiner Ge- fängnißzeit schon gehört, wie man dergleichen Unter­nehmungen anfange. Aber das Ende war schlecht: im Pfarrhaus wurd's munter und der Klaus wurde gepackt ehe er hinaus kam. Das gab ein entsetzliches Aufsehen! Der brave, ehrliche Klaus ein Dieb! und noch dazu beim Pfarrer! und noch dazu während seine Frau in Nöthen lag! Der verschwieg man die Sache aber bis gegen Abend, wo sie nach dem Klaus zum drittenmale fragte; da war der schon auf's Amt gebracht. Das war beinahe ihr Tod; ach! es wär gut gewesen wenn sie wirklich gleich daran gestorben wär.

Das Urtheilwegen Diebstahls mit gewaltsamem Einbruch" wurde bald gesprochen: es war vom Amt­mann nicht ein einziger mildernder Umstand angegeben, sogar noch recht tüchtig eingeheizt, besonders wegen des Forst-Diebstahls noch manch böses Wort gesprochen. Der Klaus wurde auf acht Jahre Zuchthaus verurtheilt,

die Frau, als muthmaßlliche Mitwisserin, auf drei Jahre unter Polizei-Aufsicht gestellt.

Als der Klaus vom Amte abgcführt wurde nnd sie da Abschied, einen entsetzlichen, laut zum Himmel schrei- euden Abschied von ihm, und das 1 % jährige Kind aus seinen eiskalten Händen zurücknahm: da wäre sie gar gerne gleich mit ihm in's Zuchthaus gegangen, so lieb hatte sie ihn und dann war ihr jetzt das Dorf noch ärger wie ein Zuchthaus; sie mußte sich ja vor jedem Hunde im Dorfe schämen und Arbeit bekam sie gewiß nicht. Das Mitgehen wurde ihr aber nicht erlaubt; jedoch ver­sprach sie dem Klaus heimlich, bald einmal zu ihm zu reifen, um das Geld in Empfang zu nehmen, das er im Zuchthaus verdienen und für sie bei Seite legen wolle.

Der Klaus ließ sich nun die erste Zeit im Zuchthaus recht gut an; verdiente auch Geld und wartete nun Woche auf Woche, dann Monat auf Monat, das ihm seine Frau und sein Kind angemeldet würden und daun sollte das eine Freude geben, wenn er ihr ein ordentlich Stück Geld mitgeben würde; aber er sah und hörte nichts von seinemLieben, Herzigen" (wie er sie so oft jammernd nannte) und nun wurde er lässig, dann mißmuthig, zu­letzt wild und störrig und hörte schon mit grimmiger Lust all die Teufeleien an, die von den übrigen Gefange­nen vorgebracht wurden; darin kamen auch alle möglichen Entweichungs-Versuche vor und da der Klaus gar nicht mehr wußte was er aus Angst und Sehnsucht nach seinen Lieben, Herzigen" thun sollte: so machte er sich eines

Nachts die angelernten Kniffe zu Nutze, brach durch und nahm aus einer Scheune einen alten Schäfer-Mantel, den er über die Gefangen-Kleidung warf, daß die ihn nicht verrathen sollte; aber die polizeiliche Gerechtigkeit war schneller als er: man griff ihn auf und legte ihm nun, als einem doppelt-schweren Verbrecher, Ketten an ' und diese Ketten legten sich um den N st guter Gedanken 1 und Gefühle die er noch hatte und erwürgten sie, so daß zuletzt nichts anders als Schlechtigkeiten in ihm blieb, die ihn immer länger im Zuchthaus hielten.

Fragt Ihr nun warum denn seine Frau nicht zu ihm kam? das ist einfach: sie wollte; aber als sie auf dem Wege dahin in einem Städtchen von Hunger, Elend, Frost- und Fußwunden nicht weiter konnte und bettelte, da ward sie als Vagabondin erst 24 Stunden eingesteckt, dann zu ihrem Amt transportirt und dort wieder 24 Stunden eingesteckt, weil sie, als unter Polizei-Aufsicht stehend, sich ohne Anzeige aus ihrem Orte entfernt hatte. Darnach versprach ihr der Amtmann sie unter die Armen aufzunehmen, mit der Weisung sich: nun direct vom Amte aus nach ihrem Dorfe zu begeben. Sie ging auch nach dem Dorfe zu, aber als sie Abends davor kam, konnte sie vor Müdigkeit und Schaam nicht weiter und setzte sich mit ihrem Kinde in den Schnee; am andern Morgen fand man Mutter und Kind erfroren.

Warum untersteht sich ein Bauer, eine Haasen, schlinge zu legen?!.