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âeiheit und Recht!"

â'K8. Wiesbaden. Sonntag, 18. März 184®.

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Das Vaterland ist in Gefahr, retten Sie das Vaterland!

§ Wiesbaden, 11. März. So sprach Herr Pro- feffor Welcker zu seinen Hr». College», den übrigen Professoren in der Pauftkirche. Das Vaterland ist allerdingsin G.fahr"; dasselbe ist aber seit dem ersten Auftreten der Reaktion schon oft in Gefahr gewesen, oder vielmehr die Gefahr ist seitdem eine permanente, wenn auch durch verschiedene Phasen hindurchgehende. Vor Allem war auch damals das Vaterland in Gefahr, als der König von P-eußeu die Berlins Nationalver­sammlung auflöste und eine Verfassung octroynte. Das­selbe ist jetzt in O-steneich geschehen, und derselbe Fürst, der jene Gefahr über das Vaterland brachte, soll dasselbe jetzt auö dieser rettenretten!" Denn retten Sie das Vaterland!" das heißt, laut Wel- cker's Antrag:übertragen Sie die erbliche Kaiser­würde dem König von Preußen", setzen Sie den Kö­nig von Preußen auf diese Weise in den Stand, das Vaterland zu retten. Die Professoren in der Pauls­kirche für ihre Person können freilich das Vaterland nicht retten; daS Vaterland wird nur gerettet durch daS Schwerd, durch das das Schwert, das für die Freiheit ficht. DaS Schwerd liegt nun zwar in Preußens Hand, aber nicht das Schwerd^der Freiheit, das Schwerd der Demokratie, sondern das Schwerd, dasmit Gott für König und Vaterland" gezogen wird, das nicht gegen Rußland, sondern höchstens gegen Frankreich, ja das gegen die preußische Demokratie und die preußische Nationalversainmlung selbstgeschliffen" wurde, kurz, wie der Neujahrsgruß an das Heer sich ausdrückte, daStreue" Schwerd, d. h. das Schwerd, das nicht den Ideen, die alleindas Vaterland retten" können, nicht dem Gedanken der Neuzeit, nicht dem demokratischen Geiste, sondern den alten, durch die Re­volution angegriffenen Zuständen und Vorstellungen treu" dient. Und dieses treue Schwerd, welches die Nationalversammlung zu Berlin gesprengt hat, glaubt ihr, werde gegen das eben sotreue" österreichische Schwerd, welches so eben die Versammlung zu Krem- sier aufgelöst hat, aus der Scheide fliegen? Nein, Herr Professor, viel eher wird das Schwerd Sie selbst sammt ihren Herrn Kollegen aus der Paulskirche hinaus« treiben!

Und wenn dies geschieht, wie wird fich denn das Volk verhalten? Wenn dasselbe auch vielleicht nicht grade denken wird: jetzt ist das Vaterland außer Einer großen Gefahr"; so wird eS doch gewiß nicht glauben, daß die Gefahr größer geworden sei. Denn das Volk will die Freiheit, die ihm aber aus der Pauls­kirche, wie die Erfahrung gelehrt hat, nicht kommt; ihr Kaiserthümler aber wollt, wie ihr jetzt zum tausendst- male beweiset, die Einheit ohne die Freiheit, ja auf Kosten der Freiheit! Doch ihr wollt nicht nur etwas Unpassendes, sondern sogar eiwas Unmögliches. Und

das ist her Humor bei der Sache: wir find, Gott sei Dank, so weit gekommen, daß der Kaiser eine Un­möglichkeit ist. Laßt ihn ruhig im Kyffhäuser schla­fen bis an den jüngsten Tag! Die Todten kehren nicht wieder, es sei denn in leibloser Schattengestalt. Die Schatten und Gespenster aber finden heutzutage keinen Glauben und keine Anerkennung mehr!

Deutsches« S.

* Wiesbaden, 17. März. Der Beschränktheit des Raumes wegen haben wir gestern den Bericht über die letzte Ständksitzung abkürzen müssen; da jedoch die heute «»gesagte Sitzung nicht statt hat, und so für heute durch letztere die Spalten des Blattes nicht ein­genommen werden, so theilen wir noch nachträglich die Rede von Müller II. aus der letzten Sitzung voll­ständig mit:

Er sei auch der Ansicht, daß das Institut der Ge­schwornen weniger ein politisches, als vielmehr ein Rechtsinstitut sei, und daß eine gewisse Fähigkeit, ein gewisser Grad von Intelligenz erforderlich sei zu dem Amt eines Geschwornen. Dann muss? man aber den Kreis, aus dem die Geschwornen herausgefunden wer­den sollten, so groß als möglich ziehen, aber nicht auf den Reichthum beschränken.

Selbstständig müsse der Geschworene sein, aber nicht das Geld mache selbstständig^ gerade der Reiche sei gar oft abhängig von seinem eigenen Gelde, er beurtheile alle Lebensverhältnisse nur nach Geld und Geldeswerth. Nur der Charakter mache selbstständig, ein Mann von ehrlichem, festem Charakter der seine ganze Eristenz sei­ner Ueberzeugung zum Opfer bringe, der sei selbstständig, er sei arm oder reich.

Man fürchte commun stische Gelüste der Aermeren und des Mittelstandes, man fürchte gelinde Beurthei­lung der Eigenthumsverbrechen. Darauf erwiedere er: Sociale Verbesserungen, wie sie auch von der Mehr­zahl der Besitzenden zugestanden würden, verlange man allerdings, aber daran denke Niemand den Ideen des Communismus und Socialismus eine positive Gestal­tung zu geben.

Die Verbrechen gegen das Eigenthum wurden in der öffentlichen Meinung strenger als alle andern Ver­brechen beurtheilt. Als in Wien und Berlin das Volk sich erhoben, als dort die Minderbesitzenden die Ober­herrschaft gehabt, da hätten Arbeiter die Läden reicher Kaufleute bewacht, da hätten sie an die Thüren der Kapitalisten geschrieben:heilig sei das Eigenthum." Das seien keine Beweise commumstischer Gelüste. Der Redner schließt: wir wollen den Census, den unsere Revolution vernichtet hat, ein für alle mal aus der nassauischen Geschichte verbannen, wir wollen kein Recht «»sprechen, was wir dem größten Theil unserer Mit­menschen verweigern.

Wir wollen die Kluft zwischen Arm und reich nicht

noch größer nu^nt; wir wollen, wie Mittermaier sagt keine» Pöbel schaffen, bann haben wir keinen.

Er werde für den Fresenius',cheu Antrag stim­me-, wenn der Commissionsantrag kurchfallen sollte, nimm rmchr aber für Census."

LPC. Frankfurt, 14. März. Mit jedem Tage steigt jetzt die Slt'geögcwißheit der schwarzweißen Erb- kaiserpartei. Endlich reist der Ernote entgegen, wozu seit langer als einem halben Jahre der Boden bereitet und der Same ausgestecut wmve. Deshalb mußte die National-Versammluug um das Zerhauen und die Zu­neigung des Volkes gebracht, deshalb mußte der Volks­geist unterölurft werden, deshalb ließ man die Macht, ja ton Ueoermuth der Einzel: cgierungen sich befestigens bishalb gab man die deutsche Sache in Oesterreich den Kroaten Preis, deshalb unterstützte man in Berlin ben Absolutismus gegen die c institutionelle Freiheit, damit die Gesammtmo.mrchie Oesterreich sich vor Deutschland losreiße und das übrige Deutschland um so sicherer der Familie Hoheuzoll.ru in die Hände falle. Fiüher popu­läre Staatsmänner rühmen sich noch damit, daß sie diesen Plan schon seit Jahren verfolgt hätten. Liegt dann nicht in ihrem 'Benehmen vom vorigen Frühling eine Perfidie? Was bei diesem Siegestaumel am meisten empört, ist bie sichtliche Freude und der Jubel, womit man sich rühmt, vorauögefagt zu haben, daß Oester­reich in den neuen Bund nicht eintreten könne unv werde. Keine Trauer über eine bittere Nothwendig­keit, nein man betrachtet das Ausscheiden Oesterreichs als ein willkommenes Beförderungsmittel für sein n3 Zweck. Und dabei läßt man sich durch die Ober-Post« Amts-Zeitung die deutsch nationale Partei nennen

Welcker hat neulich die Frage aufgeworfen: Wenn dieRepublikaner" sagten, ohne republikanische Rkhi'- rungsform könne Deut chiaud nicht einig, mächtig und stark w.rdc», um aber Republik zu werden, bedürfe es der Hülfe Frankreichs, und um diese zu erhalten, müsse man daS linke Rhemuser an F ankreich abtreten, würde man dann nicht mit Recht sagen, das fern Lanoes- verrâther? Und wie müsse man nun diejenigen nennen, welche um einer R'giecungsform willen, um aus dem übrigen Deutschland ein Kaiserreich machen zu können, das ganze deutsche Oesterreich auS Deutschland hinaus stießen und an die Slaven abträten?

Und jetzt läßt sich derselbe Welcker durch Basscr- mann und Dusch bereden, ohne Rücksprache mit sein r Fraktion einen Antrag zu stellen, durch welche er den Erbkaiserlichen in bi. .Hände arbeitet.

Gestern Abend ist der Welcker'sche Antrag, die ganze Verfassung tu Lausch und Bogen anzuuehme» und dem König von Preußen die deutsche Kaiserkrone zu über­tragen, im Verfassungsausschuß zur Berathung nnd Ab­stimmung gekommen. Dr Antrag Lassa ul r's, be­züglich des Welckec'schen Antrags die Tageeiv^duung vorzuschlagen, ist veiwerfen worden, nur Schreiner, Wigard, Schüler und Römer sind dem Laffau'r'schen

Priester und Pfaffen.

Aus denSpaziergängen eines Wiener Poeten."

Stoß in's Horn, Herold des Krieges: Zu den Waffen, zu den ' Waffen,

Kampf und Krieg der argen Horde heuchlerischer dummer'Pfaffen! Aber Friede, Gvttesfriede, mit der frommen Priejterschaar, Frieden ihrem Scgensamte, Ehrfurcht ihrem Wcihaltar!

Priester sind's, die's bittre Sterben uns mit Wundertrost ver­süßen .

Pfaffen sind's, die's süße Leben bitter uns zn machen wissen; Priesterherz, o See voll Klarheit, der den Himmel spiegelnd hält,

Pfaffenseele, ekle Pfütze, füllend dich vom Koth der Welt!

Priester gleicht der treuen Dogge, die uns Haus und Hof be­schützte,

Pfaff ist Fuchs, der Nachts die Hühner aus dem Stall uns wegstibitzte;

Priester ist ein Markuslöwe, der das Evangelium wahrt, Pfaff ist eine Tiegerkatze, jener Gattung schlecht're Art.

Priester! hui, du kräft'ge Ceder, frei das Haupt zum Him­mel kehrend!

Pfaffe! pfui, du üppig Schlingkraut, frech von fremdem Marke zehrend!

Religion! der Priester huldigt weihevoll dem Götterweib! Doch der Pfaff umschlingt im Taumel einer Gassendirne Leib!

Einst von Gott erbaten Priester wohl die Sonne für die Erde, Daß der Tag, der schöne, Helle, schöner noch nnd Heller werde; Doch des Mond's, der Stern' Erlöschen flehten Pfaffen stets herbei, Daß die Nacht, die schwarze, finstre, schwärzer noch und finstrer sei!

Disteln wuchern auch in Oestreich, wie ein jedes Land sie brütet, Neben blühn und glühn in Oestreich, wie nicht jedes Laud sie bietet ;

Bombardirt mit Distelköpfen frisch die Pfaffen aus dem^Land! Nehmt ein Glas des besten Weines auf der Priester Wohl zur Hand!

Die Hafenschlinge.

(Aus demdeutschen Bauernbuch" von C. A. Schloenbach.)

(Fortsetzimg.)

Er hatte es gar nicht für möglich gehalten, daß der reiche, reiche Baron auch dies noch thun würde, wo der­selbe ihm schon so großes Uebel angethan ; aber es war doch mm so.

Jetzt verkaufte der Klaus sein Lamm ; ach l das ging ihm schwer von der Seele; er hatte es gekauft wie es beim Schulzen von der Schaaf-Mutter kam; wenn es noch etwas herangewachsen war, dann wollte er es ver­kaufen, sich für daS gelöste Geld ein Schweinchen kaufen und das sollte dann zu Christtag, wenn es fett war, ge­

schlachtet werden und ein ganzes Jahr lang der Familie das einzigste Fett und Fleisch liefern. Nun war diese ; Hoffnung hin. Das Thierchen wurde fortgebracht, cs ging dem Klaus wild durch's Gemüth als er von ihm Abschied nahm und ihm noch nachblöckte. Er hatte abcr nur 3 % Gulden dafür bekommen, cs fehlte nun noch eben so viel: da verkaufte er seine Walze (womit ba3 Feld befahren wird, um die Erdklvbeu zu verpnivm,) das einzige Ackergeräts) was sein Eigenthum war, beim alles Aube re wurde in den ersten paar Jahren der Wirth­schaft von den älteren Bauern geborgt.

Der Amtmann hatte durch den Schulze» erfahren, wie schlecht es mit dem Klaus stehe und gab darüber dem Domainen-Amt und dem Steuer-Einnehmer einen Wink: hui! wie rasch kamen nun der Rcuteioiener und Stcucrbvte, Zahlung der Pacht und Steuern ansctzend; d. h. nicht für den Klaus allein, für Alle im Dorfe. Früher hatte man damit gewöhnlich gewartet, bis die Früchte gedroschen und verkauft waren; aber jetzt kam man schon einen Tag nach Der eigentlich festgesetzten Frist. Da gab es nun Angst und Jammer im Dorfe ; denn Einige waren noch am Dreschen ; Andere (die Haasen hatteu ja zu furchtbar gewüthet) waren zwar schon fertig damit, hatten aber kaum so viel, daß sie davvu fürs Jahr hätten Brod backen können, und n.ch Andere hatten nicht einmal das, unb zu dicseu gehörte, wie wir wissen, der Klaus; doch alle Andere hatten noch dies und jenes zum Verkauf uub Milch und ein Lamm oder ein Schwein;