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„Freiheit und Recht!^
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Wiesbaden. Donnerstag, 13. März " - ———
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Herr Welcker hat gesprochen!
'"'Wiesbaden, den 13. März.
Mit viel Lärm und Getöse ist Herr Welcker loS- gep'atzt und durch seine Reden hat er den Reaktionären und den Männern der „Ruhe um jeden Preis" eine»^ schweren Stein vom Herzen ge- ommen.
Herr Welcker gewährt einen sehr traurigen Anblick und sein Auftreten erregt Mitleiden. Gerechten Zorn über unerhörten Wankelmuth, hellen Unwillen über taktlose Schwatzerei — vermag Welcker nicht mehr hervorzurufen.
Herr Welcker gilt bei allen Parteien nichts mehr: weder bei der deS Volkes, welcher er schon lange den Rücken gekehrt hat, und welche er durch seine Direktv- riumsprojekte nicht wieder versöhnen konnte, — noch bei der der Fürsten dien er, welche ihn ebenfalls für einen banqueruten Staatsmann erklärt hat, und trotz der neuen Liebkosungen der Oberpostamtszeitung ihn nie wieder als einen festen und bewußten Staatsmann Hin- nehmen wird.
Großer Welcker! In die Lärmstrompete hast du deiner Lebtage oft und vielgestoßen; aber von einem festen, prinzipmäßigen Handeln hat dein Vaterland^weiiig wahrnehmen können.
Bisher wollte Herr Welcker ein Direktorium, weil ohne dieß Deutschland getheilt werden müsse; und ohne Oestreich kein Deutschland möglich sei.
Seit der bekannten dem Berliner Cabinct zugesandten russischen Note, (deren Dasein übrige, s H. Gatz ern nicht kennt") — ist Herr Welcker plötzlich anders gesinnt: die Russen kommen, die Russen kommen, das Vaterland ist in Gefahr — deßhalb schafft schnell einen Kaiser; so wird in die große Trompete gestoßen. Herr Welcker muß bisher, ohne alle Ursache, ohne alles Bewußtsein, das Kaiserprojekt verworfen haben, sonst sollte er wissen, daß mehr als die Russen das Kaiserprojekt selbst das Vaterland in Gefahr bringen wird.
Unter einer allgemein ve' breiteten, riesenmäßig ge- steigetten Russen furcht suchen die Profeffoieu in feiner Weise ihren Kaiser in den lang ersehnten Hasen zu lootsen.
Wenn Herr Welcker einen solchen trostlosen Anblick gewährt, so bietet die Paulskirch-Gesellschast einen wo möglich noch kläglicheren dar. Wer bekümmert sich .^iioch um die Paulskirchler, welche die Souveränität des / Volkes sich haben nehmen lassen?
Herr Welcker ist in dem jammervollen Irrthum befangen, die Paulökirche könne noch Deutschlands Geschicke bestimmen.
Ebensowenig als Rußlard nach dem Frankfurter NedeübungSve'ein fragt, kehrt sich an ihn Oeff eich und Preußen, ja auch Preußen.
Die Fürsten bestimmen j ßt wieder allein in Deutschland die Verhältnisse: wollen die Frankfurter denn nie von dieser Thatsache Notiz nehmen?
(^ Idstein und der 4. März. Wie war es am Maiz 1849 in Idstein? Es war just als bestrebe sich die Idsteiner Bcamtenwelt und ihre Jünger, den 4. März zu vergessen und so zu sagen zu verduckeln; denn die Herrn spazierten aufs Land und suchten g- flisscntlich in einer Art von Neglige an diesem Tage zu erscheinen. Was sich in einem Jahre doch Alles andern kann! Der 4. März 1848, der alle Kuechts- seelen mit einem Schlage schien freisinnig gemacht zu haben, bot andere Bilder dar. Da sah man z. B. einen gewissen Angestellten um 12 Uhr des Raüts einem Eollegen um den Hals fallen unv Freuveuthrä- nen weinen, indeß er seliger Begeisterung voll auSrief: „Fieund, laß uns in dieser 'nächtlichen Stunde ins Gotteshaus ziehen und ein Dankgebet sprechen für die wiedergeborne Freiheit!" Der gute Mann, der! Am 4. März 1849 war das Alles vergessen. Da nahm
Wenn es der Herr Welcker befiehlt, so wird gewiß der Berliner sofort mit seinem Petersburger Schwager schmollen.
O Täuschung über Täuschung!
Wenn nicht alle Anzeigen trügen, so ist jetzt Preußen mit Oestreich ganz einig, und beide wol auch mit Rußland — und die Vereinigung der Regierungen dieser drei Staaten, das heißt: die heilige Allianz, hat deßhalb j tzt, wie stets, staktgefunden, um allüberall die Freiheit in Europa zu unterdrücken.
O anms Deutschland, wenn ein Welcker der Arzt sein sollte, welcher dich von den schmerzlichen G burts- wehen befreien und dich zu einem neuen Leben hinüber- führen sollte. Als Wien geschändet wurde, als die Ero- aten Deutschland in Oestreich angriffen: damals war das Vaterland in Gefahr!! Aber weil damals das Kaiser- p:oßkt noch nicht fertig, durften die Slaven ungestraft Wien in Fesseln legen. Wo war zu jener Zeit die Läuntrommel des Herrn Welcker?
Die Wiener haben im Oktober eine Revolution versucht, weil sie deutsch und nur deutsch sein wollten: aber den Kaiserlingen war die deutsche Gesinnung von Oeffeich ein Hinderniß für ihre Pläne, und deßhalb gaben sie Wien auf, und deßhalb halfen sie dem Vaterland nicht aus der Gefahr, in welcher es stand.
Jetzt, nachdem Deutsch-Oestreich in Banden und Ketten liegt, ruft Welcker: „Das Vaterland ist in Gefahr!"
Nein, nein, ihr Frankfurter Paulskirchler, das Vaterland ist nicht mehr in Gefahr, es steht schon tief in namenlosem Elend drin, und ihr werdet es nimmer aus diesem Elende erretten, und auch nicht mit eurem Kaiserplan, welcher nur geeignet ist, das „deutsche Elend" noch weiter in die Länge zu ziehen.
kein Beamrer, kein Geistlicher, kein Lehrer des Seminars, überhaupt keiner, der im Dienst und Brod deS Volkes steht, an der Feier Theil, welche der Vorsteher des Idsteiner Bürger Vereins, Herr Candidat Schäfer im Waguer'schen Saal veranstaltet hatte; nur den volkefieundlichen und volköbelicbten Hr. Dr. Frick- Höser sah man dasUbst.
Vom Lande aber zogen gegen 4 Uhr zahlreiche Mit- gliedee der demokratischen Vereine zu Bermbach, Heftrich, Stkinfischbach und Ejch, mit ihren Präsident n H°rr Pfarrer Hofeld zu Esch, Herr Pfarrer Reber zu Stemfischbach und Herr Lehrer D e in m e r zu Berm- bach an der Spitze, der Stadt zu.
Die Versammlung war zahlreich; die Feier würdig und ernst; kräftige und freisinnige Reden über die Bedeutung des Tags u. s. w. wurden gehalten von Hr. Eaudidaten Schäfer, Hr. Pfarrer Höfe Id, Hr. Pfarrer Reber, Hr. S e i b e r t p, Hr. Roth und Andern ; vaterländische Gesänge und paffende Tonstück , vorgetragen vom Idsteiner Gesangverein und der Bür- gerwehrmustk, füllten die Zwischenzeit.
Befriedigt und gehoben durch die Feier trennte man sich um 7 Uhr, nachdem man noch folgende Beschlüsse gefaßt hatte:
1) neben den wöchentlichen Versammlungen in den einzelnen Vereinen, alle zw i Monate eine gemeinsame Zusammenkunft in Esch abzuhalten;
4.
Die Feier des NevoluLiorrstages der Nassauer im Lande.
2) demnächst, wann die Witterung es gestaltet (etwa im Juni ober Juli), eine große Volksversammlung an einem ziemlich gleich weit von Idstein, Weilburg und Usingen gelegenen Orte zu veranstalten und dazu Glieder des Parlaments zu Frankfurt und der Depatictenversammlung zu Wiesbaden (nur von der Linken, versteht sich am Rand) einzuladen.
J Walsdorf, den 5. März. Am verflossenen Sonntag haben sich der hiesige Gesang- und Bürgerverein zu einer gemeinschaftlichen Gedächtnißfeier der vorjährigen Revolution vereinigt. Dieselbe mag an andern Olten, denen mehr Hülfsmittel, insbesondere mehr active Kräfte zu Gebot stehen, glänzender begangen worden jein, — würviger wol nicht.
Der Saal, wo: in bas Fest stattfand war nicht de- corirt mit Den Fahnen der revolutionären Böker und der rothen, als Zeichen der Revolution. Die R k- ner sprachen nicht, wie-in Homburg von einer Barrikade, das Ganze war vielmehr einfach; aber die Versammlung bewies, baß sie den Geist selbst gefaßt, drn jene Symbole darstellen sollen; ihre Haltung bezeugte, daß sie die ernste Bedeutung des Festes zu windigen wußte. Sie verrieth ebenso sehr den wehmüthigen Ernst über die bis jetzt mißglückten Freiheitsbestrrbungen, als den ermuthigenden und begeisternden Glauben an den nimmer stillstehenden Fortschritt der Menschheit und die darin begründete feste Hoffnung auf große und glücklichere Ereignisse, welche die Zukunft uns bringen muß.
Die Hasenschlinge.
(AuS dem „deutschen Bauernbuch" von C. A. Schlvenbach.)
(Fortsetzung.)
Der Herr Graf hielt sich den Bauch vor Lachen, rief sein Thier heran, streichelte und kl.pfte es, weil es so pfiffig gewesen wäre und warf dann dem, vor Schmerz heulenden, Jungen gnädigst eine andere Wurst zu. Niemand war da, der ihm seinen eigenen Hirschfänger durch den Leib gerannt hätte; die Vornehmen lachten, die Bauern nannten den Grafen einen sehr „hcrabmülhcu" Herrn. Eeiue solche viehische Entsittlichung von beiden Theilen ist kaum glaublich und doch ist die Geschichte im Jahre 1840 nach Christi Geburt passirt. Kehren wir nun zu unserer Geschichte zurück.
In einer der erwähnten Haasen-Gegenden lag nun namentlich unser Dorf und in diesem Dorfe war es besonders der Klaus, der am schlimmsten dabei wegkam. Er war der jüngste der verheirateten Bauern; seine Wirthschaft die jüngste; das letzte Stück Land was noch zu pachten war, hatte er gepachtet und das lag am nächsten bei dem großen Waldgebüsch mit den vielen Haasen, darum wollte cs auch bis jetzt Niemand pachten. Nun hatte er cs zwar, wie alle Banern ihre F.lrcr, umhegt, aber waren die anderen Hegen schon schlecht, weil die Bauern bei schwerer Strafe kein junges Gedörn oder sonst wachsbares Gehölz aus dem Wald holen durften,
so war das seine am allcrschlcchtcsten, weil es noch gar zu jung war; nun konnten die Haasen hindurch und hni- nüber kommen und das machten sie sich auch weidlich zu Nuyen und fraßen die junge Saat nach Herzenslust, trotz der alten Schuhe und Hüte und ancmanbcr gebundenen Glasscherben. Dies war „die ^ach" die der Klaus nun dem Amtmanun vortragen wollte; theils für Alle, theils für sich insbesondere.
Der Amtmann sollte bei der Regierung auswirken: daß auch der Haasen-Schaden ersetzt würde; oder wenn das durchaus nicht ging: daß sämmtliche, die Waldungen begrenzenden Felder, von den ^orstaus, ehern ganz dicht und nöthig hoch umhegt, oder wenigstens den Bauern die dazu nöthigen Gehölze aus herrschaftlichen Waldungen geliefert würden, dann wollten sie selbst das Gehege machen. „Die Sach" war schon einmal an die Regierung gebracht; die hatte sie aber an den früheren Amtmann verwiesen und bei dem war sie ruhig liegen geblieben.
Nun war jetzt grade wieder ein großer Schaden an der Sommerfrucht und die eben in die Höh gekommene Winterfrucht zeiate auch erst recht deutlich, wie die Haasen früher Darin gewirthschaftet hatten: da setzte man nun die Hoffnung auf den neuen Amtmann, wie wir ja stets von Neuen das Bessere hoffen; auch von neuen Königen Ach Gott! — ...
Der KlauS hatte eben noch einmal die vorgenommene Rede im stillen durchgcvacht, Da sah er Den Amtmann mit Pastor unv Schulzen Die Straße herunterkommen
und nach seinem Wagen zugehen, der am rothangestrichenen Gemeinde-Backhaus stand. Nun war keine Zeit zu verlieren : Der Klaus ging rasch hinaus, die llcbrigcn folgten und Alle standen schon mit den Mützen in der Hand vor dem schönen Wagen des Amtmanns, als Dieser Hcran- fam; herankam mit dem süßen, feinen Lächeln auf den dünnen Lippen. Wer dieses Lächeln recht betrachtete, der verstand gleich was das heißen sollte: „Wann der lacht dann kitzelt ihn der Teufel:" es war ein Lächeln das Einen erschrecken oder zornig machen konnte. Mit diesem Lächeln hatte er Hungrige und Elende aus feinem Zimmer und vom Fenster aus von seiner Thüre gewiesen; mit diesem Lächeln hatte er Stockprügel, Gefängniß, Auspfändung, Zuchthaus angekündigt, und mit Unterschrift bestätigt; mit diesem Lächeln hatte er seine Stimme zu Todes-Urtheilen gegeben; Dieses Lächeln war am süßesten und feinsten, wenn er das Schlimmste gethan oder vor hatte. Mit tiefem Lackeln dankte er auch jetzt dem Willkommskruß der Bauern; hörte damit die Rede und Bitte des Klaus an und fragte dann damit: „Ihr seid wohl der Klaus?" „Zu Dienen ja, Herr Amtmann!" „Ihr sollt ein sehr vorlauter, unruhiger Mensch sein, lieber Klaus, wie mir Die verehrte Freu Gemahlin unseres würdigen Herrn Pfarrers gesagt hat; Ihr sollt überhaupt Alle nicht mehr den gehörigen Respect vor Der von Gott angesessen Obrigkeit haben, es ist wol Zeit etwas dagegen zu thun meine lieben Bauern; von Eurer Bitte kann gar nicht Die Rede sein und nun seid