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J£62.

Wiesbaden. Mittwoch, 14. März

Freiheit und Recht!"

1849.

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der AbonnementSpreiS beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 ff. 45 fr auswärm durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Berbreitung derFreien Zeitung" stets von ivirffamcm Erfolge. Die ZnserationSgebühren betragen für die vierspalttge Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer. '

Die Thronrede»» des Königs von ^prenßen.

(Nach der Trier'schen Zeitung.)

Die Majestät von Preußen hat nun schon viermal Gelegenheit gehabt, eine Thronrede zu halten, resp, halten zu lassen: am 11. April 1847 bei der Eröffnung des ersten vereinigten Landtags, am 2. April 1848, als Herr Camphausen den zweiten vereinigten Landtag im allerhöchst» n Auftrag eröffnete, am 22. Mai beim Zusammentritt der Nationalversammlung und endlich am 26. Februar 1849, als sich die Mitglieder der beiden Kammernum den Thron schaarten." Alle vier Reden fanden im weißen Saale des königl. Schlosses zu Ber­lin statt. Wenn Geschichte das Fortschreiten der Men­schen von Stufe zu Stufe der Bildung heißt, wenn Geschichte namentlich das Protokoll über den Wechsel der menschlichen Dinge bedeutet, so ist der Thronseffel im weißen Saale wahrhaft historisch zu nennen, denn kein Thron der Erde hat noch so verschiedene Ansichten undxpolitische Glaubensbekenntnisse gehört.

Am 11. April 1847 hieß es:Durchlauchtige, Edle Fürsten, Grafen und Herren, Liebe Getreue Stände von Ritterschaft, Städten und Landgemeinden." Am 20. Mai 1848:Meine Herren Abgeordneten," und am 26. Februar 1849:Meine Herren Abgeordneten der ersten und zweiten Kammer." Vom Mittelalter zur Revolution in den constitutionellen Staat hinein ging also der Weg eines und dess» lben Monarchen. Von der Gliederung in Stände zur Aufhebung aller Stand- schaft und von da zur neuen Gliederung in zwei Ver­mögensclassen. -

Am 11. April war die streng ausgesprochene, ja herausfordernde Ansicht der Krone, in Bezug auf das Repräsentativsystem folgende:Ich bin unversöhnlicher Feind jeder Willkührlistkeit und mußte es vor Allem dem Gedanken sein, eine ständische Versammlung künst­lich- willkührlich zusammen zu setzen."Finden andere Länder auf anderem Wege, auf dem Wege gemachter und gegebener (!) Constitutionen, ihr Glück, so müssen und wollen wir ihr Glück auf­richtig und brüderlich mit ihnen preis n. Preußen aber, meine Herren, kann diese Zustände nicht ertragen.. .. Dieses Landes Geschicke können, soll es nicht augen­blicklich von seiner Höhe fallen, nur von einem Willen geleitet werden."Es drängt mich zu der feierlichen Erklärung, daß es keiner Macht der Erde je gelingen soll, Mich zu bewegen, das natürliche, geiade bei uns durch seine innere Wahrheit so mächtig machende Ver­hältniß zwischen Fürst und Volk in ein conventionelles constitutione!les zu wandeln, und daß Ich es nun und nimmermehr zugeben werde, daß sich zwischen un­sern Herrn Gott und dieses Land ein deschiiebenes Blatt, gleichsam als eine zweite Vorsehung eindränge, um uns mit sein»n Paragraphen zu regieren, und durch sie die alte heilige Treue zu e-s-tzen."Mein Volk will nicht das Mitregieren von Repräsentanten, die

Schmähung der Hoheit, die Theilung der Souveräni­tät, das Brechen der Vollgewalt seiner Könige.".... Ihr (der Stände) Beruf ist nicht Meinungen zu repräsen- tiren ... denn es führt nothwendig zu unablösbaren Ver­wicklungen mit der Krone, welche nach dem Gesetze Gottes und des Landes lind nach eigener freier Bestimmung herrschen soll, aber nicht nach dem Willen von Ma­joritäten regieren kann und darf, wenn Preußen nicht bald ein leerer Klang in Europa sein soll!"Ich gebe Ihnen hier Mein königl. Wort, daß ich sie nicht hierher be­rufen haben würde, wenn ich den geringsten Zweifel hegte, daß sie ihren Berufanders deuten wollten, und ein Gelüst hätten nach der Rolle sogenanter Volksrepräsen- tanten." Das war am 11. April 1847.

Am 2. Ap'il 1848, noch nicht ein Jahr nachher, erklärte der Minister Camphausen vor demselben ver­einigten Landtage:Se. Maj. der König haben eine wahre constitutior.elle Verfassung verheißen." Als Ent­schuldigung für den urplötzlichen Wechsel der Stimmnng in den höheren und höchsten Regionen sagte er:Nie­mand wir läugnen wollen, daß in bestimmter Zeit wohl­thätig und unentbehrlich werden kann, was in anderer Zeit gewissenhafter Ueberzeugung nicht ratsam erschei, nen mochte."

Am 22. Mai desselben Jahres eine förmliche, hohle, ächt konstitutionelle Thron ede, die sich von der des 26. Febiuar 1849 nur durch Kürze unterschied. Auöge- sioßen sind in beiden Thronreden alle Zeugen mensch­licher Persönlichkeit, es sprechen durch den Mund des Königs ganz fremde Menschen, Minister, Männer des Geschäfts, der Vorsicht und Rüchsicht. Anstatt des Einen Monarchen reden jetzt ausder Tiefe des Her­zens," ausder Fülle des Herzens" dieselbenReprä­sentanten des Volkes," welche Meinungen," sogar Principienrepräsentiren," die darauf aus sind, das Verhältniß zwischen Fürst und Volk zu einem ganz konventionellen, ganz constitutionellen zu machen, die sehrkünstlich und willkührlich" zusammengesetzt sind, und wo dieDurchlaucht" nicht mehr ist als der Bauer, derGraf" nicht mehr ist als der städtische Bürger, ein Kopf, eine Stimme, ein Abgeordneter.

Der Wandel ist groß; wie aber aller Fortschritt zunächst mit einem theilweisen Rückschritt verbunden ist, weil das Alte in irgend einer Ritze, in irgend einer Fuge sich um so hartnäckiger festsetzt, je entschiedener eS überall sonst veitrieben wird: so hat auch die Verfassung vom 3. April noch zur Stunde Einen großen Vorzug vor der am 6. December. Steuern Höhungen ohne die Zustimmung der Stände war zu Zeiten des vereinigten Landtags ein Ding der Unmögichkeit und die absolute Krone war von diesem einzigen, aber wicht gen Rechte des Volkes so durchdrungen, daß sie es sogar ausdrück­lich in ihren Erguß vom 1L April aufnahmVon dieser Zeit an aber weiß Jedermann im Lande, daß Ich, mit alleiniger, nothwendig .gebotener Ausnahme der Kriegsdrangsale, keine Staatsanleihe abschließen,

keine Steuer erhöhen, k ine neue Steuer aussen werde, ohne die freie Zustimmung Aller Stände."

In der octroyirten Verfassung heißt es erstens, daß die bestehenden Steuern sorterhoben werden, und zwei­tens, Art. 105, daß d e Minister in Abwesinheit der Kammern Verordnungen mit Gesetzkraft erlassen können. Insofern hatte also die Krone Recht, daß das Stück Papier im gewöhnlichen Sinne des Worts dem Volk nichts hilft. Alle Verfassungen ^er Erde dienen zu nichts, wenn sie nicht der Ausdruck einer guten Ver­waltung und Gesetzgebung sind. Aufgabe der dies­maligen Volksvertretung ist es daher vor allen Dingen, jenes alte, gute, damals bereits feierlich zugestaudene Recht auf das neue Blatt Papier zu setzen, und sodann in der Wirklichkeit anszuüb.n.

Antwort ans die Correspondenz vom Elb- bache in No. 44 der Nass. Allg Zeitung.

hr Von der Lahn, 23. Febr. Als Einleitung zu einer Erwiderung auf die Correspondenz vom Elb- bache im Sprechsaale der No. 44 der Nassauischen Allg. Zeitung diene vorerst, daß eine Gtfahr, dasKind mit dem Bade auszuschütten", für den Verfasser des Ar­tikels in No. 28 der Freien Zeitung über Organisation des Medizinalwesens nicht eristirt, da er und Gesinnungs­genossen sich vor dieser Katastrophe nicht im mindesten fürchten, sie im Gegentheile hrrbeizufüyren suchen wer­den. Welchergroße Unterschied zwischen dem Prin­zipe der Verwaltung rein subjektives und dem der Medizinalverordnung selbst" bestehen solle, begreifen wir nicht; auch erhält dies in den nachfolgenden Zeilen, daß das Prinzip noch dasselbe sei, wie vor 30 Jahren, daß es nur nicht zeitgemäß abgeändert worden durch den starren Abso utiSmus, der geherrscht, indem man nach oftgenannter Manier stets von oben herab das Beste gewußt und diktirt und die Regungen der jün­geren Heildienerklassen m t Verachtung und Hohn be­straft", keine Erklärung; wohl aber finden die Epitheta, welche wir unserer alten Medizinalordnung in No. 28 di ser Zeitung beilegten, auch von dieser Seite Aner­kennung und Begründung, sodaß eS der mloen Rück­sicht, sie einem jugendlichen Elemente zu Gute halten zu wollen, wohl nicht bedarf. Auf unseren Ausspruch, da wir da keine Palliativkuren wollten, wo eine Ridikal- fur möglich und nützlich sei, paßt die Eewiverung, daß Palliativkuren meist weniger schadeten, als ungestümme Radikalkuren, natürlich gar nicht; und bemerke i wie noch, daß wir nicht danach streben, wenig zu schaden, sondern etwas zu nützen.

Wir werden den Correspondenten von der Elbe unten zu überzeugen suchen, daß wir mit den Reformschriften von Preußen, Bayern, Sachsen, Hessen u. s. w. durch­aus bekannt sind, daß wir aber den angeführten Sehn­suchtshauch nach unserer Medizinalverfassuna, mit wcui-

Die Hasensehlirrge.

[ (AuS demdeutschen Bauernbuch" von C. A. Schloenbach.)

(Fortsetzung.)

Der Schullehrer im Dorfe meinte darum einmal: Die hohen Herren haben so ihre Passionen; der hält sich Tänzerinnen, d e r macht Gedichte, jener baut Klöster und hegt Jesuiten, dieser hält Neben und macht Orden u. s. w. jenach Lem die Leibesbeschaffenheit eines Jeden ist; ja, lieber Gott! etwas müssen doch auch die Herren zu thun haben; wenn es nur nicht meist auf Kosten des gesunden Menschenverstandes oder Bürger-Rechtes oder (was Len Leuten leider am schlimmsten däucht, weil es am nächsten steht) des Volkes Geldbeutel geschah."

Das Letztere war bei dem Wild-Gehege besonders der Fall (wenigstens dachten dabei die Wenigsten noch an etwas Anderes;) wenn auch nicht direct, so doch in- direct; denn was das gehegte Wild fraß, war doch eigent­lich für die Bauern baares Geld (abgerechnet den Ver­lust der Freude, so ein Bauer an einem recht vollen Ge­treidefeld, als Belohnung seiner sauren Arbeit hat;) und sie bekamen bloß erseht was die Hirsche und Rehe ab­fraßen und zwar sehr schlecht, wobei sie noch obendrein der Partheilichkeit und Laune des taxirenden Försters anheimgestellt wurden; dann dauerte es auch immer noch eine lange Zeit, ehe das taxirte Schadgeld von zwei Dutzend Händen berechnet, revivirt und wer weiß was

noch angewiesen wurde und zuletzt mußten die Bauern es auch selbst vom Amte holen, natürlich nur an einem Werkeltage, da ging daun noch ein ganzer Tag verloren und so ein bestimmter Tag war ihnen oft sehr kostbar, je nachdem Witterung und nöthige Arbeit sich anließen. Was die Haasen absraßen wurde gar nicht ersetzt; und da cs Gegenden gab wo fast nur Haasen, aber in un­geheuerer Menge waren, so kam darin die allerhöchste Passion des Landesvaters dem Volke am theuersten zu stehn; und wehe dem, der einem Haasen beim Verjagen nur ein Bein entzwei warf, und wehe dem! der bei einem Iretbjagen sich nicht unentgeltlich zum Treiben stellte, wenn es einigen hohen Herren beliebte, die werthgehaltenen Haasen gütigst niederzuschießen. Das war denn auch immer prächtig anzuschauen, wenn die vornehmen Herren in Pelz verbrämten Röcken, mit weichen, warmen Hand­schuhen, durch und durch wattirt, da standen und die Canaillen von Bauern, in zerrissenen Schuhen, oft ohne Strümpfe, in den dünnen blauen Kitteln, durch Schnee und Dreck, Gebüsch und Dorn, von den Förstern selbst wie Haasen gejagt, daher kcnchten, und die, von den Früchten ihres Schweißes wohlgenährten Thiere zum Schuß jagten, mit erstarrten Händen die Klapper schwingend. Und je mehr vor den Schuß kamen und je wohlgenährter, sie waren, desto mehr schmunzelten die vornehmen Herren, desto mehr lobten sie die Förster und hatten sie genugder edlen Waivmanns-Kunst gepflegt," dann lagerten sie sich auf dicken, weichen Decken und

Polstern, aßen die besten, kalten Gerichte und tranken dazu die herrlichsten Weine; auch die Hunde wurden sorglich gepflegt und hinten standen die gehezten, mü­den durchfrorncn, hungrigen Sauern , bloßbauptig und sehnsüchtig nach dem delicaten Futter der Hunde schauend. Manchmal fiel es einem besonders gütigen Herrn auch ein, seinem Hund einen Fleischknochen oder eine Wurst oder ein Butterbrod noch aus den» Rachen 311 reißen und einem Bauer zuzuwerfen, der besonders nah stand; das fuhr dem nun zwar manchmal ins Gesicht oder da und dort in den Schnee; aber das schadete nichts; der Bauer hob's freudig auf, bedankte sich viel tai.sendmal und steckte es in die Hosentasche, um es seiner Fran oder den Kin­dern mitznbringen. Einmal war dergleichen noch lustiger ausgefallen: da nahm ein lustiger Graf eine dicke Wurst, rief dann seinen Hund und einen 16jährigen Bauernjungen und ließ Beide zugleich nach der Wurst springen; indem er sie in die Höhe hielt: da schnappte der Jnngc die Wurst, aber der gräfliche Hund wußte wol, wie man mit solchem Bauern-Gcsindcl umgeht: er biß sogleich dem Jungen in die Hand, daß der schreiend und blutend die Wurst fallen ließ, die nun von dem klugen Hund auf- gefangen wurde.

(Fvrtfttzlnig folgt.)