„Freiheit und Recht!"
^U AN. Wiesbaden. Samstag, 1«. März • 1849.
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Die Feier des Revolutionstages der Nassauer im Lande.
I, L. Schwalbach, 5. März. Wohl an keinem Orte im Herzogthum ist der gestrige Tag schöner und wür. diger begangen worden, als gerade hier, in dem von gewisser Seite als Heerd der Anarchie verschrieenen Schwalbach. Der Jahrestag unserer Revolution wurde mit Glockengeläute von allen Thürmen mit Böllerschüssen und musikalischer Reveille der hiesigen Bürgerwehr begrüßt. AIs Kern und Mittelpunkt des Festes hatte das Comite eine Volksversammlung anberaumt und hierzu Einladungen in weitem Kreise ergehen lassen. Gegen Mittag verkündeten Böllerschüsse die Ankunft der als Redner geladenen Gäste. Dieselben wurden von dem Fest-Comite freundlich willkommen geheißen. Die Stadt war bereits mit Besuch aus nah und fern überfüllt. Um 1 Uhr setzten sich die Theilnehmer an dem Feste in geordnetem Zuge, die Fahne vorauf, von dem Rathhause aus in Bewegung nach dem freien Platz vor dem Badhause, dem gegenüber eine äußerst geschmackvolle und großartige Rednerbühne aufgeschlagen war.
Nach Eröffnung der Versammlung durch das Comite hob der zum Vorsitzenden ernannte Abgeordnete Lang in einem einleitenden Vortrag die Berechtigung und Bedeutung des Festes hervor. Er bezeichnete dasselbe als Fest der Abrechnung und der Zukunft. Nach ihm stellte der Reichötagsabgeordnete Schulz aus Weilburg seine mit ihm gekommenen Freunde und Col- legen, nämlich die Abgeordneten Goltz aus Schlesien, Giskra aus Oestreich und Zimmerman von Stuttgart, vor, und knüpfte an den Namen eines Jeden und seine Heimath sinnige Betrachtungen.
Goltz hob den Werth und die hohe Bedeutung der Grundrechte und des in erster Lesung aufgenommenen Wahlgesetzes hervor und forderte zum tüchtigen Gebrauch auf.
Zimmermann e- mahnte zum Beharren und zur Ausdauer, indem er auf die tausendjährige Untugend der Deutschen aufmerksam machte, daß sie sich wohl einmal aufrafften, aber auch bald wieder ermüdeten. Dem deutschen Volk fehle der feste Glaube.
Giskra verglich in sinnreicher Weise das deutsche Versaffungswerk mit den deutschen Domen. Beide seien nicht ausgebaut, weil, wie der fromme Glaube sage, der Teufel mit dem Baumeister einen Bund geschlossen habe. Das Volk werde diesen Bund sprengen. Seine Darstellung der Idee eines deutschen Kaisertums mit Ausschluß von Oestreich erregte fast Rührung.
Nachdem noch Dr. Meyer dazu aufg^fordert hatte, sich der politischen Gefangenen u d Flüchtlige anzunehmen, wurde die Versammlung von dem Vorsitzenden geschlossen.
Die Versammlung war mehr als 5000 Köpfe stark. Trotzdem endete das Fest in der vollkomm.nsten Ord-
W Johann Adam v. Jtzstein.
Gleich einer Eiche stehst Du schon seit Jahren, Trotz Zeitensturm und Wettern nicht verwittert Wie Viele hat Dein Brausen schon erzittert Die deines heil'gen Zornes Kraft erfahren.
Mit Ehren trägst Du in den Silberhaaren Die Bürgerkrone, die niemals geflittert, Wie jene goldnen, vom Verrath umgittert, Sie prangte stets in Freiheitsglanz, dem wahren.
Am Lebensabend strahlt dir noch ein Schimmer Vom Himmelslicht der Freiheit; doch vergebens Hast, Treuer, du gehofft es war nur Flimmer.
Von früheren Genosseu deines Strebens Ward sie jetzt unterdrückt — vielleicht auf immer Zerstört das Riesenbauwerk deines Lebens.
j e* Blätter aus meinem Tagebuch.
Auf dem Meere bei Civita vecchia, Q den 30. März 1848.
IV.
(Schluß.)
Aus der Zuhörerzahl erhoben sich mehrere Stimmen , die riefen, Cicero vacchio müsse in Rom
nung und Eintracht; kein Mißton störte dasselbe; ein Zeichen, wie wohl das Volk seine Pflichten kennt, wenn es sich selbst überlassen ist. Der tiefe.Eindruck, den die Reden auf Alle gemacht hatten, gab sich kund in dein herzlichen Abschied, der unseren Gästen zu Theil wurde. Die Demokratie hat durch diese Volksversammlung ein neues Feld, ich möchte eher sagen, bebaut, als erst gewonnen. Es wird seine Früchte tragen.
ff Diez, 5. März. So wäre denn der gefürchtete 4. März glücklich vorübergangen: der Tag, auf welchen so ungeheure Zurüstungen gemacht worden waren, daß man glaubte, unser kleines Städtchen sollte zur Abwechslung auch einmal in Belagerungszustand erklärt werden. Die Wachen waren verdoppelt, fchaife Patronen ausgetheilt, und die Gewehre der in den umliegenden Ortschaften einquartirten Soldaten hier zurück behalten und in der Kaserne aufgestellt worden, und es würde uns gar nicht gewundert haben, „wenn" — wie ein Redner in der Nachmittags abgehaltenen Volksversammlung sehr spöttisch bemerkte — „der Bürgermeister auch noch die Nachtwächter verdoppelt hätte. Mit der giößten Sorgfalt wurden die Gewehre geprüft, ob sie ja keinen Fehler hatten, geheime Berichte wurden eingereicht, wie der Geest des Militärs sei, und alles ließ vermuthen, daß man etwas außerordentliches erwarte, und siehe da, als der Nachmittag kam, was geschah? — da gings los? — Gott bewahre! Da wurde eine ganz friedliche Volksversammlung abgehalten, die von dem schönsten Wetter begünstigt wurde, und die Demokraten schauten dem lächerlichen Treiben der von panischem Schreck ergriffene Heio-Partei mit der größten Ruhe rrnd Gemüthlichkeit zu, und ergötzten sich an ihren ohnmächtigen Bemühungen. Des Abends war eine gesellige Zusammenkunft in dem Lokal des demokratischen Vereins, die sehr zahlreich besucht war, wo mitunter herrliche, ergreifende Worte gesprochen wurden. Was der Versammlung noch eine höhere Weihe gab, das war die Anwesenheit unsrer Frauen und Jungfrauen, die sich sehr zahlreich eingefunden hatten, ^unb deren eine sogar aus einen ihnen angebrachten Toast in einer kleinen Rede im Namen der anwesenden Damen ihren Dank aussprach. Außer einem großen mächtigen illuminirten 4ter war von Beleuchtung in der Stadt nichts zu sehen, und dadurch unsern Lichtscheuen Gelegenheit gegeben, auf der Straße ein wenig lustwandeln und auf den umsonst ausgestanbenen Schreck ein Paar Schlafmützen voll frische Luft schöpfen zu können.
So verlief denn dieser Tag zum größten Aerger der Feinde der Freih.it, die gar zu gerne gesehen hätten, wenn die öffentliche Ruhe und Sicherheit gestört worden wäre, ganz ruhig, und wenn der Mißgriff nicht gemacht worden wäre, daß die Bürgerwehr an diesem Tage zu Hause blieb, dann hätte man den Tag, wenn glicht festlich, doch vergnügt neunen können.
„Aber für die Zukunft merktS Euch, Ihr Herrn
bleiben und die Achtung vor dem Gesetz erhalten helfen. Da die Gesammtheit den Ruf wiederholte, kam er wieder hervor und sprach, sein heißester Wunsch sei gewesen, mit den tapferen Brüdern vereint, sein Blut zu vergießen für daS theure Italien, doch da das Volk Anderes verlange, werde er gehorchen, aber damit die Welt sehe, wie ihm Nichts zu werthvoll sei, wenn es sich um das Wohl des Vaterlandes handle, so wolle er statt seiner sein kostbares Gut, den geliebten Sohn in den Kampf schicken. So redete er und führte unter dem Beifallrufe der Menge einen zarten Knaben von etwa fünfzehn Jahren auf die Tribüne.
Während man nun in dieser Weise beständig mahnte und anfeuerte, umstanden die, welche sich zu streiten entschlossen hatten, um Tische herum, schrieben ihre Namen ein und empfingen die Waffen.
Ein erhebendes Schauspiel, wenn das Volk seine Ketten zu brechen beginnt, so ergreifend, daß man glauben sollte, selbst daS kälteste Herz, das nur ein Atom von jenem edlen Kern besitzt, der uns den Namen „Mensch" verschafft, würde wärmer schlagen, und doch stand ein Individuum zu meiner Seite, das so infam war, die ganze Scene in die niedere Sphäre deS Spottes zu ziehen.
Mein Inneres hatte dieses Treiben gewaltig erschüttert und zu ernstem Nachsinnen gebracht. Deutschland schwebte mir vor, cs könnte möglich werden, dachte ich, daß die schwachen Zuckungen, die schon erfolgt, sich
Reaktionäre", um mit dem oben erwähnten Redner zu sprechen, „und spart Eure Zurüstungen, denn die De. mokraten sind viel zu klug, um so dumme Streiche zu begehen, wie Ihr. gehofft haltet."
Ph Niederlahnstein, 5. März. Auch hier, wie wohl in den meisten Orten unseres engen Vaterlandes ist gestern der Tag unserer vorjährigen Erhebung gefeiert worden, die, wenn sie auch bei Betrachtung der wenigen Errungenschaften, welche uns durch dieselbe geworden sind, nicht gerade geeignet ist frohe Erinnerungen in uns zu erwlcken, dann doch gezeigt hat, daß das Volk,, wenn es zusamme. halt, Alles vermag, und uns in dieser Beziehung wenigstens einen Trost für die Zukunft gewahrt, besonders wenn wir die theure Lehre benützen, daß, wenn man etwas will, man es auch ganz wollen muß nah nicht auf halbem Wege stehen bleiben darf.
Mit Böllerschüssen des Morgens frühe wurde die Feierlichkeit begonnen, und nachdem viele Gaste aus dem benachbarten Koblenz, Ehrenbreilstein rc. sich eingefunden halten, setzte sich Nachmittags um 4 Uhr der Zug der Mitglieder des hiesigen demokratischen V reines, verstärkt durch eine Anzahl Koblenzer Turner und die vielen andern Fremden unter Musikbegleitung und Vorantragung der deutschen Fahne nach einer am Rheine liegenden Wiese in Bewegung, wo eine Rednerbühne errichtet war. Hier wechselten nun Gesänge und Musik mit gehaltvollen Reden, welche auf die ernste Bedeutung der Feier hinwiesen und zur Einigkeit und Verbrüderung aller Demokraten ermahnten, damit wir einst, wenn es Zeit ist, unserm mächtigen Feinde entgegen zu treten im Stande seyen. Beim Einbruch der Dunkelheit be. gab sich die Versammlung in das geschmückte Sitzungs. lokals des demokratischen Vereins, und setzte da unter Vorträgen, scherzhaften und ernsten Inhaltes und Gesängen die Unterhaltung fort. Erst spät trennte man sich mit dem Wunsche, daß ähnliche Feste recht oft w.e- derkehren möchten; das begangene wurde vom herrlichsten Frühlingswetter begünstigt, und durch keinen Erceß getrübt.
Von welchem Geiste die Gesellschaft beseelt war, beweist, daß für die unglücklichen in den Gefängnissen zu Bruchsal und Rastatt schmachtenden Republikaner Struve nebst Frau und Genossen eine Sammlung veranstaltet wurde, wozu auch jeder der Anwesenden sein Scherfleiu beitrug.
Es ist recht erfreulich, zu sehen, welche Fortschritte die Demokratie in der letzten Zeit bei den hiesigen, früher so politisch todten Bürgern gemacht hat; noch sind sie zwar nicht sehr darin erstarkt, und bei weitem nicht Alle von den Grundsätzen und Lehren derselben durchdrungen, weßhalb dec Verein sich hüten soll zu viel ronservative (Elemente in sich aufzunihmen, die sich zuletzt der Leitung deS Vereines bemächtigen und den- selben zu einem Heio-popeio- Verein umgestalten würden. Darum wach-t und seid stark!
mehrten und zu einer großartigen Revolution werden, der Moment könnte kommen, wo das Vaterland aller seiner Söhne bedürfte, und wehe dem, der durch Sanm- seligcit in der entscheidenden Stunde fehlte! Ja, ich muß Italien verlassen und alle die süßen Bande, die mich an dieses Zauberland fesseln, und die sich in der letzten Zeit so unendlich vermehrt, zerbrechen oder ich laufe in Gefahr das höchste, was dem Menschen anhört, meine Ehre, die Achtung vor mir selbst zu verlieren. Während ich also sann und der unwiderrufliche Entschluß nach meiner Heimath zu reisen, in meiner Seele zur Reife gelangte, näherte sich allmählig der Zeitpunkt, welcher mich in der letzten Zeit täglich zur PetcrSkirche rief.
Sonst, wenn ich dorthin zog war meine Brust übervoll von Glück und schwelgte schon im Voraus in dem Genusse , welcher meiner wartete, dieses Mal aber war es anders, düster und schwermürhig schritt ich nach der Ponte Sisto zu, setzte über die Tiber, deren gelbe Fluthen rauschend und unbekümmert meiner Klage dahin- strömten, wandelte dann dem jenseitigen Ufer entlang nach dem PetcrSplatzc. Orde und verlassen lag er vor mir, in seiner Mitte nur stand einsam der hohe Obelisk; — die Wasser der Springquellen fielen nicht wie an andern Tagen jubelnd und frohlockend über das runde Marmvrbccken, sondern wehmüthig und trauernd sanken sie von der Höhe herab zum Boden, und die beiden Apostel, Petrus und Paulus, die Schirmer dieser Kirche, blickten mitleidig auf mein herbes Weh.