war. Wahischtinlich^wurden auch die Nachrichten über diese rein erlogene Reise, welche in den Schweizerblättern sich fanden auf reaktionärem Boden geschmiedet. Herr von Neuwall, (deutscher^ Legationsrath in der Schweiz soll diese Erfindungen dem badischen Ministerium einberichtet haben. Hält man mit diesen Thatsachen die neulige Aeußerung der, Ober-Post-Amts-Zei- tung zusammen, die Nationalversammlung bedürfe wieder einer Ermahnung, wie der vom 18. September, so sieht man klar, wo man hinaussteuert. Das Bedürfniß nach einem Putsche oder einem isolirten Aufstande manifestirtsich überall — man wünscht Anarchie, um sie unterdrücken und sagen zu können: „wir bedurften unsere Truppen im Innern zur Unterdrückung der Anarchie und konnten sie^ deßhalb nicht gegen die Russen schicken."
F München, 3. März. Seit gestern cirkuliren über die Ministerkrisis und über Vertagung oder Auflösung des Landtages verschiedene Gerüchte. Gewiß ist, daß diese Gegenstände in dem Ministerrathe zur Sprache kamen, der gestern im Staatsministerium des Innern stattfand. Am Schlüsse desselben wurde sofort ein Bericht nach Nymphenburg an Se. Maj. den König gesandt, und diesen Mittag war Sitzung des Staatsraths. Allem Anschein nach dürften wir nun baldigst dem jetzigen drückenden ungewissen Zustande ein Ende gemacht sehen. — Das nächste Regierungsblatt wird eine Verordnung bringen, die Eintheilung der aufgehobenen Patrimonialgerichte in die bestehenden Landgerichte betreffend. — (Die Augsb. Postztg. glaubt, mit einiger Gewißheit melden zu können, daß Weigand, Le- suire und Bray in ihren Stellungen verbleiben, Rin- gelmann den Kultus !und Kleinschrod die Justiz übernehmen werde. Für das Innere lasse sich nur gerüchtweise der Name Zu-Rhein nennen. — Demnach würde der Kultus vom Innern wieder getrennt werden? Das ist schwer glaublich.) (N. C.)
Berlin, 3. März. In der heutigen (4.) Sitzung der zweiten Kammer werden nach Verlesung des Protokolls einige Neuwahlen (Jung, Reuter rc.) angezeigt.
Czieskowski überreicht einen Protest der polnischen Wahlmänner gegen' die von der Regierung aus- gegangene Abgränzung der Wahlbezirke im Posenschen.
Vincke dringt darauf, den Protest unbeachtet zu lassen, da noch keine Petitionskommission vorhanden.
Manteufel findet in dem Protest mehrfache Angriffe gegen das Ministerium, wird aber schweigen bis zur Constituirung der Kammer.
Es handelt sich im weitern Verlauf der Debatte lediglich um mehrere beanstandete Wahlen, von denen die meisten für gültig, eine kleine Zahl für ungültig erklärt werden.
Schwerin, 1. März. In der heutigen Sitzung der Abgeordnetenversammlung wurde die Berathung über den Verfassungsentwurf fortgesetzt und der 8. 2, welcher nach dem Majoritätsantrage also lautet: „Die Regierungsform ist monarchisch-demokratisch", in der von der Minorität des Verfassungsausschusscs beantragten Fassung: „Die Regierungsform ist demokratischmonarchisch", nach längerer Debatte,mit 63 gegen 27 Stimmen angenommen.
Wien, 28. Febr. Der Maurer Martin Pausar, 40 Jahre alt, ist, des Besitzes und der vorsätzlichen Verhehlung einer geladenen Cavalleriepistole und einiger Munition, bestehend aus Pulver und frisch gegossenen Kugeln, überwiesen, durch Standrecht einstimmig zum Strange verurteilt und die Todesstrafe heut an ihm mit Pulver und Blei vollzogen worden.
Die „Hann. Ztg." schreibt: „Nach glaubwürdigen Nachrichten aus Olmütz hat Füist Schwarzenberg sich entschieden darüber ausgesprochen, daß die Eintracht zwischen Oesterreich und Preußen hergestellt sei. Nehmen wir dazu die Versicherung in der preußischen Thronrede, so wüd die Thatsache nicht zu bezweifle» sein.
Wir geben einen Bericht des „Const. Blattes aus Böhmen" über die Kriegführung im Süden, der um so glaubwürdiger ist, als er in einem, in slavischem Interesse geschriebenen Blatte steht: „Szegedin ist, authentischen Berichten zufolge, in den^Händen der Serben, welche der armen Stadt eine Brandschatzung von 500,000 fl. K.-M. auferlegten ; es steht aber zu befürchten, daß die Erlegung dieser für Szegedin bedeutenden Summe nicht der einzige Schlag ist, welcher die Einwohner treffen wird. Die Serben haben viel zu rächen, und wir haben keinen Grund zu glauben, daß sie eine großmüthige Rache üben werden. Von der Banater Gegend sind hier schon viele Flüchtlinge angelangt und ihre Erzählungen bestätigen nur zu sehr diese traurigen Vermuthung« n. Die Straßen sind allenthalben von ihren armen Schicksalsgefährten überfüllt, die, nicht wissend, wohin sie chre Schrttte lenken sollen, hungernd und verzweif liw, obdachlos umherirren, denn ihre Hütten, in denen sie gestern noch ruhig und sorglos schlie. fen, sind nun zum Schutthaufen geworden! Ich sprach einen dieser Flüchtlinge, der mir unter lebhafter Schilderung seiner auf der Flucht ausgestandenen Drangsale erzählte, daß er, während er an dem einen Orte kaum dem sichern Tooe entging, an dem andern fast seine Hand eingebüßt hätte, inbem einige Serben, die in räuberischer Wuth über ihn hergefallen waren, ihm die Hand abhacken wollten, weil — sie ihm den Siegelring nicht schnell genug vom Finger reißen konnten. Doch ich will sie nicht länger mit der Aufzählung von ähnlichen Grausamkeiten und Gräueln behelligen."
Wien, 1. März. Heute sind die Minister mittels Lelegraphen nach Olmütz gerufen worden, KrauS und und Station sind bereits abgereist. Ju Olmütz hat man bereits vor zwei 2 Tagen die Abgesandten der Reichsreglerung erwartet, sie sind aber bis jetzt noch nicht angekommen, möglich, daß diese Berufung der Minister damit zusammenhängt. Eine gut unterrichtete Quelle aus Frankfurt schreibt mir, daß unter anderen Vorschlägen, welche Heckscher nach Olmütz bringt, sich auch dreser befinde, den Kremsierer Reichstag aufzulö- sen. Lachen Sie nicht, erinnern Sie sich, wie es der Nationalversammlung nicht so ganz unlieb war, daß das Berliner Parlament aufgelöst wurde, und wie manche Schwierigkeit damit wegfiel, und für Deutschland ist Kremsier ein starker Dorn km Auge.
U r Ä N k r e ich.
Paris, 3. März. Die jetzige Kammer ist todt: daran zweifelt kein Mensch; das beweisen die Wahlgesetze; das beweist mehr noch das Gesetz über den Staatsrath.
Alle Parteien beschäftigen sich daher mit den Wahlen für die nächste Kammer. Was soll aus der neuen Kammer hervorgchen? Ein 10. Dezember, ein 24. Februar, ein 23. Februar oder ein 24. Juni? Dies ist die eigentliche Bedeutung aller bisheran veröffentlichten Manifeste der verschiedenen Parteien.
Der 24. Februar, das ist der Standpunkt des Na- tionals, der Standpunkt derjenigen Partei, die sich an die Stelle des gestürzten Königthums setzen will. Dieses Comite nennt sich: „das Comite vom Quai d'Orsai." Unter der Firma: gemäßigte Republik und Festhaltung an der Konstitution, sucht dieses Wahlkomite die Wähler heranzuziehen. Nach ihm kömmt das Comite der Rue Poitiers. Dieses Comite aus der Partei Thi"rs, Bugeaud und Consorten zusammengesetzt, faßt alle alte royalistische Elemente in sich. Wir nennen dieses Comite das Wahlkomite vom 23. Februar: denn es verlangt eine Revision der Konstitution von der neuen Kammer und will dadurch alle die royalistischen Elemente heranziehen, die mit der jetzigen Sachlage unzu- frieden sind. Das bonapartistische Comite ist unstreitig das komischste, das man sich denken kann. Im Manifest heißt es zwar: Festhaltung an der Constitut'or, aber mit „Anrufung des Namens Napoleon.
Die sozialistischen Demokraten ihrerseits haben ebenfalls ein Wahlkomite gebildet. Der Zentralrath und der Nationalkongreß, welche früher jeder für sich bestanden, haben sich vereinigt und bringen heute folgende Beschlüsse zur Veröffentlichung des Volkes:
„Das vereinigte Comite nimmt den Namen: demokratisch-sozialistisches Wahlkomite, an, und besteht aus den Delegirten des Zentralraths und denen des Nationalkongresses. Die Volksvertreter des Berges, die vorher schon zum Nationalkongresse gehörten, sind dadurch schon ohne Ausnahme Mitglieder des Comite's.
Das demokratisch - socialistische Comite zieht hinzu die Delegirten der Arbeiter-Corporationen und Delegirte vom Luxemburg, den Verwundeten vom Juli, Juni und Februar; ferner die Delegirten von der Gesellschaft zur Abschaffung der indirekten Steuern; die Delegirten von der Arbeiter-Kammer, und von allen zu einem demokratischen Zwecke gestifteten Gesellschaften und Verbindungen.
Die demokratisch-socialistische Presse ist berufen, ihre ganze Mitwirkung diesem Comite angedeihen zu lassen.
Vor Allem aber stützt sich dieses neue Comite auf alle Demokraten, welche die Februarrevolution mit allen ihren Konsequenzen wollen, sowie auf alle Sozialisten, welche die Umgestaltung der Gesellschaft wollen. Das Comite ist revolutionär constituirt; eS ist provisorisch.
) - Gleich mit dem ersten Tage der Wahlperiode beruft es die Wahlkomite's in den 14 Arrondissements der Seine, um dort Rechenschaft abzulegen von seinen Handlungen und sein Mandat vor der Volkssouveränität niederzulegen.
Das Volk Hat'das definitive Wahl-Comite zu ernennen.
Unter den Namen, welche dieses Manifest unterzeichnet haben, finden wir Joly, d'Alton, Shee, Matthieu, (de la Drome.) (N.RH.Z.)
Paris, 3. März. Es heißt, daß sich das Aude- depaltement, in vollem Aufruhr befinde. Es ist überhaupt merkwürdig, daß gerade im mittäglichen Frankreich, wo die Reaktion aller Jahrhunderte am ärgsten wüthete, die rothe Republik die meisten Anhänger zählt. Wir erinnern nur an die Heimathsoite der Pariser Club-Chefs und der meisten Moutagnegliedcr.
— Drouyn de Lhuys, Minister des Auswärtigen, hat der Nationalversammlung den Art. 19 zu der Con- : ventton vorgelegt, welche Frankreich am 31. Mmz 1831 I mit den deutschen Rheinstaaten, bezüglich der Rhein- i schifffahrt abschloß. Dieser Art. 19 schreibt vor, nur denjenigen Schiffern Patente zu ertheilen, welche die Gewässer des Rheins genau kennen. Kein Zweifel, ! daß die Versammlung diesen Artikel ohne Weiteres ! bistätigt.
I t a L i e n.
Venedig, 19. Febr. In der eisten Eröffnungssitzung der „Assemblea permanente" gab Manin unter stürmi- 1 schein Beifall eine Uebersicht über die Zustände der Re- : publck. Er kündigte zugleich einige nächstens folgende Vorlagen der Regierung in Betreff der italienischen Constituante an. In der zweiten Sitzung wurde Tommas-
I ^ ^'" Präsidenten ernannt, und da er diese Würde ablehnte, an seine Stelle Calucci.
Sitzung (17. Febr.) wurde mit 70 E,^ ? TT ^" »ro»ifoi*Regierung (OTantn, C-vcdä und Graziani) tKßatifli. Es >fl ihr die Ge, walt gegeben, dee innere und äußere Berthe,diauna .u '°",7-°ber Untersaat, die Affemblea zu prawgirin odir an julaseii. äm 18. vertagte sich die VeesaNiNilung auf einige Tage, um ihr Reglement zu entwerfen.
Aus Pisa meldet eine Depssche des dortigen Präfekten vom 23. Februar an die provisorische Regierung in Florenz: daß der General Lauster mit seinem R"ak- tions-Coips durch Veimittelung des G meinderaths von Massa zu capitnliren begehrt.
Der größte Theil der Diplomaten ist dem Ergroßherzog Leopold nach Gaeta oder Neapel gefolgt.
Mailand, 28. Februar. Radetzky hat sämmtlichen Qfiziersfrauen den Befehl ertheilt, die Stadt zu verlassen. Auch soll das Kastell auf zwei Monate mit Lebensmitteln versehen und 7 Bataillons in dasselbe gelegt worden sein.
Nach eisern Schreiben aus Turin vom 26. Febr. in der belgischen „Iwependance" soll der Plan Gtobe rti's, in Toscana zu interventiren, hauptsächlich von dem englischen Cabinet unterstützt worden sein. Gioberti soll aber ganz auf eigene Faust gehandelt haben, ohne weder den König noch die Minister das geringste wissen zu lassen, was Karl Albert schr gereizt haben soll. Selbst der Großherzog von Toskana soll von jener Intervention nichts gewußt und sogar eine klarung dahin an das Turiner Cabinet abgegeben haben, daß er dem Minister Gioberti persönlich für feine Bemühungen nur danken, jedoch sein Verfahren vom politischen Standpunkte aus nicht billigen könne. — Nach einem Schreiben aus Turin vom 20. Febr. in der „Allg. Ztg." trug man sich dort mit dem Gerüchte, daß.bis zum 15. März bestimmte Piemonts Kstegser- klärung gegen Oesterreich erfolgen werde. — Die „Bologneser Zeitung" vom 23. F'br. sagt, daß die Oester- reicher bis zu diesem Tage auf dem Gebiete von Bologna nicht erschienen waren.
Großbritannien.
London, 3. März. Auch in E ig'and ist der Jahrestag der französischen Revolution überall von den Chartisten festlich begangen worden. In London fand e-n großes Bankett statt, dem der Redakteur en chef des Northern Star, G. Iulian Haruey präsidirte. Louis Blanc und Causidi.re waren eingeladen, ließen sich aber entschuldigen, weil sie als Profcribirte zu einer Zurückhaltung gezwungen seien, welche der Patriotismus der Versammlung ohne Zweifel verstehen werde." Unter den Toasten heben wir folgende hervor: G. I. Holyoake: der Souverametät des Volks und der Verbrüderung der Proletarier aller Nationen. — G. I. Harney: der französischen Revolution, ihren Aposteln, Helden, und Märtyrern und dem baldigen Triumph der social-demokratischen Republik. — R. Buchanan: dem demokratischen Deutschland, Polen, Ungarn und Italien; dem ruhmvollen Volk, das die Ketten der Priesterherrschaft abgeschüttelt und die römische Republik wiederhergestellt hat. — W. Diron: Der baldigen Einführung der Volkscharte, und allen die für sie gelitten haben. Außerdem sprachen noch J. Bronterre O'Brien, J. Clark, W. Cooper, Charles Kern ur.b E. Stallwood.
In Nottingham wurde ebenfalls ein Bankett gehalten und die französische Revolution, die römische Republik, Bem, Dembinski und die Ungarn, Ledru-Rollin und die Montagne, Ernst Jones und die übrigen politischen Gefangenen, das Andenken Blums und Meffn- Hausers, die demokratische Presse rr., wurden mit Trmk- sprüchen bedacht.
Aehnliche Feste fanden in Birmingham und Portsea statt.
S ch w e i z.
Bern, 2. März. Die Nachricht, daß in Turin der König verjagt sei, läuft so eben durch die Stadt und versetzt Alles in ungeheure Aufregung.
Ein Herr Cortaz, welcher von der sardinischen Regierung hieher geschickt war, um für den bevorstehenden Krieg Pferde zu kaufen, erhielt diese Nachricht durch einen Eilboten mit dem Auftrag, von ferneren Einkäu- abzustehen. (N.MH. 3)
G a l i z i e n.
Von der galizisch-schlesischen Grenze, 27. Febr. Vor zwei Wochen wurde unerwartet das in der Nähe von Bielitz gelegene, als Belustigungsort der bialer und bielitzer Einwohnerschaft bekannte „Waldschlößchen" von einer halben Compagnie von Schoenhals Infanterie besetzt und durchsucht; es hieß nämlich, daß sich dort ein Transport von 25 französischen Ingenieuren aufhalte, um bei günstiger Gelegenheit über Saybusch und Kamesnica ins magyarische Lager zu gelangen. Die Durchsuchung des Waldschlößchens hatte zwar keinen Erfolg, und das Militär kehrte sonach unvermuteter Sache nach Bielitz zurück; allein dessenungeachtet meinen Viele, daß an der Sache doch etwas sein müsse, da in der That in der Gegend von Sepbusch ein F'.anzofe, augenscheinlich den bessern Ständen angehörend, angehalten und wegen Mangel an aller Legitimation in Haft gebracht wurde. Gegenwärtig liegt er krank tm MU<- tärspitale zu Biala; er hatte sich Füße und Hände tuiQ ein acht und vicrzigstündiges Herumirren in den fchnee-