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Freiheit und Recht!"

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Wiesbaden. Mittwoâ , 7. März

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1841».

H* Die kirchliche Reaktion.

Suum cuique.

DaS ganz? Treiben und Wirken der kirchlichen Nückschrittsmanner centralisirt sich nun in den beiden Forderungen: Unabhängigkeit der Kirche vom Staate und Herrschaft der Kirche über die Schule. Es ist nicht der Tendenz dieses Aussatzes gemäß, zu untersuchen, ob und inwiefern diese beiden Forderungen gerecht oder ungerecht seien. Deßhalb schweigen wir hierüber und wollen nur auf einen Um­stand aufmerksam machen, der bei der Beantwortung der ersten dieser Fragen nothwendig beachtet werden muß.

Die Frage über das Verhältniß der Kirche zum Staate ist durch die ReichSgrundgesetze entschieden wor­den. Die in den betreffenden Paragraphen ausgestellten Grundsätze aber lassen eine mannichfache und verschie­dene Ausführung zu und den Gesetzgebungen der ein­zelnen Staaten ist es anheimgegeben, die in den Grund­gesetzen enthaltenen Bestimmungen nach ihren eigen­thümlichen Verhältnissen und besondern Bedürfnissen in das Leben treten zu lassen. Die streng kirchliche Partei nun findet in jenen Bestimmungen die Begründung eines völligen Unabhängigkeitsverhältnisses der Kirche zum Staate. Wir aber fragen billig: Habt ihr uns durch euer bisheriges Treiben auch nur die geringste Garantie geboten für die Gewißheit, daß eine solche Ordnung der Dinge dem deutschen Volke heilsam sei? Könnet ihr uns glauben machen, daß durch euern Sieg dem ewigen und unheilvollen Streite in Religionssachen, den konfessionellen Reibungen U"d der religiösen Erbit­terung ein Ende gemacht werde? Wißt ihr auch, was es heißt, neben die souveräne Volksherrschaft eine un« verantwortliche Hierarchie zu stellen? Und auf alle diese Fragen müssen wir mit einem entschiedenenNein" antworten, denn die Wahrheit steht fest: So lange auf dem kirchlichen Gebiete das Prinzip der Demokratie nicht zur Anerkennung gekommen ist, so lange ist die Unabhängigkeit der Kirche vom Staate ein Unding und nur dazu geeignet, die kaum geborne Freiheit wieder zu vernichten, so lange ist das einige, freie, große und mächtige Deutschland eine Chimäre. Denn werfen wir nur einen Blick auf das Verfahren, welches die Partei der kirchlichen Conselvativen beob­achtet hat, suchen wir nach den Mitteln, welcher sich dieselben bedient haben, so gewahren wir die alte Anmaßung, mit welcher sie das Prädikat der Kirchlichkeit sich allein bei­legen und damit über Alle, welche so frei sind, einer andern Meinung als sie zu sein, das Anathema aus­sprechen; wir sehen die pharisäische Schlauheit, mit der sie alle Umstände und alle Erscheinungen des sozialen Lebens zu benützen verstehen, die dünkelhafte Meinung ihrer eignen Unfehlbarkeit, mit der sie dem Volke ihre Ansichten und Meinungen als die allein richtigen auf­

dringen und sich zu Vormündern über das kirchliche Leben und die yielißtbfitat des Einzelnen aufwerfen.

Für diese Behauptungen liefern uns die Vorgänge bei der ersten Beiathung der Grundrechte, als die fu^ lichen Verhältnisse zur Sprache kamen, die evidentesten Beweise. Durch bischöfliches Rundschreiben wurde den Pfarrern und Seelsorgern die Weisung ertheilt, das Volk über die Bedeutung und die Wichtigkeit der kirch­lichen Fragen zu belehren, d. h. für die Interessen der Hierarchie zu begeistern, während doch oee Interessen des Volkes und die des niedern Cleruö so verschiedener, ja so ganz entgegengesetzter Art sind, den Interessen der Gewalthaber gegenüber. Nun ward beinahe in jeder Gemeinde eine Petitionsfabrik angelegt und die Pfarr­genossen von der Kanzel herab zur Unterzeichnung auf- gefoedert. Die bethörte und unwissende Menge Höite die Aufforderung, las oder las nicht (was ziemlich gleichgültig war) und unterschrieb. Die Petitionen wurden einem uns wohlbekannten Parlaments-Abgeord­neten übersätest und von dem Parlamente ad acta ge- l gt. Natürlich, die Abgeordneten wußten wohl auch, was diese Eingaben zu bedeuten hatten, uno wie sie zur- Welt gekommen waren.

Von der Entstehung und Bestimmung der Pins­vereine will ich schweigen; die traurige Wirksamkeit derselben in der Nähe kennen zu lernen, haben wir schon oft genug Gelegenheit gehabt. Nur noch einige Worte über das Verhalten und Verfahren der geistlichen Mit­glieder des Parlamentes.

Sehr natürlich war es, daß bei den Wahlen zur Nationalversammlung in jenen Gegenden, welche dem Treiben der Finsterlinge noch ein ergiebiges Feld dar bieten, und deren Bewohner noch aus einer sehr nied lgen Stufe der politischen Bildung stehen,die Augen des Volkes ausMänner fielen, die durch ihre Stellung und ihrAmt allgemeine Hoch­achtung und unbedingtes Vertrauen genossen. So ge­langten denn auch einige Bischöfe und sonstige hohen Würdeträger des geistlichen Standes zu Sitzen in jener Versammlung. Diese nun gewährten der Reaktion eine Hauptstütze und, mit einigen ehrenwerthen Ausnahmen, waren sie stets ein Hemmschuh der ^Freiheit. Aber trotz ihrer dialektischen Gewandtheit und sophistischen Rhetorik mußten sie ost die bittersten Vorwürfe wegen ihrer pha­risäischen Klugheit hören. Nehmen wir z. B. die ultra­montanen Abgeordneten auS Baiern. Sie, welche auf frühern baierischen Landtagen für das Ministerium Abel in die Schranken getreten waren und diesem Manne zu allen jenen Maßregeln gerathen hatten, welche die Lage der protestantischen Staatsbürger zu einer fast unerträg­lichen gemacht hatten, sie hatten die Frechheit, dem Grundsätze der Glaubenssieiheit und der gleichen Be­rechtigung aller Confessionen das Wort zu reden. Von Männern, die mit solcher Leichtigkeit ihre kirchlichen wie politischen Ansichten ändern können, darf das deutsche Volk nimmermehr die Verwirklichung seiner Freiheit er­warten. Diese wollen nur soviel von derselben, als sie zur Erreichung ihrer selbstsüchtigen und eigennützigen

Absichten bedürfen und geben dem Rufe und dem Drang nach politischer u .0 bürgerlicher Selbstständigkeit nur insoweit nach als sie erkannt haben, daß sie gegen die- sen Drang Nichts vermögen und baß sie mit dem Strome schwimmen müssen, um nicht in demselben un­terzugehen. Hierin nun reicht die Hierarchie dem B- amlenstaate brüderlich die Hand und hat mit ihm einen engen Bund geschlossen. Dieser Bunv aber ist ein un­natürlicher, wie ich oben gesagt habe, denn wir dürfen nicht glauben, daß diese Verbindung auf die Gleichheit der Gesinnung und die Uebereinstimmung in den poli­tischen und kirchlichen Grundsätzen gegründet ist. Die Küche hat von jeher dem Staate feindlich gegenüber gestanden, weil beide I nstitute gleich herrschsüchtig und gleich trotzig in der Behauptung ihrer wirklichen oder augemaßten und sich oft schnurstracks zuwider laufenden und entgegengesetzten Rechte und Forderungen waren. Wenn es aber galt, das arme und unterdrückte Volk in seinen Fesseln zu erhalten und diese wo möglich noch enger zu schmieden, dann waren diese beiden Gewa'ten einig und unterstützten sich gegenseitig; aus Dankbarkeit gegen einander gab dann auch gewöhnlich die eine Ge­walt der andern nach und willigte in ihre Förderungen und Ansprüche. Was der weltliche Despotismus mit seinen Kerkern uno Henkerbeilen nicht vermochte, das mußte die Geistestprannei mit ihren Lehren von der göttlichen Einsetzung der Fürstengewalt uno dein blinden Gehorsame derUntei thauen" gegen eine jede Obrig­keit. So war es schon vor tausend Jahren und so ist es noch heute und fast ein jedes Blatt der Geschichte bestätigt es.

Wir haben es versucht den Lesern ein Bild unserer traurigen kirchlichen Zustände zu geben; wir wollten ihnen zeigen, baß Dcspotis nus uno Pfaffmkhnm die Schuld an dem Unglücke unsers schönen Vaterlan­des tragen und fast scheint es uns, als sollte die Zu­kunft noch trauriger und trostloser sich gestaltn als die Gegenwart. Mit schwerem H.rzen fragen wir: G.bt es denn kein Mittel diesem traurigen Zustande ein Ende zu machen und die Kirche Gottes zurückzuführen zu ihrer Bestimmung, die ihr göttlicher Stifter ihr gegeben, ein Schutz und Schirm zu sein der Freiheit, eine sta ke Wehr und Waffe gegen die Anmaßungen einer jeglichen Gewalt und jeglicher Tyrannei? Ja, es gibt ein solches Mittel: Wenn das ganze Volk einmal weiß, daß in der Kirche ein jedes Mitglied das Recht hat, eine Stimme abzugeben bei der Entscheidung der wichtigen, kirchlichen Fragen, denn daö ganze Volk und nicht ein ein­zelner Stand ist betheiligt an der Ordnung der Ver­hältnisse, welche du ch diese Entscheidung herb.igeführt und ein Jeder hat daS Recht in seiner eignen Angele­genheit ein Wort mitzureoen; wenn es dem Geist­lichen möglich geworben sein wild, in der G sillfchaft die ihm von Gott und Rechtswegen zukommende Stèl- lung cinzunkhmen und dadurch ein achtbarer und tüch­tiger Staatsbürger zu sein, unabhängig von jedem un­gebührlichem Einfluße und befreit von aller Bevormuu-

^ Blätter aus meinem Tagebuch.

Nom den 29ten Februar 1848.

III.

(Fortsetzung.)

Als ich nämlich gegen elf Uhr wie gewöhnlich meine Wohnung verließ, um in dem Cafè greco die fran­zösischen Zeitungen zu lesen, eilte mir auf dem Piazza di Spagna ein Freund aus Böhmen entgegen und rief mir schon aus der Ferne zu: in Wien hat eine siegreiche Re­volution stattgefunden, Metternich ist entflohen und der Kaiser hat dem Volke eine Constitution versprechen müssen. Während er mir, dem staunenden, die Einzelheiten des freudigen Ereignisses miltheilte, schritten wir der Via Condotti entlang; doch bald wurden wir von einem Haufen junger uns bekannter Lombarden umringt, die berauscht von Entzücken uns umhalsten und jubelten: jetzt wird Italien frei werden, denn ein Volk, welches die Knechtschaft gefühlt und die Ketten gebrochen, wird nie die Freiheit, nach der es so lauge selbst geschmachtet, einer anderen Nation vorenthalten.

Einer von ihnen sprang in die Trattoria di Lepre, die Treppe hinan, hielt eine mit Flor umhangene lom­bardische Fahne ans dem Fenster, rieß das Trauerzeichen ab und ließ die lange Zeit verhüllten Farben in den Lüften flattern.

Wir gingen weiter nach dem Corso, dem man, wie

es an Festtagen der Fall ist, seinen Schmuck angelegt hatte, und überall, wo wir hin kamen, war Jubel und Frohlocken, Händedruck und Umarmung. Als wir zum deutschen Casino kamen, hing schon die schwarz roth gvlbne Fahne aus dem Fenster; wir traten hinein und fanden dort eine große Menge von Landsleuten, die in freudiger Unterhaltung sich die betreffenden Privatnachrichten mit= theilten und die deutschen Zeitungen vorlasen.

Eine Stunde mochte etwa bei dem Austausch unserer Hoffnungen und Befürchtungen in Bezug auf die Zukunft unseres Vaterlandes verflossen sein, als plötzlich ein Schweitzer heraufstürmte und uns, häufig von Lachen unterbrochen, erzählte, die Römer fingen an alle östreich­ischen Wappen zu zertrümmern, eben seien sie auf dem Piazza di Venezia, au der Wohnung des östreichischen Gesandten. Einige von uns, worunter auch ich, eilten sogleich fort, um Diesem noch nie gesehenen Schauspiele beizuwohnen.

Als wir anlangten, war der Platz schon von un­zähligen Menschen augefüllt, alle Balkönen und alle Fenster der benachbarten Wohnungen besetzt und Alles schaute nach dem Palazzo di Venezia, dem ehemaligen Sitze Des Gesandten der Republik Venedig. Große Sturm­leitern waren angelegt, gewandte Bursche, mit Aexten bewaffnet, kletterten hinauf, und die Menge jubelte in­dessen und klatschte, wenn einer derselbe» eine kühne Wen­dung oder einen gefährlichen Sprung machte.

Die verrosteten Ketten, welche die schweren, bestaubten

Wappen hielten, waren bald zerhauen, und eben sollte der letzte Halt gelößt werden, als der Skaatsseeretär er­schien und abmahnte, doch vergebens, das Volk pfiff ihn aus, und als er dennoch weiter reden wollte, rief einer von den auf der Leiter stehenden: Platz gemacht, das Wappen fällt. Kaum war das Wort gesprochen, riß die letzte Klammer und unter Krachen stürzte das schwere Schild vor die Füße des erschreckten Redners und tie wegstöbernde Menge. In einem Momente war das gan .e Wappen in Splitter gespalten, und wer von den Jtalienei n einen erhaschen konnte, steckte ihn auf den Hut, die Franc» an den Busen; die Gassenjungen sammelten sie sorgsam und verkauften sie, das Stück für einen Bajocco. Ein gleiches Schicksal erdultete das andere Wappen.

Es ist Sitte in Rom, daß das Volk, wenn ein Papst stirbt, und ein andrer ernannt worden ist, die Zeichen jenes abreißt und zertrümmert, ja, daß es, wie dies nach dem Tode des vorigen Papstes der Fall war, dieselben an einen Esel bindet, durch die Stadt schleifen läßt und dann verbrennt. Als die Römer nun hörten, daß die ihnen so verhaßte Regierung gestützt sei, brachten sie jene Sitte auch hier in Anwendung, indem sie in ihrer kindlichen Unwissenheit glaubten, jede Regierung habe ihr eigenes Wappen.

(Fortsetzung folgt.)