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eine Vergleichung des nassauischen Regierungsentwurfs mit dem Hessischen ergibt aber, daß dieselben in allen wesentlichen Stücken nicht von einander abweichen, und was das Strafgesetzbuch betrifft, so sind die vorgeschla­genen Aenderungen (mit Ausnahme der Fälle, wo statt Grofiherzoglich" gesetzt istHerzoglich") im Vergleich zu Dem Umfang des Gesetzes so seltene und, was wissen­schaftlichen und praktischen Werth anlangt, so geriug- fügige, daß man gewiß nicht von einer Anerbietung, ja nicht einmal von einer Modifikation sprechen kann. Es ist daher gewiß eine lange Zeit, wenn man hierzu fünf und einen halben Monat gebraucht hat, während andere Staaten in fast gleicher Zeit selbstständige Ge­setzentwürfe ausgearbeitet und dieselbe in das Leben ge­führt haben.

Dies ist der einzige zur Sache gehörige Punkt, wel­cher in der Erwiderung in Nr. 46 der Nass. Allgem. Zeit. (^ -f Wiesbaden, 17. Febr.) vorkommt. Nur auf diesen habe ich in dem Obigen antworten und da­mit zugleich aussprechen wollen, daß ich meinem Gegner in den Künsten der Klopsfechterei, welche er anwendet, allerdings nicht gewachsen bin. Wenn er wirklich die großeLiebe zum Vaterland" undLiebe zur Sache" hätte, womit er prahlt, so würde er sich auch an der Sache gehalten und nicht an deren Stelle eine rein persönliche Schimpferei gesetzt haben. Aber es geht jenem Herrn, wie der griechische Tragiker sagt:

To //er naqsoyor ègyov M^ notovpe&a,

To ötoyou w§ naQSQi'ov è^novovns&al

Stuttgart. Sitzung der Kammer der Stan des - Herren vom 25. Febr. Ja der heutigen Sitzung wurde nachstehender Beschluß gefaßt: Die Kammer der Standesherren, die hohe Wichtigkeit des gegenwärtigen Zeitpunctes für das ganze deutsche Vaterland in vollem Maße erkennend, glaubt sich verpflichtet, auch ihrerseits über die Frage der künftigen Gestaltung Deutschlands sich aussprechen zu müssen, und erklärt hiermit: 1) daß sie die Erhaltung Oestreichs im deutschen Reichs-Ver­band als unumgänglich nothwendig für die Wohlfahrt, Einigung und Kräftigung Deutschlands erachte und jede Art der Ausscheidung desselben als'eine unheilvolle Zerstückelung unseresdeutschen Vaterlandes ansehen müßte; 2) daß sie nur in einer freien Vereinbarung der Na- tional-Versammlung mit den deutsche» Fürsten über die künftige deutsche Reichs-Verfassung eine sichere Bürg­schaft für den kräftigen und rechtlichenBestand derselben erkennen kann.

Berlin, 28 Febr. Das Petersburger Cabinet soll, wie von unterrichteten Seiten verlautet, in neuester Zeit fortgesetzte Versuche einer freundlicheren Annäherung an Deutschland und speciell an Preußen machen. Eine andere wichtige Mittheilung ist, daß in diesen Tagen von Seiten unserer Regierung ein außerordentlicher Ge­sandter nach Olmütz abgegangen ist, um den Kaiser der wohlwollendsten Gesinnungen Preußens zu versichern, und zugleich das dortige Cabinet zu weiteren Vorschlä­gen in der deutschen Frage zn veranlassen, denen dies­seitig das aufmerksamste Entgegenkommen, so weit es sich nur immer mit dem deutschen Interesse vereine, gezollt werden würde. Dieser Schritt, der hierorts von Frank­furt aus ungebahnt sein soll, dürfte geeignet sein, man­che Zukunstöfragen in der Zeit zu beseitigen.

Wien, 25. Febr. Ueber das bei Kronstadt am 4. d. zwischen den russischen Truppen und den Szeklern Sratt gefundene Treffen erfährt man die näheren De­tails. Die Szekler hatten die Absicht, unter Begünsti­gung des Nebels Kronstadt von Petersburg aus zu übei fallen. Der russische General Engelhart, der des Morgens auf Recognoscirung ausgezogen war, stieß auf selbe, beschäftigte selbe 2 Stunden lang und griff sie, nachdem er von Kronstadt aus die übrigen Truppen an sich gezogen hatte, ernstlich an. Sie wurden aus Pe- lereburg und Königsberg vertrieben, diese Orte besetzt und die Szekler dann, nach Sprengung des Centrums,

über die Alt in ihr Gebiet zurückgeworfen. DaS Tref-

4y2 Stunden. Russischer Seils waren 2400 Mann dann bei 600 Mann österreichischer Trup­pen, von den Szeklern bei 9000 Mann im Gefechte. Der Verlust auf beiden Seiten war beträchtlich.

Wien, 25. Febr. DieSlovanska-Lipa" in Agram bereitet, gleich jener in Prag, eine Vertrauens - Adresse an den Reichstag vor.

Der Minlsterialrath Dr. Becher soll dem Vernehmen nach im Auftrage des Handelsministeriums eine Reise druch Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich und Schweiz antreten, um kommerzielle und industrielle Beo­bachtungen zu machen, deren Resultate zum Besten des vaterländischen Industrie- und Handelswesens in An­wendung kämen.

In Reichenbach fand in der letzten Faschingsnacht ein Erceß zwischen Militär und Nationalgarde statt. Eine Patrouille der Letzter» arrertirte in einer Wüths- hausschenke einige betrunkene Soldaten, welche aber wieder durch eine hinzukommende Militärpatrouille be­freit wurden, wobei einige leichte Verletzungen vorkamen. Nur durch das Einschreiten einiger Offiziere der Natio­nalgarde und des Militärs wurde weiteren Erccssen vorgebeugt. (^. O.-Ztg )

Wien, 25. Februar. So eben erhalte ich (meldet ein Corresp. der Allg.Ztg.) aus sehr verläßlicher Quelle die Nachricht, daß am 11. d. General P uchner im Maroschihal von Bem zu ückgedrängt wurde, und auf Neismarkt sich zurückziehen mußte. Durch die Horden verstärkt, welch? General Gläser nach seinem Siege bei Arad vor sich her trieb, heuchelte Bem Un­terwerfung, aber während der Unterhandlung wurde plötzlich eine Batterie demaSkirt und ein mörderisches Kartätschenfeuer eröffnet. Namentlich litt das sieben- bürgisch-sächfische Jägerbataillon sehr viel, das mit Hel- denmuth focht. Puchner mußte sich zuletzt auch nur aus Mangel an Munition zurückzuziehen. Stutterheim zog sich auf Carlsburg zurück. Weiger» sich die Serben unter Gläser nicht, vorwärts zu gehen, so kommt Bem aus dem Maroschthal nicht heraus, außer über das Gebirge gegen Großwardein in einzelnen Haufen, denn unter diesen Umständen werden die Russen wohl nicht in Hermannstadt die Hände in den Schooß legen.

Wien, 26. Februar. Der magyarischen Correspon- denz derBreslauer Zeitung" entnehmen wir Folgen­des:AuS derWiener Zeitung" werden Sie wissen daß der F.-M.-L. Graf Schlick 4 Brigaden zuletzt in und um Kaschau eommandirte. Diese Brigaden wur­den von den Ungarn an verschiedenen Punkten m't sol­cher ^Ueberlegenheit angegriffen, daß sie beinahe aufge- rieben sind. Von dem polnischen Regiment Rothkirch ist der größte Theil zu den Ungarn übergegangen und mit Triumph in Debreczin eingezogen. Unter den Ge, fangenen befinden sich auch zwei Generale. So sind jetzt die Comitate Zips, Saros, Abaujvar, Zemplin, Uughvar, Heveö und Hont durch die völlige Besiegung und Vertreibung der Kaiserlichen wieder in ungarischer Gewalt. Aus Kaschau sind viele Flüchtlinge in Pesth angefommen. Der Graf Szirma i, einer der reichsten ungarischen Magnaten, ist vom wüthenden Volke auf gräßliche Weise gelobtet worden. Derselbe hatte sich dadurch verhaßt gemacht, daß durch dessen Verrath Schlick Kaschau eingenommen. Auch hatte er ein Freiwilligen- BataiUvn für die Kaiserlichen anzuwerben gestrebt."

Italien.

Florenz, 21. Febr. Die Republik von Toskana hat folgendes Circular an den Gouverneur von Livorno ergehen lassen:

De Laugier, durch einen schwarzen Verrath, hat in einer Proklamation bekannt gemacht: 1) daß Leopold Toskana nicht verlassen, da er sich nach San-Ildefonso zurückgezogen habe, 2) daß er bei seiner Ab: eise von Siena eine provisorische Regierung ernannt habe, 3) daß er der Miliz den Befehl ertheilt habe, ihrem Eide

treu zu bleibe», 4) daß er mit 20,000 "Piemontesen ram^ um die Monarchie wieder einzusetzen.

Provinzen, durch diese Lügen in Aufregung ge­fitzt, haben in aller Eile Deputirte nach Florenz gesandt, auf dem Platze della Signoria ist 1) de Laugier atö Verrather, 2) Leopold von Oesterreich der Regie­rung, verlustig erklärt und 3) die Republik und die Vereinigung mit Rom proklamier worden, mit Vorbe­halt, später durch die Nationalversammlung sanktionirt zu werden, 4) Das Vaterland ist in Gefahr erklärt und jeder waffenfähige Mann berufen, sich nach Lucca und Pietra Santa zu begeben, um gegen de Lauaier zu kämpfen. ' d

Der englische Gesandte, im höchsten Grade empört durch das tadelnswcrthe Betragen Leopold's von Oester­reich hat sich eiligst nach der Gränze aufgemacht, um die Piemontesen zurück;uhalten, wenn sie es versuchen sollten, die Gränzen zu überschreiten. Er hat selbst er­klärt, daß er fortsahre, Toskana seinen Schutz ange- deihen zu lassen, sollte man selbst die Republik peokla- miren, wenn sie nur die Ordnung, das Leben und Eigenthum der Bürger in Schutz nähme. (N NH.Z.)

In Genua kam am 24. durch Staffele die Nach­richt an, daß General Delaugier, von seinen Truppen verlassen, mit blos 30 Mann als Flüchtling auf sar­dinischem Gebiet angenommen ist. Der Groß Herzog und seine Familie hatten sich am 20. an Bord des engli­schen Dämpfers Bulldogg nach Gaeta geschifft.

Ein Schreiben aus Neapel vom 11. Febr. in den Daily News" stellt einen Bruch zwischen Neapel und England in Aussicht. Der Ton des Briefwechsels zwischen Sir William Teniple und dein Cabinette Fer- dinand'6 soll in der letzten Zeit ein sehr gereizter ge­wesen sein. Es ist sehr möglich, daß Ferdinand sich auf Rußland verläßt, und man weiß, welche Stellung Lord Palmerston in der Frage der Donau-Fürstenthümer in letzterer Zeit eingenommen hat. Das Programm der neuen römischen Regierung lautet:Die Republik ist ohne Blutvergießen aus der alten Ordnung der Dinge hervorgegangen, weil die Wohlfahrt Italiens ihr einziger Zweck ist. Die italienische Constituante ist de­ren Banner, der Unabhängigkeitskrieg deren Zweck. Sie will die Finanzen auf ihren Normal-Zustand zurück­führen, die Gesetzbücher verändern, die Freiheit der Mu- nicipalkörper organifren, den socialen Fragen die ge­bührende Aufmerksamkeit widmen und das Eigenthum unter die Obhut des Staates stellen."

Neapel. Sogar die Hofblätter, die aus dem Elephan­ten eine Maus machen möchten, schildern die Kammer­sitzung des 12. Februar als eine sehr stürmisch", welche keinen andern Zweck gehabt, als den Versuch,den kölnischen und toskanischen Orgie» zu secun- direu". Und in der That soll die republikanische Partei in Neapel sich seit den Gräuelscenen in Mes­sina , welche Filangieri mit jesuitischen Kunstgriffen zu bemänteln suchte, und seit der letzten Kauimer-Proro­gation sehr vermehrt haben. Obschon der Fürst von San Giacomo bei Eröffnung der Sitzung die Anwe­senden beschwor, alle Parteisucht und Leidenschaft aus dem Altare des Vate landes zu opfern, und laut er­klärte: tutti abbiam torto (wir Alle haben Unrecht), so konnte er dennoch nicht verhindern, daß das Ministe­rium des 16. Mai 1848 von den wackersten Männern des Landesdes perfidesten Royalismus" beschuldigt wurde. Zu diesem allem lächeln Ferdinand und Chrcp- towitch zu Gaeta in die Fäuste und freuen sich auf die glorreiche Zeit, wo Baschkiren und Kosaken mit Knute und Säbel als Träger russisch-sibirischer Cultur das europäische Gleichgewicht im westlichen Europa wiedcr- herstellen werden. (K. Z.)

Frankreich.

Paris, 27. Febr. Man höre wie jetzt derNa­tional" über die österreichische Intervention jammert:

Der Ton, mit welchem diePatrie" gestern Abend

nach ihr hin, jene Behrühruug hatte Saite» in meinem Innern angeschlagen, deren Tone ich nicht wie früher, wo ich sie nur als momentan angenehme Reizmittel be­nutzt hatte, unterdrücken konnte, wenn es mir beliebte, sondern die unaufhörlich mein ganzes Denken und Wollen umklangen, und mich zu ihrem willenlosen Werkzeug machten. Ueberall folgte ich ihrer Spur und so sah ich sie oft in den schattigen Vorbeergängen der Villa Borghese und auf dem vielbesuchten Monte Pincio; auch zur Z it des Carueval's hatte sie gleich den ersten Tag mein lieben­des Auge aus der unzähligen Meuge gefimdeu.

Wahrend dieses ergötzlichen Treibens ist es erlaubt, jeder Dame Gedanken aller Art zu entdecken, die sie ohne sich gekränkt zu fühlen, anhören muß unb beantworten kann, wie sie will. Die Römerinen erwiedern stets sehr befriedigend, doch ein Narr, wer ihren Worten Glaube» schenkt; beim schon Mancher der hiermit unbekannt, hat vergebens stundenlang an dem ihm bestimmten Orte gc- senfzet, die Angebetete erschien nicht und er mußte mit der Ueberzeugung hintergangen worden zu fein abziehcn.

Trotz dem, daß mir dies tzllles zur Genüge von meinem Freunde erläutert worden war, gedachte ich den­noch den Versuch zu wagen und zwar heute bei meinem zweiten Zusammentreffen mit jenem zauberhaften Wesen; schon früher wollte ich es thun, aber immer, wenn es den Plan auszuführen galt, scheute ich zurück. Ich hatte auf ein kleines Blättchen folgende Worte geschrieben:

Amare senza speranza fa molto dolore, e pure sono, sio posso vederti, assai contento, und dieses steckte ich, als ich in die Nahe ihres Balkons kam, zwischen Camelieu, umgeben von frisch duftenden Hyacinthen, die ich mir an der via Condotti ge­kauft hatte.

Sie ergötzte sich eben an dem Kampfe zweier Mas­ken, die gegenseitig ihren Gypsstaub austauschten, end­lich wandte sie ihre Blicke ab und bemerkte mich. Ich gab ihr zu verstehen, daß ich Ihr Etwas zuseudeu möchte, was sich nicht werfen lasse. Sie trat in ihr Zimmer, kam aber bald mit einem kleinen zierlichen Körbchen zu­rück, und ließ dieses an einem Faden herab ; ich legte, als es in meine Nähe kam, das Sträußchen hinein, und sie zog eS wieder zu sich hinauf. Sie nahm die Blumen, sah das beschriebene Papier, las es, erröthete und ver­schwand. Nach einiger Zeit erschien sie wieder gesenkten Blickes und ließ ängstlich das Körbchen Herabgleiten; es enthielt Veilchen und zwischen ihnen lag ein kleines Blättchen, auf welches mit feinen, zitternden Buchstaben geschrieben war : Spera! Entzückt drückte ich vie Blumen an meine Brust, sah dankend nach ihr hinauf, doch sie schaute, während ihre Wangen glühten, nur hinab nach dem entleerten Körbchen und verschwand, nachdem sie das­selbe heraufgezogen hatte. Wonnetrunken blieb ich ge­fesselt stehen, Alles vergessend und nur des Wortes ge­denkend, welches sie mir geschrieben.

So stand ich in süße Träume vertieft, als plötzlich

der Lärm der mich umgebenden Me»ge verstummte und aus der Ferne die grellen Stimmen jener ^Knaben er­tönten, die Flugblätter zum Verkauf anbieten und ihren Inhalt verkünden. Wichtige Neuigkeiten aus Paris, riefen sie, LouiS Philipp ist geflohen mit seiner Familie, die Republik erklärt und der Königsthron auf freiem Platze verbrannt!

Alles war wie erstarrt ob der ungeheuren Kunde aber nur einen Moment, dann machte sich die von un­endlicher Ueberraschung beengte Brust Luft in Ausrufungen der Freude und des Dankes. Fortwährend erbebte die Lust von den nicht enden wollender Evvivano i bravi Francesi, morte ai tiranni, Evviva lindependenza dItalia 1

Lange war ich betäubt von dieser Nachricht, und als ich meiner Gedanken wieder mächtig, zweifelte ich an der Wahrheit des Vernommenen, denn mein Geist konnte es nicht erfassen, es war zu beseligend. Ich rannte zu einem Verkäufer, entriß ihm ein Blatt und las: es war wahr, was zu meinen Ohren gedrungen, noch einmal war die Pforte, welche aus der Schmach und Sklaverei zur Ehre und Freiheit der Völker führt, geöffnet. WaS wird Deutschland machen, war mein erster Gedanke, wird eS den günstigen Moment, den eine edle Nation ihm herbcigcführt, benutzen, oder wie früher, unbeachtet vorübereilen lassen?

(Fortsetzung folgt.)