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Kmc Zeitung.

Freiheit und Recht!"

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Jg 54» Wiesbaden. Sonntag, ^. März 1SÄ.

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonntmentsprel- beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 Fl. 45 fr, aâärts durch die Post bezogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und finv bei der großen Verbreitung derKreien Zeitung" stets von wirksamem ©rfolge. Die Jnserationsgebühren betragen für die vierseitige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

An die Leser!

Von vielen Seiten ist an uns der Wunsch gerichtet worden, wir möchten die wichtigern amtlichen Nachrichten, welche dieNassauische Attgemeine Zeitung" bringt, und welche uns wir wissen nicht aus welchem Grunde von der Regierung zur Verbreitung nicht zugeseudet werden, ebenfalls unsern Lesern aus jener begünstigten Zeitung mittheilen. Wir werden für die Zukunft diesem Wunsche genügen und glauben ' damit nicht allein dem Lande, sondern auch der Negierung, welcher die allgemeinste und schnellste Verbreitung ihrer Erlasse gewiß sehr erwünscht sein muß, einen Dienst zu erweisen. Ilie lletlaBM&^

^ Politische Wetrachtru^eu am Nevolu- tioustage der Nassauer.

Die Geschichte ist der Entwicklungsprozeß der Mensch­heit. Keines ihrer Ereignisse steht für sich grundlos und abgeschlossen da, alle gehören mit in eine große, zusammenhängende KetteEines ist durch das Andere bedingt. Alles Geschehene und Vorhandene ist in sich nothwendig und innerlich berechtigt: uns steht es nur zu, die vorhergegangknen Gründe, den ursächlichen Zu­sammenhang auszusuchen, und, für unsre eigne Gegen­wart, die Voraussetzungen begründen zu helfen, welche zur Erreichung eines Zieles führen, das uns, den Nei­gungen unseres Herzers und dem Maaße unserer Er­kenntniß gemäß, als das höchste und beste erscheint. Diese Worte mögen als Einleitung dienen zu einer Betrachtung über unsere gegenwärtige Zeitlage. Viel­leicht gelingt es, hier und da Vorurtheile zu beseitigen, erloschene Sympathicen rege zu machen, und den Un­zufriedenen den Weg zu jener höhern geschichtlichen Anschauung zu zeigen, welche allein vermag, den Men­schen über die gegenwärtigen Mängel zu erheben, das trostlose Herz zu beruhigen, und den Einzelnen zum un­ermüdlichen Schaffen an dem großen Werke zu spornen, das wir uns Alle gesetzt haben: der Begründung desGlückes und der Freiheit Iller durch die wahre Demokratie.

Unsre Revolution im vorigen Jahre ging von einem Geschlechte aus, das noch nie eine politische Freiheit besessen hatte, das sich darum über die nothwendigen Konsequenzen der Freiheit und Souveränität noch voll­kommen unbewußt mar. Während England seine Re­volution schon mehrere Jahrhunderte hinter sich liegen hatte, Frankreich im Jahre 1789 begann, erhob sich das deutsche Volk erst zu einer Zeit, wo ihm die Frage: ob Tod oder Leben für immer einfach und nackt vorgelegt war. Ansgestattet mit allem Wissen des Geistes, mit den erhabensten Produkten der Kunst war es politisch todt. GS litt Ueberfülle an Cul­tur, und schon drohte die Verwesung den allzulebens- vollen Körper anzufressen. Einer einzigen politischen That wußte es sich zu erinnern, der Befreiuungskriege; aber deren Glorie war mehr als zweifelhaft, deren An­denken getrübt: denn sie hatten ja nur dazu gedient, die politische Macht seiner ihm selbst innewohnenden Blut­sauger und Vampyren zu stärken und zu vermehren. Die lange Unthätigkett, zu der es seitdem verdammt war, oder sich selbst verdammt hatte, schien alle That­kraft in ihm erlahmt zu haben, und manches edle deut­sche Herz,' das für die Freiheit seiner Brüder schlug, ist danrals verzweifelt. Die soziale Erhebung M fran­zösischen Volkes hauchte dem scheinbar todten Körper Leben ein. Der revelutionären Elektrizität vermochte das deutsche Volk nicht zu widerstehen, und riesenmäßig waren die Zuckungen der galvanisieren Leiche. Wie ein Wunderfrühling stand plötzlich die Freiheit da: des Volkes ureigne Kraft hatte sie geschaffen, manche be­geisterte Kämpfer haben ihr Blut für sie verspritzt. Die Freiheit, ja aber was mit ihr auf außen? Wie nun auf einmal Neues aufbauen, des Alten Trümmer be­seitigen? Das wußte das Volk nicht; es verstand nur den Gedanken auszusprechen, der ihm die Freiheit sicherte das Wie der Ausführung mußte es Denen überlassen, die bisher für es gestritten und gelitten. Die Einheit, das war der Gedanke Aller; Niemand konnte glauben, cs würde noch harte Kämpfe um sie absetzen. Und jetzt?

Doch wer waren die Männer, denen damals das Volk dir Schaffung seiner Verfassung anvec- traute? Es waren die Helden der ehemaligen K a m m e r- opposition. Diese wurden überall Minister, diese wurden überall nach Frankfurt gewählt. Aber diese Männer hatten während ihrer Opposition in den Ständekammern sich nie von einer solchen Herrlichkeit

träumen lassen, ihre Thatkraft war längst er­lahmt, weil sie gewohnt waren an die Frucht­losigkeit ihrer Redeii; diese Männer waren auch nicht Vertreter des Volks, sondern gewöhnlich nur Vertreter des Adels, der Geistlichen, der Reichen. Sie wurden durch die Zeitungen bekannt, vom Volke vergöttert: jedes freie Wmt, mochte es auch im Tone der unterthänigsten Unterwürfigkeit vorgetragen sein, hallte in den Herzen der Gläubigen wieder, denn cs war ja die einzige Nahrung für die freiheitsdurstende Masse- Während es den Ra­dikalen kaum irgendwo vergönnt war, eine Stätte zu gründen, während sie verbannt und verfolgt wurden, und sich nach Ländern mit freieren Institutionen retten mußten, konnten jme Liberalen ihre Meinung allenthal­ben offen aussprechen, und der Beispiele, wo auch ihnen es nicht vergönnt war, gibtS nur wenige. Die Ver­treter des RadikalSmuS haben eist eine wirkliche Bedeu­tung für das Volk seit Preßfreiheit und Vereinsrecht, d. h seit der Revolution. Dies sind die Gründe, wa­rum das Volk die Leitung seiner Angelegenheiten den Liberalen" in die Hänve gab. Schliminere konnte nicht wählen, denn eS waren fast alleDoktri­när e", Leute, die sich nach einem bestimmten Systeme gebildet hatten, und dafür fanatisi t, einseitig hinein -verrannt waren. Es rührte dies daher, weil der von ihnen vorgetragkne Konstitutionmlismus keinen geschicht­lichen Boden in Deutschland hatte Baden, Hessen, Preußen rc. hatten nur Schei «Verfassungen! weil nichts, gar nichts von den alten Einrichtungen zu ge­brauchen, Alles erst neu zu schaffen war, und der ein­mal erwachte revolutionäre Geist des Volkes aus der einen, das unbezweifelte Streben der absolutistischen Partei nach Rückkehr zum Alten auf der andern Seite 'NichtZeit luß, solche konstitutionell-monarchische Einrichtungen fest zu begründen. Diese einseitigen Systeulslaute brauchen wir dem Volke nicht erst zu nennen, es sind dieProfessoren."

Die Einheit, das war der Gedanke des Volkes, der Gedanke seiner Revolution, zuerst zur äußern Erschei­nung gebracht durch das Parlament. D ese Elnhe t war ein bloßer Rausch, ein schnell erloschenes Feuer, eine momentane Begeisterung. Männer von ungebroch'- ner Thatkraft und ausgebildetem Wissen hätten vaS Volk damals zum schnellen Siege zu führen vermocht.

Es gab dazumal schon solche Männer. Aber das Volk glaubte nicht an sie. Es glaubte an die Professoren. And diese haben das Feuer verlottern lassen, haben es wohl verstanden, dieAnarchie von unten" zu bekäm­pfen, aber die Reaktion hat uuterbeß ihnen und dem Volke die Freiheit wegeskamotirt. 9to$ schlägt das >Herz gewaltiger, und zuckt krampfhaft die Hand, denken wir an die Tage, wo die Jugend in Wien jenen Teufel in Menschengestalt, das Scheusal Metternich, vertrieben

jene Jugend ist maffakrirt! wie das Volk in Ber­lin, die Arbeiter voran^, die Söldner des Absolutismus besiegte diese Söldner spielen jetzt die Herren! wie sich allentha'ben die Bauern erhoben, die Werkzeuge und Satelliten der Despotie, die volksfeindlichen Beamten, verjagten und alle Schandmale der alten Zeit vernich­teten sie seufzen jetzt unter dem Drucke nach wie vor, und die Zollhäuser sind wieder erbaut; und der arme Landmann sitzt einsam in seiner Kammer, und verzweifelt an der Freiheit und an seinem Gotte, und verwünscht aus Verzweiflung jene glorreiche Erhebung

oder brütet Rache, ach, und im Gefühle seiner Ohn­macht preßt sich das Herz und preßt sich die Brust, und er sieht keinen Ausweg und keine Rettung! Ja es war eine herrliche Zeit damals und selbst die Aus- brüche van Wuth, Leidenschaft, von Haß und Rache, waS wiegen sie gegen den tausendfachen überlegten, un­ter gesttzlichen Formen verübten Mord unsrer Feinde? O Volk, wir begreifen deine Leiden, wir fühlen sie mit, denn du bist uns ewig vermählt - aber merke dir den Spruch, den goldnen Spruch, und lerne darnach han­deln: jede Revolution verlangt neue Führer,

und nutzt die bisherigen ab! sie ist verloren, wenn sie nicht diesem Gesetze gehorcht!

Du hast es gesehen, waS man aus dir gemacht hat. Als man auS dir Etwas machen können, da hat man von Gesetz und Ordnung geschrieen, und hat dich zur Ruhe gebracht. Tausche dich nicht über deine damaligen Führer! Mögen sie dich elend gemacht haben absichtlich, oder aus Feigheit und Schwäche genug, du bist durch sie um deine Einheit und Freiheit gebracht! Höre, wenn fr j tzt heulen in ihren Zeitung«-«, daß Alles schief gegangen, und fügen zur Niederlage die Schmach, und schimpfen auf die Demokraten, br Alles veidorben, und wollen die Schuld, die sie allein verschuldet, auf die Unschuldigen'zm^c es, und wende dich ab von ihnen mit Zorn und Verach­tung! Eest haben sie Länder an uns gekettet, die selbst frei werden wollten, und haben die Freiheit unterdrückt in Polen, und haben in Italien die Freien knechten lassen und jetzt reißen sie Länderstücke loS mit Mil­lionen deutscher Brüder! Sie haben gefaselt von Ein­heit aller deutschen Stämme und nun verschenken sie Millionen Deutsche an einen österreichischen Herrn! Sie haben des Vo kes Rechte schirmen wollen und sehen zu dem Soldaten, egiment in Preußen! Freilich, die Armen, die einst keinen Mann ans dem Volke an die Spitze Deutschlands füllen wollten, sie sind jetzt verlegen um einen kaiserlichen Popanz!

Das Abtreten der V erei n barerver sa in ml n ng in Frankfurt wird zugleich des Volkes neues Er­wachen sein! Sofern wir jetzt noch nicht sattsam klug sind bis dahin sind wtt's gewiß!

Zwei Freiheiten sind es vorzüglich, die wir gerettet: die Freiheit der Presse und dec Vereinigung. Sie sind unsere einzige Waffen, an uns ist es, sie vorteilhaft zu gebrauchen an den Gebildeten, das Volk zu be­lehren, an dem Volke, sich nach Belehrung umzusehen! Wenn wir eine öffentliche Meinung für eine de­mokratische Einheitsverfa ssung geschaffen ha­ben, ähnlich der vor 10 Monaten für ein Parlament, dann ist die Schlacht gewonnen. Eine L hre nehmen wir einftnrifen mit: die Professoren haben unsere Ein­heit verrathen! Wu' hatten ihnen unser höchstes Gut, unser Eins und unser Alles anvertraut sie haben es nicht verstanden, damit zu wuchern! Sie haben den goldnen Schatz vergraben, und wir haben ihnen ver­gebens die Zinsen abverlangt! Wir wollen uns merken, wem wir das nächste Mal unser Schicksal nicht in die Hände geben dürfen!

Ais die ^ulircvotution des Jahres 1830 nicht die die gewünschten Früchte trug für Europa, Polen und Italien, die sich für ihre Freiheit erhoben, unterdrückt wurden, und die Deutschen sich damit abgaben, einen Fürsten (Braunschweig) wegzujagen und einen neuen an die Stelle des verjagten zu setzen, da schrieb der große Börne in Paris:Aber die Freiheit lebt auch tm Grabe fort, und wächst, bis sie den S.wg sprengt. Das sollten sich bi? Todtengräber merken!" Lange Nacht bat seitdem auf Europa gelagert. Sieb­zehn Jahre später brach e-st der neue Tag heran. Düsterer war eS damals, als heute: wir haben ge­nug aus dem Schiffbruch gerettet, genug, dam t die Worte jenes kdeln Deutschen bald, bald wahr werden.

Nationalversammlung zu Frankfurt.

190. Sitzung.

Auf die Berathung über §. 15 wird verzichtet und derselbe sogleich zur Abstimmung gebracht und angenommen. Er lautet:

§. 15:Stellvertreter der Abgeordneten sind nicht zu wah- len." Auf die DiScussion des §. IN wird gleichfalls verzichtet. Er wird in seiner ursprünglichen Fassung:

§. 16. Die Wahlen sind im Umfange des gaiizeu Reichs an einem und deniselben Tage vorzuiiehmen, den die Re­gierung bestimmt. Die Wahlen, welche später erforderlich «n , sind von den Regierungen der Einzelstaaten auSznschreiben , an­genommen. Die Versammlung verzichtet auf ne Dwtusllon des

17. Nachdem ein Antrag des Abgeordneten Gunther verwor­fen, wird er mit einem Zusatze des Abgeordneten Zell in folgen-