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Freiheit und Recht!"

JgSS,Wiesbaden. Samstag, 3 März

DieFreie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Nontags, täglich in einem Bogen. Der AboMiementspreis beträgt.vierteljährig hier in Wiesbaden 1 durch die Poft bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen uns sino bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" Erfolge. Die Znscrationsgcbühren betragen für die vierspalNge Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

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-«-Wiesbaden, den 2. März.

r Morgen wird es gerade ein Jahr, daß die erste Nummer derFreien Z itung" abgegeben wurde.

Diese nste Nummer brachte folgenden

Ruf und Gruß an alle Bewohner Nassau's

Und

Brudergruß an alle Deutschen.

Die Begeisterung der Freiheit, welche das ganze gebildete Europa durchleuchtet, mußte auch die Be­wohner dieses Landes ergreifen, und rühmen wir unS dessen: Wir sind unter den ersten der deutschen Nation, welche die deutsche Freiheit in einer freien Zei­tung verkündeten. Diese Zeitung ist heute gegründet.

Die Nacht liegt hinter uns der Tag beginnt. Das Volk ist mündig und begehrt seine Rechte. Rechte, vom Himmel verliehen, die keine irdische Macht zerstören kann.

Haben wir auch bis jetzt geseulzt unter dem Drucke der Tyrannei, die Stunde ist gekommen, wo die be­drängte Menschheit ihre durch die ewigen Gesetze der Natur verbürgte Freiheit zurückfordert.

Der gestrige Tag hat aus dieser Stadt und aus der Nähe Viele der Beßten unseres Gaues vereinigt. Die entfernteren Brüder sind durch die Gesinnung und den Ausdruck der Anwesenden vertreten.

Uns alle erfüllt die Uebeizengung, daß wir einig und fest die öffentliche Meinung dieses ganzen Landes kundgeben. Diese Ueberzeugung ist das ergebenste Ge­fühl dieser großen Stunde. Es gibt uns Vollmacht und Kraft, für die Abwesenden-wie für uns zu berathen und zu handeln.

Der Ausdruck unserer Gesinnung wird ein Echo finden im ganzen deutschen Vaterlande. Jeder Gau unseres herrlichen Deutschlands wir einstimmen in den Jubelruf:

Deutschland ist wiedergeboren, Dentschland ist frei!

Ein großes einiges freies Volk wird von nun an erscheinen auf dem Schauplatze der Welt. Es wird die Geltung Wiede, finden und behaupten, druck) deren Ent­behrung es zu Gespötte wurde aller Nationen! Ein­treten wird es in seinen hohen Rang unter die ersten Volker der Erde, und es wird von nun an keine Schmach, sondern ein Ruhm fein, zu sagen:

Ich bin ein D e u t s ch e r!

Mit Gott denn, für Volk und Vaterland!"

O welcher Jubel eines sich von langer Schmach der Knechtschaft aufraffenden Volkes liegt in diesen wenigen Worten, welche begeisternd aus einem vollen überströ­menden Herzen flossen.

Mit welchen unsäglichen Hoffnungen tritt uns hier wonneberauscht ein freiheitsdurstiges Volk ent­gegen !

Und welcher Schmerz ergreift uns heute,

gX Blätter aus meinen» Tagebuch.

Rom den 29ten Februar 1848.

II.

(Fortsetzung.')

Ich beschenkte ihn heute für seinen Dienst mit einigem Confect. Kaum hatte er es in Empfang genommen, so stand er auch schon vor einem Wagen und überreichte graziös einer hochgebornen Lady ein Bonbon. Diese war vor Erstaunen starr über den Verwegenen und schaute ihn verächtlich an, doch er kam nicht in Verlegenheit, griff in seine Tasche, holte eine Hand voll Mehl hervor und warf es laut lachend der verplüfftcn Dame in das Gesicht Als ich ihn nachher zur Rede stellte, sagte er, das sei Sitte, wer sich nicht dazu herab lasse, auf eine Gabe eine andere zurück zu erstatten, werde in dieser Weise gestraft.

Die junge Fürstin Canino kam gefahren, er sprang hin und überreichte ihr ebenfalls ein Stückchen, worauf sie ihm freundlich nickend ein in schön verziertes Papier gehülltes Zuckertäfelchen zurückgab. Als er dieses mit aller Gemüthsruhe verzehrte, bemerkte sein forschendes Auge einen steifen Britten, ganz beladen mit Blumen in einem Wagen sitz n; pfeilschnell sprang er auf diesen zu, der eben im Begriff war, sich eines seiner Sträuß­chen zu entledigen, und riß ihm den Rest aus der Hand. Der Geplünderte schimpfte und fluchte, doch der Junge

wenn wir die Worte lesen: Deutschland ist wieder­geboren, Deulschland ist frei!

Nein! Nem! müssen wir heute rufen, Deutschland ist nicht groß, Deut-chland ist nicht frei.

Fast über alle der bedeutenderen Städte Deutsch­lands hat man den Belagerungszustand verhängt, ja ganze Provinzen, große Landet strecken hat man mit r das Kriegsrecht gestellt.

Das friedliche Berlin seufzet noch bis auf diesen Tag unter der Willkürherrfchast eines Wrangel, und Wien, das Herrlitye W.en, haben die flavqd)en H.-rden namenlos geschändet.

- Truppen marschiren auf und ab im deutschen Reiche, und sorgen dafür, daß die deutsche Freiheit sich allent­halben freudig entfalten kann.

Heute heirschen unbeschrankt die Kanonen der Sol­dateska soweit sind wir mit der Ventilen Frei­heit gekommen.

Deutschland ist nicht groß, nicht stark, nicht einig.

Täuschen wir uns nicht: weniger, als vor einem Jahre, zur Zeit des entschlafenen Bundestages, haben heute die.deutschen Stämme einen festen, unzerbrechlichen Bund geschlossen.

Heute schämt,man sich nicht davon zu sprechen, ein Deutschland zu bilden, in welchem ein sehr bedeutender Theil Deutschlands fehlen soll; heute errvthet man nicht, die Einheit und Macht von Deutschland der Größe und dem Glanze eines Fürstengeschlechts zum Opfer zu bringen.

Die rohe Faust des Kriegers hält unsere Freiheit zu Boden, und die Scheere der zweizüngigen Diplo­matie hat unsere Einheit nach und nach in Stücke zerfetzt.

Das Parlament in Frankfurt verficht nicht mehr die Grundsätze der Volkssouveränität: es ist eine Magd der deutschen so innigst geliebten Landesväter geworden.

Die preußische Nationalversammlung hat Friedlich Wilhelm heimgeschickt unb aus eigner Machtvollkommen­heit dem Lande eine Verfassung gegen alle Zusagen aufgenötpigt.

Im Ausland hat Deutschland nur Schimpf und Fluch geerntet: denn ebenso, wie uns Dänemark höhnt, flucht uns Italien, das in,den Deutschen seine Tyrannen erblickt.

Doch wenn auch der Stand der Einheit wie Frei­heit Deutschlands heute den trostlosesten Anblick gewahrt, verzweifeln wir deßhalb nicht. Viele, viele Hoffnungen, welche rasch aufgekeimt, hat daS entronnene Jahr zer­treten; aber viele, viele Erfahrungen haben wir auch gemacht, und es liegt nur an uns, diese Erfahr unge , auszubeuten.

Verzweifeln wir nicht an der Größe und der Zu­kunft der deutschen Nation: aber halten wir auch an dem Satze, ter immer siegreicher in eilen deutschen Heizen sich Bahn brechen wird, von nun an im neuen Jahre nach dem 4. März unverbrüchlich

lachte ihn ans und rief ihm weglaufend zu, es fei Carne- val, und während desselben sei das Stehlen erlaubt.

Wo die Straße, welche zur Fontana di Trevi führt, in den Corso einmündet, war großer Lärm und solches Gedränge, daß ich meinen Weg nicht fortsetzen konnte. Zwei bis drei Kapuziner hatten sich hier in den Corso verirrt ; kaum erblickt, wurden sie so mit Gypsstaub über­säet, daß daüGraue ihres OrdenökleideS dem Weiß eines Müllers vollkommen glich.

Endlich war ich -bis zum Piazza di Venezia ge­langt und zu jenem engen Gäßchen, in welches der Corso ausmündet. Heute war letzteres ganz von Menschen ent­blößt und nicht fand ich eS angefüllt von Fischweibern, Fruchthändlern und Käufern wie an gewöhnlichen Tagen, wenn ich in dasselbe meinen Fuß setzte, um entweder, bald links abweichend, zu dem Forum Trajani und dessen colosaler Säule, oder in gerader Richtung weiter dringend über den sich abflachenden Monte Capitolino an daS Forum Roman um zu gelangen.

Ich lenkte hier ein und setzte meine Wanderungen fort, den Corso abwärts, beständig den belustigenden Spielen und Scherzen des Carnevals nachhängend.

Am Palazzo Simonetti, wo daS Casino der deut­schen Künstler sich befindet, schaute ich aufwärts, weil ich dort Bekannte zu sehen dachte. Ich hatte midi nicht getäuscht, alle Fenster waren von Deutschen gefüllt und zwar von solchen, die den Carneval schon sehr oft mit- gemacht hatten, und im Alter zu weit vorgerückt, eS für

fest:daß Deutschland nur groß und frei werden kann unter dem Zeichen der Demo­krat i e."

?t afibna!t>erfanimlnng zu Frankfurt.

179, Sitzung.

Es wird zur Tagesordnung, und zwar zuerst zur Fortsetzung der Berathung über §. 14 geschritten.

Abg. M. Mo hl van Stuttgart will direkte Wahl und ge­heime Stimmgebung, desgleichen Abg. Nauwerk qus Berlin, welcher in der Annahme der direkten Wahlen einen neuen Sieg über die Anarchie sieht.

Abg, Riesser als Berichterstatter des VerfaffungsauSllnis- seS: Der Ausschuß habe sich gefragt, was der Natur der Sache, dem Wahle des Vaterlandes entspreche. Er habe direkte Wahlen als die der Natur entsprechendsten anerkannt. Der Ausschuß sei nach für direkte Wahlen. Er wolle nichts Künstliches, wie er nichts Geheimes walle. Darum habe er auch di? Oeffe'illlichkeit der Wahlen beantragt. Die allgemeine Theilnahme an den Wah­len werde dadurch mehr geweckt, und diese Theilnahme sei noth­wendig, wenn die Wahlen wahr ausfallen sollen. Es sei nicht zu besorgen, daß sich bei direkten Wahlen keine Majorität her­ausstellte. ES sei bewiesen, daß in allen Ländern, wo direkte Wahlen bestehen, sich immer immense Majoritäten herausgestellt haben. Direkte Wahlen mit absoluter Majorität seien die wahr­haften, echtesten und volksthumlichsten. Es wird zur Abstimmung geschritten. Ein Antrag, den §. 14 erst zur Abstimmung zu briu- gen, wird abgelehnt. Das erste Alinea des §. 13;die Wahl­handlung ist öffentlich. Bei derselben sind Gemfli.deglieder zuzu­ziehen, welche kein Staats- oder Gemeindeamt bekleiden", wird einstimmig angenommen. Ueber Alinea 11:daS Wahlrecht muß in Person auSgeübt, die Stimme mündlich zu Protokoll gegeben werden", wird namentlich abgeftimmt. Dasselbe wird mit 239 gegen 230 Stimmen abgelehnt. Es wird daher der Antrag der Minorität des Ausschusses:Das Wahlrecht wird in Person durch Stimmzettel ohne Unterschrift ausgeubt", zur Abstimmung und zwar zur namentlichen gebracht. DaS Minoritätserachten wird mit 249 gegen 218 angenommen. Es wird zur Abstimmung über §. 14 geschritten. Zuerst über den Satz:Die Wahl ist direkt." Es wird darüber namentlich abgestimmt, und derselbe mit 264 gegen 202 Stimmen angenommen. DaS übrige des Pa­ragraphen wird in seiner ursprünglichen Fassung angenommen. Er lautet daher: §. 14,Die Wahl ist direkt." Sie erfolgt durch absolute Stimmenmehrheit aller in einem Wahlkreis abge­gebenen Stimmen. Stellt bei einer Wahl eine absolute Stim­menmehrheit sich nicht heraus, so ist eine zweite Wahlhandlung vorzunehmen. Wird auch bei dieser eine absolute Stimmenmehr­heit nicht erreicht, so ist zum dritten Male nur unter den zwei Eandivaten zu wählen, welche in der zweiten Wahlhandlung die meisten Stimmen erhalten. Bei Stimmengleichheit entscheidet daS LooS. Schluß der Sitzung 1 */2 Uhr. Nächste Sitzung und Fort­setzung der Berathung des Wahlgesetzes: Freitag, den 2. März.

Deutschland.

* Wiesbaden, ben 2. Ma>z. Die Feinde des Volks und der Freiheit wünschen auch hier nichts sehnlicher, als daß bei Gelegenheit der Feier des 4. März, hier und da einige Excesse oder Cra- valle vorkommen möchten, welche dann den will- kommnen Anlaß hergeben wurden, Belagerungs- Zustände auszusprechen, die Freiheit der Presse auszuheben, und höhein Orts mißliebige Personen bei Seite zu schaffen.

Wir hülfen nicht vergessen, daß Nassau, beherrscht

1 zu mühsam erachteten, in der Straße sich herum drängen ; zu lassen. Wer während deS CaruawalS in Rom ist, I nimmt, wenn er auch noch so oft dessen Genüsse gekostet, in irgend einer Weise an diesem Theil und so auch jene, ! Sie hatten sich lange Angelrutheii gekauft, an die statt deS Hackens, Blumen, Confect rc. rc. befestigt waren. Gerade unter ihren Fenstern saßen am Trottoir, einige TraSteverinen, deren starke volle Formen an die Kraft und Energie der alten Römerinen mahnten. Diesen tanzten nun beständig die angebundenen Dinge über ten Häuptern, fuhren selbst manchmal an ihre vollen, gebräunten Wangen, doch, wenn eine danach haschte, waren sie einige Fuß wieder höher geschnellt. Beiden Theilen gefiel dieses Spiel ausnehmend, und öfters erschallte abwechselnd von beiden Seiten Gelächter, je nachdem die einen durch schnellen Zug daS Festhalten vereitelten oder die andern die Schnüre erfaßten und ihrer Last entledigten. , Alles freut sich an diesen Tagen, Jung und Alt ohne Unterschied, nirgends ist ein trauriges Antlitz zu schauen und was ist die Ursache? Der Frauen Schönheit und Lieblichkeit mag großen Antheil daran haben, den größten aber der Umstand, daß alle die Schranke», welche die niederträchtigen socialen Verhältniße der vergangenen und jetzigen Zeit gezogen haben, für einige Augenblicke ge­fallen sind.

(Fortsitziing folgt.)