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Freiheit und Neeht!"

A2. Wiesbaden. Freitag, 2 März Z8LN.

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DieFreie Zeatung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem ^Zogen. Der Abonneuwntsprns betrugt vierteljährig hier in Wiesbaden ! fl. 45 fr., auswärts durch die Pest bezogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei dec großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. - Die ZnserationSgebühren betragen für die vielfältige Peritzeile oder deren Raum- 3 Kreuger.

All die Befer!

Wir geben heute als Beilage unseres Blattes ein Eremplar des in Darmstadt erscheinenden, von C. Schäffer redigirtenLucifer" mit aus, und erlauben uns unsere verehrten Abonnenten dieses Blatt, welches sich die Freimachung des Geistes innerhalb der kirchlichen Ge­meinschaft zum Ziele gefetzt hat, bestens zu empfehlen: denn jeder Fortschritt in jenem Gebiete wirkt auch zurück auf die Festigung der Freiheit der Staaten, und nur die staatliche Freiheit kann auf Bestand rechnen, welche sich stützt auf die Freiheit im Glauben, Denken und Lehren. IMe MedaSMosi.

Die 9keakti 0 n.

Von der Lahn. Mit Unrecht, deutsches Volk, ver­schreit man dir deine Windischgrätz und Wrangel als Reagenten, mit Unrecht nennt man sie die Stützen der rothen Monarchie: Schau nur nach Berlin, und da wirst dich überzeugen, daß der eifrigste Republikaner dir nicht besser in die Hände hätte arbeiten können. Wir sind fast versucht, diese Herren für verkappte De­mokraten zu halten und daß irgendein reaktionärer Ver­ein sie förmlich als Hochverräther erklärt hat, kann uns nur in dieser unserer Vermuthung bestärken.

Die Zahl der politischen Eisenmänner, welche denn doch nun auch bald Reaktion zu wittern anfangen, wächst ganz erstaunlich in unserem lieben Vaterland; aber noch viel erstaunlicher ist es, zu sehen, mit welcher Gemüths­ruhe diese Herren die riesigen Fortschritte der Reaktion betrachten, ohne irgendwie an Gegenrede nicht ein­mal an die berühmte Berlinerpassire" zu denken. Sie ärgern sich ganz entsetzlich, daß eine Stadt nach der andern in Belagerungszustand versetzt, eine nach der andern entwaffnet, und selbst deS Vo'kes heiligstes Kleinod, die Preßfreiheit, ärger denn zu den blühendsten Zeiten des Absolutismus unterdrückt wird; aber sie können es nicht über sich gewinnen, dieser zurückgängi­gen Bewegung hermnend in den Weg zu treten. Als man in Frankfurt den ersten Grund zn dem unver­meidlichen Untergang der jungen Freiheit legte, da ju­belten sie, und jetzt, wo sie vor dem Abgrund stehen, an welchen sie sich leiten ließen, da klagen sie und rufen:Halt, so weit haben wir nicht gewollt!" Aber ihr, die ihr seither die Macht in den Handen ge­habt, ihr habt keine Macht mehr, ihr könnt den Lauf der Geschichte nicht mehr hemmen und auch an euch wird sich Louis Blanc'S Spruch bewähren; so lange man eurer noch bedürfen wird, wird man euch schmei­cheln , aber wenn ihr entbehrlich geworden seid, dann trifft euch auf der einen Seite Verachtung, auf der andern Seite der Fluch deö Volkes, das ihr verrathen. Unaufhaltsam wird das Staatsschiff von dein reaktio­nären Winde fortgetrieben werden, bis es an den Eis­klippen des Nordens zerschellt, oder die Stürme des Westens seinen Lauf ändern werden; in seinem Fall aber ist euer Loos zu beneiden.

Wir wollen es uns nicht verhehlen, diese starke Re­

e* Blätter aus meinem Tagebuch.

11.

(Fortsetzung.)

, Rom den 29ten Februar 1848.

Die Glocken hatten die zweite Stunde nach Mittag angezeigt und eben war auf der Engelöburg die Kanone gelößt worden, welche den Anfang der heutigen Carue- valsbclustiguugcn anzeigte. Eilig zog ich meine grau­leinene Blouse au, hing mein Iagdtäschchcu um, setzte meinen grauen Filzhut auf und verließ meine Wohnung.

Schnell wanderte ich durch die via sistina, stieg die spanische Treppe hinab auf den spanischeu Play und trat zu den Blumeuverkaufern, die sich in dichte Menge hier und in der einmündeuden via Condotti mit ihren Körpen niedergelassen hatten. Unzählige Arten der ersten Früh- lingsblüthen, zu zierlichen Sträußchen vereinigt, waren hier aufgehäuft; ich begnügte mich nur mit einigen duf­tenden Veilchen, und besuchte dann eine nahe liegende Conditorei, wo ich meine Taschen mit solchem Confect anfüllte, daS sich am besten um Werfen eignete. Als ich heraus kam, umringten mich sogleich vier, fünf Vet- turini, die mir wetteifernd ihre Wagen anwiesen, doch ich wieS alle ab, da ich an dem vorhergehenden Tage, wo ich einige Mal fahrend den Carnawal mitgemacht, gefunden hatte, daß eS viel mehr Genuß gewährt, zu

aktion leistet der Sache des Fortschu'tts unendlichen Vorschub; den großen Massen der Unentschiedenen und Halben werden die Augen g öffnet, und wenn sie nicht feige die Augen verhüllen, wenn sie sich nicht selbst^ be­lügen wollen, dann müssen sie sehen, auf wessen Seite das ewig unveräußerliche Recht und die Wahrheit ist. Die völlige Unkcuutniß aller politischen Verhältnisse, welche die Reaktionäre dem Volke als feine größte Tu­gend anzupreisen nicht müde werden, ti ägt zwar nicht wenig zu der Gleichgültigkeit bei, mit welcher die frei­heitsfeindlichen Gesetze der einzelnen Regierungen aus­genommen werden, aber diese Gleichgültigkeit ist noch lange kein Zeichen des Einverständnisses. Sobald der Indifferente nur den leisesten, nicht mehr gewohnten Druck empfindet, wird er sich erheben, und so gleich­gültig er früher gewesen, fo^ entschieden wird er nun werden.

Darum, ihr Männer der That, ihr Demokraten von ächtem Schrot und Korn, die Hoffnung nicht verloren, der Sieg ist um so rühmlicher, je größer die Macht des Besiegten war. Könnt ihr den Gegnern auch nicht mit dir Gewalt der Bajonette entgegentreten, so habt ihr doch viel bessere Waffen, düs Schwert des Gei­stes und der Wahrheit, unter dessen Streichen die Gegner, und seien es auch Legionen, unterliegen müssen.

Thronrede des Königs von Preußen,

gehalten bei Eröffnung der Kammern in Berlin,

26. Februar.

Meine Herren Abgeordneten der ersten und zweiten Kammer! Ereignisse, die Ihnen Allen in frischem Gedächtnisse sind, haben Mich im Dezember v. I. genöthigt, die zur Vereinbarung berufene Versammlung aufznlösen. Unfreiwillig habe Ich, überzeugt von der unabweislichen Rothwenvigkeit endlicher Wiederherstellung eines festen, öffentlichen- Rechtszuffandes, dem Lanve eine Verfassung verliehen, durch deren Inhalt Meine im März v. I. ertheilten Verheißungen getreulich erfüllt find. Seitdem ist die Spannung, in welcher noch vor wenigen Monaten ein großer Theil des Lan­des sich befand, einer ruhigen Stimmung gew chen. Das frühere, tief erschütterte Vertrauen kehrt allmäbl^g wieder. Handel und Gewerbe fangen an, sich von der Lähmung zu erholen, welcher sie zu erliegen drohten. Ergriffen von dem Ernste dieser Stunde, sehe Ich die auf Grund der neuen Verfassung gewählten Mitglie­der beider Kammern zum ersten Male um meinen Thron versam­melt Sie wissen, meine Herren, daß Ich Ihnen eine Revision der Verfassung vorbehalten habe. An Ihnen ist es jetzt, sich dar­

Fuße unter der Menge sich herum zu treiben. Unge- i bunden kann man in dieser Weise, dort, wo eS einem behagt , weilen, während der, welcher in einer Kutsche sitzt, in der Wagenreihe bleiben muß; gar oft nun stokt diese, und man wird gezwungen anzuhalten an Stellen, wo nicht daS geringste Vergnügen vorhandelst.

Der nächste Weg zum Corso führte durch die via Condotti, doch, da ich mit der Dame, welche ich mir während deS Caruawals zur Freundin erkohren, zuerst mein Sträußchen wechseln wollte, ging ich den spanischen Platz entlang durch die Via Babuina nach dem Piazza delPopulo, von wo ich einbog in den schon ganz be­wegten Corso.

Ueberall waren die Wohnungen auSgeschmückt mit prachtvollen Teppichen, Fahnen flatterten auS jedem Fenster, theils römische, weiß und gelb, theils die Farben vom einigen Italien, grün, weiß, roth tragend. Auf den Balkönen, an den Fenstern eiblickte man eine un­zählige Menge schelmisch lugender Köpfchen, die Stühle und Bänke auf dem Trottoir angebracht, waren ebenfalls schon besetzt und zwar von manchem schönen Kinde. Eine doppelte lange Wagenrcihe bewegte sich durch den Corso und wurde durch Dragoner in Ordnung gehalten, die auf dem Playe, wo die eine in die andere umbog und an den einmündeuden Seitenstraßen ausgestellt waren. Die noch übrigen Räume waren von männlichen und weiblichen Fußgängern so auSge 'üllt, daß man, wenn man weiter wollte, sich erst einen Weg durch die Menge bahnen mußte.

über unter einander und mit Meiner Regierung zu verständigen. Zu Meinem Bedauern hat über die Hauptstadt und ihre nächste Umgebung der Belagerungszustand verhängt werden müssen, um die Herrschaft der Gesetze und die öffentliche Sicherheit wieder herzustellen. Es werden Ihnen, meine Herren, hierauf bezügliche Vorlagen ohne Verzug zugeheu. Außer den in meinem Patente vom 5. Dezember v. I. angekündigten dringlichen Verordnungen sind noch über einige andere Gegenstände, welche im öffentlichen Interesse einer beschleunigten Regulirung bedürfen, auf Grund der Art. 105 der Verfassungöurkunde vorläufige Verordnungen erg n« gen; insbesondere habe Ich durch die vielfachen dringenden An­träge einer unverzüglichen Reform dec Verhältnisse des Handw r* kerstandes mich bewogen gefunden, zwei vorläufige Verordnungen für diesen Zweck zu erlassen. Alle diese Verordnungen werden Ihnen ohne Verzug zur Genehmigung vorgelegt werden. Außer­dem werden Sie sich mit der Berathung verschiedener theitweise zur Ausführnng der Verfassung nothwendigen Gesetze zu beschäf­tigen haben, deren Entwürfe Ihnen nach und nach zugehen wer­den. Ich empfehle Ihrer sorgsamsten Erwägung besonders die Entwürfe der neuen Gemeindeordnung, der neuen KreiSbezirks- und Provinzialordnung, deS Unterrichtsgesetzes, des Gesetzes über das Kirchenpatronat, des Einkommensteuergesetzes, so wie der Er­setze über Ablösung der Reallasten und die unentgeltliche Aufhe­bung einiger derselben und über die, Errichtung der Renleubanken, und des Grundsteuergesetzes.

Um die durch die Verfassungsurkunde ausgesprochene Selbst­ständigkeit der verschiedenen ReligionögeseUschaften zu verwirklichen, sind die erforderlichen Einleitungen getroffen, und wird damit so schnell, als es die Wichtigkeit des Gegenstandes gestattet, vorge­schritten werden. Der nach der Verfassungsurkunde vor Eintritt des Rechnungsjahres veröffentlichte Staatshaushaltungsetat für das Jahr 1849 wird Ihnen mit den erforderlichen Erläuterungen zur nachträglichen Genehmigung vorgekegt werden. Sie werden daraus entnehmen, daß ungeachtet dec im Vergleich gegen die vorigen Jahre zu erwartenden Verminderung des Steuereinkom- mens der für verschiedene AuSgabenzweige, namentlich für öffent­liche Arbeiten erforderliche Mehrbedarf ohne Steuererhühung und ohne Benutzung des Staatskcedits wird gedeckt werden können. Ueber die Verwendung der im verflossenen Jahre auf Grund der Ermächtigung des vereinigten Landtages aufgenommenen freiwil­ligen Anleihe von 15 Mill. Thalern wird Ihnen Rechenschaft ge­geben werden. Ich habe- es dankend und mit Genugthuung an- juerkennen, daß die Bereitwilligkeit, mit welcher die bemittelten Einwohner aus allen Theilen des Landes und aus allen Klassen des Volkes, inmitten der drückendsten Verhältnisse, bei dieser An­leihe sich beteiligten, den Rückgriff auf andere, kostspieligere Maß­regeln entbehrlich gemacht hat. Auch über die auf Grund der Ermächtigung des vereinigten Landtages erfolgte Ausgabe von Darlehns-Caffenscheinen unb über einige hiermit in Verbindung stehende Maßregeln zur Unterstützung der bedrängten gewerblichen Thätigkeit wird Ihnen näherer Ausweis vorgelegt werden. ES ist auf diesem Wege gelungen, manchen schweren Unfällen, welche eine verderbliche Rückwirkung auf größere Bezirke und ganze Pro­vinzen geäußert haben würd m, zuvorzukommen, und die gewerb­liche Thätigkeit im Lande aufrecht zu erhalten.

Der Staatshaushalts-Etat für das Jahr 1850 wird nebst dem Entwürfe deS zu seiner Feststellung nöthigen Gesetzes an Sie

Im dritten Hause der linken Häuserreihe wohnte meine Freundin, dort steuerte ich hin und ließ mich nicht auf- halten, wenn mir auch ein üifhgcr Bajazzo, seiner mit Luft gefüllten Blase sich bedienend, auf den Kopf schlug, ein anderer mich mit GypSstaub bewarf oder gar ein dritter mir meinen ehrwürdigen, grauen Filzhut in daS Gesicht drückte. Auf dem Balkon im zweiten Slocke deS HalifeS stand sie, das schöne Hbupt auf daS kleine weiße Händchen gestützt, nnd ihr himmlisches Auge schaate sinnend hinab in daS lustige Treiben. Ihr dunkleS reiches Haar war umgeben von einem rothen Schwahl und ihre Wangen zart und durchscheinend wie der erst gefallene Schnee, der ihrer Heimath Fluren deckt, ließen heute, gereizt durch den erfrischenden Frühlingshauch etwas mehr Roth durchschimmern als an sonstigen Tagen. DaS schwarze Kleid von feinen Seivenfäden gewebt, schloß sich eng an die zarten Glieder, die bewiesen, daß die Natur- schöner zu formen vermag alS selbst der talendvollste Künstler.

Ein kleines Zauberbüchelcheu, von mir entsendet, traf ihre Hand und erweckte sie auS ihren Träumen. Sie schaute auf und ließ freundlich lächelnd und grüßend ein Sträußchen zu mir hernieder fallen,' ich warf ihr alsdann ein Bonbon hinauf, welches sie mit einem ähnlichen er­wiederte und endlich empfing sie von mir ein Vcilchcii- gcbinde wofür sie mir ein gleiches zurückgab. Sehnjuch- g zu ihr Hinaufbluckend, steckte ich die Blumen an meine Brust, schickte ihr noch einen Gruß und entfernte mich Mim.