sicher zu sein." Sage doch lieber, als Localkundiger, daß der Kern der Winkler Bürgerschaft zu unserm Vereine gehört; sage, daß sich in unserm Vereine ein Geist gebildet hat, der sogar den Gegnern — gewiß auch Dir, wenn Du offen sein willst — Bewunderung abnöchigt; sage, daß noch nicht ein Erceß (wenn Du allenfalls das obige Factum, das übrigens in unserm Vereine, als unserer guten, heiligen Sache hinderlich, öffentlich gerügt wurde — wovon Du jedenfalls auch Kunde hast — nicht als einen Erceß ausgibst) von einem Mitglieds unsers Vereines seit der Zeit seines Bestehens verübt worden ist; während ich Dir, wenn ich ein, Freund von Scandalen wäre, von Deinen „guten Bürgern" scan- daleuse Geschichten erzählen könnte. Du kennst ja, Freund, diese Geschichten!
Du meinst, zweifelhafter Freund, ich könnte steicht gegen mein besseres Wollen statt Bildner von wahrhaft freien Bürger zu sein, Bildner von „Räuber" werden. Beruhige Dich, Du hast bloß ein Gespenst gesehen. Komme nur einmal in unsern Verein, Du wirst dort lauter ehrliche offene Gesichter sehen; Du wirst eine Sprache hören, wie sie wahrhaft freien Bürgern geziemt; Du wirst dort hören, daß uns „Schicklichkeit, Pietät, Moral und Religion" noch lange keine leere Phrasen sind; Du wirst dort — ich bin dessen überzeugt — von Deiner Gespensterfurcht genesen.
Du räthst mir, anonymer Freund, bezüglich meiner Leetüre. Die „Freie Zeitung" und das „Frankfurter Journal" gefallen Dir nicht. Siehst Du, mein Lieber, jeder Mensch hat seine Eigenheiten; mir gefallen nun diese Blätter; sie befriedigen mich. Wir wollen es daher so machen: Du liesest, was Du willst und ich bekümmere mich nicht um Deine Lectüre, und ich lese, was i ch will und Du bekümmerst Dich auch hübsch nicht um meine Lectüre. Wollen wir's so machen? Nun schön!
Du erinnerst mich an meinen „frühern" Fleiß und Eifer für meine Schule und für meine Fortbildung als Schulmann, mein Guter. Bin ich denn nachlässiger geworden oder ist der Stand meiner Schule nicht wie früher? Siehst Du, Freund, das weiß ich nur; selbst mein Herr Pfarrer weiß es nicht, da er während des ganzen Wi tei Halbjahres meine Schule noch nicht gesehen hat. Warte also bis zur Prüfung; dann komme und m theile hübsch über meine Wiiksamkeit.
Was der Rath betrifft, daß ich, wenn ich keine Lust mehr zu meiner Schule verspüren sollte, mir einen andern Beruf wählen möchte; so erkläre ich Dir, daß meine Schule, wie jener Bauer sagte, mein Element ist. Um keinen Preis werde ich meinen Beruf vertauschen, weil ich meine Kinder, wie mich s lbst liebe. Wie will ich ein Feld, das mir jetzt zur freien Bewirth- schaftung übergeben werden soll, an einen andern ab- tieten! Ich freue mich schon im Voraus auf das Gute, was ich und meine College« nun bald in einer freien Schule, bei freier, selbstständiger Wnksamk.it zum Heile des Volkes wirken können. Steck' Deinen Rath also ein, Freund!
Du hast von Zwietracht säènden, kirchenfeindlichen Reden gehört (oder geträumt?), die-ich gehalten haben soll, bist aber trotzdem »och immer fest überall ,t, daß mir die Religion mehr gilt, als das Rheingauer Demo- kratenthum, und mehr als die „Bravo'ö", die mir die Demokraten zurufen. Das soll freilich eine Schmeichelei für mich sein, allein so ganz unreckt hast Du übrigens doch nicht. Religion gilt mir Alles; Du und kein Anderer wird sie mir je rauben können. Wenn Du aber glaubst, Religion und Demokratie seien entgegengesetzte Begriffe, so irrest Du gewaltig. Das Demokratenthum, das ächte — und zu diesem bekenne ich mich — sucht Volkswohl und Volksglück aus reiner Menschen- oder Nächstenliebe zu verbreiten; es sucht jedem Menschen die heiligsten Rechte in Bezug crf Person, Eige thum, Ehre und Freiheit zu wahren; das Demokratenthum ist also gewissermaßen der Probisstein, an dem man die wahre Religion erkennen kann. Du siehst also, lieber Freund, wie sehr Religion und Demokratie in einander greifen, und wie es einem Menschen nur zur Ehre gereicht, wenn er ein wahrer Demokrat ist.
Zum Schlüsse zählst Du mich, mein Bester, zu den bessergesinuten Bürgern (danke schön für's Compliment!) und wünschest, daß mir die Augen nicht zu spät aufgehen möchten. Ein guter Bürger zu sein, soll stets meinen Ruhm meine Ehre ausmachen und damit Ade! lieber Freund! Solltest Du Lust verspüren, fernerhin noch f eundschaftlichen Umgang mit mir zu pflegen, so bitte ich Dich, lege die Maske ab und gehe mir mit Deinem ehrlichen, offenen Gesichte zur Seite. Solltest Du aber das nicht wollen, dann müßte ich D'ch ignoriren. Also herunter mit der Maske!
I. EffelSberger, Lehrer in Winkel.
Frankfurt, 20. Febr. Die Geldnoth ist noch immer groß im Reichsfinanzministerium. Geld! Geld! verlangt man von allen Seiten und es ist kein Geld da. Ersparnisse sollen deshalb gemacht werden, aber nur in kleinen Ausgaben, nicht in großen. Zwölf Parlaments- diener sind entlassen worden, der Gehalt der Stenographen sollte vermindert werden, die Stenographen wollten aber nicht darauf eingehen. — Wozu dienen die Marineräthe, fragt man sich hier, wir haben ja noch keine Flotte, warum also Angestellte mit vielen Tausend Gulden Gehalt? Wozu die Sendungen von Neichs- kemmissären, von Flottcninspectoren, die km Reich viel
Kosten verursachen und keinen Nutzen, keinen Zweck haben? (Oder-Z)
Aus Kurhesse', 20. Febr. An der Organisation unserer demokratischen Vereine wird allenthalben eifrig gearbeitet. Die meisten haben den demokratisch-socialen Verein zu Kassel, der gegen 2500 Mitglieder zählt und ; auf den Dörfern und Landstädten in einem Umkreis ' von mehreren Meilen überall Zweigvereine hat, zum ' provisorischen Landesvorort gewählt. Zur Abhaltung 1 ein s demokratischen Laudescongreffes werden Vorbereitungen getroffen. ’ * (M. A.- Z.)
München, 24. Febr. So eben — 2 Uhr — ist eine Sitzung der Reichsräthe beendigt, welche um 12 Uhr begonnen hat. Einige Interpellationen des Fürsten Wallersteins wurden ebenso, wie ein paar Stunden zuvor in der Abgeordneten-Kammer, von Graf Bray beantwortet. Einen ausführlichen Sitzungsbericht konnte ich weder gleichzeitig nachschreiben, noch werde ich ihn vor Einsicht der stenographischen Berichte Nachträgen. Die Gründe liegen in folgender, von den anwesenden Repvtern gemeinsam verfatzten „Erklärnng: Nachdem den Correspondenten hiesiger und auswärtiger Blätter heute schon zum zweiten'Male die Zumuthung gemacht wurde, in dem Vo zimmer der Kammer der Reichsräthe zu antichambriren, bis sämmtliche Reichsräthe ihre Plätze in der Kammer eingenommen, haben sie sich vereinigt, da auf ihre Einladung an den Präsidenten, sich einen Augenblick Heeauszub« mühen und ihre Beschwerde entgl-genzunehmen, dieser sich hierzu nicht bemüßigt fand, heute einen Bericht Wer die Reichsraths- sitzung nicht erscheinen zu kaffen. Sie haben geglaubt, daß die Würde der Presse nicht vo r dem Willkür-Akte eines hocharistokratischen Kammerpräsidenten verletzt werden dürfe, und sie werden künftig an demselben Verfahren fi schalten, so lange diese Mißachtung faktisch besteht." (N. C.)
Köln, 26. Februar. Zehntausend Russen stehen in Siebenbürgen.
Es gilt kein Läugnen mehr, alles Verschweigen und Vertuschen ist unmöglich geworden; die Thatsache ist da, die Wiener Offizielle Zeitung selbst gesteht sie ein. Das also waren die gewaltigen Siege der kaiserlichen Soldknechte, das ist das Resultat all der pomphaften Welden'schen, Windischgrätz'fchen, Schlick'schen, Puchner- schcn Bulletins: daß das ganze großmächtige Oesterreich, um mit den fünstehalb Millionen Magyaren fertig zu werden, die Russen zu Hülfe rufen muß!
Berlin, 24. Febr. Der Mitarbeiter der „demo- keati'schen Korrespondenz" Hr. Heilberg, ist gestern Abend plötzlich verhaftet worden. Ee ist der Majestätsbeleidigung und des Erregens von Mißvergnügen durch mehrere Artikel der „demokratischen Korrespondenz" vom 12. und 18 Dezember, 4. Januar und 14. Februar, angeklagt worden. Er sah sich veranlaßt darauf anzutragen, ihn der Untersuchungshaft zu entheben, event, aber seine Sache so schleunig als möglich zu er* ledigen, damit dieselbe nicht vor den Zwanzigthaler- Geschwornen zur Verhandlitng komme.
— Vor der ersten Abtheilung des Criminalgerichts unter Vorsitz des Direktors Harrassowitz, wurde heute die Sache des Studiosus Friedrich, der bekanntlich angeklagt war, durch Herumtragen einer rothen Fahne und den Ruf: viv la République! den Umsturz der bestehenden Verfassung versucht zu haben, in contuma- tiam verhandelt. Der Staatsanwalt Neumann hielt trotz der schwankenden Zeugenaussagen die Anklage aufrecht und war human genug nur auf die Strafe des Räderns von unten herauf anzutragen und die Prozedur des Schleifens zur Nichtstätte nicht einmal zu erwähnen. Der gewandten Vertheidigung des Advokat-Anwalt Dorn wurde es leicht, die Gründe des Herrn Neumann, der sich nur im Gebiet der Möglichkeiten bewegt hatte, zu entkräften. Es erfolgte ein Erkenntniß, welches nicht allein den Friedrich von der Anklage entband, fonkrn auch den humanen Herrn Staatsanwalt nachdrücklich darauf aufmerksam machte, daß er bei so schweren Anklagen nicht allein seiner fruchtbaren Phantasie folgen müsse, sondern Gründe vorzubringen habe. (N. Nh. Z.)
Schleswig, 11. Febr. Der „Allg. Ztg." wird geschrieben: „Ich bin im Stande, Ihnen die Nachricht mitzutheilen, daß man dänischerseits nunmehr fest entschlossen ist, den Waffenstillstand unter jeder Bedingung zu kündigen, und daß das Kopenhagener Cabinet wenig oder gar keine Hoff ung für den Augenblick hegt auf den Abschluß eines Friedens, der den dänischen Ansprüchen genügt, wenigstens ist es fest entschlossen, so zu handeln, als ob es diese Hoffnung nicht hegte. Es ist ein dänischer Commissär mit darauf bezüglichen Instruktionen nach London abgegangen, und man bereitet alles auf den Ausbruch des K-ieges vor. Man rechnet mit Bestimmtheit auf die inneren Zerwürfnisse in Deutschland und Preußen, und hofft mit den Herzogthümern ohne deutsche Unterstützung bald fertig zu werden. Es muß dabei nicht vergessen werden, daß die Stimmung in Kopenhagen noch immer sehr heftig gegen die Deutschen ist. Wichtiger ist der^ russische Einfluß. Es besteht wahrscheinlich von 1773 ein geheimer Familien- Tractat zwischen dem dänischen und km russischen Hause, der beide zu gegenseitiger Hülfe verpflichtet, und der natürlich darauf berechnet ist, Rußland pinen Einfluß am Sunde zu sichern. Auf Grund dieses Tractates hat schon im vorigen Jahre Rußland seine Hülfe an- geboten. Die bekannten russischen Erbansprüche geben
eine gute Folie für weiteres Einschreiten. Es ist ganz gkwlß, daß bereits im vorigen Jahre Rußland den Kreler Hafen besetzen wollte, nnd daß der Großfürst Konstantin persönlich auf der, diesen Hafen blockirenden Korvette einen Besuch abstattete; nur eine sehr peremp- torische Erklärung Englands hatte damals Rußland ab- gehalten! Jetzt aber muß und wird Rußland den Deutschen an der Eider zu thun geben, um an der Donau freie Hand zu haben. So stehen die Sachen und der Sommer naht.
Wien, 21. Februar. Rußland läßt in Oesterreich schon den Boden zur künftigen Besitznahme kneten; es geschieht nicht nur in Siebenbürgen, sondern auch in Prag. Nikolaus hat nämlich den Banquier Sina, einen Romanen, veranlaßt, in Prag ein griechisches Kloster zu gründen.
Wien, 21. Febr. Im Ministerium der Innern ist für die serbischen Angelegenheiten eine eigene Sektion, mit einem Ministe rialrathe an der Spitze, erlichtet worden.
Minister Graf Stadion ist in seinem Wahlbezirke Rawa in Galizien mit 83 von 89 Stimmen zum Relchstagsdeputirten wieder gewählt worden.
Aus Debreczin will man erfahren haben, daß Kossuth's Frau einen Sohn geboren habe, bei welcher Gelegenheit 101 Kanonenschüsse kn Einwohnen das freudige Ereigniß verkünden. (A. O.- Z.)
Italien.
Die Nachrichten aus Rom bis zum 15. Februar in kr „Augsb. Allg. Ztg." melden die Bildung des neuen Ministeriums: Sterbini behält die öffentliche Arbeiten. Campello das Portefeu sie des Krieges. Der Minister für das Auswärtige ist noch nicht ernannt. Ein Schreiben aus Rom vom 14. Febr. im „Journal des Debüts" meldet die Erleuchtung der französischen Kunst-Akademie bei Gelegenheit der Ausrufung der römischen Republik, fügt aber hinzu, daß sie römische Regierung Unrecht habe, sich darauf etwas zu Gute zu thu», wie aus einer Erklärung im „Monitore" hervor- zugehen scheine. —
Nach einem Schreiben aus Gaeta vom 15. Febr. in km „Journal des Debats" soll man dort ganz rathlos sein. Die Besseren beklagen jetzt, daß man es hat dazu kommen lassen, daß man ku Papst getäuscht, daß man Alles von der Reaction erwartet und in diesem Sinne so halsstarrig gehandelt habe. Die Ercom- munication — meint man — habe gerade eine radi'cale Constituante zur Folge gehabt; auch wäre es besser gewesen, eine versöhnlichere päpstliche Erecutiv-Commis- sion für Rom einzusktzen.
Pins will indessen von keiner bewaffneten Dazwischenkunft wissen, er zieht vor abzudanken. Die letztere Behauptung finden wir auch im „Positivs." Martinez de la Rosa soll eine katholische Intervention anstatt einer politischen vorgeschlagen haben, welche durch Spanien unter kn Augen der combmirten Flotten der Großmächte würde vollzogen werden. — Piemont scheint aber der Diplomatie zu Gaeta vorgreifen zu wollen.
Rom, 12 Febr. In der Sitzung der Konstituante vom 13. wurde durch Interpellation an den Minister des Aeußern festgestellt, daß seit kr Abweisung der Kammerdeputation in Gaeta kein Verkehr mit km Pabst mehr stattgefunden hasse.
Der Bericht des Finanzministers ergiebtr 13,192,000 Scudi Ausgaben,
8,02813,4 „ Einnahmen,
also 5,168,186 Scudi Defizit.
Galeo ti hat beantrag; alle geistliche Gerichtsbarkeit in Civil- und Criminalsachen aufzuheben. —
Sizilien hat den Padre Ventura zu seinem Gesandten bei kr römischen Republik ernannt. Die Konstituante hat eine Schutz- und Trutzallianz mit Toscana votirt. Unter den neuesten Geseßvorschlägen, welche kr Konstituante von den Ministern vorgelegt worden, befindet sich unter Anderm einer zur Gewährung allgemeiner Gewissens- und Religionsfreiheit. Ein zweiter Gesetzentwurf betrifft die Einschmelzung aller unnöthigen Kirchenglocken zu Kanonen; ein dritter die Zerstörung der vom Pabst Borgia zwischen km Vatikan un dem Castell St. Angelo angelegten Passage; ein vierter die Prägung neuer Münzen mit den Emblemen der Republik. —
Das Wappen der Republik wird in der Mitte einen Adler haben mit ausgebreiteten Schwingen, in seinen Fängen die konsularischen Fasccs, oder Pfeilbündel und um kn Adler herum eine Bürgerkrone. Die neuen Münzen werven auf der Vorderseite den mit einem Helm bedeckten Kopf kr Roma zeigen mit der Umschrift : „Römische Republik", auf der Rückseite wird sich das neue Wappen mit der Umschrift befinden: «La legge e la forza“ (das Gesetz und die Kraft), darunter die Werthangabe. Rings herum wird als Devise angebracht: „Dio vuole Italia unita“. (Gott will Italien vereinigt.
Rom, 15. Febr. Der Erekutivausschuß hat sich folgendes Ministerium gebildet: Saffi, Inneres; Capell«, Krieg; Mezzacazu uud Calandrilli, Finanzen; Oniccioli, Unterricht; Muzzarelli, Justiz; Lazzarini, Staatsarbei- ten; Sterbini, Präsident von Rom und seinem Bezirk; Mariani, Polizeipräfekt.
Ein Dekret der Constituante vom 14. Februar erkennt die Nationalschuld als heilig und unverletzlich an.
Florenz, 13. Febr. Die provisorische Negierung hat eine für die untere Klasse und den kleinen Bürge:-