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Wiesbaden. Donnerstag, 1. März

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^ Einige Bemerkungen zu der Frankfurter Gewe, beordnung.

" Die Mehrzahl der Handwerker Deutschlands hat wohl die Gewerbeordnung, wie sie durch den Handwerker- Eongreß in Frankfurt beschlossen worden ist, als einen Erretter in ihrer in vieler Hinsicht beengten Zeit be- grüst und daS Nationalparlament um deren Annahme als Gesetz mit Petitionen bestürmt. Die diesem Wunsche entgegenstehenden Gründe sind aber nie öffentlich be­sprochen worden, wir glauben daher, daß es sebr wich­tig ist, zu en, was ein Gegner dieser Gewerbeord­nung sagt. Es ist dies hauptsächlich folgendes:

In einem Staate, wo Jeder gleichberechtigt ist, da ist eine s'hr ungleiche Vertheilung der Güter auf die Dauer und im Großen unmöglich, dort muß, damit der Einzelne reich ist, die Nation überhaupt reich sein.

Diejenige Nation ist aber überhaupt nur reich, die alle ihre Bedürfnisse in genügender Masse produzirt, oder, wenn ihr das eine oder das andere fehlt, z. B. Früchte, Kaffee, Zucker, dieses Bedürfniß doch gegen andere Produkte, die sie in Urberfluß hat, eintauschen kann.

Unser Grund und Boden im Herzogthum ist nun beinahe gänzlich bebaut, dagegen liegt unsere Industrie sehr darnieder; wir müssen also dahin streben, daß wir mit derselben Mühe und Zeit mehr bessere und schönere Gewerbswaaren erzeugen. Wir müssen jedoch nicht mehr erzeugen, als daS Publikum dann mehr braucht, um sich bequemer cinzurichten, oder als wir ausführen können; denn sonst wird der Markt überfüllt und die Preise gedrückt; kleine Verluste aber darf man nicht scheuen, denn die Produktion muß immer der Consum- tion voraneilen, um das Publikum zu jeder neuen Be­quemlichkeit einzuladem. Auch darf die Beeinträchtigung eines Gewerbes durch eine neue Erzeugungsmethode, eine andere Modere., nicht zu schnell vor sich gehen, damit die Betreffenden anderweit Ersatz suchen können. Nie darf dies aber soweit führen, daß der Vortheil einiger Wenigen eine ganze Nation aufhält, z. B. die Fuhrleute den Eisenbahnen gegenüber.

Bisher bezweckte man die große Produktion durch Maschinen und Fabriken und diese erzeugten gewöhnlich Geweibsaristokratie und Proletariat, sehr Reiche und sehr Arme, allein nothwendig ist diese Folge nicht. Wenn der einzelne Handwerker nur darauf denkt, nicht von dem Publikum Geld abzu­zwicken, sondern ihm tüchtige Waare gegen einen entsprechenden Preis, also viel gegen viel zu bjieten, wenn er Kenntnisse sich er­wirbt, wenn er endlich einmal mit Gemein- geist mit seinen Mitbrüdern Zusammentritt, sich gemeinsame Rohstoffe, Werkzeuge, Un» terweisug, Absatzwege, Geld verschafft, wenn er eine Art Arbeitstheikung einzu- führen sucht, kurz wenn er das große Mittel

A Germania's Wiegenlied.

(Nach bekannter Melodie.)

i Hajo pompajo, liebst Ordnung und Nutz', Schlaf drum, mein Michel, mein Liebling bist Du!

{ Schlafe dich mächtig, verständig und frei,

' i Schlafe bis glücklich der Aufruhr vorbei!

! Wächter umschweben beständig dich schon,

I Schlaf nur, mein Michel, es wachet der Thron, Schützt dich vor Lärm, CommnniSmus und Mord,

; Jagt Demokraten uiib Wühler dir fort!

' Jetzt noch, mein Michel, ist stürmisch die Zeit, Aber schon morgen wird's anders, wie heut! Schließet der Kerker die Wühler erst ein, Wird es so still wie im Grabe bald sein.

'Schergen und Lauscher umstellen dich dann, Daß kein Gedanken erschrecken dich kann, Wirst auch nicht weiter im Schlafe gestört, Blos wenn der Wächter das Schlafgeld begehrt.

deck Association verfugt, so wird er die Vor- theile der Maschinen und Fabriken haben, ohne ihre großen Nachtheile zu cmpfinden.

Statt dessen versucht aber die Frankfurter Gewerbe­ordnung folgende Mittel:

1) Sie sucht die Preise za heben dadurch, daß sie Innungen oder Zünfte gründet, welche diese Preise nach Stimmenmehrheit bestimmen und überhaupt den dadurch bervorgerufenen Ko ps- und Kastengeist heraustreiben. Der Handwerker glaubt also, mehr einzunehmeu, bedenkt aber nicht, daß er selbst sehr viele Gtwerbswaaren braucht, die er dann in demselben Verhältniß theurer bezahlen muß, und daß die Rohmaterialien, als Holz, Korn, Fleisch, die er ankauft, freilich anfangs noch den alten Preis haben, nach und nach aber in demselben Verhältniß hinaufgehen. Denn wenn der Preis der Arbeit bei den Handwerkern hinaufgeht, so steigt er auch bei dem Landmann nach Gesetzen, die die National­ökonomie immerI bewährt gefunden hat. Aber wenn nun der Landmann ebenfalls mit seinen Genossen zu einer Verbindung zusammentntt' und die Fruchtpreise festsetzt, wer wird dann siegen? Der Handwerker braucht den Landmann nöthiger, als dieser jenen! Und endlich können wir bei den jetzigen Preisen kaum mit dem Aus­land concurriren; wenn die Preise nun noch höher wer­den, womit sollen wir unseren Kaffee, unseren Zucker bezahlen, womit das Korn in Nothjahren, wenn wir keine Ausfuhr haben.?

Mit eiserner Hand will die Gewerbeordnung Alles zwingen, der Innung beizurkten, selbst Aktienvereine zum Brodbacken rc. dürfen nicht bestehen. Die Lim­burger Gewerbzeitung erzählt einen Fall, wornach die dortigen Bäcker bet 50 fl. Convrr<tto>i«rfl>usc (im 43vi> gefühle der Einführung der Gewerbeordnung) verab­redeten , den Brodpreis um beinahe */4 hinaufzusetzen. Einge wenige traten nicht bei und so zerfiel das Ganze. Hätten mir nun die Gewerbeordnung gehabt, so hätte in der Bäckerei-Innung die Mehrheit gesiegt und würde dann sich mit jener Erhöhung nicht begnügt haben. Bei dem Bäcker- und Metzgergewerbe liegt es klar vor, daß Aufruhr und Unordnung entstehen werden, und daß der Handwerker am meisten leidet: denn der Landmann schlachtet und bäckt sich meist selbst, allein bei andern Gewerben ist die Wirkung ebenso, nur nicht so be­merkbar.

2) Die Gewerbeordnung sucht die Produktion zu vermindern und glaubt, wenn die Nachfrage dieselbe bleibt, das Angebot von Gewerbswaaren aber geringer wird, so müßten die Preise heraufgehen. Sie vergißt, daß theuere Preise die Käufer abschrecken und außer­dem, daß im Ganzen der Gewerbestand dem Publikum nicht mehr Geld abnehmen kann, als es hat, daS hecht als es früherhin auch auf den Einkauf von solchen Er­zeugnissen verwendete. Der Handwerker wird also die­selbe Summe, wie früher einnehmen, dagegen kann er sich dafür nicht mehr soviel einkaufen, wie früher, er wird bei denselben Einnahmen schlechter leben, wohnen,

Mahner umschweben, so hungrig wie du,

Zwar auch dein Lager und rauben dir Ruh, Aber sie lieben doch Ordnung und Recht, Hassen die Freiheit, das Wühlergeschlecht.

Treten auch Krieger zuweilen ins Haus, Tragen sic Mcubcl und Geld blos hinaus, Schleppt man auch fort dich vom heimischen Herd, Wird dir im Kerker doch Ruhe beschert.

Schlaf drum, mein Michel, wie's draußen auch stürmt, Wirst ja vou Priestern und Fürsten geschirmt, Schlafe und glaube, trotz Mangel und Noth, Daß dir kein Unfall, kein Wiegensturz droht.

Wenn dich der Hunger, der nagende, quält, Horch, was vom Himmel der Priester erzählt, Host' auf den Himmel und laß ihm die Erd', Weil nur den Armen der Himmel beschert.

Schlafe, mein Söhnchen, mit frommem Gefühl, Hast ja der Väter im Lande so viel, Sorgen so eifrig bei Tag und bei Nacht, Daß nicht der Michel vom Schlafe erwacht.

sich leiten müssen. Es wird überhaupt weniger pro- duci t, aller Fortschritt in materieller Beziehung ist ab- geb.ocheu, und damit auch der gesellschaftliche/die Na­tion versinkt in die elenden mittelalterlichen Zustände, sie kommt auf die Stufe von Portugall, Ungarn und Spanien zurück. Ein Jahr lang hat vielleicht der Hand­werker Vortheil von einem solchen unüberlegten Beginnen, später sinkt er, und mit ihm unsere ganze Kultur Die Gewerbeordnung sucht ihren Plan dadurch zu verwirk- lichen, daß sie alles vernichtet, was wie eine Fabrik, eine Maschine, eine neue Fabrikationsmethode, ku z wie ein Fortschritt aussieht. Der Lehrjung muß dagegen so in dee alten Handwerksvorurtheile eingeschult sein, baß er nie daS Mittelalterliche abwirst.

3) Außer der Preiserhöhung, welche die Gwerbe- ordnung durch die beiden oben angegebenen Mittel zu erreichen sucht, findet sie außerdem darin das Heil des Gewerbstandes, daß möglichst Wenige jenes Privilegium, was sie schaffen will, ausbeuten. In jeder Gem iude sollen nur eine bestimmte möglichst kleine Anzahl Hand­werker zugelaßen werden, daS Meisterwerden ist daher sehr beschränkt, desgleichen die Zulassung als Gesell und als Leyrjung. Jahre lang wird dec Lehrjung als Knecht deS Meisters niedergedrückt, Jahre lang muß der Geselle sein Brod draußen betteln, weil bei ver­minderter Arbeit mehr Gesellen wandern, und jeder Le­bensmuth wird in denseloen e. stickt. Was hilft es, wenn er als abgelebter Mann endlich Meister wird?

Auf dem Lande laßt die Gewerbeordnung nur einige wenige Handwerker zu, so daß also der Landmann oft meilenweit laufen muß, um eine Reparatur fertigen zu lassen, in der Stadt aber sind nur einige Meister, viv vus Monopol uno wlurapnlche Preise haben. Der grober Behandlung muß der Bestellende noch theuer bezahlen! Nehmen wir z. B. die Glaserprofession; je­der Kaufmann, der mit Glas handelt (was die Ge­werbeordnung streng verbietet) schneidet für 6 kr. die Scheibe auS, die der privilegirte Meister in der Stadt für 24 fr. giebt, ein Kind kann die Scheibe eink tten und doch legt jene Gewerbeordnung dem Publikum die Last, die Kosten und diesen unerhörten Zwang auf und macht ein ganzes Amt etwa von einem einzigen Glaser abhängig und zinsbar. Es ist bekanntlich der größte Vortheil für beide Theile, wenn der Handwerker mit dem Landmann vermischt lebt, sowohl in materieller als geistiger Beziehung. Der Handwerker lebt wohlfeil und gesund, der Landmann kann bequem seine Produkte ab- setzen. J r industriellen Gegenden steigt der Landpreis auf eine enorme Höhe, der Landmann kann von der Hälfte seines jetzigen Grund und Bodens leben. Aber die Gewerbeordnung stellt wieder die Stadt dem p'at- hn Lande feindlich gegenüber, wie der Bürger im Mit­telalter den Leibeigenen aussaugte. Nach ihr ziehen Wenige den Gewinn, die übrigen sind Proletarier. Sie sch ägt vor, die Arbeitslosen, die hierdurch entstehen, durch Smatsbauten zu beschäftigen!! Die Zunft war im Mittelalter ein Fortschritt, sie war damals die ein*

Schlafe, mein Michel, unb träume beglückt,

Wird dir was Schönes in Frankfurt gestrickt, Wickelschnnr ist es, gar buntig und fein, Wickelt man baldigst den Michel hinein.

Hajo pompajo, liebst Ordnung und Nutz', Schlafe, mein Michel, mein' Liebling bist du! Wenn sich die Völker Europa's befrei'», Schläfst bu, mein Söhnchen, bist artig und fein.

Gotthelf Hampel.

pZ Blätter aus meinem Tagebuch.

I.

Eine Seefahrt von Genua nach Livorno im Okt. 1847.

(Fortsetzung.)

Umsonst find alle diese Opfer gefallen, denn Italien schmachtet nach wie vor m schmählichen Banden, und m weiter Ferne liegt wohl der Tag, der die,es Volkev lln- abhängigkeit begrüßen wird; doch er wird er muß kommen denn jene Macht, die in der Geschichte der Völker immer