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Siebert bemerkte, daß damals das Verbot von der Regierung auSgegangen sei, während dem es jept vom Volk selbst ausgehe. Herr Siebert ist ein Prinzipien­reiter! Das Resultat der Abstimmung war, daß >nan in Hadamar noch nicht so gebildet sei, sich selbst beherrschen zu können, eine Polizeistunde daher unerläß­lich sei. Auf den Antrag eines Mitgliedes, welches erklärte, selbst gerne lang sitzen zu bleiben, wurde die­selbe auf 12 Uhr festgesetzt. Es lebe die mitternächt­liche Polizeistunde!

Von der Lahn. Wir bedauern durch ein un­vorhergesehenes Ereigniß außer Stand gesetzt zu sein, auf eine specielle Widerlegung der WB Corresponderz von Wiesbaden in Nr. 44 derFreien Zeitung" ein- gehen zu können, wollen unS aber gleichwohl dagegen verwahren, in unserer Correspoudenz den Mann ange­griffen zu haben, der an der Spitze unserer Bauver- waltung steht. Es ist uns sehr wohl bekannt, welche Verdienste sich dieser Mann erworben, aber eine ein­zelne Persönlichkeit vermag noch lange nicht die Nach­theile eines ganzen Systems aufzuheben. Unser Angriff hat nur, wie wir ausdrücklich bemerkten, den jüngeren Referenten (Accefsiften) gegolten, unter welchen es j-- doch auch Ausnahmen geben mag,

§ Von der Liederbach, 19. Februar. Gestern wohnte ich einer Versammlung des seit einiger Zeit ge­bildeten Taunus-Demokraten-Vereins in Hofheim bei, wobei ich die freudige Bemerkung macht?, daß die­ser Verein in der kurzen Zeit seines bestehens außeror­dentliche Fortschritte gemacht hat, sowohl in der Zahl seiner Mitglieder, als in den lobenswerthen Bestrebun­gen desselben. Im Saale des dortigen Rathhaufis, wo die Versammlung abgehalten wurde, traten einige Redner auf.

Die Versammlung war vom besten Geiste beseelt, und muß gewiß Diejenigen Lügen strafen, die so gerne den Demokraten Communismus, Anarchie und derartige lächerliche Tendenzen unterschieben möchten.

O Weilmünster, 20. Februar. In unser Thal scheint die Sonne etwas später, als auf die B'rge, doch Wi fen ihre Strahlen um so kräftiger. Auch in unserer großen Gemeinde hat sich erst mit dem 1. Jan. ein demokratischer Leseverein gebildet und sich bis j tzt zu einem förmlich demokratischen Verein mit zahlreichen Mitgliedern umgestaltet. Und obgleich die Frühlings- sonne der Volksfreiheit die Herzen be- Egoisten, so wie die mit Brettern vernagelten Hirnkasten der Heuler noch nicht alle aufmthauen vermochte, so wird die kommende Gluth des Sommers hoffentlich das E's der arristokra- tiichen Rumpelkammer schmelzen und fw die Demokratie bewohnbar machen, damit es He'ße:Und es ward Licht."

Karlsruhe, 23. Febr. In der gestrigen Sitzung der sogenannten Abgeordneten - Kammer wurde über Fickler'S Petition verhandelt und, wie vorauszusehen, über den Haupl-Antraq schnöderweiseTagesordnung" beschloss-«. Nur fünf Mitglieder stimmten gegen letz­tere; mehrere von der Linken, namentlich Brentano, Jtzsteinrc, waren nicht erschienen. Außer Heiinburgcr, sind Kapp und Reichenbach ausgetreten. (Maunh. A.)

Konstanz, 22. Februar. Die hiesige Garnison darf sich aufs Neue freuen, nächsten Samstag wieder nach englischer Sitte Nachmittags 4 Uhr zu Mittag zu essen. Es kommt nämlich Samstag den 24. Le tour im 9ten Prozess' der Seeblätter wiederholt vor Gericht, angeklazt, in deins. Iben den Kölig von Preußen beleidigt zu haben. Der Antrag des Staatsanwalts lautet auf 4 Monate Kreisgefängniß. Nebst diesem Prozeß kommt wiederum ein zweiter zur Verhandlung, in welchem Letour wegen Verbreitung einer Flugschrift des Versuchs des HochverratHS augeschuldigt ist. Strafantrag der Staatsanwa'tschaft: ein Jahr Arbeitshaus. (Seeb!-)

Mannheim, 20. Febr. Hier wird nun als Heer- schaarensüh er der Bürgerwehr Oberlieutenant E ch- feld gewählt, welcher voriges Jahr wegenHochverrath" zu einem Jahr Festungsarrest in das Staatsgefängniß zu Kißlau geschickt worden war. Derselbe beabsich­tigt seinen Abschied zu nehmen, um ferneren Chikanen in der Militairdespotie nicht mehr ausgesetzt zu sein; denn freidenkende Leute sind nur in diesem Stand wie räudige Schafe bet'acht, t und jeder irgend Gebildete (nämlich an Geist) neigt sich schon dieser Bildung wegen dem Freisinn zu. Damit diese Bildung vom Militair- stande immer fremder wird, so erleichtert man den Ein­tritt auf alle Weise und verlangt fast nichts von den Zöglingen. Unsere Rekruten sind nun sei dem 15. d. M. eingedickt um in 6 Wochen crercivt zu werden. Mit jedem Zuge der Eisenbahn müssen 1 Unterofftcier und 6 Mann als Bedeckung fahren. (N. D. Z.)

Köln, 23. Febr. Wollt Ihr wissen, warum das Gerücht so geflissentlich verbreitet wird, die sechstehalb deutschen Flüchtlinge in der Schweiz beabsichtigten einen neuen Einfall nach' Baden? Damit Preußen Veranlas­sung finde, wieder Truppen nach Baden einmalschiren zu lassen. In der That ist es sicher, daß binnen Kur­zem zwischen Mannheim und Heidelberg ein Lager von sechs Regimentern Preußen zur Beförde­rung der deutschen Einheit aufgeschlagen wird.

Berlin, 20. Febr. Durch Aufhebung des erimir- ten Gerichtsstandes und Umgestaltung des Kammerge­richts zu einem bloßen Appellhof sind die bisherigen Kammergerichts-Justiz-Commissarien in die Gefahr ge­

bracht den größten Theil ihrer sehr ergiebigen Praris tinzubußen. Sie haben deshalb bei dem Justizmini- stti lum beantragt, sie auch zur Advocatur bei dem hie- W Stadt- und Landgericht zu verstatten. Die bei diesen Gerichten fungirenden Anwälte werden gegen die­sen Antrag Widerspruch einlegen.

DieConstitutionelle Zeitung" das Organ des Herrn Hansemann, wird mit dem 1. Mäiz zu er» schei.ien anfangen. Die Magnaten der Berliner und rheinischen Bourgeoisie, Gebrüder Schickler, die Ban- quierS Anhalt und Wagner, Oppenheim Söhne, die Buchhändler Jonas, Dr. Veit, Herr Oppenheim in Köln sind mit beträchtlichen Summen betheiligt. Der Betrag der gesicherten Zeichnungen beläuft sich bis fest nahe an 100,000 Thlr. f(A. O.- Ztg)

Berlin, 22. Febr. Unsere letzthin gemachte Mit­theilung, daß,die beiden Musketier-Bataillone des 24. Regiments nur deshalb nach Stettin versetzt werden, weil sie soviel mißliebige Elemente enthalten, °hat gestern eine Allerhöchste Bestätigung durch eine Königliche Rede erhalten. Vor ihrem Abmarsch nach Stettin nahm näm­lich der König den beiden Bataillonen in Charlottenburg Parade ab, und hielt nach derselben eine Anrede an sie, worin er ihnen Vorwürfe über den schlechten Geist machte, der in ihren Reihen herrsche. Sie hätten der Verführung nicht zu widerstehen vermocht und müßten daher von Berlin entfernt und durch andere zuverläs­sigere, treuere T uppen ersetzt werden. Er hoffe übri­gens sie würden sich fortan besser benehmen und gut- machen, was sie bisher gefehlt hätten.

Schleswig, 17. Febr. Der im Fübjihre v I. eingesetzten Verpflegungs-Commission, ist in diesen Ta­gen in Veranlassung einer desfälligen Vorfrage des ReichSkriegsmimsteriums die Aufgabe geworden, sich dar­über zu äußern, ob im Laufe des bevorstehenden Früh­jahrs und Sommers eine Armee von 80,000 Mann in hiesigen Landen verpflegt werden könne. Die Com­mission soll sich dahin erklärt haben, daß sie im Stande sein werde, eine Truppeiizahl von 80,000 während 7 Monaten und allenfalls noch länger hier im Lande mit den nöthigsten Lebensmitteln zu versorgen. Auch zeigt sich in der That nirgends eine Spur davon, daß der Wohlstand gelitten hatte, obgleich doch die Bewohner der Herzogthümer im vorigen Jahre durch sehr bedeu­tende Fuhrleistungen, Lieferungen von Lebensmitteln und Zahlung außerordentlicher Kriegssteuern erhebliche Opfer haben bringen müssen. (Han. Ztg.)

Aus Oesterreich. Die Nachrichten, wekche am 17 Februar in fernster aus Ungarn eingelaufen waren, lauteten sehr ungünstig für die kaiserlich königliche Armee. DaS Coips des Schlick soll demnach durch die immer­währenden Angriffe der Magyaren und die Ungunst der Jahreszeit fast ganz aufgerieben sein. Nähere Nachrich­ten über die Ereignisse in der Zips und den angrän­zenden Komitaten, welche das 23. Armeebülletin in wahlberechtigter Sorge für die Ruhe der Stadt Wien, verschwieg, bringt uns dieDresdener Ztg.": Wien, 16. Febr. unter der Ueberschrift:Näheres über die Vernichtung Schlick's."

Nach den Treffen bei Kerestur und Maad am 22. und 23. Januar zog sich Schlick am 24. nach Kaschau, wurde jedoch hier aufs Neue angegriffen und versuchte nun, sich nach Galizien durchzuschlagen. Bei Przeschowa angelangt, erfährt er aber, daß die Straße nach Dukla bereits von dem Corps Piotrowski's besetzt ist; so vorn und im Rücken bedroht, entsendet er einen Courrier an den General Götz, ihm zu Hülfe zu kommen. Dieser Courrier wird aber aufgefangen und statt des erwarte­ten Götz trifft das bedrängte Corps Schl'ck's auf 10,000 Ungarn unter Görgey, die über Koözelice herangerückt sind und sich ihm bei Leutschau in den Weg werfen. So zwischen drei feindlichen Corps, sucht Schlick über Neumarkt nach Galizien zu entkommen, begegnet aber bei Kirchdorf dem Görgey und wird gesch'agen und bis Eperies zurückgeworfen am 3. Febr. Bei Krotnok ereilt ihn die ungarische Armee am 4. Febr. nochmals und das ganze Corps wird vernichtet und zersprengt, Schlick selbst zweimal verwundet, ein Gerücht läßt in sogar ge­fangen sein. Das Götz'sche Hülfscorps kam nur bis Dukla, da die galizische Gränze zu gut von^den Ungarn besetzt ist.

Ueber Jcllacic schweigen alle Armeebülletins. Zwi­schen ihm und Windischgrätz soll ein ernstlicher Zwiespalt auSgebrochen und der Banus aufs Neue bei Hofe in Ungnade gefallen sein. Nach Leipziger Handelsnachrich- ten soll er sogar mit den Magyaren in Unterhandlung getreten und zu ihnen übergegangen sein. Jedenfalls macht sich unter der« Slaven eine starke Erbitterung gegen die Regierung geltend, weil sie endlich dahinter gekommen sind, daß sie von dieser nur a's Werkzeug gebraucht wurden, um dann eben so geknechtet zu weiden, wie die Nationen, zu deren Unterdrückung sie die Hand boten.

Von der österreichischen Grenze, 20. Febr. Für Rechnung der ungarischen (Kossuths) Negierung haben mehrere Agenten bedeutende Waffenlieferungen über­nommen ; mehrere Wagen haben die österreichische Grenze glücklich passtet; gestern ist beim Ueberladen ein Faß gesprungen, die Gewehre fielen heraus; Grenzbeamte konfiszirten den Transport (chca 2000 Stück) und Herr Pöhnisch, Agent, ist nach Wadowize zur Haft ge­bracht. (O.-Z.)

Italien.

Der römischeContemporaneo" vom 12. Febr. ent­hält die Sitzungs-Berichte der Constituante von diesem

*Ä ^ge. Terenzo Damiani hat seine Entlastn ig als Volksvertreter eingesandt. Der Kriegs- 28000 Sammlung erklärt, daß das Heer febeTon^ ^^ten zählt mit 6 Batterien,

Die Constituante bat Mazzml das römische Bürgerrecht verliehen. Die Mit- c1 unverantwort-

erklärt worden. Dieselbe hat einen Aaent?n

^ariö geschickt, um Waffen zu kaufen, und die Bürger B.ltrantt und Sescantini dorthin abgesandt, um zwi­schen dir iomlschkn und der französischen Republik Be­ziehungen internationaler Brüderschaft herzust-Pen Die Florentiner Zeitungen vom 15. verlangen fast alle Die Vereinigung mit Rom und die Ausrufung der Re­publik. Die Reaktion ist nun wirklich in ganz ToScana unterdrücke. Der Aufstand von Empoli soll kein com- munistlscher, sondern ein reaktionärer gewesen sein; der­selbe ist übrigens gleichfalls durch die Truppen gedämpft Woroen. Nur auf Elba soll mach der offiziellenGa - zetta piemontesa" die provisorische Regierilng noch nicht anerkannt worden sein. Die Einwohner sollen erklärt haben, g'ch lieber in die Arme Frankreichs werfen zu zu wollen. Das Ministerium bemüht sich aufs eifrigste, den Widerstand gegen eine etwaige bewaffnete Inter­vention zu 0'ganisiren. Wichtig ist die Spaltung, welche zwischen Piemont und der Schweiz zu entstehen droht. ^Der Canton Tessin hat bekanntlich im Interesse seiner Selbsterhaltung die lombardische Einwanderung abweisen müssen, weil es leicht zu einer Operations- linie der sardinischen Armee und der lombardischen Flüchllinge hätte werden können. Darüber zeigen sich nun die sardinische« Volks-Clubs in einer aus Foligno datirten, an die Schweizer Cantone gerichteten Adresse im höchsten Grade entrüstet. Andererseits berichtet bieBerner Zeitung":Nach den mu eingelaufenen Consular- Berichten aus Italien wird die Stimmung des italienischen Volkes gegen die Schweizer bezüglich der Militär-Capitulatiou mit Neapel stets bedenklicher, und es ist dringend Zeit, daß endlich ein energischer Schritt in dieser Sache geschehe, wenn nicht Tausende unserer Mitbürger als Opfer des Despotendienstes ihre Wohlfahrt und vielleicht selbst ihr Leben einbü^en sollen." (K. Z.)

Aus Livorno (20. Fbr.) mb Florenz (18. Fbr.) erhalten wir die Nachricht von Verkündigung der N e p u b l i f. Es wurden bei der Proc-amation Frei- Htt'tsbäume aufgepflanzt. Die provisorische Regierung (Guerrazzi, Montanelli und Zanetti) nahm den bezeich­nenden Namen an:provisorische Junta der röini- schen Republik in ToScana." Also ein miltelitalischer Staat!

Frank reich.

Paris, 22. Februar. DerMoniteur" bringt die Ernennung von 24 neuen Unterpräfekten; mehrere derselben bekleideten jedoch schon diesen Posten und sind bloß versetzt worden. DerMoniteur" enthält ferner die Namen einer Anzahl Ofsiziere und Unteroffiziere, welche am Montage aus den Händen L. Napoleon's den Orden der Ehrenlegion empfingen. Ein Beam­ter des auswärtigen Ministeriums ist gestern mit sehr wichtigen Depeschen für General Aupick nach Konstan­tinopel abgereist. Auf dem Marsfelde und dem Ein. trachtsplaße werden Vorkehrungen zu dem Feste am 24. Februar getroffen; auf dem Marsfelde sollen Orchester ausgestellt werden. Die Bastillesäule wird am Mor­gen mit Trauerflor umhüllt und am Abend beleuchtet sein. 4- Der Polizeipräfekt zeigt an, daß die zahlreichen Gesuche um Anstellung in seinem Departement unbe­rücksichtigt bleiben müßten, da alle Posten besetzt seien. Der Polizei-Commissar von La Chapelle St. Denis hat 30 begnadigte Juni-Gefangene, welche sich seit eini­ger Zeit durch heftige Reden in de« Clubs hervorthaten, in Haft genommen. Unter den Amendements, welche in der gest igen Sitzung angenommen wurden, war auch eines von P. Lerour, nach welchem des Ehebruchs über­wiesene Personen nicht zu Volksvertretern gewählt wer­den können. Der Umstand, daß gerade P. Lerour dies Mmenbcmcnt vorschlug, gibt heute mehreren Journalen Anlaß zu Erörterungen. Der Antrag Lucien Murats, welcher bekanntlich das frühere Eigenthum seines Va­ters im Werthe von zehn Millonen Fr. zurückfordert, wurde gestern im Justiz-Comite berathen, wo Casa- bianca, der Vertreter von Corsika, die Gerechtigkeit der Forderung zu beweisen suchte. Das Comite hat noch keinen Beschluß gefaßt. Zu Mort ist die Ruhe hauptsächlich durch Eiiischrcite« der Nationalgarde her­gestellt und seitdem nicht gestört worden. Die Justiz hat ihre Untersuchungen begonnen.

Paris, 23. Febr. Die sämmtlichen demokratischen Journale sind heute mit folgender Erklärung erschienen:

Eine große Zahl der Bürger hatte geglaubt, es sei schicklich, zu Ehren der Februar-Revolution eine feierliche Manifestalion zu veranstalten. Im Angesicht der unaufhörlichen Herausforderungen der Staatsgewalt böte aber eine Manifestation solcher Natur große, unvermeidliche Gefahren. Wir bitten das Volk davon abzustehen. Die Re­präsentanten der Montagne, die Deligirten des National-Wahl-Kongresses und des Central-Wahl- Konseils des Seinedeparteinents, die Direktoren der Arbeiter-Assoziationen, die Delegirten der Kor­porationen , die Biireauglieder des Luremburg und die Redaktoren der demokratisch-sozialistischen Journale werden morgen eine Adresse an das Volk veröffentlichen, um dasselbe zu beschworen,