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âeiHeit und Recht!"
Wiesbaden. Donnerstag, 14. Februar
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Der nassauische Lehrerstand.
„Erwache und starke, was noch übrig ist und hinstcrbeu will!" Offenb. 3 K. 2 V. ;
v Aus dem Lahngebiete. In 9h. 35 der Fr. Zeitung wird in einem Artikel aus Wiesbaden mit Recht das frühe Hinscheiden des Nassauischen Schulblattes bedauert. Daß von 1100 Lehrer sich nur der । zehnte Theil für ein Organ der Schule soll interessirt haben, ist eine traurige Erscheinung. Indessen mag , es gut sein, daß das Blatt auf diese Weise aus dem Leben schied, sonst hätte es vielleicht eines gewaltsamen Todes durch polizeiliche Henkerhände sterben müssen, wie in Hessen. Dort bestand ein solches Blatt längst vor dem März und jetzt hat die Behörde dem Lehrer Schmitt verboten, die Redaktion zu führen. Bei | uns wurde der Redakteur blos von Wiesbaden, und I zwar ohne persönlichen Nachtheil, versetzt. Es ist doch gut, wenn man mit gelinden Mitteln ausreicht, und nicht genöthigt ist, die ganze Scala der ägyptischen Plagen durchzugehen. Die schöne und einmüthige Erhebung des Lehrerstandes scheint ebenso spurlos zu verschwinden, wie die des ganzen Volkes, ja sich noch viel unter das frühere Niveau zu senken, um den ganzen Stand unter „Sumpf" zu versetzen. Das ist das Werk der Finsterniß. Um indessen die ganze Erscheinung gehörig würdigen zu können, muß man einen Blick in die bestehenden Verhältnisse des Lehrerstandes werfen.
Bei der dürftigen Besoldung und der Noth der Lehrer müssen sich diese buchstäblich jeden Kreuzer für Bildungszwecke am Munde abbrechen. Dabei müssen sie die Bücher bezahlen, wenn auch nicht lesen, von welchen es dem Schulinspektor beliebt, sie anzuschaffen.
Die Lehrer müssen sich mit ihrem Beutel an dem Lesezirkel betheiligen, den der Schulinspektor einführt. Der Schulinspektor bestellt und die Lehrer müssen bezahlen. Früher wurden neben gottseliger Salbaderei indeß doch auch bessere Schriften gelesen; allein seit der Trennung der Inspektionen in katholische und protestantische werden in einigen Bücher angeschafft, die das Ehrgefühl eines 14 jährigen Knaben beleidigen müssen, wenn man ihm zumuthet, sie zu lesen.
Da liest man im katholischen Jugendbildner von der wunderthätigen Medaille und den Schulbrüdern und „pädagogische" Aufsätze, die wahrscheinlich von Schülern eines jesuitischen Seminars augefertigt wer- ben. — Will aber ein Lehrer das Schulblatt halten, so muß dieses außer dem Jnspektionszirkel geschehen, in welchem es „als heidnisch" verpönt ist. Drückender indessen, als die Armuth, lastet die Willkür und Rechtlosigkeit auf dem Lehrerstande. Der Pfarrherr betrachtet den Lehrer als seinen Pedellen. Ein katholischer Seminardirektor behauptet sogar in seiner Erziehungslehre (Hergenröther), der kirchliche PedeUeu- oder Küsterdienst müsse dem Lehrer die Würde geben, die eben der Lehrerstand nicht geben könne.
Je mehr aber der Lehrer durch Bildung den inneren Menschen erhebt, um so mehr zeigt der Pfarr- Herr, daß er Gewalt hat, den Menschen zu zermalmen.
Die Quälereien der Lehrer gehen ins Unglaubliche, und obwohl wir Vereine gegen Thiergälerei haben, so bleibt doch das Recht, die Lehrer zu martern, den geistlichen Herren unbenommen. Da die Lehrer sich der Willkühr preisgegeben sehen, da sie den strengen Willen und die Macht ihrer Zwingherrn kennen, so sucht die Mehrzahl ängstlich Alles zu vermeiden, was den Zorn der Gewaltigen erregen könnte. Freilich gab cs immer einige unbeugsamen Naturen, diese wurden aber zum abschreckenden Beispiele auch eremplarisch gepeinigt, und nicht selten gelang es, solche „Widerspenstige" um ihre Eristen; zu bringen, ja, zur größeren Ehre Gottes, Einige moralisch zu zcrnichten; denn diese sittlich Zerknickten waren ein sprechender Beweis, daß Gott Irden verläßt, den der Priester verstößt. —
Als nun im Frühlinge 1848 einzelne Lehrer mit Muth für eine würdige Volkserziehung auftraten, da wurde auch der Aeugstlichste vom Geiste der Zeit angeweht — und wie ein Mann erhob sich der ganze Stand.
Trotz ihrer Armuth waren die Lehrer zu jedem Opfer für ihre und der Schule Unabhängigkeit bereit. Trotz der Semiuarerziehung, diesen Rettungsanstalten gegen den Zeitgeist, wo dem Schüler sogar das Stück Brod im Sacke besichtigt wurde, trotz dem, und alledem, zeigten die Lehrer, daß sie den Geist der Zeit verstanden, von ihm erfüllt seien.
Aber auch alle ihre Erwartungen schienen in Erfüllung gehen zu wollen, das lockte auch den Sinnlichsten an, der nur das Materielle zu schätzen weiß.
Indessen einstweilen mußte man ausharren in der ägyptischen Knechtschaft, und die Zwingherren ließen gar bald die „Frechen" fühlen, daß die Macht noch in ihren Händen sei. Und wie eine Fee Morgana entschwanden die Güter der Freiheit, als man sie berühren wollte. Die Grundrechte erklärte die Schule frei von der Herrschaft der Priester und die Nassauische Kammer verfaßte das Gesetz, daß Beiräthe aus dem Stande der Lehrer dem Referenten des Schulwesens zur Seite stehen müßten. Und als man lange auf die Erfüllung des Gesetzes geharret, da werden die Herren Ebenau und Dekan Petmeky zu Mitreferenten oder Mitregenten ernannt.
Jetzt entsank der Muth den Geängstigten, die letzte Hoffnung war entschwunden.
Und diese Siege der Reaktion, wurden im Stillen benutzt zur Einschüchterung der Schwachen indem man noch ganz andere Siege in naher Aussicht zeigte und denen Belohnung versprach, welche sich in dieser Zeit der Versuchung treu bewährten und dienten dem Pfarrherrn mit Kundschaft und Forttragen. Und siehe, es fanden sich solche,welche den Lehrervereinen sich anschloffen, um Alles, was dort verhandelt wurde, treu zu berich
ten dem Pfarrherrn. So ward das Mißtrauen wach 'N den Vereinen unb das Mißtranen erzeugte Gleichgültigkeit und Auflösung. Unb nun bewilligte die Kammer Remunerationen, und so geschah es, daß einige Pfarrherrn ihre Diener aus Staatsmitteln belohnen konnten. Die Remunerationen sind die Pestbeulen für die Sittlichkeit der Lehrer, mit einer Gabe für die äußere Nothdurft vergiftet man die Seele, zerstört den Charakter.
Indessen waren diese Belohnnngen nicht hinreichend, man versprach den treuen Knappen die Stellen der Mißliebigen und forderte Mithülfe zu deren Entfernung von ihren Stellen.
Die Verfolgung der Freisinnigen und die Begünstigung der treuen Diener schreckte immer mehr, und die Angst rieth, sich znrückzuziehen.
Ein Hülfslehrer an einer bekannten Anstalt metter- nich'scher Vollkommenheit, die sich rein vom Geiste der Zeit erhalten, und der zugleich bei einem hohen Syno- drium in trauter Beziehung steht, äußerte schon zu Ostern 1849 bei Bürgern: „Man kennt die Lehrer alle, welche sich von der Kirche trennen möchten, und man wird sie von ber Schule zu entfernen wissen." Und es erschien die Fülle der Zeit, wo man spioniern , dc- vunciern und intriguirn konnte nach Herzenswunsch.
Im Amte Die; wurde ein Lehrer von seiner Gemeinde auf den Kongreß nach Idstein geschickt.
Sogleich denuncirt der Schulinspektor den Lehrer bei der Regierung und hatte das Vergnügen, einen Verweis und geschärfte Aufsicht für den Lehrer zu erlangen. Und als auf des Lehrers Gesuch die Regierung die Verfügung zurücknahm, weil sich derselbe dem Willen der Gemeinde fügen mußte und sich in Idstein theilnahmlos bewiesen, gab der Schulinspektor einen neuen Verweis, weil der Lehrer hinter dem Rücken seines Inspektors suppUcirt habe. Im Amte Idstein mußte ein Lehrer seine von der Regierung genehmigte Zulage auf Ansinnen des Pfarrers " der Kirche vcrma- »nacheu, „um Gott seine Dankbarkeit zu zeigen." In einem anderen Flecken muß ein Lehrer den frommen Frauen des Piusvereins Vorträge über den Rosenkranz halten, obwohl er sich deshalb allgemein lächerlich macht.
Aber er ward geködert mit dem Versprechen, die Stelle eines Freigesinnten zu erhalten, sobald dieser verdorben sei. ©eit zwei Jahren dient er schon um die Stelle bei Leuten, welche sich um Schulstellen nicht zu kümmern haben.
Bedenkt man alle diese Verhältnisse, bedenkt man die materielle Abhängigkeit der Lehrer, so ist es zu verwundern, daß noch "so viele den Muth hatten, sich an Vereine und dem Schulblatte zu betheiligen, da außer Wiesbaden die Lehrer der höheren Anstalten sich nicht betheiligten.
Wer wirb den Stein auf die Geängstigten werfen wollen, die nach langem Harren alle Hoffnung auf Erlösung verloren?— Fortwährend sehen sie sich von
Leben und Abenteuer des John Davys.
Bon Alexander Dumas,
(Fortsetzung.)
Ich schwamm noch eine halbe Stunde, aber das Meer wurde immer unruhiger und ich fühlte, daß es unmöglich sein würde, noch lange der Ermattung zu widerstehen, welche ich fühlte. Die Wogen waren nicht mehr wie gewöhnlich zu durchschneiden, sondern ich mußte mich von ihnen forttragen lassen und jedesmal wenn ich mit der Woge herabkam, war cs mir, als würbe* ich in einen Abgrund gestürzt. Einmal, als ich mich auf der Spitze einer Woge befand, leuchtete ein Blitz und und kb sah in noch großer Ferne zur Rechten den Felsen von Noä. Ich war von der Richtung abgckommen und hatte noch so weit zu schwimmen, als ich bereits gekommen war. Das benahm mir den Muth, denn ich fühlte, daß ich. unmöglich das Ziel erreichen konnte. Ich versuchte auezuruhen, während ich eine Zeit lang auf dem Rücken schwamm, aber cs erfaßte mich ein unwillkührliches Grauen, als ich verkehrt mit dem Kopse voran, in eines der tiefsten Wellenthäler hinuntergestürzt wurde, die sich jeden Augenblick tiefer und tiefer gruben. Meine Brust schnürte sich zusammen es summte in meinen Ohren und es trieb mich unwill- kührlich, nach Hilfe zu rufen, ob ich gleich recht wohl wußte, daß ich mich allein mitten im Meere befand und nur Gott mich hören konnte. Da sah ich meine Mutter
meimn Vater, Tom, Stanbow, James, Bob und Burke wie im Traume vor mir, ich erinnerte mich au Dinge die ich vorher vergessen hatte. Ich schwamm nicht mehr 1 ich rollte von Woge zu Woge ohne Widerstand, ohne Willen. Bisweilen fühlte ich, daß ich einsank, und daß die Wellen mir über den Kopf Hinwcggingcn. Durch eine ungeheure Anstrengung, wobei mir tausende von Funken vor den Augen flimmerten, gelang es mir, noch einmal an die Oberfläche empor zu kommen; ich sah den Himmel wieder, der mir schwarz und mit rothen Sternen über und über besäet vorkam. Ich schrie unb mir war es als antworteten mir Stimmen. Endlich fühlte ich j daß die Kräfte mir völlig schwanden; ich richtete mich bis über den Gürtel aus dem Wasser empor und sah mit Schrecken alles um mich her. In diesem Augenblicke hörte ich meinen Namen so deutlich rufen, daß cs I keine Täuschung sein konnte. Ich wollte antworten, ; aber mein Mund füllte sich mit Wasser. Dann war cs, als schlage ein Tan mich ins Gesicht, ich erfaßte es mit , den Zähnen, daun mit den Händen. Eine Kraft außer mir zog mich; ich ließ cs willen- und widerstandlos ge- I schchen, aber bald fühlte ich nichts mehr; ich war ohnmächtig geworden.
Als ich wieder zu mir kam, befand ich mich in der Kajüte — der „schönen Levantinern»" unb au meiner Hängematte saß Apostoli.
Mit wenigen Worten erklärte dieser mir alles. Er hatte das Schiff nicht in die Luft sprengen können, weil
der Capitain, der meine Absicht vorausgesehen habe, das Pulver naß gemacht hatte. Apostoli ging deßhalb wieder auf das Verdeck hinauf, um mich aufzusuchen, nub traf da auf die Seeräuber, welche Herrn des Schiffes waren, und den jungen Mann, den ich verwundet hatte in die Kajüte des Capitains hmuntcrtrageu. Der Arme verblutete sich fast und verlangte laut nach einem Arzte. Da kam Apostoli auf den Gedanken, mich dadurch ju retten. daß er mich für einen Arzt ausgebe p er sagte deßhalb es befände sich ein Arzt unter der Mannschaft, man möge nur das Morden ein stellen, wenn es noch Zeit sei. Zwei Mann eilten sogleich auf das Verdeck und befahlen, im Namen des Sohnes des Capitains, bei Todesstrafe augenblicklich den Kampf einzustellen. Apostoli folgte ihnen, suchte mich überall, fand mich aber nicht. Die Seeräuber fingen eben an zu jubeln, denn ihr Capitain, der im Kampfe verschwunden war, sprang eben „Sieg!" rufend wieder auf das Verdick. Apostoli erkannte in ihm den Mann, mit dem ich gesümpft hatte, und er fragte ihn, was aus mir geworden sei. Der Seeräuber hielt mich für ertrunken. Da sagte Apostoli schnell, ich sei ein Arzt und könne allein den Sohn des Capitains retten. Der verzweifelte Vater fragte sogleich ob Jemand mich habe wieder zum Vorscheine kommen sehen und zwei Seeräuber antworteten, sie hätten nach einem Manne geschossen, der nach der Insel Noâ Hiu- geschwommcu.
(Fortsetzung folgt.)