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Wiesbaden. Dienstag, 12. Februar
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AMenverhandlnngen zu Wiesbaden.
Sechzehnter Proceß.^
Anklage gegen Korrektor und Sprachlehrer Carl Schapper von Weinbach, Bergmann Dr cv h Baptist Mayer von Katzenellenbo- qe'n? Hofgerichtspräsident Adolf Naht von Dillenburg, Amissekretär Karl Aug. Heh- ner von Rennerod, Prokurator Friedrich Lang von Wiesbaden, Pfarrer gviebrt^ Heinrich Snell von Langenbach, Advokat Friedrich Müller von Nastätten, Liqueur- fabrikant Gustav Justi von Idstein, Land- ober schultheiß Ludw. Wenkenbach von Wehen und Redakteur Julius Oppermann von Wiesbaden, wegen Hochverraths.
(Fortsetzung )
x Wiesbaden, 9. Februar. Nach zweistündiger Berathung erscheint der Gerichtshof wieder. Der Antrag des 'Staatsanwalts, die Protokolle zweier ausge- wanderten Zeugen zu verlesen, wird verworfen, desgleichen auch der des Angeklagten Lang, die Herren Derren und Bertram als Zeugen vorzuladen. Auch dem Anträge, sie als Auskunftspersonen zu vernehmen, zu welchem Behufe sie der Präsident vermöge seiner dicretionären Gewalt vorladen kann, wird nicht statt gegeben Wenn Port die Anzeige bei diesen Herren gemacht habe, so sei es seine Pflicht gewesen, da dies im Gesetz ausgesprochen sei. Lang meint, es handle sich hier ja auch um Beleidigung auswärtiger Regenten re., ob da auch Vorschriften zur Anzeige vorgesehen seien. Präsident: Von jeder Handlung, von der man glaube, sie sei hochverrätherisch, müsse Anzeige gemacht werden. Naht: Es sei ja noch zu constatiren, ob die vorliegende Anklage wirklich Hochverrath betreffe. Präsident: Die Anzeige könne doch wohl nicht von einem schon abgeurtheilten Hochverrathsfalle, sondern nur von einer Handlung gemacht werden, von der man glaube, sie sei hoch- - verrätherisch. Wenckenbach verzichtetaufdie Abhörung zweier Entlastungszeugen, Dekan Eberz und Dr. Stutz von Wehen, da diese verhindert sind, länger hier zu verweilen. Es wird mit dem Zeugenverhör fortge- fahren.
Zeuge Bürgermeister Klein von Idstein hat der vorberathenden Versammlung in Idstein beigewohnt, ein Mann, der ihm als Schapper bezeichnet worden wäre, habe gesagt man müsse zu den Waffen greifen, um sein Recht geltend zu machen, man solle sich nicht fürchten vor einem „Champagnersäufer" und „Kartätschenprinzen" rc. In der Versammlung in der Kirche will er dieselben Worte von Dr. Meyer gehört Haden, der außerdem noch von „34 gekrönten Schurken" gesprochen habe, die man fortjagen müsse. Gegen die Einräumung der Kirche habe er seinerseits nichts ein
zuwenden gehabt, mehrere Kirchenvorsteher hätten dieselbe zugesagt und er sei deshalb nicht entgegen gewesen. Seine weiteren Aussagen sind s o unsicher und die obigen stehen so sehr im Widerspruche mit denen der Voruntersuchung, in welcher er namentlich (wie Schapper hervorhebt) gesagt hat, die Worte „Champagnersäufer" rc." habe er in der Kirche von Schapper gehört, während er heute angibt, sie in der Vorversammlung gehört zu haben; daß sich Prokurator- Geiger veranlaßt sieht, diese Widersprüche zu Pro- tökoll nehmen zu lassen. In der Voruntersuchung gab er ferner an, Meyer habe diese Worte gesprochen, während heute auch Schapper sie gesprochen haben soll. Kurz er ergeht sich so sehr in Widersprüchen, daß nach und nach seine ursprünglich rothe Gesichtsfarbe sich in eine etwas sehr Helle verwandelt und seine Stirne sich mit Schweiß bedeckt. Er meint nur noch und wird entlassen.
Der zweite Zeuge, Lehrer Heudorf von Idstein: In der Vorversammlung sèl davon die Rede gewesen, was nun zu thun sei, nachdem man schon so viel pe- titionirt und lamentirt habe. Lang habe anseinandergesetzt, daß die Versammlung bezwecken solle, den Willen des nassauischen Volkes kennen zu lernen, und zur Geltendmachung nur gesetzliche Mittel anempfohlen. Hierauf habe man eine Geschäftsordnung und ein Programm entworfen. In der Kirche habe Dr. Meyer in sehr aufgeregtem Zustande gesprochen und sich der Worte „Champagnersäufer" und „Kartätschenprinz" bedient. Schapper habe von der Nationalversammlung, dem einzigen Halt in der jetzigen Zeit der Noth, geredet. An ihr müsse man festhalten, wo sie auch tage, und zähle sie auch nur wenige Mitglieder. Ein anderer Redner habe den historischen Rechts- boden berührt, worauf Meyer von dem Boden der Revolution gesprochen habe, auf dem wir jetzt stünden rc. Hehner fragt den Zeugen, ob er nicht gehört habe, daß zu Gewaltmaßregeln oder zum „Umsturz des Bestehenden rc." aufgefordert worden sei? Antwort: nein; Vertheidiger Braun: ob die Reichs- Verfassung blos trügerischer Vorwand gewesen sei, ob er die Ueberzeugung habe, daß man etwas Anderes hätte beabsichtigen wollen? Antwort: ganz und garnicht. (Der Staatsprokurator Reichmann protestirt gegen solche Fragen, der Präsident aber ist anderer Ansicht und verbietet solche nicht.)
Zeuge Conrad Strobel von Idstein weiß nur noch wenig.
So weit um halb 2 Uhr. Um 3 Uhr wird fortgefahren. — Ehe wir näher auf die Verhandlungen selbst eingehen, müssen wir einen Umstand berühren, dessen Erörterung uns im Interesse der Sache zu liegen scheint. Es geschieht nämlich, daß die Zuhörer- räume kurz vor Eröffnung der Sitzung erst geöffnet werden, es drängt sich dann unter dem fürchterlichsten Lärmen die harrende Menschenmenge auf einmal herein, so daß Unglücksfälle kaum zu verhüten sind. So
auch heute. Die Verhandlungen sollten beginnen, als ein Gensd'arme erst die Gallerie für die Frauenzimmer öffnete. Unter Schreien uhd Wehklagen füllte sich dieser Raum, der Lärmen nahm so zu, daß er wieder geräumt werden mußte. Könnten die Zuhörer- räume denn nicht früher geöffnet werden, damit Jeder einzeln hereingehen kann? Es dürfte doch hier wohl eine Abänderung getroffen werden.
Zeuge Musiklehrer Fetze von Idstein hat auch die Worte „Champagnersäufer" und „Kartätschenprinz" gehört, dem Hörensagen nach habe sie Schapper gebraucht. Die Reden von Gerau und Meyer hätten ihm nicht gefallen, er erinnere sich aber nichts mehr davon. Von der Orgel könne man nicht sehr gnt hören.
Zeuge Seminarlehrer Zitz er kann sich nur der Redner, der Reden aber nicht mehr erinnern. Nur die Worte „Champagnersäufer" und „Kartätschenprinz" seien in seinem Gedächtniß. — Wer sie gesprochen, wisse er nicht. Die Reden seien nicht aufregend, sondern beruhigend gewesen, nur Meyer und Gerau hätten heftig gesprochen. Lang habe gut gefallen. Es habe nur der Reichsverfassung gegolten, es wäre thöricht, von einer andern Absicht zu reden; von der nassauischen Verfassung sei keine Rede gewesen.
Zeuge Wiegand von Wörsdorf weiß erst gar nichts, nachher aber sehr viel von aufregenden Reden von Meyer, Gerau und Schapper; von sonstigen Rednern, die beruhigend und zwar zwischenzeitlich diesen entgegen gesprochen haben, weiß er nichts. Er scheint nur von den aufregenden Reben Notiz genommen zu haben.
Zeuge Diurnist Flindt von hier hat von Meyer den Ausdruck „Champagnerkönig" gehört. Auch von „34 gekrönten Schurken" sei die Rede gewesen. Er wisse aber nicht, wer dies gesagt habe. Von Gewalt- maßregeln habe er nichts gehört. Meyer habe sich im Wirthshaus geäußert, man müsse in blauen Kitteln zum Herzog gehen.
Zeuge Neugebauer von hier erzählt etwas ausführlicher den ganzen Hergang, weiß sich aber anch nur der Worte „Champagner kö n i g" und „Kartât- schenprinz", von Meyer gesprochen speziell zu erinnern. —
Die Zeugen Reinhardt Schmidt von hier, Adam Munsch von Würges und Bürgermeister Fischer von Bremthal können nur Weniges erzählen. Was sic wissen haben andere schon gesagt, cs ist größten- theils widersprechend, sie wissen auch nichts mehr genau.
Zeuge Gasser von Idstein hat wohl die Ausdrücke „Schurken", „Champagnersäufer" rc. vernommen, weiß aber nicht von wem. Die Reden, namentlich die des Abgeordneten Lang, hätten nur beruhigend und versöhnend eingcwirkt.
Zeuge Dr. Lange von Königstein sagt, daß die vorherrschende Stimmung der' Versammlung der Art gewesen sei, die Beschlüsse nur auf gesetzlichem Wege
Leben und Abenteuer des John Davys
Bon Alexander Dumas,
(Fortsetzung.)
Ich konnte die Passagiere wieder zur Ruhe gehen lassen, mußte ihnen aber sagen, daß wir nur dann gerettet sein würden, wenn der Wind nicht etwas nach Aufgang der Sonne Nachlasse.
„Und dann?" fragten die Passagiere.
— „Dann wäre es etwas anberes; ans Fliehen wäre nicht mehr zu denken, wir müßten uns schlagen. Von jetzt bis vier Uhr aber ist nichts zu fürchten."
Die Passagiere entfernten sich, auch die Hälfte der Mannschaft wurde entlassen und die „schöne Levantinerin" flog wie eine Meerschwalbe über die Wellen hin. Ich legte mich selbst nieder und schlief, bis ich mich rufen hörte.
„Was gibt es?" fragte ich den Steuermann.
— „Wie Sie vorher gesehen haben, der Wind hat sich gelegt, und wir kommen nicht mehr von der Stelle."
Ich ließ alle untere Segel einziehen und einen Schiffsjungen mit einer Trommel rufen, um Lärm jchlagen zu lassen.
Augenblicklich erschienen alle auf dem Verdeck. Ich theilte ihnen die Trauerkunde mit, daß der Wind nachgelassen habe. Es wurde nochmals beschlossen, daß mir
uns bis auf Aeußerste wehren wollten, und ich traf meine Anstalten darnach. Bald darauf meldete die Wache, es zeige sich ganz unten am Horizonte eine kleine schwarze Wolke. Das war ein schwacher Hoffnungsstrahl. In der Lage, in welcher wir uns befanden, war mir ein Sturm willkommener als ein Kampf und wäre es möglich gewesen, ich hätte um jeden Preis gekauft.
„Bruder," sagte Apostoli zu mir, „die Jesuse ändert ihren Lauf."
— „Ich glaube," fiel der Steuermann ein, „die Piraten haben wie wir den schwarzen Punkt dort in entgegengesetzter Richtung gesehen; sie wittern den Wind, wie die Meerschweine und wollen nun zwischen Mytilin und uns kommen, um uns zu hindern, das Land zu erreichen."
Wir warteten so vier Stunden, denn wir gewannen Zeit durch den Umweg, den sie zu machen hatten. Sie waren etwa eine Stunde weiter hinter uns hingeftgelt, beschrieben einen Halbkreis und befanden sich dann auf der entgegengesetzten Seite von uns. Doch waren sie noch ungefähr drei M. von uns entfernt, als die Wache plötzlich rieft
„Wind."
Ich sprang freudig empor und fragte: „woher?"
Der Matrose wartete einen Augenblick, um eine bestimmte Antwort geben zu können, wann antwortete er: „Westsüdwest."
— „Nun?" fragte Apostoli.
„Lieber Freund," entgegnete ich, „er könnte uns vollkommener entgegen sein und id^fniige an zu glauben daß der Teufel mit ihnen ist. — Wir haben nun keinen andern Ausweg, als das Schiff zu wenden uno vor dem Winde her zu fliehen, müßten wir auch dahin zurück- kehren, woher wir gekommen sind."
I — »Wenn wir Fen geiingsten Schaden am Mastkorbe erleiden, werden sie uns doch wegen ihrer ver- [ fluchten Ruder einholen," sagte der Steuermann.
„Kennen Sie ein anderes Mittel?"
— „Ich kenne keines."
„So müssen wir wohl dieses anwenden."
— „Die Feluke ändert ihren Cours noch einmal," sagte Apostoli.
Ich iah hin und bemerkte, daß sie sich wirklich um« drehete und zwar so leicht wie eine Schaluppe, und als habe ne unsere Absicht errathen, schickte sie sich an, uns I den Wind abzugewinnen.
Das Schiff wurde gewendet und setzte seinen Lauf in entgegengesetzter Richtung fort. Die Feluke hatte unterbeß alle ihre Segel angcfcyt und die beiden Schiffe folgten einer fast parallalen Linie , so daß sie an einem bestimmten Punkte zusammeutrcffu mußten. Entgingen wir auch dem Entern, so gelangten wir doch sicher unter die Kanonen des Seeräubers.
Wir waren Der Feluke jetzt so nahe, daß wir mit i bloßcm Auge alles auf ihr erkennen konnten. Sie führte 1 Mei Kanonen auf dem Horverthrile und 24 Rhuere