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Freiheit und Recht!"

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^U 30. Wiesbaden. Sonntag, 11. Februar 1SÂ9»

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Wie soll sich Kleirrdeutschland helfen?

Dillenburg.

Die Sachen stehen jetzt so:

Rußland, Preußen und Oesterreich haben ein ge-- Heimes und enges Schutz- und Trutzbündniß geschloss n gegen die Demokratie, d. h. gegen das Volk. Herr v. Schmerling, als er noch Reichsminister war, ist darüber in der Paulski' ch? befragt worden, und er hat geantwortet, eS sei ihm über eine solche Allianz nichts offiziell mitgetheilt worden, daS heißt, wenn man das Diplomaten-Deutsch in gut Deutsch übersetzt: Die Sache ist richtig, aber ich darf nichts davon sagen.

Die Fürsten von Rußland, Preußen und Oester­reich wollen aber nicht blos ihre eigenen Länder unter der Fuchtel halten. Sie wollen auch das nicht öster­reichisch-preußische Deutschland, daS sogenannte Klem- deutschland, wie man es spottend genannt hat, zu wel­chem auch wir gehören, in dieselben Fesseln der Bevor­mundung und Unterdrückung schlagen, in welchen sie dasselbe von 1815 bis März 1848 gefangen gehalten hatten. Schon ist das Netz fertig, das sich über unsere Häupter hinbreiten will.

Die Nationalversammlung in Frankfurt, Anfangs ein mächtig gebietender Riese mit kräftiger Wehr und Waffen, hat gegen Katzpfötchen ter Höfe und der Ka­marilla ihre ganze Urnatur verhandelt und ist schwach geworden, wie ein altes Mütterlein. Sie ist nicht mehr im Stande, die Fesseln zu zerreissen, die uns drohen. Sie kann sich selbst nicht mehr helfen, viel- weniger andern.

Und an wen sotten wir uns wenden um Hülfe?

An uns slbfl.

Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott.

Glaubt Ihr, ich wolle damit zumgewaltsamen Umsturz ausfordern? Weit gefehlt! Ich will Euch nur zeigen, was man in den kleineren deutschen Staa­ten vermag, wenn die Kammern und das Volk einig sind und f-st entschlossen, sich das Netz der österreichisch- preußisch-russischen Allianz nicht über das Haupt werfen zu lassen.

In Kurhessen hat das Ministerium Eberhardt im Frühjahr dem Kurfürsten seine Krone gerettet, aber es hat auch seitdem unablä sig bis j tztdaran gearbeitet, dem Volk alle Rechte und Freiheiten, alle materielle Erleich- telung zu erringen, welche mit der monarchischen Ver­fassung vereinbar sind. Auf einmal jetzt hat der Kur- füist geglaubt, es sei die Z it gekommen, sich eines so lästigen Ministeriums, dem das Volk höher steht als der Fürst, zu entledigen. Man hat den Minister Eber­hard so lange zu peinigen und zu schikaniren gewußt, bis er und die anderen Minister ihre Entlassung cin- reichten. Allein da eihob sich die Ständeveisammlung und das ganze Land mit den Worten: Ministerkrisen macht nicht der Fürst, sondern das Volk und dessen

Vertreter! Das Minist rium rst der Ausdruck der Ma­jorität im Land, und das Land läßt sich dasselbe von einem Einzelnen nicht mehr nehmen!" lind was that der Kurfürst? Er gab nach, weil er nachgegen mußte!

Ganz das Nämliche ereignete sich in Sachsen mit dem Ministerium von der Pfordtcn - Braun- Oberländer. Auch es wurde von der Cainarilla, die unter österreichifch-preußisch.russischem Einflüsse steht, gestürzt, aber von dem Volke wieder eingesetzt.

Darum , Ihr Abgeordneten - Versammlungen und Volksstämme vonKleindeutschland", wenn Euch Euere Freiheit lieb ist, wenn Ihr nicht mit den Segnungen der österreichisch-preußisch-russischen Trippel - Allianz be­glückt werden wollt, nehmt Euch ein Beispiel an d.n Kurpessen und den Sachsen. Sie haben konstitutionelle Erfahrungen gemacht, d. h. traute E fahrungen; sie suchen sich also vor Schaden zu wahren.

Unser einfacher Rath ist also der: Suchet jedes M i n i st e r i u m auf v e r fa ss u n g s m ä ß i g e m W e g e zu stürzen, welches ihr nicht für so freisin­nig und charakterfest haltet, daß es jene preußisch-österreichisch-russischen Einflüsse mit Ab scheu zurückweist.

Dieses Maaß des Freisinns können wir aber einem Ministerium nicht zutrauen, welches, im März durch die Bewegung des Volks an die Spitze gerufen, im Mai sich für den Grundsatz derVolkssouveränitat" (nota benewenn man sie nur richtig verstünde"), aussprach, dann aber, nach und nach die errungenen Vocksrechte auf das geringste Maß zurückzuführen und an die Stelle der Volkssouveränität die Fürstensouve- ränität, nur in ihrer Ausübung kontrolirt durch eine machtlose Abgeordneten-Veisammlung, zu setzen versuchte, und endlich, statt an dem Sitze der Regierung den Ob- likgenheitku des Amtes sich, zu unterziehen, bei Branden­burg-Manteuffel antischambr.rte und sich von ihnen mit der oklroyirten Verfassung überraschen ließ.

Ein Ministerium, das hintereinander erst demo­kratisch, dann neukonstitutionell, dann alt­konstitutionell, dann gar nicht mehr im Sinne des Repräsentativ-Systems, sondern im Sinne derstän­dischen Monarchie" regiert, ist schlimmer als ein Ministerium Metternich, und kann nur von einer Abgeordnetenveisammlung unterstützt werden, welche in ihrer Majorität an einer gleichen Prinziplosigkeit leidet.

Nationalversammlung zu Frankfurt.

167. Sitzung.

Man geht zur Fortsetzung der Debatte über §.30 der Grund­rechte über.

Schütz zeichnet zunächst mit grellen Farben das Zusammen- sinken ver socialen Zustände, die einer neuen Revolution entgegen­gehen, während man hier in der Versammlung an der neuen Po- iitischen Verfassung baue. Freilich sei der Gedanke, e'ne Garan­tie der Arbeit auszusprechen, etwas Neues, das wie alles für viele viel Abschreckendes habe. So sei eS mit dem Gedanken der Re­

ligionsfreiheit gewesen, der sich nur über Scheiterbaufen und Richt- stâtten habe Bahn brechen können; und so sei eS auch möglich, ja wahrjcheinlich, daß die Freiheit der Arbeit auch nur durch eine neue gewaltsame Umwälzung aller Zustände zur Geltung gelangen könne, weil sie einen mächtigen Widerstand zu bekämpfen habe. Durch den Staat des Pristerthums und des Adels seien wir hin­durch gegangen, nm endlich durch die französische Revolution zum Staate des Bürgerthums zu gelangen; aber wenn auch die Idee des fürstlichen Absolutismus untergegangen sei, so sei doch der Absolutismus des Gelbes, der Despotismus des Capitals geblie­ben. Ein solcher Staat, welcher unendliches Elend bestehen lasse, die Arbeit zum Sklaven des Reichthums mache, sei nicht das Ideal der menschlichen Gesellschaft. Könne die herrschende Klaffe im Staate nicht allen Dürftigen und Mangel Leidenden Unterhalt verschaffen, müssen noch immer Tausende am Hungertuche nagen, so läßt es sich nicht hinweglâugnen, es ist ein sehr kranker Fleck in unserem Staate.

Die Menschheit ringt gegenwärtig nach einer neuen Consti- tuirung; blicken wir ohne Leidenschaft und mit ruhiger Prüfung auf den Gedanken des Rechtes auf Arbeit, denn es handelt sich um die Existenz von Millionen. Dieser Idee muß man Luft und Freiheit der Bewegung schaffen, nur so kann man sich der Sach­in gebührender Weise bemächtigen; der Mensch, der aus dem Staate ausgestoßen wird, tritt in den Stand des Naturmenschen und sagt, wo ich keine Rechte habe, da habe ich auch keine Pflichten, und das führt zu den beklagenSwerthen Konflikten, welche man in Frankreich beobachtet hat.

In politischer Hinsicht mag die Revolution oft ein heilsames Rettnngömirtel sein, aber in socialer Hinsicht ist ein gewaltsamer Ausgang immer verderblich; hier muß man die Reform wünschen, welche auf unblutigem Wege ihr Ziel zu erreichen weiß, darum geben Sie den Millionen, die leiden und darben, die Hoffnung, daß auch ihre Zustände dauernd verbessert werden, und zwingen Sie sie nicht mehr, über dem Meere daS zu suchen, waS daS Va­terland ihnen bieten sollte. (Beifall.)

Nachdem ein Antrag auf Schluß der Debatte abgelehnt wor­den , erklärt sich Lette mit dem Bericht und Antrag des Volks« wirthschaftlichen Ausschusses einverstanden und bekämpft das Mi­noritätsgutachten , dessen Bestimmungen nicht in die Grundrechte gehören sollen.

Abg. Hr. Simon auS Trier: Er habe noch Niemund ge­sunden, der nicht gestanden, er wolle das Wohl des Volkes. Jetzt sei die Gelegenheit gekommen, es zu zeigen. Was die Steuer­frage betreffe, so bitte er die Versammlung, das Princip der fort­schreitenden Einkommensteuer auszusprechen. Man möge nicht Bestimmungen treffen, welche eS den Einzelstaaten möglich machen, mit Stenerveränderungen zu zaudern. Alle direkten Steuern müs­sen in dec Einkommensteuer aufgehen. Der Redner erklärt sich gegen die indirekten Steuern. Sie seien wohl leicht einznbeben, allein ungerecht vertheilt, und das wolle er nicht. Der Redner erklärt sich für den Grundsatz des Schutzes der Arbeit.

Ein auf Schluß der Discnssion gestellter Antrag wird ange­nommen.

Abg. Merk aus Hamburg spricht für die Minorität des volkswirthschaftlichen Ausschusses.

Abg. Degenkolb spricht für den Bericht des volkswirth­schaftlichen Ausschusses.

Abgeordneter Beseler auS Greifswalde, Berichterstatter des Verfassungsausschusses, erklärt sich für den Antrag deS Abgeord­neten Makowiczka.

Der erste zur Abstimmung gelangende Punkt ist der Derbesse- rungSantrag des Abgeordneten Makowiczka und Genossen. Dieser lautet:In Erwägung, daß die Aufstellung allgemeiner Besteue­rungsgrundsätze und die Empfehlung oder Verwerfung bestimmter Arten von Steuern nicht in die Verfassung gehört, sondern Sache der Administration der Einzelstaaten und beziehungsweise des Rei­ches ist; daß die Vorsorge fsir arbeitsunfähige Arme einen Ge­genstand der Heimathsgemeinde- und Armengesetze bildet; daß end­lich ein Grundrecht aus die Einführung oder Aufhebung bestimm­ter Steuern, sowie auf Errichtung von Creditanstalten überhaupt

Zweideutig.

Sitzt im Schlafrock ein Philister, sittsamlich, bei Weib und Kind, In dem Ofen brennt das Feuer, draußen aber weht der Wind, Weht der Wiud, und siche! plötzlich wird er gar ein wilder Sturm, Daß die Eule schnell sich flüchtet in den altergrauen Thurm.

Weibchen!" spricht der Herr Philister,sei so gut und rufe Du Unsere ÜDlaßb, daß schnell sie schließe au dem Haus die Laden zu!" Klirr!... Da bricht der Sturm die Scheiben, in der Stube liegen sie, Und der Herr Philister zittert, solches Wetter sah er nie!

Ist verwahrt auch gut das Feuer? Unvorsichtig ist die Hand Bieler Mägde, es entstehet d'raus gar mancher, große Brand! Kaum gesprochen,ruft:rettet Euch geschwind, es brennt dasDach!" Wahrlich, ja die Flamme züngelt, ringelt sich um jcd' Gefach!

Hui! da geht es an ein Rennen! Im Galopp und Trab' und Lauf Rafft die Hausfrau Dies und Jenes in der Hast und Hitze auf, Er jedoch der Alte, Kluge, spürt auf einer and'ren Spur, Und steckt ein in seine Tasche unsres Volkes Rechte mir.

L -Schw. Dr. Dan. F. v. Fenneberg.

C i n Lum p.

Die Armen müssen ihnen weichen und die Dürftigen im im Lande müssen sich verkriechen." Hiob. C. 24, V, 4.

»Er ist ein Lump! Er sitzt bei Tag Und Nacht nur in der Kneipe!

Ging' er hübsch seiner Arbeit nach, Und blieb bei seinem Weibe!"

Mit Windesflügeln fliegt das Wort

Von Einem zu dem Andern;

Ein Wort weiß ja von Ort zu Ort Behend' und rasch zu wandern!

O schweigt, die Ihr so lieblos sprecht!

Erspart Euch das Errothen!

Hört an mich, eh' den Stab Ihr brecht, Den guten Ruf zu todten !

Der Lump", er hat sich abgegnält

Vou Abend bis zum Morgen;

Sein kleiner Lohn war bald gezählt,

Noth hieß ihn: betteln, borgen.

Das Elend, Unglück nahm kein End',

Es ließ ihn niemals rasten;

Das kam vom altenRegiment"

Und seinen schweren Lasten!

Da griff zum Glas zuletzt die Hand

Verderben oder sterben!

So leert er's, füllt es bis zum Rand,

Und schlägt es daun in Scherben.

L.-Schw. Dr. Dan. F. v. Fenneberg.

B Erstes Concert

des hiesigen Theater-Orchester 311m Besten des Orchester- FondS für Wittwen und Waisen.

Bevor wir zur Besprechung des am 7ten d. M. stattgehabten Concertes schreiten, wollen wir dem Institute zu dessen Gunsten dasselbe stattgcfuuden einige Worte widmen. Dasselbe wurde vor 2 oder 3 Jahren durch die thäthigste Anstrengung einiger Mitglieder deö Or- chester'S in's Leben gerufen. Wie überall, so fand auch hier daS Gute und Zweckmäßige nicht gleich den wohlverdienten Anklangs cSZ ward im Schooße der eigenen Corporation dagegen opponirt, doch die Einsichts­volleren siegten, das Institut trat in'S Leben, ward höher« Ort'S, wenn auch spärlich unterstützt, und ge­deihet, namentlich unter der besonderen Pflege deS Herrn Schippel zum Besten aller seiner Mitglieder. Mögen dieselben durch vereintes Wirken dessen ferneres Bestehen sichern.

In unsrer Besprechung deS Concertes wollen wir mit dem beginnen, womit das Concert beschlossen wurde, nämlich mit der Cimphouie von Spohr: denn einmal war daS der Glanzpunkt deS heutigen Abend'S, und dann war dieses Tonstück dem hiesigen Publikum neu. Auf eine Kritik der Cimphouie wollen wir unS nicht cinlasssn, wir haben hauptsächlich nur die Leistung unsres Orchester's im Auge; außerdem ist benannte Cimphouie zur Zeit ihres