drückt sich folgender Maßen darüber aus: „Wir sind geneigt, zu glauben, daß der englische Gesandte zu Athen seine Instruction überschritten hat; denn wir würden nicht begreifen können, daß die Negierung von Gaotzbritanien die französische Regierung von den gewaltsamen Maßregeln nicht im Voraus in Kenntniß gesetzt haben sollte, besonders nach dem imposanten Einvernehmen, das durch das gleichzeitige Erscheinen der englischen und der französischen Flotte iin Orient an den Tag gekommen war." Die hier verbreitetste Ansicht ist, daß England bloß festen Fuß in Griechenland fassen will, um den Planen Rußlands entgegen- neten zu können. (K.Z )
Paris, 3. Febr. (Nat.-Z.) Im Laufe der vorigen Woche, so erzählt ein übrigens unverbürgtes Gerücht, hätte der Präsident der National-Versammlung bereits einen Verhaftsbefehl gegen Bonaparte unterschrieben und dessen Vollziehung dem General Chan- garnier anvertraut. Nicht uninteressanterwcise aber setzt das Gerücht hinzu, daß dieser kecke Eifer des Präsidenten Dupin nicht in einer makellosen Lirbe zur Republik blos seinen Grund gehabt, sondern daß derselbe mit anderen Plänen und Entwürfen der Orle- anisten zusammenhänge, für die man einen Augenblick den Obergeneral von Parts gewonnen hatte. Aber Changarnier wird sich nicht leicht geben. War nicht General Cavaignac Diktator ? Ist nicht Bonaparte aus Nichts zum Präsidenten der Republik geschaffen worden? Ist nicht er, Changarnier, mindestens so viel als Cavaignac und Bonaparte, und wohin die gelangt sind, warum sollte er nicht auch dahin gelangen können?
Mitten unter diesen feindlichen Mächten, die sich gegenseitig bewachen und bekriegen, während sie vereint unwiderstehlich werden könnten, senkt die Nepu- blick täglich ihre Wurzeln tiefer in die Herzen der Bevölkerung und jedes Loth Abneigung gegen die ungeschickteste und treuloseste aller Verwaltungen, jedes Quentchen Verachtung gegen die Ränke und Intriguen der alten Parteien, die dem Lande Sicherheit und Ruhe rauben, gereicht der Demokratie zu neuer Stärke und Stütze.
Man spricht viel von den Absichten Oesterreichs und Preußens, in der Schweiz zu interveniren. Absicht? wohl; und Bonaparte wird sie nicht hindern. Aber Frankreich, aber das Volk, aber unsere wackere Ostgrrenze, die republikanisch ist vom Unterrhein bis zum Jsedepartement?
Paris, 6. Febr. (Mz. Z.) Heute und gestern war die Nationalversammlung nur schwach besucht, die Repräsentanten schienen zerstreut und flüsterten während der Sitzung unaufhörlich miteinander. Auch die gemäßigte Partei der gesetzgebenden Versammlung ist gegen die Regierung aufgebracht und sprach von einem provocirenden Auftreten.
Ein großer Theil der Bevölkerum; von Amiens hat an die Nationalversammlung die Petition eingeschickt, daß die Republik über der Majorität stehe und daß es nicht gestattet sein solle, unter der republikanischen Verfassungsform Wünsche für die Wiederher- stellung der Monarchie auszusprechen.
Die eingelaufenen Nachrichten aus Indien reichen bis zum 3. Jauuar. — Die kriegerischen Rüstungen gegen den Najah von Sikkim sind eingestellt worden, da dieser die beiden von ihm widerrechtlich Ge
fangenen Dr. Campbell und Dr. Hooker auf freien Fuß gesetzt hat, welche auf ihrem Wege »all, Dard- schilling begriffen sind. — Ans Peschawer erfährt man, daß die Erpevition unter der Anführung des Hauptmann Lawrence die aufständischen Grenzbewohner von Eusofzih in zwei Schlachten besiegt und nut großem Verlust zurückgeschlagen hat. Man hoffte dadurch die Gegner zur Ruhe gebracht zu haben.
Italien.
Rom, 29. Januar. (AZ.) Die alte Leyer! Von Neapel Briefe, welche die Rückkehr des Papstes für die Hälfte des kommenden Februars nicht nur in Aussicht setzen, sondern als gewiß aukünbigen. Kein Mensch glaubt aber mehr daran, und vermuthlich die am we- nigsteu, von welchen die Nachrichten herrühren. Es ist nun so weit gekommen, daß wenn es hieße: der Papst zieht durch Porta San Giovanni in die Stadt, die meisten, worunter auch ich, kein Wort davon glauben würden, bis sie den heiligen Vater leibhaftig vorbeifahren sähen. Underdessen geschieht hier allerlei, was eben nicht vortheilhaft auf die Entschlüsse in Por- tici wirken mag.
Der. „Riforma" wird aus Livorno vom 25. Jan. geschrieben: „Gestern kamen hier auf dem „Virgile" mehrere Sicilianer an, welche zur Zeit des Feldzuges gegen ©teilten von den neapolitanischen Schiffen gefangen worden waren. Diese Unglücklichen haben 18 Monate lang in den Kerkern dco Castel Nuovo zu Neapel geschmachtet, welches sie fast alle krank verlas sen haben. Nach dieser Gefangenschaft sind sie von dem gütigen Bourbon zu lebenslänglicher Verbannung begnadigt worden," — Der Gemeinoerath von Palermo hat dem General Filangleri einen Ehrendegen angeboten, den derselbe jedoch nicht angenommen haben soll, weil ihn das Benehmen dieser Behörde aufs tiefste entrüstet habe. Der durch den Sturm, welcher am 27. Jan. in Genua gewüthet hat, eingerichtite Schaden ist sehr bedeutend. Dächer sind von den Hausern weggerissen, Baume entwurzelt und Mauern zerstört worben.
A m e r i £ o
Das Paketschiff „Washinton" hat Nachrichten aus Nkw-Iork bis zum 10. Jan, nach England gebracht. Aus einem Artikel des „New-Aork Herald" geht hervor, daß die zwischen der Regierung der vereinigten Staaten und England geflogenen Unterhandlungen hinsichtlich des Canales von Nicaragua wahrscheinlich zu einem für beide Theile befriedigenden Ergebniß führen werden. Sir Henry Bulwer hatte im Betreff dieser Angelegenheit mehrere Zusammenkünfte mit Hrn. Clayron gehabt und Vorschläge zu einem Vergleiche eingereicht, welche jedoch zurückgewiesen wurden, weil sie eine Anerkennung der Ansprüche des Mosquito- Königs erhielten und in Bezug auf das Benehmen des englischen Geschäftsträgers, Hrn. Chatfield, keine befriedigende Erklärung gaben. Später jedoch gestalteten sich die Unterhandlungen weit günstiger, und man kam von beiden Seiten über eine Anzahl von Punkten überein, durch welche, wenn der Senat der Vereinigten Staaten und Lord Palmerston ihre Zu stimmung geben, die Streitfrage ihre Erledigung finden wird. Nach dem in Rede stehenden Vergleich würde das große Unternehmen der Verbindung beider Oceane nicht im engherzigen Sinne der nationalen
Eifersucht aufgefaßt werden, sondern die Benutzung des Canals würde den Schiffen aller Nationen unter gleichen Bedingungen zugänglich sein, was auch in Einklang mit der in der Botschaft des Präsidenten Taylor ausgesprochenen Ansicht stehen würde, die Schutzmächte, d. h. die Vereinigten Staaten und England möglicher Weise auch Rußland und Frankreich, sollen ermächtigt sein, den Canal, selbst in Kriegszeiten, für neutral zu erklären. An jeder Seite der Seite der Landenge soll außerdem der am Ausgange
Canals liegende Theil beider Meere in einer Ausdehnung von etwa zwei Graden neutral sein. Innerhalb dieser Gebiete dürfen, auch im Falle eines Seekriegs, die Schiffe einer Nation die einer anderen nicht angreifen. Uebrigenö soll die Oberhoheit der . ucaraguas über das zu beiden Seiten des Canals voin stillen bis zum atlandischen Ocean liegende Gebiet anerkannt und gewährleistet werden. Die com- mercielle und financielle Leitung des Unternehmens wird ganz in den Händen der jetzt bestehenden Canal- Gesellschaft sein. — Auf der Landenge von Panama soll eine Goldmine entdeckt worden sein, und einige Abenteurer sollen es vorgezogen haben, dort ihr Glück zu versuchen, statt nach San Francisco zu gehen. — Aus Kalifornien haben wir Nachrichten bis zum 1. Dez. Der Goldertrag war noch immer reichlich, doch war das Land von Krankheiten heimgesacht.— Der westindische Postdampfer „Medway" ist mit einer Fracht von beinahe 2 Millionen Dollars in Gold und für Kaufmanns-Rechnung und mit dem westindischen und südamerikanischen Zeitungen in Southampton an- gekömmen. - Nach Nachrichten aus Valparaiso vom 30. Nov war der Handel daselbst flau. Es hieß, die Indianer im Sünden wä en aufgestanden und bedrohten Valdivia, so wie die anstoßenden Provinzen. Man sah diese Erhebung als sehr ernsthaft an, und die Negierung von Chili hatte Truppen zur Unterdrückung desselben nach dem Süden gesandt.— Die Republick Bolivia ward von neuen Unruhen bedroht. In Oruro und verschiedenen anderen Orten war es ^um »offenen Aufstande gekommen. — Aus Nicaragua wird gemeldet, daß die Ruhe in Grev- town nicht gestört worden war; doch warteten die britischen Bewohner mit großer Sehnsucht auf die Ankunft eines Kriegsschiffes, da sie eine Bewegung im Innern des Landes befürchteten, welche, wie sie glauben, durch ein amerikanisches Geschwader unterstützt werden würde.
Unsern Mitbürgern zur Nachricht?
Für diejenigen Einwohller des Herzogthums, welche durch den letzten Eisgang des Rheins empfindliche Vermögensverluste erlitten haben, sind bei uns bereits Geldbeiträge eingegangen, und weitere Geldsendungen, welche dem Herrn Earl Habel zu Wiesbaden zu übergeben sind, werden von und sehr gerne entgegen- gcnommen.
Der Vorstand des Vereins zur Wahrung der Volksrechte in Wiesbaden.
Verantwortlicher Redakteur: J. Oppermann.
------- ----- ----- ------------ —'-----* ■
Wekanntmacyungen.
Musikalisch - deklamatorische Abendunterhaltung, den 20, Februar 1850, in dem grosses Saale des Gasthauses «um Adler von llr. Marl Wilhelm Kirsch.
(113) Unter der gefälligen Mitwirkung von mehreren Mitgliedern der hiesigen Bühne, des hiesigen Gesangvereins, sowie auch eines auswärtigen Künstlers.
Programm.
Erste Abtheilung.
1) Quintett von L. van Beethoven für Klavier und Blasinstrumente.
2) Friedrich von Schiller, Dichtung von vr. K. W. Kirsch, gesprochen von Hrn. Nerking.
3) Arie in deutscher Sprache, gesungen von Fräulein v. Bracht.
4j Deklamation von Frau Flindt.
5) Pie^e für Harmonikon, vorgetragen von Herrn Gail aus Mainz.
6) Quartettgesang, ausgeführt von dem hiesigen Gesangverein. Zweite Abtheilung.
7) Frauenherz, von Dr. K. W. Kirsch, vorgetragen von demselben.
8) Arir in italienischer Sprache, gesungen von Fräulein v. Bracht.
9) Heimathsklänge:
1. Nach dem Rhein.
11. Nur nicht verzagt.
111. Grup an mein Vaterland Nassau.
Dichtungen von Dr. K. W. Kirsch, gesprochen von Hrn. Nerking.
10) Pie^e für Harmoniken, vorgetragen von Herrn Gail.
11) Arie, gesungen von Herrn Vincent.
12) Quartettgesang, ausgeführt von dem hiesigen Gesangverein. Das Nähere sagt der Anschlagszettel.
Für die deutschen Flüchtlinge in der Schweiz.
(120) Vor Kurzem ist in Frankfurt erschienen:
Die deutsche Mretter,
Lied für eine Singstimme mit Piano-Forte- und Guitarrebegleitung. Gedicht von C. H. Schnauffer. Komponist von H. I. Vincent und H. Neeb, mit einer Titelvignette von H. Knaus (aus Wiesbaden.)
Preiß eines Exemplars 36 kr. rh. Eremplare liegen auf in der Nitter- schen und Roth'schen Buchhandlung und bei Kaufmann Käsebier.
Der ganze Ertrag ist für die armen hilfsbedürftigen Flüchtlinge bestimmt.
Versteigerungs - Anzeige.
(119) Mittwoch, den 20. Februar, Morgens 9 Uhr, und nöthigenfalls die darauffolgenden Tage, laßt Hr. L. Kompf zu Clarenthal bei Wiesbaden nachstehende Gegenstände gegen gleich baare Zahlung versteigern:
40 Stück Rindvieh, als Mast- und Zugochsen, Kühe, Rinder und junge Fasselocksen (Schweitzer Race.)
1 Paar schwarz-braune Pferde, 8 Jahre alt, (fehlerfrei.)
1 Fohlen, 3 Jahre alt.
Ackergeräthschaften, als: 1 Säemaschine, (in der königl. baier. Muster-Wirthschaft Schleißh. verfertigt.) 1 eiserne Ring-Walze. 3 Fulterschneid- Maschinen. Pflüge. Eggen. Walzen. 7 Fuhrwagen. 3 Karren.
Pferdegeschirr. Eselsgeschirr. 1 ganz neuer Reitsattel. Schlittenschellen und 1 Schlitten. Korn. Gerste und Hafer. Heu und Spreu. Dickwurz. .
2 Putzmühlen. 1 Aepfelmühle. 2 Keltern. Fäßer. 1 Mchlkasten. 1 Waschmange. Mistbettfenster.
Kleider und Küchenschränke. Kanapee. Gesindebetten.
1 große Chaise mit Glasverdeck. 1 Wägelchen (Brack) zum ein- und zweispännig Fahren, aus der Höchster Wagenfabrik.
Hacken. Kärste. Ketten und anderes mehr.______________________ Car» evui.
(122) Das Programm des Maskenzugs ist beinern: Kaufmann Bernard in der Marktstraße und bei Herrn Tabackshändler S> traust am Sonnenberger Thor um den Preis von 3 kr. zu haben, und ist der Ertrag zum Besten der Ueber- schwemmten im Rheingau bestimmt.SStss ^Jnmité,
Verloren.
(116) Eine goldene Doppelnadel, mit einem von Granaten besetzten Knopf, wurde gestern Abend in der Stadt verloren. Der redliche Finder wird gebeten, solche in der Expedition d. Bl. gegen eine angemessene Belohnung ab- zugeben.
(121) Von heute an wohne ich in dem Bad- Hause zum Bock.
Wiesbaden, den 9. Februar 1850.
Friedr. Fmmerma»t»t.
(118) In der Steingaffe Nro. 6 sind Herrn - Masken - Kleider zu verleihen, auch billig zu verkaufen.
Theater zu Wiesbaden.
Sonntag, den 10. Febr. No chus Pumpernickel, komische Oper in 3 Akten.
Druck und Verlag der C. Ritterlichen Buchdruckerei.