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Koblenz, 2. Febr. Bei der Wahl der Abgeo, dne- ttn zur zweiten Kammer wurden eben die Candidaten des Vereins für volksthüDche Wahlen, 1. Friedens­richter Greb el in St.-Goar, mit 274 Stimmen gegen 80, also circa vier Fünftel sämmtlicher Votirenden, so­wie 2 ter Gutsbesitzer Nassaus in Wolken, ebenfalls mit sehr großer Mehrheit, gegen die Candidaten des Schwarzweißthums durchgesetzt. Dieselben Männer, welche schon ihr Urtheil über die Gewaltstreiche vom November letzthin ausgesprochen haben, sind also beru­fen, auch jetzt wieder dieselben Kreise zu vertreten.

(RH. u. M.-Z.)

Trier, 6. Febr. Bei der gestern stattgehabten Wahl der Abgeordneten zur zweiten Kammer wurden der frü­here Abgeordnete, Landgerichtsasflssor Otto und Pro­fessor Simon, Vater des bekannten frankfurter Abge­ordneten Ludwig Simon, von der demokratischen Partei durchgesetzt. Die Demok atie hat abermals in Trier den glänzendsten Sieg gefeiert und die Constitutionellen, wir wollen hoffen für immer, in die politische Rumpel­kammer zu den Akten gelegt. Sie hatten sich zwar wieder große Hoffnungen gemacht, denn das müssen ihnen selbst ihre Friede lassen, im Hoffen sind unsere constitutionellen Mitbürger unübei trefflich und unermüd­lich, allein dabei bleibt es auch.

Trier, 6. Febr. Mit den Nachrichten von den Abgeordneten - Wahlen geht es wie mit denen von den Urwahleu. Alle gerechten Hoffnungen verwirklichen.sich, viele werden überboten. Gestern Abend erfuhren wir aus Wittlich, daß Dr. Grün zum ersten und Advokat Borchardt aus Köln zum zweiten Abgeordneten der zweiten Kammer für den Wahlbezirk Wittlich wiederge- wählt worden sind. So eben schreibt man uns aus Prüm, daß die früheren Deputaten I. B. Schwickrath aus Schönecken und Advokat M sserich von hier den Sieg davon getragen haben alle vier Steuerverwei- gerer! (T. Z.)

Köln, 6. Februar. (Fr. I.) Die Wahl der De- putirten für die zweite Kammer begann gestern Morgen und endete erst spät am Abende. Die Ursache, daß sich die Verhandlungen so in die Länge zogen, ist in dein Umstände zu suchen, daß der frühere Lieutenant Anneke die Wahl von fünf Offizieren bestritt, weil dieselben erst an dem Tage der Ur wählen den Bezirk bezogen, in welchem sie zu Wahlmännern ernannt wurden, wohin­gegen das Gesetz sagt: sie sollen schon 6 Monate da­selbst wohnhaft sein. Die 5 Wahlen wurden als unge­setzlich bezeichnet. Die Debatte und Abstimmung darü­ber dauerte bis 1 Uhr. Eine Stunde später schritt man zu den Abstimmungen. Zuerst handelte es sich um Kyll und von Wittgenstein. Es meldeten sich zu dem Scrutinium 347 Wahlmänner, von welchen sich für ersteren 231 und für letzteren 113 entschieden; einige Stimmen gingen verloren. Dann stellte die dernokra- tische Partei den Advokaten Schneider II. und Raveaur und die andere Fraction von Wittgenstein auf. Von den 347 Wählern stimmten für Schneider 168, für Raveaur 54 und für w. Wittgenstein 122. Die abso­lute Majorität betrug 174, es kam also zur engereu Wahl, bei welcher Raveaur, was er eher hätte thun sollen, auf die Candidatur verzichtete, und in welcher Schneider II. (mit 219 Stimmen) über von Wittgen- stem (mit 120 Stimmen) siegte. Der Jubel des Vol­kes war unbeschreiblich, man trug den Deputaten bei­nahe nach Hause, und mit Recht, Köln ist zum ersten Male würdig vertreten.

Berlin, 3. Febr. Der von hier trotz aller seiner Reklamationen ausgewiesene Professor Nees von Eiseu- beck bt findet sich j ft in Bernau, wo sich die demokra­tische Partei, und namentlich die arbeitende Bevölkerung seiner sehr eifrig angenommen hat. Sie schickte sofort nach seiner Ankunft eine Deputation an ihn und trägt seitdem die größte Sorge für seine Sicherheit.

Berlin^ 4. Febr. Gestern Abend ist der im Bau begriffene Sitzungssaal der ersten Kammer, welcher im Garten des Gouvernementshausis gebaut wird, plötz'ich jum Theil eingestürzt. Die Trümmer haben zwei Ar­beiter erschlagen, mehrere andere sind verletzt worden, und wenn die Katastrophe einige Stunden früher ein- trat, würde eine bedeutende Zahl Menschen ihr Leben eingebüßt haben. Man hat diesen Bauten von Anfang an nichts Gutes prophezeit, denn mitten im Winter und in größter Hast bei Tag und Nacht aufgeführt, lag das Unheil nahe. Aber man meinte hier, daß Alles möglich sei, und erinnerte sich, wie in Petersburg der niedergebranrte kaiserliche Winterpalast sofort wie­der gebaut wurde, wobei freilich 2000 Menschen Leben und Gesundheit eingebüßt haben sollen. Da Säle genug im Schloß wie in andern großen Gebäuden vorhanden sind, wird man nun doch thun müssen, was gleich hätte geschehen sollen. Sie können aber wohl denken, wie man den Vorfall hier betrachtet, und wie der Spott der Berliner über den ßinfhir8 der ersten Kammer, der man so wenig hold ist, sein Wesen treibt.

(Z. f. R.)

Berlin, 5. Februar. Aus Potsdam geht uns die Nachricht zu, daß der Oberprasivent von Patow und der Justizrath Krahn aus Cremmen gewählt wurden; aus Magdeburg v. Unruh und Par; der Teltower und Beskow-Storkower Kreis werden, soweit wir nach dem Resultat der gestrigen Vorsammlung beurtheilen können, den Hrn. v. Vinke und den ehemaligen Mi­nister v. Bodelschwingh gewählt haben.

Für die hier vorgekommenen Doppelwahlen sind von der demokratischen Partei bei den Neuwahlen die

Herren Dr. Zunz, H. Simon und Candidaten ausgestellt. (F. I.)

Assessor Jung als

sm ^Ä^ 5. Febr. Die Demokratie hat die heutige -.^ahlschlacht tn Berlin vollständig gewonnen und in sämmtlichen neun Wahlen ihre Kandidaten durchgebracht. Das Ergebniß ist fo'gendes: Waldeck, Jakobi u. Rodbertus sind jeder doppelt, außer ihnen Phil- ff ps, Temme und Berends gewählt. Auf daS Manöver, nachdem Rodbertus im zweiten Bezirk ge­wählt war, im ersten ihn fallen zu lassen, und Heinr.

wählen, wollte jener Beziik, als zu prekär, am Wahltage nicht eingehen, weßhalb Rodbertus auch zw lmal durchkam. Die Eandidaten der Confervativen waren nur Grabow, Geh.-Rath v. Vie bahn und Prof. Gneist, ersterer im ersten und zweiten Bezük, der zweite im dritten, der letzte im vierten. (F. I.)

Wien, 2. Februar. Herr v. Schmerling hat dem Reichsministerium einm Plan zu einer großortigen Ein­wanderung von Deutschen nach Ungarn vorgelegt. Die Eröffnung der hiesigen Universität ist, wie es heißt aus Mangel an Studüenden, neuerdings bis Novem­ber hinausgeschoben worden.

Von der österreichischen Grenze. Kaufleute aus Debreczm erzählen Folgendes: Die revolutionäre ma­gyarische Regie, ung beabsichtige vor dem Frühjahre keinesfalls die Offensive zu ergreifen, sondern gedenke, günstigere politische Ereignisse von Außen abzuwarten. Man arbeitet rüstig in der Waffenfabrik, fabn'zirt flei­ßig Banknoten, darunter auch 30 Kreuzerstücke. Den Oberbefehl über die gegen die Theiß hin operirenden Truppen führt der polnische General Dembinski, und falls die Vereinigung mit beut Görgey'schen Corps ge­lingt , soll ihm auch dieses unte,stellt werden. Bem h alt Clauscnburg besetzt und hat versprochen, Hermann­stadt bis Ende Januar zu nehmen. Jellachich ist mit seinen Kroaten nach Alberty, ein Paar Stunden unter Pesth, marschirt. Die politische Organisation Ungarns leitet jetzt zum größten Theile der ehemalige Statthalterei­rath Harras, ein schlauer, ehrgeiziger Kopf. In den unterworfenen Bezirken werden die früheren Obrigkeiten sämmtlich ab- und dagegen neue eingesetzt. Der Poli- zeimeister der insurrektionellen Partei, Laszlo Madarasz, hat an sämmtliche noch ihm unterstehende Postämter den Befehl erlassen, keine Zeitungen, es sei denn, sie wer­den ihm vorgelegt, anzunehmen. (L.Z).

Ungarn.

Pesth, 31. Jan: Der diesjährige Carneval hat in einem Caffeehause in der Königsgasse, dieser Jägerzeile Pests seine Abschiedskarte mit den Lettern p. p. c. zu- rückgelaffen. Es kam nämlich zwischen Militär und Civil rücksichtlich der Wahl der vorzutragenden Musik­stücke zu unliebsamen Reibungen, die zu einem kleinen Erzeß führten. In Folge dieses Faschingszwistes wurde den Gastgebern und Kaffeesiedern das Engagement von Musikbanden verbanden. Für die zahlreichen Musikan­ten, die in den Schwesterstädten ihr tägliches Brod gei­gen, ist dieser Ordre ein harter Schlag, namentlich da die meisten verheirathet und Familienväter find. Be­sonders übel ergeht es den armen Zigeunern, die be­kanntlich in Ungarn die Bande der Terpsichorens bil­den. An keine sonstige Beschäftigung gewöhnt, zu kei­ner schweren Arbeit geeignet leben sie von Fiedel und Triangel und müssen betteln gehen, wenn dieses klin­gende Tischleindeckdich seine Wunderkraft verliert.

In Pest haben neuerer Zeit einige Hausuntersuchun­gen stattgefunden. So wurde Ende voriger Woche das ehemalige National- nun ungarische Theater von einer Abtheilung Soldaten genau durchspäht. Es hatte sich nämlich ein Angeber gefunden, der besagten Thespis- tempel für ein geheimes Waffendepot ausgab. Seine Deuunciation erwies sich aber als falsch und er wird wohl die gesetzliche Strafe für dies n Act derVerläum- dung zu erdulden haben. Erfolgreicher war die Nach­forschung im sogenannten Productenhof oder dem großen Hause der Gebrüder Kunewalder in der unmittelbaren Nachbarschaft des oben erwähnten Theaters. Man fand daselbst eine große Quantität Früchte aufgespei­chert, welche der früheren ungarischen Regierung gehör­ten und in der Eile des feigen Abmarsches wie hundert andere Habe vergessen worden waren. Rücksichtlich der Militäracademie im Ludovi'ceum ist noch immer kein fester Entscheid herabgelangt, und gehen die zukünftigen Hum'ady's bis heutigen Tag mit ängstlich erwartungs­vollen Gesichtern in den Straßen Pests umher. $D?it der kürzlich zurückgekehrten Brigade des 2. Armeecorps kam auch ein gefangener Beamter aus der Gegend der Bergstädte, der mit Kossuth noch immer im Hochver- rätherischen Briefwechsel stand. . (C. Bl. a. B.)

Italien.

Rom, 27. Januar. Die römische Regierung trifft Vertheidigungöanstalten. Die Festung Civitavecchia ist mit 200 Kanonen, darunter 8 h la Pairhans , besetzt und mit Munition wohl versehen. Das Artilleriekorps stellt fast täglich Schießübungen an. Major Sartori geht nach Paris, um dort auf Kosten der Regierung Flinten anzukaufen. Der Senatorenpalast wird fest­lich hergerichtet. Der ganze Unterbau ist mit rothem Zeug beschlugen, und die Pilaster, welche durch mehrere Stockwerke durchgehen, auf gleiche Weise behängt. Gol­dene Treffen umsäumen die Hauptmassen, und über dem Portal sind trikolore Fahnen massenweise aufgethürmt. Morgen Abend wird daS Constituentefest abgehalten,

b££& bürste es leicht dazu sommers, «gerufen würde. Die Umsichtigeren 2 b " * >?1 fürchten zwar diesen Moment der überzeugt sind, daß sie dann nicht blos N.apel, sondern auch Sardinien aeaen fick haben wer- den. Wahrscheinlich aber wird e/ibnen m'cht gelingen die Erallirten zurückzuhalten. '

Kaum war Tomaseo nach Venedig zuruckgekehrt, so machte man ihn auch Jitßlet^ zum Tnunwir an Graziani's Stelle er führt nun mit Manin und Covedalis die Reaiernnas- geschäfte Bei der französischen Republik wurde rmn anstatt Tomaseo der Burger Valentino Pasini accrbi- tirt, welcher zugleich die Vollmacht hat, die Rechte und Interessen Venedigs in dem Brüssel'schen Congresse zu vertreten. Die Venetianer benützen die jetzige Ruhe um ihre jungen Offiziere in der Artillerie und den üb­rigen Militärwissenschaften ausbilden zu lassen. In der technischen Schule wird stetig Unterricht ertheilt, womit sich einige tüchtige Männer, mitunter Professoren der Paduaner mathematischen Facultät, beschäftigen. Bald werden die Wahlen zu einer Nationalversamm­lung vorgenommen, welche über das Sch-'cksal der Stadt entscheiden muß; es wird berichtet, daß die Gesammt- zahl der eingeschrieben Wähler 42,255 ist. (C-Bl.a.B.)

Turin, 1. Februar. Heute wurde das Parlament vom Könige eröffnet. Die Thronrede lautet ziemlich kriegerisch. Sie spricht sich bestimmt dahin aus, daß wenn die anerbotene Vermittelung nicht bald zum Ziele führe, der Krieg erneuert werden müsse. Sodann lenkt sie ganz besonders die Aufmerksamkeit der Versainm'ung auf das Heer und fordert zu Opfern auf.

Frs « kre ich.

Paris, 3. Febr. Wir entnehmen derGazette de Tribunaur", einem ernsten und glaubhaften Journal, folgende sonderbare Thatsache: In der Nähe der Sor- bonne, wird eine neue Straße gebrochen, welche die rue de GreS durchschneidet. Ein einzelnes Haus, etwas entfernt von der Straße, ist stehen geblieben, von den abgetragenen Häusern durch tiefe Aushöhlungen getrennt, welche die alte Ringmauer von Paris aus der Zeit Philipp August's blosgelegt haben. Dieses Haus wild jeden Abend und die ganze Nacht hindurch von einem wahren Steinhagel heimgesucht, welcher durch die Größe und Geschwindigkeit der geworfenen Massen großen Schaden anrichtet. In der That sehen die Thüren und Fenster des Hauses aus, als ob sie mit Kartätschen eingeschossen worden wären. Allein Niemand weiß, woher dieser Steinhagel kommt. Polizeiagenten haben Tag und Nacht eine scharfe Aufsicht geführt. D-'r Chef der geheimen Polizei ist selbst wiederholt an Ort und Stelle gewesen; Hunde sind währ nb der Nacht in der Umgegend ausgestellt worden; Männer haben die Dä­cher der benachbarten Häuser erstiegen; allein die Steine fuhren fort, von oben auf das Haus zu hageln, ohne daß Jemand erfahren konnte, wie? Einige Steine sind so groß, daß dieselben unmöglich von einem Menschen geworfen sein können; auch sind dieselben stets sehr gut gezielt. Die Nachforschungen dauern fort. Diese seltsame Geschichte bringt in Erinnerung, daß einmal Paris erstaunt war. jeden Morgen einen Hagel von Sous in der rue Montesquieu zu sehen, und ein an­deres Mal, zu erfahren, daß die Schellen eines Hauses in der rue de Malte von einer unsichtbaren Hand ge­läutet wurden. Keines dieser Geheimnisse ist jemals aufgeklärt worden.

Paris, 4. Febr. Der Präsident hielt bei der vor­gestrigen Heerschau im Marsfelde, wobei er mehrere Ehrenkreuze vertheilte, folgende Anrede:Das Kreuz der Ehrenlegion ist unter den mit vorangegangenen Re­gierungen zu oft verschleudert worden. In der Zukunft wird dies nicht mehr der Fall sein. Ich werde Sorge tragen, daß die Ehrenlegion nur die Belohnung für die dem Vaterlande geleisteten Verdienste sei und nur der unbestrittenen Würde ertheilt werde. So hoffe ich, die­ser schönen Institution ihren früheren Glanz wiederzu- geben."

Paris, 4. Febr. Das Ministerium erlitt gestern Abend am Schluffe der Nationalversammlung, der erst wieder um 8% Uhr stattfand, eine schmählige Nieder­lage. Der Antrag:über Einleitung einer parlamen­tarischen Untersuchung der Montagskomödie zur einfachen Tagesordnung überzugehen," wurde mit 407 gegen 387 Stimmen verworfen. Die Linke rief:Es lebe die Republik!" und die Versammlung ging in großer Auf­regung auseinander. Marrast's diplomatisches Mit­tagsmahl, das für 6 Uhr angezeigt war, konnte darum erst nach 8 Uhr eröffnet werden. Dasselbe bekam durch die herrschende Aufregung mehr die Färbung eines Clubs im Sinne des Palais National oder Instituts, als die eines rrpublikanischen Hoffestes a la Maintenon. Prä­sident Bonaparte wohnte demselben nicht bei! Er ließ sich entschuldigen durch Unwohlsein. (M. Z-)

Paris, 5. Februar. Der Antrag Oudinot^s zur motivirten Tagesordnung ist von der Nationalver­sammlung mit 461 gegen 359 Stimmen angenommen worden.

Nachschrift.

Köln, 6. Febr. In den meisten Wahlbezirken un­seres Regierungsbezirks und des Aachener sind die ent­schiedensten Demokraten als Deputirter gewählt, so in