laufen Sie denn ? Kämpfen Sie und das Herr wird Brod haben; ein fluchtiges Heer hungert immer, ein siegendes Heer ist immer satt. Der Sabel des Obersten klirrte auf dem Boden: Um Vergebung, Herr Felb- marschall-Lieutenant, das ist eine Beleidigung, die wir nicht verdienen. Wir haben tapfer gefochten , wir haben selbst alle Entbehrungen freudig ertragen, aber gegen eine solche Uebermacht, und bei dein Mangel aller Lebensmittel mußten wir geschlagen werden. Jetzt trat Vecsey vor: Herr Feldmarschall-Lieutenant, wir gehen nicht nach Dobra, wir folgen der Aufforderung Gör- gey's, wir gehen über die Maros. — Bem sah Vecsey ernst an und erwiderte ruhig, fast bedächtig: Meine Herren, ich bin kein Würger, ich bin kein Henker, ich hatte durch mein Amt die Macht, Sie zu zwingen, aber die Sache, für welche wir kämpfen, fordert freie Krieger, ich fordere also nochmals alle Kommandeurs der Bataillons, der Eskadrons und der Batterien, welche zu mir halten wollen, auf, sich morgen früh bereit zu halten, nach Dobra zu gehen. Ich habe nie unterhandelt und werde nie unterhandeln, bei Dobra haben wir eine Position, wo wir Monate lang vom Feinde nicht angegriffen werden können, und ich werde im Stande sein, mit einer Kanone den Weg nach Siebenbürgen zu sperren, dort wollen wir uns reor- ganisiren und dann den Feind mit erneuter Kraft an. greifen und schlagen. Glauben Sie nicht, daß wir schwach sind, wir sind noch stark, ja mächtig, wenn wir wollen, und es wäre eine Schmach , sich mit 40,000 Mann zu ergeben *). — Da fiel Vecsey ein und rief mit Erbitterung: Aber ich bitte, Herr Feldmarschall - Lieutenant, wie denken Sie Ihr Heer zu verpflegend In dein ausgehungerten Siebenbürgen werden Sie doch wohl keine Lebensmittel für dasselbe finden. Und der Feind rückt uns auf dem Fuße nach und sperrt die Zufuhr auf allen Seiten. Darauf Bem: Wenn der Walach das ganze Jahr hindurch von Knkuruzbrot leben kann, so wird doch ein Soldat, der für die heiligste Sache der Menschheit kämpft, bei derselben Kost leben können. Ich werde, wie immer, dem Heere mit meinem Beispiel vorangehen und die meiner Meinung sind, hoffe ich, werden mir folgen. Thun Sie also wie Ihnen gut dünkt. Gute Nacht, meine Herren! — Mit diesen Worteil schritt er, nachlässig grüßend, aus dem Kreise, bestieg seinen Wagen und fuhr davon. Die Honveds von Vecsey's Lager aber riefen ihm stürmisch Elfen nach. Die Armen wußten noch nicht, wie es mit ihnen stand. — Nach Bem's Entfernung begann eine Debatte, stürmisch und leidenschaftlich bewegt, wie unser Inneres war. Zunächst von vielen Seiten die bestürzte Frage: Weshalb diese Scene? Die meisten von uns konnten leider darauf schon Antwort geben: Es ist die Aufforderung von Görgey an Vecsey gekommen, mit seinem Korps nach Villagos zu gehen und sich dort mit den Russen zu vereinigen. Das Wort „ergeben" wurde nicht gehört und die allgemeine Auffassung von Görgey's
*) Die Zahl war nicht sehr übertbieben, die vereinigten Korps zählten noch an 30,000 Mann und stündlich schloffen sich neue Häuflein von Flüchtlingen dem Gros an.
Aufforderung war, daß er eine Konvention mit Rußland geschlossen habe und Rußland als Vertreter der ungarischen Interessen auftrete. Ich habe Grund, zu glauben, daß die Führer selbst diese Meinung theilten, sicher wenigstens ist, daß sie den „Verrath" Görgey's in seiner ganzen Ausdehnung nicht ahnten.
Der Streit der Ansichten wurde im Kriegsrathe mit der größten Erbitterung geführt; Drohungen und Forderungen tobten durcheinander. Die Verwirrung wurde noch dadurch vermehrt, daß die einzelnen Of- fizierkorps selbst sich spalteten. Mehrere Offiziere von Vecsey's Korps sprachen für Beul, dagegen wieder Offiziere von den Abtheilungen Guyon und Kmety, derelsiFührer sich schon früher an Bem geschlossen hatten und deßhalb von dem Kriegsrathe fern geblieben waren, vertheidigten den Anschluß an Görgey. Die Nacht trennte die Leidenschaftlichen.
Was war das für eine Nacht! Die Soldaten sangen, aßen und tranken, und überließen sich zuletzt sorglos der Ruhe; uns aber, die wir die verhängn iß- volle Szene und die finstere Ahnung in uns trugen, blieb der Schlummer fern. Jetzt noch steht jede Kleinigkeit jener Stunde vor Vecsey's Wagen in meiner Seele, nicht nur die Worte, welche gesprochen wurden auch die Mienen der Enzelnen, die Beschaffenheit ihrer Uniform, die Stellung der Aeste und Zweige an den Bäumen, Alles sah ich, während meine Ohren das Furchtbarste hörten: den kläglichen Ausgang der größten Sache. Und so langeich lebe, werden vie Emzel- heiten dieser Stunde nicht vergehen aus meinem Gedächtniß.
Mit Aufgang der Sonne traten die Korps unter die Waffen. Weder die Korps, noch die einzelnen Abtheilungen derselben wußten sicher, wohin der leitende Wille ihres Führers sie ziehen wollte. Und jetzt begann eine Auflösung der Heere, die sich am besten mit einer chemischen Zersetzung vergleichen laßt. Die Bataillone lösten sich in Kompagmeen, die Kompagmeen noch in kleinere Theile auf; die Emen zogen zu Bem, die Andern zn < ecsey. Von Vecsey's Korps halten sich nur kleinere Haufen getrennt, aber von Känety und Guyon zogen unregelmäßig in halber Auflösung ganze Züge auf der Spur des vertrauenden Freundes von Görgey. Auf der Landstraße aber und in den Gassen der Stadt entstand ein tolles Durcheinander; die Anhänger Bem's drängten nach Osten, die Andern nach Westen nach Lugos zurück, überall ein Stoßen, Schreien : und Hadern. Auf dem Marktplatz von Facset hielt eine Schwadron von Vecsey's Husaren, sie weigerten sich, zurückzuziehrn nach Villagos. Die Leute fluchten und zogen die Säbel, wohl eine Stunde schrieen und drohten sie in einander. Endlich waren sie verschwunden, Niemand hatte Zeit zu fragen, wohin. Die Schaa- ren, welche nach Siebenbürgen zogen, eilten mit einer Haft vorwärts, als ob der Feiuv auf ihren Versen sei, sie stopften die Brücke, welche hinter Facset über den Bach führt, sie stopften die Passagen durch den Bach selbst, Menschen, Karren, Kanonen und Pferde bildeten einen verworrenen Knäuel, wie auf verzweifelter Flucht.
Das war das Ende der ungarischen Revolution. Vecsey ging nach Villagos in sein Verhängniß, und
Bem kam nicht bis Dobra, obgleich das nicht viel über drei Stunden von Facset entfernt ist. Noch auf dem Marsch debandirte sein Heer, die Gemeinen erfuhren jetzt erst vollständig, worum es sich handle und die Einzelnen faßten ihren Entschluß und nahmen Partei. Manche wollten zur Heimath, Viele zur „Föderation" mit den Russen gehen. Die Korps waren aufgelöst, bevor sie die Berge Siebenbürgens überstiegen hatten. — Bem aber ging mit Guyon und Kmety nach Or- sova zu den Türken. (Mz. Z.)
9t»fmf.
Mosbach-Biebrich, 6. Februar. Mit jedem Tage treffen neue Berichte über die schreckliche Noth der nassauischen Rheinuferbewohner an unser Ohr und Herz. Die fürchtbare Überschwemmung hat die Armen dort noch ärmer gemacht und nicht Wenigen auch das ! Unentbehrlichste geraubt. Rasche Hülfe thut hier Noth! i Darüber ist nur Eine Stimme.
An die Bewohner von Mosbach-Biebrich, die sich einst der unglücklichen Feldberger und der nochunglücklicheren Schlesier bei der Hungerseuche so liebevoll durch die reichlichsten Gaben angenommen, ergeht daher der Aufruf, mit Liebeswerk jetzt auch den armen nassauischen Brüdern nahe zu sein. —
Der Unterzeichnete, der sich in dieser Sache mit den betr. Kreisämtern und Hülfs - Comites sofort in ■ Vernehmen setzen wird, bittet zu diesem Zwecke um Beiträge, bezeichnet durch Namensunterschrift oder Anfangsbuchstaben, die in diesen Blättern eingerückt werden sollen und worüber Abrechnung in denselben geschehen wird. Auch auswärtige Gaben werden init Dank entgegen genommen und sollen mit den hiesigen un verweilt an den Ort ihrer Bestimmung abgehen. Wer in folger Noth rasch giebt, giebt doppelt!
Dilthey Pfarrer zu Mosbaff-Biebrich.
Erklärung.
Besondere Gründe veranlassen mich zu der Erklärung, daß die in Nro. 29 der Freien Zeitung abge- druckte Korrespondenz aus Miehlen nicht von mir ist.
Miehlen, 5. Febr. 1850. Welcker.
Wird hiermit bestätigt. Die Redaktion.
Verantwortlicher Redakteur: J. Oppermann.
Gekanntmaetzungen.
Einladung zur Kufijcrifytion !
(1269) Bei Aug. Sorge in Osterode ist soeben erschienen und in der unterzeichneten Buchhandlung vorräthig:
Allgemeiner und immerwährender
Vor einigen Tagen haben die Quartalsitzungen der Assisen des Herzogthums wieder ihrer! Anfang genommen und im Laufe dieser Sitzungen wird auch die Angelegenheit des
Idsteiner Landes - Congresses, welcher sich bekanntlich die Aufgabe gesetzt hatte, durch gesetzliche Mittel die Durchführung der deutschen Reichsverfassung vom 28. März zu bewirken, — zur Verhandlung kommen.
Da die unterzeichnete Buchhandlung sich überzeugt hält, daß die deu Idsteiner Landescongreß betreffenden Verhandlungen mit großem Interesse nicht allein innerhalb des Herzogthums, sondern auch außerhalb der Grenzen desselben verfolgt werden möchten, und da es gewiß auch Vielen erwünscht sein wird, wenn ihnen diese Verhandlungen nicht allein sehr rasch, sondern auch in erschöpfender Vollständigkeit zugänglich gemacht werden: so hat die Verlagshandlung sich dazu entschlossen, die Assiseuverhandlungen, welche die wegen des Idsteiner Landescongresses Angeklagten (die Abgeordneten: Hof- und Appellationsgerichts-Präsident Naht von DUleuburg; Advokat Müller II. von Nastätten; Prokurator Lang; Ligueurfabrikant Iusti von Idstein; Amtssekre- tär Hehuer von Rennerod; Pfarrer Snell von Langenbach; Landoberschultheiß Wenkeubach von Wehen; — und Earl Schapper, Corrector der früher erschienenen „Neuen Rheinischen Zeitung" in Cöln; Dr. Meyer von Eatzenellnbogeu und I. Oppermann, Redakteur der „Freien Zeitung" in Wiesbaden.) betreffen, stenographiren und in einem besonderen Abruck in gr. 8° erscheinen zu lassen.
Der Subscriptionspreis beträgt 4 kr. per Bogen und dürfte nach vorläufigem Ermessen das ganze Werk nicht über 8—10 Bogen stark werden. Die uuterzeich- nerc Buchhandlung erlaubt sich daher zum Abonnement auf diese stenographische Abdrücke ciuzuladen und die Bitte auszusprechen, die Subscriptionslisten baldigst franco zurückzuschicken; da die bedeutenden Kosten des Unternehmens das Erschei- urn desselben nur dann möglich machen, wenn eine genügende Betheiligung an der Su.scription erfolgt — zu recht zahlreichem Unterzeichnen ladet deßhalb ein die
Wiesbaden, den 16. Januar 1850.
H. W. Ritter'sche Buchhandluug.
auf jedes Jahr und jede Zeit anwendbar.
Für das deutsche Volk
heransgegeben, nach den besten Quellen bearbeitet, wie auch theils durch eigne Praxis bewährt gefunden und zum Wohle desselben au's Licht gestellt von Carl Pauli.
Preis 54 Kreuzer.
H. W Ritter'sche Buchhandlung in Wiesbaden.
(130)) Feste und gut gnieckuete Lohkucpelk franco in's H .a geliefert per Tausend 6 st. bei August Herz im Nerothal.
NB. Bestellungen können in der Expedition dieses Biaties gemacht werden.
02) Es find Kapitalien in ’s' jeder Größe stets zu haben
durch Friedrich Schauß in Wiesbaden, Marktplatz Nr. 12.
(109) Da einer der Zeugen in der Untcr- suchungssache gegen Anton Benz und Consorten von Niederlahnsteiu, wegen gewaltsamer Befreiung des Wilhelm Neck von da aus dem Amtsgefängnissc zu Braubach in der öffentlichen Assiseuverhandlung vom 4. d. M. ausgesagt hat, ich sei bei dem Zuge vom Nathhause von Braubach durch den Amtshof, bis zum Durchgang unter seiner Wohnung an der Spitze des Zuges gewesen; dies den Anschein gewinnen muß, als hätte ich au dieser Befreiung thätlich mitgcwirkt, mir es aber nicht einerlei sein kann, wie der hohe Assiscnhvf und das Publikum hierüber urtheilt, so muß ich mich veranlaßt finden, hiermit zu erklären, daß die Aussage dieses Zeugen unrichtig, der Aussage zweier anderer Zeugen geradezu entgegen, daß ich letzteres durch mehrere Zeugen beweisen kann; daß dieser Zeuge nach seiner eigenen, vor und nach dein Zeugenverhör gemachten Erklärung, kurzfichi-g i;L ohne Brille Niemand auf zwei Schritte ^kennen kann, in diesem Momente keine Brille vor den Augen gehabt haben will, und dap endlich dieser Zeuge in öffentlicher Gesellschaft ausgesagt hat: es sei gar nicht wahr, daß er in dem Zeugcnver- Hör ausgesagt habe, ich sei an dem Zuge durch den Amtshof bis zum Durchgang durch den Bogen seiner Wohnung an der Spitze gewesen. SSreitettüxecS»,
Bürgermeister.
(110) Das vielfach verbreitete Gerücht, als habe ich mich irgendwo dahin ausgesprochen, daß die wegen des Idsteiner Landes-Con- greffes Angeklagten, oder irgend Jemand derselben verurtheilt werden müßten, bezeichne ich hiermit als durchaus unwahr. Dies meine vorläufige kurze Erklärung.
Wiesbaden, den 7. Februar 1850. Bürgermeister SrAtc^?, Geschworner.
(111) Bei der israelitischen Gemeinde zu Holzappel ist die «tellc eines geprüften Religiorislebrers und Vorsängers va- cant. Hierauf yieflettircnbc belieben sich durch portofreie Briefe, oder persönlich an den Un= terjeiebneten zu melden.
Holzapp el, den 4. Februar 18 -0.
•/. Sioscxt^* Jun., Vorsteher.
Samstag den 9. Februar findet der vierte und letzte Gefellfchafts - Ball im Gasthaus zum Adler statt^
(LIO
^tacft.
Markt zu Wiesbaden.
Durchschnittspreiße:
1 //. Butter . . . . 18 fr.
25 Stück Eier.... 40 fr.
Druck und Verlag der C. Ritter'schen Buchdruckern.