Von der ungarischen Gränze, 29. Jan. Die- Macht der ungarischen Jnsurrection ist keff neswegs vernichtet, sondern noch gegen Wârtig sehr beträchtlich, denn fortwährend strömen den magyarischen Schaaren auZ allen Theilen deS Landes zahlreiche Freiwillige zu, Leute von Waghalsigkeit, Beutklust oder Patriotismus, an denen es nie gefehlt hat, und die jetzt ein offenes Feld vor sich sehen, zumal durch die Anerkennung der Kossuth - Banknoten von Seite Oesterreichs die Habgier einen neuen Sporn erhalten hat, da der Dictator mit beiden Händen Geld austhcilt. Noch hat die magyarische Sache 4 starke Armeecorps auf den Beinen, nämlich in Obeningarn unter Görgey, an der Theiß unter Kossuth, im Banat gegen die Serben und in Siebenbürgen unter Bem, die sich immerhin noch einige Monate herumschlagen können, indem sie^jedeur Hauptschlage sorgfältig auszuweichen wissen. Schon dauert der Kampf 6 volle Wochen, und doch hat die Zahl der magyarischen Streiter, mit Ausnahme der Ofsiciere, deren viele zu den Oestreichern dksertirten,"eher zu- als abgenommen. Gelingt es ihnen, wie sie beabsichtigen, den Krieg bis zur Eröffnung des Kriegs in Oberitalien, der wahrscheinlich eine französische Intervention nach sich ziehen dürfte, auszudehnen, so ist ihre Sache noch keineswegs verloren. Sogar im Oedenburger Comitat, unmittelbar an der Gränze Oesterreichs findet man unter dem Landvolke die lebhaftesten Sympathien für Kossuth, indem noch jüngst in einem Dorfe nach einer schwarzgelben Predigt die Bauern den Dictator hoch leben ließen, worauf eine Abtheilung Militär erschien und die sieben angesehensten Personen des O4cs verhaftete und wegführte, so daß man noch zur^Stunde nicht weiß, was mit denselben geschehen ist. (Brest. Z.)
Pesth, 28. Jan. Gestern zog fast unsere ganze Garnison bis auf 2000 Mann in der Richtung von Szolnok von hier ab; 60 Kanonen begleiteten sie, Fürst Windischgrätz befand sich in ihrer Mitte; allein der Banus Jellachich war durch „Unpäßlichkeit" in der Stadt zurückgehalten. In Ofen wurden alle Anstalten getroffen, um den Platz gegen einen Ueber fall zu sichern, und aus den Wällen Kanonen gegen Pesth ausgefahren. General Wrbna verkündete durch Plakate die Annäherung der feindlichen Armee, und drohte zugleich mit einer Beschießung der Städte, im Falle die Bevölkerung „böswilligen Aufreizungen der Rebellenpartei Gehör geben, Zusammenrottungen veranlassen und feindliche Absichten gegen die k. k. Truppen oder die bestehenden gesetzlichen Regierungsbehörden in was immer für einer Weise an den Tag legen" sollte. Die Furcht bemächtigte sich schon wieder der schwarz-gelben Seelen; es scheint aber nicht, als ob die Magyaren wirklich schon eine offene Feldschlacht beabsichtigt hätten, den Feind zu haranguiren scheint ihr Hauptzweck gewesen zu sein. Die Berichte vom heutigen Tage melden, daß Perczel nachdem er die Oesterreicher zur Entwickelung ihrer Streitkräfte gezwungen, sich zurückgezogen habe. Win- dl'schgrätz und mehrere Greuadierbataillone und Batterien sollen bereits wieder in Pesth eingerückt sein. — Bei Tockay hat nach dem 19. Aimeebülletin zwischen den Magyaren und dem Schlick chen Korps ein hartnäckiges Gefecht stattgefundkn; es ist Schlick to£ seines angeblichen „Siegeè" nicht gelangen, die Magyaren zurückzudrängen. Hierduich widerlegt sich schon die
lächerliche Mittheilung mehrerer Zeitungen, als opcrirte Schlick „im Rücken Perczels." Die Theißlinie ist von k. k. Truppen noch nirgends durchbrochen.
Großbritannien.
London, 2. Febr. Im Oberhause motivirte gestern Lo d Bruce die Antwort auf die Thronrede, die wie gewöhnlich nur eine Umschreibung derselben ist. An der hierauf eröffneten Debatte betheiligten sich Lord Brougham, Lord Beaumont, Graf v. Winchilsea und Lord Stanliy.
Im Unterhause brachte Lord H. Vane die Adresse auf die Thronrede ein. Dieselbe wurde bestimmst von den Herren Disraeli, der ein Amendement beantragte, des Inhalts: „daß weder unsere Beziehungen zu den fremden Mächten, noch der Sta d des Einkommens, der Gewerbe oder des Handels Gegenstände des Glückwünschens seien", Grattan, welcher ein Amendement in Bezug auf Irland motivirte, Roche, Herbert und Hume. Lord John Russel sprach für die ministerielle Politik. „Europa", sagt er, „ist erschüttert worden; ist aber dieses Land etwa in G-sahr gerathen oder in Feindseligkeiten verwickelt worden ? Wenn also die Resultate ihrer Maßregeln solcher Art waren, so verdient die Regierung nicht, gleich in der ersten Sitzung ver- urthei't zu werden." Grattau's Amendement ward hierauf mit 200 gegen 12 Stimmen verworfen und die Sitzung vertagt.
Frankreich.
Paris, 2. Febr. Komplotte! Komplotte! Nichts als Komplotte! Vom „Moniteur" herab bis zu dem kleinsten Blatte beschäftigt sich alles mit Verschwörungen. Und in keinem erfährt man die Wahrheit..... Doch hören wir zunächst den Moniteur, welcher die Welt nun einmal glauben machen will, daß eine A4 Mordbrennerkomplott eristirt habe, vor dem uns Fancher und Changarnier gerettet. Das oisizielle Blatt hierüber: „Die telegraphischen Depeschen, welche aus den Departementen einlaufen, sind sehr beruhigend. Obgleich sie beweisen, daß das Komplott von Paris die weitesten Verzweigungen hatte, wurden doch die Prä- sekten bei Zeiten davon unterrichtet, und konnten die gehörigen Maßnahmen treffen im Interesse des öffentlichen Friedens. Wir brauchen nicht hinzuzufügen, mit welchem Entsetzen die gesummte Pariser Bourgeoisie den gestrigen Lärmartikel der-, Gazette des Tribuneaur wiederholt. Dieses Schauspiel wäre zum Lachen, wenn nicht wirklich fürchterlicher Ernst dahinter säße und wir nicht auf einem Vulkane ständen, dessen unterirdisches Getöse die nahen Ausbrüche bereits anknndet. Morgen Sonnabend 3. Februar kommt der Rateau-Antrag wieder an die Reihe, und es heißt, Changarnier und Bouapbrte wollten bei dieser Gelegenheit wirklich einen Streich ausführen. Ledru-Rollin's „ R volutiou " enthält hierüber folgende Andeutungen: „Man versichert uns, daß das Kabinet die Auslieferung von 300 Ver- haftsbefehlen cn blanc verordnet hat, und daß in Folge dieser Befehle eine allgemeine Razia in der Nacht vom 3. zum 4. auSgeführt werden solle. Wir gestehen, daß die persönliche Freiheit in einem Lande vortrefflich ge. währlcistet ist, wo man mit Wiedereinführung hxx
Ll-ttres de cachet beginnt." Ohne zu untersuchen, in wie weit die „Revolution" gut unterrichtet ist, können wir versichern, daß Bonaparte und Changarnier entschlossen sind, die parlamentarische Opposition in die Seine zu weifen, wenn sie nicht gehorchen will. Seit dem verstossenen Montage stehen die Würfel: aut Caesar, aut nihi 1! Im Elyfee-National wird konspirirt, im Präsioentschafksbvtel der Nationalversammlung wird konspirirt, in der Rue Duphort wird konspirirt, in der Rue Susette wird konspirirt — alle Welt konspirirt, nur die rothe Republik handelt offen und Hr. Fancher wild sich vergebens anstrengen, sie a's Sündenbock der letzten Ereignisse vor Europa hinstellen zu wollen. — Mai rast, Cavaignac, Lamoricierc, Dufaure und Comp., unsere sogenannte parlamentarische Opposition, hatten am vorigen Montage ihre Karten vortrefflich gemischt. Sie warteten nur ans die ersten Flintenschüsse in den Straßen von Paris, um durch ein Glied des Berges (immer muß der Berg herhalten!) den Präsidenten Bonaparte vor die Schranken des Hauffs laden zu lassen, das Ministerium zu stürzen uw sich wieder auf die verlorenen Sessel zu schwingen. Das Pariser Volk that ihnen diesen Gefallen nicht. — Die berüchtigten Enthüllungen der Gazette des Tribunaur sind die lächerlichste Spionenelnsälle, die je p otokollirt wurden. Man ei fährt aus bester Ouelle, daß man weder bei Alton Shee, noch bei Forestier, noch bei irgend Jemand solche Dokumente fand, wie sie der Verfasser des Lärmartikels angibt. Die rothe Republik lacht den Hrn. Untersuchungsrichter in ihren heutigen Journalen aus. Jener Artikel war nur da-auf berechnet, Angst vor dem Gespenst des Communismus zu machen. — ES ziehen immer neue Truppen in Paüs ein. Changarnier traut der Bürgerwehr nicht und will nur mit der Linie ope- riren. — Ein Antrag, dem General Changarnier 50,000 Frcs. Gehalt zu streichen und ihn der Wahl der Bürgerwehr zu unterwerfen, ist gestellt worden.
(Mainz. Ztg.)
Paris, 1. Febr. Die Commission zur Einleitung einer parlamentarischen Unteisuchung der Ereignisse vom 29. Jan. ist heute aus folgenden Deputaten gewählt worden. 1) Charamoule, 2) Dupont (Büffac), 3) Berville, 4) Cordon , 5) Alem. Rousseau, 6) Morel, 7> Conty, 8) Lherbette, 9) Anthony Thourret, 10) Pin, 11) Guinard, 12) Voirhage, 13) Porion, 14)Oudinot. Hieivon gehören 7 der Linken und 7 der Rechten an. Beiden Enthüllungen, die heute die konservative „Gazette deö Tribuneaur" macht, ist man auf das Ergebniß der Gegenuntersuchung außerordentlich gespannt.
9k a ch sch r ift.
Wiesbaden, 6. Febr. In der heutigen Sitzung der Landtagsabgeordneten wurde die Debatte bis zu dem §. 12 g führt, das Nähere werden wir in einer Ertra- Beilage mittheilen. Die nächste Sitzung ist morgen den 7. Februar und wird in derselben die höchst wichtige Frage: ob direkte oder indirekte Wahlen bei der Wahl der Krcisräthe statt finden, gleich beim Beginn der Berathung zur Erörterung,kommen.
Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.
Bekanntmachungen.
Nachricht für Auswanderer.
(71) Unterzeichnete Agentur der amerikanischen Schifffahrt, empfiehlt bestens ihre sich seit Reihen von Jahren sicher und gut bewährte lieberfahrt nach den sämmtlichen Staaten Amerika's.
Zur Sicherheit der Auswanderer wurde von mir bei der Großherzoglich Hessischen Negierung die gehörige Caution geleistet, wonach die Verträge nach Vorschrift des Ministerial-Ncscripts vom 16. März 1847 ausgefertigt werden. — Die Abfahrt kann von Biebrich, Bingen oder Coblenz geschehen.
Worms im Januar 1849.
Joh. Bapt. Adams, concessionirter Agent.
Nähere Auskunft ertheilt Herr Frz. C. Nathan in Wiesbaden.
Verein ;uv Wahrung der Volksrechte.
(154) Ordentliche Sitzung Mittwoch den 7. Februar, Abends 8 Uhr, im Nassaucr Hof. Tagesordnung:
1) Berathung über die Feier des 4. März.
2) Besprechung über die Wahl eines ständigen Vcreinslokals.
Wiesbaden, den 6. Februar 1849.
Der Vorstand.
WIM* BâeMi?wehpeoMpMgNèe.
Der Beschluß, daß die Compagnie- Versammlungen künftig regelmäßig am 8. jeden Monats, Abends 7/2 Uhr, stattfinden, wird der Wehrmannschaft hiermit nochmals bekannt gemacht.
Das Soral zu der am nächsten Donnerstag den 8. d. M. statthabcndcn Versammlung ist im Fclscnkcllcr. (157) Wiesbaden, den 6. Februar 1849.
(80) Soeben ist erschienen und zu haben in den Buchhandlungen von Heinrich Frischer und H. W. Ritter:
Instruktion
für die
Bürgermeister und Mitglieder des Gemeinderaths
im
Herzogthum Rassau.
Preis 12 Kreuzer.
Interessante Ueuigkeit.
(156) In den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter in Wiesbaden ist zu haben:
Kalisâ), L., Heulerbibliothek. 16 Heft, Heulerbrevier. 15 kr.
Reimchronik des Pfaffen Maurizius (Abgeordn. Moritz Hartmann). Caput I. 24 kr.
Diese beiden Schriftchen gehören zum Originellsten ^und Witzigste», was bisher unter der Flugschriften -Literatur erschienen ist.
(158) Mittwoch den 21. d. M., Morgens 10 Uhr, läßt der Müller Johannes Stein zu Freilingen seine ganz in der Nähe dieses Orts stehende Mahlmühle unter annehmbaren Bedingungen in dem Gemeindehaus zu Freilingen öffentlich versteigern.
Selters, den 5. Februar 1849.
Herz. Nass. Landesoberschultheiserei. C. Spamer.
(153) Ein junger Kaufmann wünscht, wo möglich im Rheingau, ein gut rentirendes Detail-Geschäft käuflich zu übernehmen. Man bittet, sich in fran- kirten Briefen an die Adresse „ZEUS“, poste restante Mainz zu wenden.
Steinkohlen u Holzwaaren re.
(148) Steinkohlen bester Qualität, tannenes Bauholz, alle Sorten Bord, Latten, Dielen, Schalter, Sandplatten und Rohr empfiehlt zu billigen Preisen
iBerff«. Streicher in Limburg, _______wohnt bei Goldarbeiter Streicher.
Blutegel - Cmpfehlung.
(143) Gute gesunde Blutegel, das Stück zu 7 tr., werden bei J. Fischer, Häfnergaffe Nr. 9, gegen gleich baare Zahlung oder Postvorschuß, auch zu jeder Stunde deS Nachts abgegeben. — Briefe und Gelder erbittet man franco.
Wiesbaden.
.A Aiisgler. J. Fischer.
Für die Herrn Bürgermeister und Rechner.
(1*23) Formularien zu Gemeinde-Controlen, Nechnungs-Ueberschlägen, Journalien und Mannalien , Geschäfts - Controllen rc. nach den Vorschriften der neuen Gesetze sind in schönster Ausstattung und zu billigen Preisen stets zu haben bei Earl Ziß, Lithograph, Marktstrafie im Nebcustock.
Kapitalanleihe.
(136) Die Gemeinde Oestrich im Her- zoglichen Amte Eltville sucht ein Kapital von fl. 2000 auszunehmen. Nähere Auskunst ertheilt Der Bürgermeister
Petri.
DacüscHiefergrube.
Wilhelm Erbstollen zu Gaub a. Nh.
(100) Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß uuser Dachschicferstein-Lager auf's vollständigste affortirt ist und wir durch den ausgedehnten Betrieb unsererer Grube in den 'Stand gesetzt sind, Besteilnngen von jedem beliebigen Quantum der verschiedcneu Schicfersteiusvrtcn auszuführen. Preise, sowie die näheren Verkaufs-Bedingnngen theilt auf Verlangen des unterzeichnete Verwalter mit.
Gau b, 23. Januar 1849,
Die Gewerkschaft des Wilhelm Erbstolleus. In dereu Auftrag: Zobel, Verwalter.
Verlag von H. Fischer und C. Ritter. - Druck der Ritter'schen Buchdruckerei.