Bürgermeisters ist der H. Schultheiß Weinbach mit absoluter Majorität der Stimmen, einigen 70 gegen 94, als Bürgermeister gewählt worden.
Man kann der Gemeinde Kriftel mit vollstem Rechte dazu^Glück wünschen, indem Hr. Weinbach ein tüchtiger, gebildeter und entschieden freisinniger Mann ist, welchem^das Wohl seiner Mitbürger ernstlich am Herzen liegt und der wahrlich kein kleines Opfer seinem Geschäfte bringt, daß er das Bürgermeisteramt angenommen hat.
Gegenbestrebungen einer kleinen ultramontanen Partei, fulminante Kanzelpauken und verbreitete Schmähschriften, blieben ohne Erfolg auf das gute Resultat der Wahl.
O Höchst, 3. Februar. (Thatsachen sind es, sonst würde es Niemand glauben.) Vor einigen Tagen verlegte der hiesige Turnverein seinen Turnplatz, und wie seit den Märztagen ein rothes Fähnchen das höchste Gerüst zierte, zogen sie auch auf dem neuen Turnplatz ein rothes Läppchen auf, eher der Consequeuz halber, als aus politischen Gründen — „Aber welche Unvorsichtigkeit," heulten unsere Wohlbeleibten, „ist das doch eine förmliche Herausforderung, da wir Eiuquar- tirung haben, und soll es uns nicht wundern, wenn wir deßhalb noch einige Hundert Mann dazu bekommen und die bisher gethauen Schritte um unsere Waffen zurückzuerhalten werden nun fruchtlos sein." — Das unschuldige Fähnlein wurde nun laut Beschluß unseres neuen Gemeinderaths sogleich herunter berufen.
£.'5 An Wiedererlangung unserer Waffen kann vor der Hand keine Rede sein, obgleich jeden Augenblick Sturm- deputationen bald nach Wiesbaden, bald nach Frankfurt ziehen, sie haben sich bisher vergeblich bemüht; bald werden sie damit abgespeist, die Mißhandlung Heckscher's sei schuld, daß wir sie nicht zurückerhalten, bald heißt es, sie seien gut eingeschmiert und so gegen Rost geschützt; ja Leichtgläubige lassen sich sogar sagen, wir hätten deßhalb Einquartierung; wir wissen aber besser, wo uns der Schuh drückt, unsere Abgeordneten zur Nationalversammlung haben sich nicht darum bekümmert.
Neberall sind die Waffen ihren Eigenthümern schon seit Monaten zurückgegeben, warum uns nicht? Ist dies der Dank für den mit Lebensgefahr Herrn Heckscher geleisteten Beistand? Was haben unsere Abgeordnete bis jetzt gethan? Außer einigen Interpellationen ist uns nichts bekannt tzdie Leistungen des Minister-Präsidenten Hergenhahn nicht zu vergessen).
^ Hadamar. (Lebensregung im ultramontanen Lager.) So undankbar, erfolglos und widerlich es auch scheinen mag, die hiesigen Zustände zu schildern und so gern man mit stillem Bedauern oder mit dem Schweigen der Verachtung über manche Erscheinungen hinausgehen möchte, so verdient doch das traurige Stadium, in welches wir hier eingetreten sind und bei welchem wir uns der Theilnahme und gerechten Entrüstung aller Leser dieses Blattes versichert halten, eine öffentliche Erwähnung.
Die Aussicht, durch die neue Organisation unserer bürgerlichen Verhältnisse endlich wieder zu einiger Ruhe zu kommen, verschwindet durch die konfessionelle Aufregung, welche eine gewisse Partei methodisch unterhält, weil sie darin eine kräftige und vielversprechende „Lebensregung" ihres Anhangs erblickt, immer mehr. Die Koryphäen derselben dürfen sich rühmen, daß sie einen Zustand herbeigeführt haben, wie er sich schwerlich in irgend einer unserer vorzugsweise« katholischen Städte in gleicher Art wiederfindet; Limburg macht ihm diesen traurigen Ruhm nicht streitig, und selbst ihre ärgsten Feinde werden ihnen gewiß das Zeugniß nicht verweigern, daß sie eS meisterhaft verstehen und unermüdlich thätig sind, Alles in ihrem Sinne und für ihre Zwecke zu „beleben." Träfe der päbstliche Bannstrahl diejenigen, welche hier diesem Leben und Treiben abhold bleiben, — und an Solchen fehlt es noch nicht gänzlich, - er würde ganz andere Wirkungen bei Vorbringen, als jüngst in Rom; sie würden, wenn sie nicht wie Kaiser Heinrich IV. schmachvollen Andenkens, Buße thäten, unter der mittelalterlichen Wucht des Bannfluchs erliegen. Webe dem, der hier an der Berechtigung des weltlichen Regiments des Heiligen Vaters zweifeln wollte!
Wer diese merkwürdigen Lebenszeichen nun näher kennen lernen will, dem empfehlen wir den Nassauischen Zuschauer, den eigentlichen Träger des vielgerühmten Lebens, der sich um die Entfaltung und täglich wachsende Glorie desselben das größte Verdienst beimessen darf, dessen Geburtstag für Hadamar der Todestag seiner früheren, unvergeßlichen Eintracht wurde, und der sich nicht schämt, sein leitendes Princip zu dem der ganzen katholischen Christenheit zu machen, indem er in Nr. 22 ebenso übermüthig als verständlich ausruft: „Das katholische Volk ist die beliebte Toleranz satt."
Doch in natura nimmt sich bie LebenSkrâftigkeit des Ultramontanismus noch besser aus und wer einen vollständigen Begriff davon erhalten will, der betrete seine hiesige Residenz und schenke nur da oder dort der gewöhnlichen Unterhaltung einige Aufmerksamkeit oder bringe dieses Capitel zur Sprache. Er wird nicht lange darüber im Zweifel bleiben, daß für die Drachenzähne des Zuschauers hier ein empfänglicherer Boden ist, als selbst in dem fruchtbaren Rheingau.
Welche edle Thätigkeit der Johann-Ludwig- (Pius-) Verein entwickelt, indem er die Nothwendigkeit solcher Vereine nachweist, die lateinische Sprache für den Gottesdienst vertheidigt, und die religiöse Freiheit in freier
Ve-waltung des Lehramts, des Priesteramts', des Kir- chenregimentS und der Kirchendisciplin findet; wie eifrig man für die Errichtung eines Knabenseminars (Con- victs) sorgt, weil darin die Söhne des Volkes unent« geldlich der Welt absterben, während die Zimmer hiesiger Einwohner leer stehen; wie ängstlich man über die Keuschheit Anderer wacht, indem man am Hellen Tage wie am Abende mit frommen Warnungen zwischen spa- zierengehende Pärchen tritt, und Thaten der Liebe ähnlich denen des barmherzigen Samariters, unsittlich findet, aber gerade dadurch möglicher Weise den Keim zur Unsittlichkeit legt; wie man durch Generalbeichten (nach dem berüchtigten Limburger Beichtspiegel) die Menschen zur Verzweiflung oder zum Wahnsinn bringt, und überhaupt im Beichtstühle nach Dingen fragt, die empören oder schamroth machen; wie mau im Religionsunterricht zarten Kinderseelen von Lastern spricht, von welchen sie nicht die leiseste Ahnung haben und so entweder eine gefährliche Neugierde und Grübelei weckt, ihre Phantasie erhitzt und ihre keuschen Seelen vergiftet, oder im guten Falle sie zu Fragen an die Eltern veranlaßt, wodurch diese um so mehr in Verlegenheit kommen, als sie nie dergleichen Dinge in Gegenwart der Kinder berühren; welche Anstrengungen man für einen paffenden Ersatzmann in die äußerste Rechte der Kammer macht; wie man eine hiesige Schauspielerbande mit Einer Predigt zur Stadt hinauskanzelte; welches tolle Gelüste das Volk fortwährend an den Tag legt, das ehemalige Franziskanerkloster, dermalen Hebammeninstitut unter Ausbietung des fanatisiiten Landvolks wieder zu erobern und es mit Entsetzung seiner jetzigen Bewohner und Bewohnerinnen seiner früheren frommen Bestimmung zunückzugeben: — dies und manches andere interessante Histörchen wird euch, ihr freundlichen Reisegäste hier die Langeweile vert! eiben. Ein bleibendes Domicil aber bieten wir euch nicht an, wenn ihr für solche „Lebcns- keästigkeit" keinen Sinn habt oder wohl gar vermessen genug seid, in solchen Erscheinungen die letzten Zuckungen eines Sterbenden zu erblicken.
Möge nur dem Nassauischen Zuschauer der Kummer erspart werden, an dem uns versprochenen Kreisamte mehr protestantische als katholische Angestellte zu zählen. Möchte es wenigstens die Redaktion der „Freien Zeitung" fernerhin nicht ganz „unter ihrer Würde" halten, dem Tiefbekümmerten, der das Problem der Ungleichheit dl r Eonfesfionen im Staatsdienste in Nr. 16 seines Blattes so scharfsinnig gelöst hat, bisweilen Trost zu spenden und seinen Ingrimm zu besänftigen! Vor d.m Schimpf der entgegengesetzten Verirrung durch ein Blatt von protestantischer Färbung behüte uns Gott! Damit aber der gute Zuschauer vor dem Wahnsinne der Ju- fallibilität bewahrt bleibt, scheint es nothwendig und heilsam, ihn bisweilen daran zu erinnern, daß er sich durch das qui tacet, consentirc videtur in seiner Kühnheit nicht zu weit sortreißen läßt.
Hannover, 3. Febr. Gestern Abend fand im Rö- Mischeu Kaiser eine von Abgeordneten beider Kammern zahlreich besuchte Vorversammlung statt. Da keine Programme vorgelegt und discutirt wurden, kam es nicht zur Abgrenzung bestimmter Parteien, deren Nothwendigkeit übrigens mehrfach entschieden vertheidigt wurde. Indeß erreichte man wenigstens das Resultat, daß die Versammlung zur Verständigung über gemeinsames Handeln beider Kammern sich unter dem Präsidium des Abgeordneten Lang aus Verden constituirte und dreimal wöchentlich zusammenzukommen beschloß. Indem man sich darüber einigte, daß in diesen Sitzungen nicht abgestimmt und beschlossen werden sollte, bezeichnete man damit die Annäherung der Einzelnen und die allgemeine Orientirung als ihren wesentlichen Zweck. (Z. f. N.)
Königsberg, 28. Januar. Daß die demokratische Partei, trotz aller Agitationen des Preußenvereines, einen glänzenden Sieg bei uns errungen, wissen Sie bereits. Was die Gegenpartei am Meisten ärgert, ist der Umstand, daß die renommirtesten Demokraten gerade gewählt worden. Die Kandidaten der rein demokratischen Partei find Dr. Jacoby und Dr. Rupp, während dieDemokratisch-Constitutioucllen sürDr. Kosch und Dr. Falkson stimmen werden. (F. I)
Berlin Die Verhandlungen des Handwerkerparlaments sind vorüber. Die Abgeordneten des Handwerkerstandes bringen ihren Gewerksgenoffen frohe Aussichten mit nach Haus. Die Entwürfe der Regierung über die Ergänzung der Gewerbe-Ordnung und die Enführung des Gewerbe-Gerichts sind von den Handwerkern sorgfältig geprüft, und mannigfache Verbesserungen, welche sich an das praktische Bedürfniß ansch'ießeu, beantragt worden. Wir erfahren so eben, daß die Regierung gesonnen ist, die vorgeschlagenen Abänderungen im Wesentlichen und nur mit geringen, formellen Modifikationen, anzunehmen. Morgen wird der Minister für Handel und Gewerbe den Abgeordneten des Handwerkerstandes dies eröffnen und dem Vernehmen nach beim Staatsministerium sofort einen hiernach umgearbeiteten Entwurf zu einem provisorischen Gesetz vorlegen. Das neue Gesetz dürfte demnach binnen 14 Tagen zu erwarten sein.
Wien, 31. Januar. Das Fremdenblatt meldet: „Das Ministerium ist dem Vernehmen nach mit einer neuen Territorialeintheilung der österreichischen Provinzen beschäftigt. Wie cs heißt, soll dabei nach dem Muster Frankreichs rücksichtlich dessen Eintheilung in Departements und Arrondissements vorgegangen werden.
— Das 19. Armeebulletin aus Ungarn berichtet über ein sehr hitz'ges Gefecht; und selbst aus diesem Parteibericht ist zu erkennen, daß die Nachricht
von vollständiger Auflösung der ungarische» Armee voreilig war. Es heißt: Die Avantgarde des Feldmar- schalllieutenauts Schlick unter Major Piattoli stieß am 19. d. bei Szauto auf den Feind und warf selben nach Tokay zulück. Am 21. zeigte eine R cognoscirung, daß der Gegner sich zurückgezogen und eine ziemlich vortheilhafte Stellung bei Tokay, Tarczal und Kereß- tur genommen habe. Am 22. unternahm Feldmarschalllieutenant Gras Schlick den allgemeinen Angriff auf diese Position. Der Major Herczmanovsky führte sein braves Bataillon Stephan nebst einer Escadron Kaiser- Chevaurlegers und 4 Geschützen gegen Kereßtur, während Feldmarschalllieutenant Graf Schlick mit der Hauptkolonne über Tallya und Mad gegen Ta czal vordrang. Ein dichter Nebel lag auf der Gegend. Der Feind unterhielt ein überaus kräftiges Feuer, da ließ der Corpscommandant durch das 3. Bataillon Erzherzog Wilhelm eine links an der Straße liegende Anhöhe erstürmen, während die Chevaurlegers die in der Ebene zurückweichende feindliche Infanterie besorgte. Unsere Raketen thaten die vo trefflichst? Wukun z. Beim zweiten Sturm nahm das 3. Bataillon Erzherzog Wilhelm die Höhe, als der Feind, nach mittlerweile erhaltener Verstärkung wieder zum Angriffe überging.' Zum dritten Male mußte die Höhe und zwar "durch die Cüras- sicre unter dem Major Gor'zutti genommen werden. Mit bewundcrungswerthem Ungestüm durchbrachen die braven Reiter zwei feindliche Infante-iemassen; damit war das Gefecht für uns entschieden. Major Herczmanovsky hatte mittlerweile das Dorf Kereßtur genommen, wurde durch eine fünf- bis sechsfache Uebermacht angesallen, behauptete sich jedoch trotz dem. Hier war eS, wo man dem meineidigen Bataillon Prinz von Preußen, das an der Seite der Polenlegion und Abtheilungen von Don Miguel focht, seine Fahne entriß. Der Gegner bezog die Stellung bei Tokay und Keceß- tnr. Der Feind erlitt beträchtlichen Verlust, namentlich an Todten von der polnischen Legion, von welcher nach dem begangenen Treubruch durch die erbitterten Truppen viele niedergemacht wurden. Leider haben auch wir den Verlust eines ausgezeichneten Offiziers zu betrauern.
Wien, 1. Febr., 5 Uhr Abends. Die Machinationen des serbischen Generals Stratimirovich gegen den Patriarchen Bajacich scheinen sich zu bestätigen und Stratimirovich soll, wie berichtet wird, unter den Serben einen bedeutenden Anhang finden. Die bekannten Tschaikisten sollen sich besonders für ihn erklärt haben. — Eine andere Correspondenz meldet, daß der Plan ist, um die Stadt sechs dettaschirte Forts anzulegen; ferner, daß in der Staatsdruckerei dreißig Setzer bei einer geheimen Arbeit eingesperrt und auf's strengste bewacht find. (A. Z.)
Kremsier, 29. Januar. In der ReichStagssitzung wurde die Berathung über §. 6 der Grundrechte/ die Todesstrafe betreffend, fortgesetzt und beendigt. Der erste Absatz des Paragraphen: „Eine Strafe kann nur durch gerichtlichen Spruch nach einem zur Zeit der strafbaren Handlung schon bestandenen Gesetze verhängt werden" wird einhellig angenommen. Ueber das von mehreren Abgeordneten ausgesprochene Amendement: „Die Todesstrafe ist abgeschafft", wird mit Kugelung abgestimmt. Es haben sich an der Abstimmung betheiligt 303 Abgeordnete; von diesen stimmten für das Amendement 197, gegen dasselbe 106. Das Amendement ist somit angenommen. Der ganze § lautet nunmehr (als § 4.) folgendermaßenr „Eire Strafe kann nur durch gerichtlichen Spruch nach einem zur Zeit der strafbaren Handlung schon bestandenen Gestze verhängt werden. Die Todesstrafe ist abgeschafft. Die Strafen der öffentlichen Arbeit, der öffentlichen Ausstellung, der körperlichen Züchtigung, der Brandmarkung, des bürgerlichen Todes und der Vermögens-Einziehung hülfen nicht angewendet werden." — Der Paragraph wird als Ganzes angenommen.
Ungarn.
Agram, 26. Januar. Stratimirovic ist als Bewerber für die Wojivodenwürde ausgetreten; die Energie, welche er in dem Freihcitskampfe bewährte, dessen Leitung lange Zeit seinen Händen ausschließlich auvertraut gewesen; die nicht geringen Opfer, die er der serbischen Sache brachte, scheinen ihm ein Recht hierzu gegeben zu haben; es gelang ihm, sich Anhänger im Volke zu verschaffen, dem er auf jede mögliche Weise zu schmeicheln suchte, und seine glänzenden Eigenschaften, deren vortheil- hasteste Seite er stets herauSzukehren wußte, haben ihm auch zahlreiche Freunde unter den Gebildeten erworben. Der größte Theil der Serben sah in ihm einen Mann, dem bloß das Wohl seiner Nation, unbekümmert um ehrgeizige Zwecke, am Herzen lag; wenige nur, die ihn genauer kannten, flüsterten sich seine hochtrabenden Pläne ins Ohr und warnten im Stillen vor ihm. Von Wien eilte Stratimirovic nach der Wojwodowma, wo er das Volk für seine egoistischen Zwecke zu bearbeiten und gegen die Autoritäten aufzureizen begann, welchen die Leitung der patriotischen Angelegenheiten anvertraut wurde. Heute langte hier ein glaubwürdiges Schreiben aus Semlin ein, welches uns die traurige Kunde brachte, der ehrgeizige Agitator habe es so weit getrieben, daß sich der Patriarch genöthigt sah, einen Aufruf an das Volk zu erlassen, in welchem diesem aufgetragen wird, den Stratimirovic einzuliefern und sich jeder Bewegung zu Gunsten desselben, bei Vermeidung der standrechtlichen B-handsung, zu enthalten. (C. Bl. a. B.)