floss in Masse an, seit die letzten eidgenössischen Truppen den Kanton verlassen haben. Bei der gegenseitigen Erbitterung ist es unvermeidlich, daß Gebiets-Verletzungen hüben und drüben verfallen; dabei kommt es nicht selten zu Schlägereien, ja, es sind schon scharfe Schüsse gewechselt, ohne daß die Regierung im Stande wäre, solchem Unfug wirksam entgegen zu treten.
A r a n k r s i^
Paris, 29. Jan. Seit zwei Tagen war es allgemein bekannt, daß es heute irgend etwas geben ivür- de, und so war man denn aus den Rappel gewissermaßen vorbereitet, der seit den Juni-Tagen zum ersten Male wieder heute Morgen in den Straßen ertönte und sogar jetzt um 5 Uhr Nachmittags noch geschlagen wird. Ich möchte Ihnen gern sagen, was es eigentlich für eine Bewandtnis damit habe; aber wiewohl ich zu wiederholten Malen nach den Tuile-icen, dem Eintrachts-Platze und den Quais gegangen bin, so habe ich nur großen Militär-Apparat und alle nur möglichen Vorsichts-Maßregeln gefunden, aber durchaus nichts, was auf einen Conflikt hinzudeuten schien. Louis Bonaparte hat sich gezeigt; er ist von einer gewaltigen Menschenmasse gefolgt gewesen, welche „A bas lc Mi- nistère, vive la République“ gerufen, ohne jedoch irgend eine ihm feindliche Stimmung dabei zu äußern. Eine derartige Demonstration mag vielleicht den gestern im Conseil gefaßten Beschluß, sein Ministerium nicht zu ändern, zum Wanken bringen, wenn nicht sein bekannter Starrsinn ihm etwa den unseligen Gedanken eingibt, zu trotzen; er würde auf diesem Wege nur den Bemühungen der gegen ihn vereinten Royalisten in die Hände arbeiten. Die Wahl vom 10. Dec. fängt an, sich zu rächen.
— In der Wohnung des Präsidenten geht es sehr lebhaft zu. Die ersten politischen Notabilitäten , wie Lamartine, Marrast, Dufaure, Mole, Thiers u A. fahren seit gestern Mittag abwechselnd daselbst vor. Auch Bugeaud, der heute von seinem Ausflug nach dem Süden zurückgekehrt ist, hatte eine Zusammenkunft mit dem Präsidenten.
Paris, 29. Jan. Der Vorabend des Kampfs ist da; die Parteien stehen sich Gewehr im Arm, gegenüber. Auf der einen Seite die Legitimisten, Orleamsten, Bonapartisten, auf der andern die trikoloren und rothen Republikaner. Die Einen verschanzen sich hinter den Präsidenten, den „Erwählten der 6 Millionen", die Andern hinter die souverän -konstituirende Nationalvirsammlung; die Einen rechnen auf die Armee und die drei royalistischen Legionen (1., 2. und 10.), die Andern auf die republikanische und Mobilgaede, auf die republikanischen Legionen (4., 5. und 9.) und auf das im Juni entwaffnete Volk.
Es handelt sich nicht mehr um die Schließung der Clubs, um die Auflösung der Versammlung und dergleichen Lappalien; es handelt sich um die weiße Mona r ch i e oder die rothe Republik. Der Sieg —er ist nicht zweifelhaft — mag ausfallen, wie er will: die j tzigen offiziellen Mächte sind verloren.
Ter Präsident bildet sich ein, der Staatsstreich geschehe zu seinen Gunsten. Und doch denkt Niemand weniger an ein bonapartistisch s Kaiserthum als die Leute, die zum Staatsstreich drängen: die Legitimisten. Gelingt der Coup, so wird Louis Napoleon bei Seite geworfen, wie eine ansgequetschte Zitrone, und kann sich glücklich schätzen, wenn man ihm erlaubt, seiner Wege zu gehen. Und der einfältige Pinfel bildet sich ein, der ganze Spektakel werde zu seinem Privatvergnügen organisirt!
D e Nationalversammlung glaubt für ihr souveränes Recht, für ihre Existenz gegen den Staatsstreich zu kämpfen; und erreicht sie ihren Zweck, stürzen Napoleon, Barrot und die hinter ihnen stehenden bourboni- schen Fraktionen vor der Achtserklärung der Versammlung und vor dem Zorn des verrathenen Volks, so stürzt die Versammlung ihnen gleich nach. Der Staatsstreich kann nur von der Revolution ersticktwerden, und die Revolution hat zur ersten Bedingung, daß die Chefs der Rothen an die Spitze treten. Siegt die Revolution, so jagen die Rothen die Versammlung ebenso auseinander, wie die Kammer am 24. Februar. Und die Versammlung bildet sich ein, die Revolution werde zu ihrem Profit gemacht!
Präsident und Versammlung sind nur die Vorwände für beide Parteien — ist der Kampf einmal losgebrochen, so wirft man sie fort und entfaltet die wirkliche, die eigne Fahne. Hier die weiße, dort die rothe; vor diesen einfachen Parteisymbolen verschwindet der bunte dreifarbige Lappen der „Honetten Republik." —
Daß es auf der einen Seite sich durchaus nicht um den Prätendenten, sondern um Niemand anders als Heinrich V. handelt, beweist die Unverschämtheit, mit der plötzlich die legitimistische Conspiration an's helle Tageslicht tritt. Die Herrlichkeiten der gottbegnadeten Monarchie unter dem „Enkel des heiligen Ludwig" werden offen in den Straßen von Paris gepredigt, vom Lande gar nicht zu reden. Auf demselben Platz Manbert, im Arbeiter-Fanbourg St. Jacques, den die Juni - Insurgenten mit solchem Heldenmut!) drei Tage lang gegen die Henker Cavaignacs behaupteten, auf demselben Platze werden jetzt, trotz dem Gesetze gegen die Zusammenscharungen, täglich öffentliche legitimistische Meetings gehalten. In diesem unprovisirten Club treten Redner auf, der Kleidung nach Arbeiter, der Sprache nach gebildete Leute, die die Tugenden Heinrichs V. mit den schönsten Farben ausmalen. Sie haben ihre
Claque, bte bei den prächtigsten Kraftstellen klatscht. Die Wohlthätigkeits- Bureaux, ein Pfaffen - Institut, geben den Arbeitern nur Unterstützung, wenn sie sich verpflichten, diese „Clubs" zu besuchen, und für die gute Sache Propaganda zu machen. (N.RH.Z.)
— Sämmtliche demokratische Blätter, mit dem „Peuple" an der Spitze, beschwören das Volk, sich nicht früher zu erheben, als bis sie es dazu aufrufen:
",/A n das Volk! Die finstersten Gerüchte laufen über die freiheitsinörderischen Pläne der Reaktionärs umher. Wir fahren jedoch fort, das Volk zu beschwören, die tiefste Nichtachtung den Aufhetzereien ent- gkgenzusttzen, welche von einer grundsatzlosen Polizei, von einer im Sterben liegenden Regierung oder von einer bis aus den letzten Grad von Anarchie und Verzweiflung getriebenen Reaktion gegen dasselbe gewagt werden sollten. Auf dem Punkt, wo die Sachen jetzt stehen, könnte nur ein Attentat gegen die Nationalversammlung die Intervention der guten Bürger rechtfertigen. Hoffen wir, daß die Nationalversammlung ihre Pflicht zn erfüllen wisse, wie wir die Unselige zu erfüllen wissen werden.
Paris, den 29. Jan. 1849.
Die Redaktion des Peuple." (Folgen die Unterschriften.)
N a ch s ch r i f f ♦
Paris, 30. Jan. Was wir in unserm gestrigen Bericht voraussagten, ist eingetroffen. Die schweren Gewitterwolken, welche sich über der Hauptstadt Frank- reichs zu entladen drohten, find ruhig vorübergezogen, und nur die immer noch drückende Atmosphäre der Luft läßt es heute ahnen, daß Paris gestern abermals von einer Umwälzung bedroht war. „Die Stadt ist vollkommen ruhig." Sämmtliche aufgestellten Truppenmassen sind zurückgezogen worden und Alles hat seine gewöhnliche Physiognomie wieder angenommen.
— Trotz einer Versicherung des Ministeriums verschwanden die Befürchtungen vor einer ernstlichen Störung der Ruhe erst dann, als man das Resultat der Verhandlungen der Nationalversammlung, auf welches die Erwartungen Aller gerichtet waren, in Erfahrung brachte. Um halb neun Uhr wurde dasselbe bekannt gemacht; es war der Sieg des M i n i st e r i u in s, wenn auch nur ein schwacher Sieg. — Mit 416 gegen 405, also nur mit einer Mehrheit von 11 Stimmen beschloß die Versammlung den Antrag des Ansschußberichts: „der Rateau'schen und allen andern auf eine Auflösung der Nationalversammlung gerichteten Proposititionen keine Folge zu geben", abzu- lehnen, mithin diese Proportionen selbst in Betracht zu ziehen. (Fr. O.-P.-A.-Z.)
Verantwortlicher Redakteur: I. Opperman „.
Bekanntmachungen.
M^iWüWöWlWO^^
* A
A
Anzeige smd EMpfehlnng.
Meinen verehrten Freunden und Gönnern mache ich hiermit die Anzeige, daß ich den von mir seither geführten Gasthof zur Krone seit Anfang dieses Jahres dem Herrn Theodor Cramer käuflich abgegeben habe. Indem ich für das mir geschenkte Vertrauen hiermit verbindlichst danke, bitte ich, dasselbe auf meinen Nachfolger übergehen lassen zu wollen.
Nassau an der Lahn, im Januar 1849.
$ (137)
•Snft. Friertr. Remy.
Auf vorstehende Anzeige mich beziehend, erlaube ich mir, den Herren Reisenden sowie meinen Freunden und Gönnern den für eigene Rechnung übernommenen (Hasthof zur Krone bestens zu empfehlen. Es wird mein Bestreben sein, mir die Zufriedenheit der mich mit ihrem Betuche Beehrenden zu erwerben und zu erhalten.
Nassau an der Lahn, im Januar 1849.
TOietortm* Frjsmer.
A 8 8 8 8 * A A % A A A
Nachricht für Auswanderer.
(71) Unterzeichnete Agentur der amerikanischen Schifffahrt, empfiehlt bestens ihre sich seit Reihen von Jahren sicher und gut bewährte Ueberfahrt nach den sämmtlichen Staaten Amerikas.
Zur Sicherheit der Auswanderer wurde von mir bei der Großherzoglich Hessischen Regierung die gehörige Kaution geleistet, wonach die Verträge nach Vorschrift des Ministerial-Nescripts vom 16. März 1847 ausgefertigt werden. — Die Abfahrt kann von Biebrich, Bingen oderkoblenz geschehen. "
Wor m s im Januar 1849.
Joh. Bapt. Adams, concessionirter Agent.
Nähere Auskunft ertheilt Herr Frz. C. Nathan in Wiesbaden.
aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa
Frankfurt.
Den 1. Februar 1849.
Oesterreich
Metallignes Obligationen ....
W
" ff
U
ff
ff ft ....
Wiener Bauk-Acticu.....
,,
500 fl. Loose......
ff
250 fl. Loo le von 1839 . .
"
Bethmännische Obligationen . . .
Preußen
ff ft ...
50 Thaler Prämicn-Scheine . . .
ff
Staats-Schnld-Scheine a 105 . ,
Bayern
Obligationen........
ff
Ludwig-Kanal-Actien incl. d. v. C.
ff
Bexbacher Eiscnbahn-Actien . . .
Würlemb.
Obligationen........
Baden
Obligationen .
ff
Lotterie-Anlchen a 50 fl. von 1840
ff
35 fl. Loo je vom Jahr 1845 . . .
Darmstadt
Obligationen ....
Cours der Staatspapiere.
pCt.
Papier
Geld II
5
76%
75%
Darmstadt
4
66%
60%
3
1-1/ /4
—
ff
2%
397/
39%
Kurhessen
3
1'209
1204
ff
135%
— ’
Nassau
80%
80 '
ff
4
—
64%
Frankfurt
4%
7 4%
74 1
ff
—
98 j
ff
3%
80%
80 1
3%
77%
77 !
ff
—
45 1
Holland
70%
70%'
3%
78%
78 1
Spanien
4%
93%
93%
ff
3%
77%
77%;
Polen
2 / 7/s
27%'
Sardinien
3%
78%
78%!
ditto Obligationen ditto ditto
Taunus-Eisenbahn-Actien a 250 fl. .
„ „ „ per ultimo
Integr.-Obligationen..... Syndikats......... Innere Schuld neue Obligationen . Ardoins incl. 14 Coup..... Lotterie-Loose 300 ......
ditto 500 ......
36 Frs. Loose bei Gebr. Bethmann
Den 1. Februar 1849. Obligationen....... Lotterie-Anlehen von 50 fl. . . 25 fl. Loose....... Fricdrich-Wilhclms-Nordbahn 40 Thaler Loose bei Rothschild . Obligationen bei Rothschild . .
25 fl. Loose
von 1839
von 1816
1 Uhr.
Kours der Wechsel.
Den 1. Februar.
Amsterdam, wo fl. Ert. . Augsburg, 100 fl. Crt. Berlin, 60 Thlr. . . . Bremen, 50 Nthlr. in Louis Hamburg, 100 Mrk. Bco. . Leipzig, '60 Thlr. . . .
„ in der Messe . . London, 10 Livr. St. . . Lyon, 200 Fr..... Paris, 200 Fr..... Mailand, 250 Lir. Austr. . Wien, in 20r 100 fl. C.-M. Disconto......
or
Kurze S
Briefe
99%
chl
pEl.
4
3%
3
3% 3%
2%
Papier
87% 70% 25% 37% 26% 80%
Geld 86%
26% 80
Für die Herrn Bürgermeister und Rechner.
(123) Formularien zu Gemeinde-Coutrolen, Nechnungs-Ueberschlägen, Jonrnalien und Ma- nualien, Geschäfts - Controlle» rc. nach den Vorschriften der neuen Gesetze sind in schönster Ausstattung und zu billigen Preisen stets zu haben bei Earl Ziß, Lithograph,
Marktstraße im Ncbcnstock."'
77%
91%
87%
282
76% 90% 87
279
49%
20%
49% 76% 19%
Kapitalanleihe.
(136) Die Gemeinde Oestrich im Herzoglichen Amte Eltville sucht ein Kapital von fl. 2000 aufzunehmen. Nähere Auskunft ertheilt Der Bürgermeister
Petri.
(131) Ein Scchs-Octav Tafel-Klavier ist sehr billig zu verkaufen. ' Wo? sagt die Expedition dieses Blattes.
Geld
105
120% 95
99% 74% 26%
100%
119%
105
98%
75 27%
Zwei Monat
Gold- und Sllbcr-S0rteil.
fl.
fr.
Vliese
umv
Neue Louisd'or............
11
99%
5
Friedrichsd'or.............
9
55
Ducaten..............
5
37
20 Frank-Stücke ...........
9
35
87%
Holländische 10 fl. Stücke........
10
1
Englische Souverains..........
12
1
—
Lanbthaler .............
2
43%
—
120%
Preußische Thaler...........
—
—
—
Hochhaltiges Silber..........
24
24
—
1%
Gering-mittelhaltiges Silber ........
24
(Frk
18
(96) Ein gesitteter, braver Junge, der milden nöthigen Schulkenntnissen versehen ist, kann in der C. Rit- ter'schen Buchdruckerei als Setzer- lehrling ausgenommen werden.
Apotheken - Verkauf.
(133) Ich lasse meine Apotheke den 8 dieses Monats, Morgens nm 11 Uhr, öffentlich und meistbietend versteigern.
Die Bedingungen werden am Tage der Versteigerung bekannt gemacht; solche können auch schon vorher cingesehen werden.
Cailb, den 1. Februar 1849.
Bertram Simon, Amtsapotheker.
A
A A
A
4
3
d
Verlag von H. Fischer und C. Ritter. Druck der C. Ritter'schen Buchdruckern. —
107