Einzelbild herunterladen
 

sammlung in 'Orantenflein beschlossen: obiges Miß- ttauenévolum an denselben zu übersenden mit dem aus­drücklichen Wunsche der Versammlung, daß die Ueber- reichung durch die Kammer geschehen möge. Indern wir nun dem Volksbeschluß in Oranienstein nachkom­men und heute besagtes Mißtrauensvotum an die Kam­mer gesendet haben, ersuche ich alle Volksfreunde in Wiesbaden, den nächsten Sitzungen der Kammer anzu­wohnen, und namentlich darauf Acht zu haben, ob Zoll mann ff tuen Liebesbrief in seinenWeisheits- Hut" bringen wird.

In der^ Versammlung in Oranienstein wurde wei­ter beschlossen: die''. Kammer aufzufordern, ein Gesetz zu erlassen, wonach ein Abgeordneter von der Mehrzahl seiner Wähler dazu ausgefodeit, aus der Kammer schei­den müsse; auch die Erfüllung dieses Beschlusses ist in der die Zollmannsche Adresse begleitenden Petition ent­halten.

^ Idstein, 30. Jan. (Die Stadt Idstein als Kreisamtssitz.) Die Herren Lieber, Lauer und Genossen von Camberg setzten unter Mitwirkung des Hrn. v. Schütz alle Hebel in Bewegung um den Sitz des Kreisamtes, der vorläufig nach Idstein be­stimmt ist, nach Camberg zu bringen.

Petitionen aus den um Camberg gelegenen ganz katholischen Ortschaften und einigen des Amtes Usingen in diesem Sinn sollen bereits an die Kammer abgegan­gen sein, allein wir hoffen, daß sich unsere Volksvertre­ter bet der zweiten Abstimmung dadurch nicht beirr, n lassen; denn, käme es auf Petitionen an, so würden sich gewiß weit mehr Stimmen für Idstein als für Camberg erheben.

B$ Daß Idstein als Kreisamtssitz ganz geeignet ist, be­darf gar keiner wettern Beweisführung, wir berufen uns hier ganz einfach auf das, was außer den Herren Justk und Wenkenbach, der Herr Abgeordnete Keim in der Kammer bei der ersten Berathung des betreffenden Gesetzes so schlagend nachgewiesen hat. Dazu kommt ferner, daß eS hier an den nöthigen Gebäuden durchaus nicht fehlt, besonders eignet sich die jetzige Receptur dazu, wenn man diese entweder in das gegenüberliegende größtentheils leer stehende Centralstudienfondsgebäude oder auch in das sogenannte Canzleigebäude verlegte und daß Idstein durch die an verschiedenen Seiten schon angefangene Chaussee, von der hessischen Grenze nach dem Rhein, direkt mit Usingen verbunden ist.

Zwar wird in einem Artikel aus Idstein in der heutigen Nassauischen Allgemeinen für Camberg gespro­chen und dem dortigen Bürgermeister Lauer ein recht artiges Compliment gemacht, nur in einem andern Sinn, als sie die Freie Zeitung schon öfter gegen denselben brachte, allein wir wissen nur zu gut, daß außer dem Verfasser in unserer Stadt wohl kein Mensch mehr ist, der für Camberg in dieser Beziehung in die Schran­ken tritt.

Ueberhaupt hat sich der Correspondent, wahr­scheinlich ein Angestellter, den wir jetzt verlieren, schon mehrmals in Aussätzenvom Taunus" undIdstein" gefallen, unser Städtchen grundlos zu verdächtigen und herunter zu setzen, wir ergreifen daher die jetzige Gele­genheit und drücken diesem Helden dafür unsern Dank aus.

Darmstadt, 29. Jan. In der heutigen und vor­letzten Sitzung verhandelte unsere Kammer über die preußische Kaiserfrage, oder vielmehr über den Antrag des Abg. Wernher und Consorten:die Stände des Großherzogthums werden es mit großer Freude begrü­ßen, wenn bet der endlichen F Wellung der Verfassung Deutschlands Preußen an die Spitze gestellt wird." Gegen den Antrag sprachen insbesondere Heldmann, Mohr, Zitz. Durch den Beifall, welcher die Rede des Letztcrn erntete, ließ sich der Präsident Hinreißen, die Räumung der Gallerie anzuordnen. Kurz darauf folgte stürmischer Schluß der Sitzung und Vertagung der Debatte auf heute. In der heutigen Sitzung kam die Sache zur Abstimmung. Der Antrag auf Tages­ordnung ward, wie vorauszusehen, verworfen; die Ab­stimmung über den Wernher'schen Antrag begann.

Eine Erklärung des Abgeordneten Mohr, daß er als Republikaner seine Zustimmung einem Anträge ver­sagen müsse, der auf ein Oberhaupt von Deutschland land gehe, das nicht aus freier Volkswahl hervorge­gangen sei, rief ein stürmisches Bravo! hervor, worauf der Präsident mit Räumung der Gallerte drohte. Als hierauf in der Abstimmnng fortgefahren wurde, entstand auf der Gallerte bei demJa" der reaktionären Abge- vidneten Unruhe und Lachen, wodurch sich der Präsident veranlaßt fand, die Räumung der Gallerte zu befehlen. Ein Theil der Zuhörer leistete keine Folge; hie Konstabler entfernten sich, es öffnete sich die Thüre, und unter Trompetenschall trat ein Lieutenant an der Spitze einer Abtheilung Soldaten ein, undforderte im Namen des Großherzogs und der Gesetze die Versammlung auf, die Gallerte zu räumen, widrigenfalls Gewalt angc- wendet werde." Nun entfernten sich die noch anwesen­den Zuhörer unter lautem Hohn. Die Abstimmung ging weiter vor sich und der Wernher'sche Antrag wurde sofort angenommen. (M. Abdz.)

Köln, 30. Januar. Die gestrigen Urwahlen zur ersten Kammer sind in unserer Stadt ohne Ausnahine reaktionär ausgefallen. Das war zu erwarten. Heer Joseph Dumont ist mit glänzender Majorität zum Wahl­mann ernannt worden zu unserer großen Freude. Wir hoffen, daß die Wahlen zur ersten Kammer überall diese Wendung nehmen. (N. Nh. Z.)

Berlin, 27. Januar. (Mainz. Ztg.) Herr von Wrangel ist unter den Gewelbsleuten hier gerade so unpopulär, wie Professor Nees v. Efenbeck populär ist. Beide Männner sind scharf markirte Persönlichkeiten: Wrangel ein Absolutist, Nees v. Efenbeck ein Demokrat von altem Schrot und Korn. Beide sind zugleich An­tipoden bei den hiesigen Wahlen für die zweite Kammer. Je weniger Aussichten der Befehlshaber der Marken, desto größere hat der Breslauer Professor. Wer die Macht hat, hat auch das Recht, ist Wrangels Wahl- spruch, kraft bissen der Großmeister des Belagerungs­zustandes den Professor aus Berlin ausgewiesen hat. Die Geschichte vom Nehabeam, der dem Volke zurief: Mein Vater hat Euch mit Ruthen gezüchtigt, ich will Euch mit Seo;Pionen züchtigen!" muß ihren Gang haben. ^ehr viel wird zugleich zur Erfüllung des andern Spruches gethan :Wenn Gott die Völker befreien will, so schlägt er die Könige mit Blindheit!" Das Volk hat in den Ur wählen gesprochen, aber vergebens; die Män­ner, welche das Ohr des Königs haben, suchen jetzt in allen ihnen zu Gebote stehenden Blättern zu verbreiten, es sei purer Lug und Trug, daß die Demokratie die Majorität habe; das Volk schwärme noch immer für Gott, König und Belagerungszustand und alle Lande sahen dem Tage mit Jubel entgegen, wo das heilige preußische Reich deutscher Nation vereinbart worden sei.

Berlin, 28. Januar. Der Stand der Schles­wiger Affaire ist folgender. Dänemark hatte, die Neutralität des Herzogthums vorgeschlagen, was die Central-Gewalt ablehnen mußte. Jetzt gehen die nächsten Unterhandlungen aus eine Prolongation des vom Malmöer Vertrage festgesetzten Termins hinaus.

Wien, 24. Januar. (A. Z.) In den militärischen Verhältnissen Wiens bereiten sich große Veränderungen vor: zunächst dem Gloggnitzer Bahnhöfe sollen drei große isolirte Gebäude aufgeführt werden, eine kolossale Gewehr- und Munitionsfabrik mit Waffendepots, dann die Garnisonsbäckerei mit einer Dampfmühle, jedes die- Gebäude befestigt und geeignet, eine Besatzung aufzu- nehmen, endlich beide dominirend auf dem Lager­berge eine befestigte große Kaserne. Eisenbahnen wer­den diese drei Gebäude unter sich verbinden und mit der Bahn, welche vom Gloggnitzer- zum Nordbahnhofe führt; eine unterirdische Telegraphenleitung wird gleich­falls hergestellt. Dafür sollen alle Zeughäuser und Mi- litärdepots aus der Stadt entfernt werden. Der In­genieur-Akademie steht eine durchgreifende Umgestaltung bevor, und der berühmte Mathematiker Professor Ettings­hausen ist mit der Organisirung des Studienplanes be­auftragt, inwiefern derselbe nicht rein militärische Gegen­stände betrifft. Man scheint eine polytechnische Schule nach Art der Pariser anbahnen zu wollen.

Die Armee sieht der Einführung von Waffenröcken entgegen; die Goldstreisen auf den Tschakos sollen künf­tig für alle Offiziere gleich, die Garde durch eine An­zahl von Sternen auf den Rockkrägen unterschieden werden, wie bei der Marine; dafür erhalten alle Offi­ziere goldgestickte Säbelkuppeln, wie sie bis jetzt nur der Staab getragen. Der Marine steht eine durch­greifende Reform und so bedeutender Aufschwung be­vor, daß Oesterreich den Vermählungsring mit dem adriatischen Meere keinem andern Freier wird überlassen müssen.

Ungarn.

Vukovar, 15. Jan. Seit dem 5. d. M. ist ganz Syrmien in Kriegs zustand erklärt, und zum außerordent­lichen Commissär der unermüdete Hauptmann-Auditor Radosavljewitsch ernannt. (N. K.)

Siebenbürgen.

Aus Siebenbürgen, 18. Jan. Die Ungarn und Szekler dominiren in Siebenbürgen, haben das Laud bis an die Distrikte der Sachsen inne, und beherrschen, da sie im Besitze von C'ausenburg sind, den Paß nach Ungarn, der über Banfy-Hunyad und Fekete-To geht und bei Barod in die Ebenen Nieder-Ungarns mündet. Allem Anschein nach geht General Bem jetzt damit um, mit einem möglichst großen Heerhaufen durch diesen Paß vorzudringen, und Kossuth auszunehmen, der ja sein Hauptquartier schon in Groß-Wardein haben soll, was nur 4 Stationen (8 Meilen) von Barod liegt. Sollte ihm dies gelingen, so würde das Ende des Kampfes, wenn Beide vor der ihnen gegenüberstehen­den größeren Macht zurückweichen, in Siebenbürgen sein. (Bresl. Z.)

Krarrkreeeh.

Paris, 28. Januar. Der Anklage-Akt gegen das Ministerium lautet:

In Betracht, daß die antirepublikanische Politik des Ministeriums sich durch eine Handlung an den Tag legte, welche die Rechte der Bürger und das Grund­prinzip der Volkssouveränetät angreift; in Betracht, daß das Recht, sich zu versammeln, ein natürliches Recht und ein politisches Recht ist, das in die Verfassung der französischen Republik eingeschrieben und konsakrirt ist; in Betracht, daß sich das Ministerium durch den von ihm gestern am 26. Januar vorgelegten Gesetzentwurf über Unterdrückung der Klubs einer Handlung schuldig gemacht hat, welche eine offenbare Verletzung (violation flagrante) der Art. 8 und 51 der Verfassung ist; in Betracht, daß das Ministerium laut Art. 68 der Ver­fassung für seine Handlungen verantwortlich ist: verlan­

gen die unterzeichneten Volksvertreter die Vers, tzung der Munster tn Unktagezustand und ihre Ve-urtheilung durch

oour nationale, in Gemäßheit des Art. 91 ber Verfassung. Paris, 27. Januar 1849." (Folgen dre Unterfchllsten.)

f s Das Centralkonseil des Nationalkongresses erließ folgende Proklamation, worin dem Lande die Aussöh­nung der Bergparker mit den Proudhon'schen Sozialisten angeze.gt wird:An die demokratisch - fSe^E Der Wille des Volkes war seiner Erfüllung

Centralkonset! und der Nationalkongreß schickten HA be rettö an, an Euch gemeinschaftlich einen Aufruf zu er^ lassen, worin Ihr ersucht werden solltet, ein einziges Courite in Gemäßheit der herzlich vollzogenen Vereini­gung zu errichten. In Gegenwart der handgreiflichen Verletzung der Verfassung, welche von einer kontrerevo- lutionären Regierung gewagt worden ist, beeilen wir uns, Euch die vollzogene Einigung (Union) hiermit zu erklären. Mögen es unsere Feinde hören: sie stehen jetzt der ganzen Demokratie gegenüber! Ein Minister Louis Bonaparte's Leon Faucher, hat die Frechheit begangen seine verbrecherische Hand an die Verfassung zu legen' Er hat sich nicht gescheut, der Nationalversammlung die Unterdrückung eines natürlichen und außerdem von der Verfassung ausdrücklich garantirten Rechts vorzuschlagen. Im Namen der Wahler, von denen wir unser Mandat empfingen, im Namen der französischen Demokratie üben wir hiermit ein Recht aus und erfüllen wir hiermit eine gebiete: fiche Pflicht, indem wir gegen diesen Frevel pro- testiren! Brüder, bleiben wir ruhig! Seien wir stark gegen alle Herausforderungen. Unsere Feinde brauchen eine Erneute, um ihren Staatsstreich zu rechtfertigen. Mögen sie sich die Lehren der Geschichte ins Gedächt­niß zu-uckrusen! Die Staatsstreiche allein waren es welche den Stundenschlag der Revolution förderten! Paris, den 27. Januar 1849. Die Glieder des Na- tronalkongresss und des Centralkonseils." (Folgen die Unterschriften.)

Paris, 28. Jan. Die Gefahr eines Volksaufstan­des ist vor der Hand beseitigt durch das Votum der Kammer gegen die Dringlichkeit des Clubverbots, d. h. gegen das Clubverbot überhaupt. Aber eine neue Ge­fahr taucht auf: die Gefahr des Staatsstreichs.

Man lese den heutigen National und sage ob nicht aus jeder Zeile die Furcht vor dem Staatsstreich hervorleuchtet.

Das Votum von heute ist ein tödtlicher Streich für das Kabinet, und wir fordern Herrn Odilon-Bar­rot, Faucher und tutti quanti heraus, jetzt ihre Porte­feuilles noch langer zu behaupten."

Soweit scheint der National noch gutes Muths zu sein. Aber man höre den Nachsatz:

ohne in offne Revolte gegen den Geist und den Buchstaben der Verfassung zu treten!"

Und was läge Herrn Odilon-Barrot, Faucher und tutti quanti daran, in offne Revolte gegen die Verfas­sung zu treten! Seit wann schwärmen Barrot und Faucher für die Verfassung von 1848!

Der National droht den Ministern nicht mehr, er demonstrirt ihnen, daß sie abtreten müssen, er demon- strirt den Präsidenten, daß er sie entlassen muß. Und das in einem Lande, wo sich der Rücktritt der Minister nach einem solchen Votum seit dreißig Jahren von selbst versteht.

Der Präsieert der Republik, sagt der National, wird das hoffentlich einsehn, daß die Majorität und das Kabinet in vollständiger Zwietracht sind, daß er durch Entlassung des Kabinets die Bande zwischen sich und der Majorität enger knüpfen wird, daß zwischen ihm und der Majorität nur ein Hinderniß des guten Vernehmens besteht: das Kabinet.

Ja, der National sucht dem Ministerium eine gol­dene Brücke zum Rückzug zu bauen: er wünscht, daß die Anklage gegen die Minister fallen gelassen werde. Das Votum sei Strafe genug. Dies letzte Mittel möge aufgespart werden, bis die Minister die Constitution wirklich durch einen vollendeten Akt verletzt haben.

Ja, rüst er zuletzt aus, Alles macht es dem Kabi­net zur Pflicht, sich zurückzuziehen; seine eigenen Worte binden es der Art, daß wir zögern zu glauben, es werde die Gewalt zu behalten wagen. Herr Barrot erklärte heute Abend, daß, wenn die Dringlichfeit verworfen werde, die Versammlung selbst die Vera twortlichkeit für die Ereignisse übernehme. Gut, wo die Verant­wortlichkeit aufhört, muß auch die Macht aufhören. Will das Kabinet nicht verantwortlich sein für die Er­eignisse, so darf es sie auch nicht dirigtren. Hr. Bar­rot hat seine Demission auf dec Tribune niedergelegt, indem er die Verantwortlichkeit ablehnte.

Kurz: der National glaubt nicht an den freiwilligen Rücktritt des Ministeriums, und eben so wenig an seine Entlassung durch den Präsidenten.

Wenn aber das Ministerium dem Votum der Ver­sammlung trotzen will, so bleibt ihm nichts, als der Staatsstreich. (N. RH.Z.)

Italien.

Aus Turin erhalten wir eben die wichtige Nach­richt, daß die Wahlen dort demokratisch ausgefallen; sollte im Lande das Gleiche statt haben, so würde der Krieg unvermeidlich sein. Man versichert, daß in Treviso und Mestre Versuche gemacht werden, um Ve­nedig mittelst Luftballon-Mörser zu beschießen. Die Stadt selbst leidet keinen Mangel, jede Bewegung im Innern wird durch die zahlreiche Garnison erstickt, und an eine freiwillige Unterwerfung ist gar nicht zu den­ken. (K. Ztg.)