die Bauern bald Herren der Bezirkshauptstadt. Ohne zu rauben und zu plündern, wie es die Stadtbewohner befürchtet, begab sich ein Ausschuß der empörten Bauern in das Präfekturgebäude, wo er den Nnterpräsckten, . Bürger Martine, vorfand. Sie erklärten ihm, daß sie die Steuern verweigerten und übergaben ihm einen Bogen Papier, worauf diese Erklärung in Form einer Petition an die Nationalversammlung gerichtet war. Er solle zuerst unterschreiben, riefen die Bauern auf dem Platze vor dem Präfekturgebäude, und da Martine mehrere Gründe vorschob, welche eine Verzögerung bezweckten , so verloren einige der Umstehenden die Geduld und warfen einige Steine in die Fenster; auch ein Schuß fiel aus der Menge gegen die Truppen, doch hatte ihr Oberoffizier Verstand genug, das Feuer nicht zu erwiedern, wodurch einer allgemeinen Metzelei vorgebeugt wurde. Bis zum 2l. lief daher die Sache ohne Sch'acht ab, weil die Bauern die Antwort von der obersten Behörde abwarten wollten. Aber, setzt das „Echo" hinzu, der Unterpräsekt erhielt einen Hieb auf den Kopf, ferner wurden zwei Soldaten und mehrere Gensd'armen verwundet. Hofft n wir, daß es für die Bauern keine zu gefährlicheren Folgen nach sich ziehe." — „Peuple" sagt zu den südlichen Bauernunruhen: „Die Wahlagenten des 10. Dezember glaubten die Republik zu stürzen, indem sie den Bauern einen Präsidenten (dieses Marrast'sche Gewächs) vormalten, welcher allein im Stande sei, ihre Lage zu bessern und sie von der Steuerlast zu befreien. Jktzt dringen die Bauern auf Erfüllung jener glänzenden Versprechungen und wenn man sie ihnen nicht erfüllt — was rein unmöglich ist — so werden sie sich allerorts erheben. Auf diese Weise streuten jene Agitatoren den Samen zu einer gesellschaftlichen Umwälzung, von der Europa noch kein Beispiel erlebte." — Die „Republik" sagt: „Als Mathieu (Drome) in der Nationalversammlung den Ausbruch einer allgemeinen Jacguerie als nahe bevorstehend bezeichnete, lachte ihn der „Cvnstituiionmll" in seinem verwitterten Optimismus aus und erwiederte ihm spöttisch: daß die Namen Napoleon und Odilon Barrot die besten Garantien boten und keine Gefahr zu befürchten sei. Wir fragen den Constitutionnel, ob er heute auch noch lache?" — Das Kabinet hält den Ausbruch
eines Volkssturmes auch in Paris so nahe, daß es alle Truppen in den Kasernen konsignirt und starke Patro- nenvorräthe organisirt. Auch mag folgendes Rundschreiben im Moniteur als Beweis dienen:
„Paris, 25. Jan. Mehrere Präfekten haben geglaubt, ihren Posten verlassen und sich nach Paris begeben zu dürfen, ohne vorher beim Minister anzufragen. Ich kann ein solches Desertiren in einem Augenblick um so weniger dulden, wo die Erfüllung der amtlichen Pflichten dringender ist als sonst. Ich berichtige daher daß jeder Präfekt oder Unterpräfekt, welcher seinen Pasten ohne vorherigen Urlaub verläßt, als Demissionär betrachtet wird. Empfangen Sie den Ausdruck meiner Hochachtung, gez. Leon Fancher, Minister des Innern."
— Nationalversammlung. (Sitz. v. 26. Jan.) Auf der heutigen Tagesordnung befindet sich demnächst die Debatte über die Frage: „Ob man der Stadt Marseille ein ihr vor langen Jahren im Interesse ihrer Armeustadtkasse gewährtes Privilegium rücksichtlich einer Uebersteuer auf Getränke noch bis 1852 ausdehnen wolle?" Berryer unterstützt als dortiger Vertreter den Antrag. Mathieu (Dröme), Feind aller Privilegien, bekämpft denselben geistreich. Nach kurzer Debatte geht die Verlängerung mit 404 gegen 312 Stimmen durch, waS einiges Erstaunen hervorrief. — Leon Faucher, Minister des Innern, besteigt die Tribüne nnd verliest einen Gesetzentwurf gegen die Klubbs. Darin heiß es: „1) Die KlubbS sind uute-sagt. 2) In Contraven- tionsfällen trifft die Zuwiderhandelnden eine Strafe von 100 bis 500 fl. 3) Jeder, der sein Lokal verleiht, trifft dieselbe Strafe. 4) Das Gesetz vom 28. Juli 1848 ist abgeschafft." Dec. Minister verlangt Dring- lichleit. Gent (vom Berge) Protestsrt dagegen, jedeoch vergebens. (Tumult.) Die Dringlichkeit wird bewilligt. Die Versammlung kehrt zur Staatsrathsdebatte zurück. (Mainz. 3)
AuS Toulon vom 21. Jan. erfährt man, daß 1500 Mann auf dem Christoph Colombus nach Afrika (Algier) eingeschisst worden sind.
9k a ch sch r i f t.
Wien, 22. Jan. Die Prorogation des Reichstags bis zum 5. oder 15. Mai gewinnt imm r mehr Wahrscheinlichkeit. Die Einberufung der italienischen Abgeordneten und jener aus Ungarn ist dann ebenso vorauszusetzen, wie die Verlegung des Reichstags nach Wien.
Man spricht davon, daß der Kaiser, um der serbischen Nation einen Beweis seiner Theilnahme zu geben, seinen Titeln vielleicht auch jenen eines „Großherzogs der Serben diesseits der Sav? und Drau" beifügen dürfte. — Man überläßt sich der erfreulichen Hoffnung, daß nach eingetretenee Pacification die lästigen Zollschranken zwischen Ungarn und den übrigen Provinzen wegfallen dürfte; welche Maßregel die Preise der Lebensmittel bedeutend ermäßigen würde. Z. f. N.
Wien, 22. Jan. Die plötzliche Ankunft des österreichischen Abgesandten am Frankfurter Reichstag, v. Schmerling, welche Donnerstag in Olmütz erfolgte, hat natürlich Aussehen erregt. Sämmtliche Minister befinden fich ebenfalls seit Donnerstag dort, und es wurden Conferenzen über die deutschen Angelegenheiten abgehalten. Es ist natürlich, daß Frankfurt zu einer Entscheidung drängt, allein die Position iwferS Ministeriums ist in diesem Augenblick so eigener Art, daß die deutsche Frage in den Hintergrund treten muß. Alle Blicke sind nach Olmütz gerichtet.
— Wir haben nach Unterdrückung der ostdeutschen Post, jetzt ein einziges Opposttionsblatt, nämlich die vom ehemaligen Minister Schwaizer redigirte Allgem. österr. Zeitg., we'che durch die Feinheit und U nsicht, womit sie ihrer Aufgabe nachgeht, sich einen immer größeren Leserkreis erwirbt.
Briefe aus Pesth vom 23. Januar, die wir so eben erhalten, sprechen gerüchtweise von einem Gefecht bei Szolnok, wo die Kaiserlichen eine bedeut nde Schlappe sollten erhalten haben und in Folge dessen bis 8 Meilen vor Pesth zurückgedrängt worden seien.
Verantwortlicher Redakteur: I. Oppermann.
ekanntmachungen.
Gdietallabreng.
(120) Nachdem durch rechtskräftig gewordenes Urtheil vom 14. Dezember über das Vermö en des Jakob Maus und ferner Ehefrau aus dem Nocherner Bach, Gemeinde Nochern, der Concurs erkannt worden ist, wird Termin zur Geltendmachung aller dinglichen und persönlichen Ansprüche unter dein Rechtsiiachthcile des sonstigen Ausschlusses von der Concursmasse auf
Donnerstag den 1. März d. I.,
Morgens um 9 Uhr, anberaumt.
St. Goarshausen, den 24. Januar 1849.
Herzoglich Nassauisches Amt Hildebrand.
Verein ;ur Wahrung der Volksrechte.
(121) Versammlnng: Mittwoch den 31. dieses in den vier Jahrszeiten.
Tagesordnung: 1) Berathung einer Adresse an die gesammte Linke der Nationalversammlung die Kaiserfrage betreffend. 2) Wahl eines Vorsitzenden für den nächsten Monat.
(7) Soeben ist erschienen undZzu haben in den Buchhandlungen von Heinrich Fischer und H. W. Ritter:
Geschichte der deutschen demokratischen Legion aus Paris von einer Hochverrätherm (Emma Herwegh.) geh. 27 kr.
iss) Anzeige.
Um dein mehrfach verbreiteten Gerücht zu begegnen, als sei ich gesonnen in Folge meiner neuen Stellung meine Buchhandlung aufzugeben, sehe ich mich zu der Erklärung veranlaßt, daß mein Geschäft
nach wie vor fortbestehen wird.
Auch für die Folge wird für prompteste Bedienung meiner Kunden gesorgt werden, wie ich überhaupt mein Geschäft meinen Mitbürgern bestens empfohlen halte.
Wiesbaden, den 15. Januar 1849. Heinrich Fischer,
Buchhändler.
(1505) In den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter in Wiesbaden ist vorräthig zu haben:
Merkwürdige Prophezeihunge« des *
Pater Guardian in einem Kloster in Polen von den Jahren 1790—2000.
Preis 9 Kreuzer.
Bremen 1848.
Frankfurt.
Cours
der Staatspapiere.
1 Uhr.
Oesterreich V ff ff ff ff
Preußen
Bayern
Würtemb.
Baden
Darmstadt
C o 11 r
Den 29. Januar 1841 Mctalligues Obligation ff ff
ff ff
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Wiener Bank-Actien 500 fl. Loose . . . 250 st. Loose von 1839 Bethmännische Obligati ff ff
50 Thaler Prämicn-Scl StaatS-Schnld-Schciue Obligationen . . . Lndwig-Kanal-Actien h Bepbacher Eiscubahn-Ac Obligationen . . .
Obligationen . .
Lottcric-Anlcheu a 50 35 fl. Loose vom Jahr Obligationen . . .
s der Wechsel. i)cn 29. Januar.
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1845 .
Kurze Briefe
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Den 29. Januar 1849.
Obligationen........
Lotterie-Anlehen von 50 fl. . . . 25 fl. Loose........ Friedrich-WilhelmS-Nordbahn . .
40 Thaler Loose bei Diothschild . . Obligationen bei Rothschild . . .
ditto 25 fl. Loose . . ,
Obligationen........
ditto von 1839 ....
ditto von 1846 ....
Tauuus-Eiseubahn-Acticn â 250 fl. . „ „ „ per ultimo
Jntegr.-Obligatiouen..... Lyndicats ......... Innere Schuld neue Obligationen . Ardoins incl. 14 Coup..... Lotterie-Loose 300 ......
ditto 500 ......
36 Frs. Loose bei Gebr. Bethmann
)old- und Silber-Sorten.
pCt.
4
4
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3 3% 3%
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3
Papier 87% 72% 26% 37% 27 80% 22% 77% 9t% 87% 283
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Geld 86% 72% 25% 37% 26% 80 22% 76% 90% 86% 279
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kr.
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12
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Amsterdam, loo st. En. . . . Augsburg, 100 fl. Crt. • . . Berlin, 60 Thlr...... Bremen, 50 Rthlr. in Louisd or. Hamburg, 100 Mrk. Bco. . . . Leipzig/60 Thlr......
„ in der Messe .... London, io Livr. St..... Lyon, 200 Fr....... Paris, 200 Fr. -..... Mailand, 250 Lir. Anstr. . . . Wien, in 20r 100 fl. C.-M. . . Discouto........
99%
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Nene Louiod'or.......... Friedrichâd'or ........... Ducaten............ 20 Frank-Stücke ......... Holländische 10 fl. Stücke...... Englische SouverainS........ Laubthaler ........... Preußische Thaler...... > >
Hochhaltiges Silber . . ../'... Geriug-m'ittelhaltiges Silber......
5 54 37 35
1
1
43%
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Verlag von H. Fischer und C. Ritter. — Druck der C. Rittcr'schen Buchdruckerei.
(118) A. Roivland's Macassar-Oel, K. Willer's Schweizer-Kräuter-Veft, Kölnisches Haaröl zur Erhaltung und Beförderung des Wachsthums der Haare. — Sämmtliche Haaröle sind fortwährend acht bei Unterzeichnetem zu haben; auch Orientalischer Haarbalsam und Haarbalsam von Dr. Hamilton; ferner chinesischen Seifen -Spiritus Zur Reinigung und Verschönerung der Haut für Damen.
«F. JL. Seibert in der Langgastc.
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(123) Formularien zu Gemeinde-Controlen, Rechnungs-Ueberschlägen, Journalien und Ma- nualien, Geschäfts - Controllen rc. nach den Vorschriften der neuen Gesetze sind in schönster Ausstattung und zu billigen Preisen stets zu haben bei Earl Ziß, Lithograph, Marktstraße im Rebenstock. ]
Änpoiitniiies.
(102) Durch vortheilhaften Einkauf einer nicht unbedeutenden Partie ’XapaBitiaines bin ich in den Stand gesetzt, solche zu 21 kr. pr. Elle zu erlassen. Da dic,e Waare von bester Qualität, vollkommen % breit ist, so glaube ich ein verchrlicheS Publikum hierauf anfmerk- sani machen zu können und einer gefälligen, zahlreichen Abnahme entgegen sehen zu dürfen.
Wiesbaden, 21. Januar 1849.
•• • Äwerm<«Hi» sei. RR /„ .