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âeiheit und Recht!"

M 24.

Wiesbaden. Sonntag, 28. Januar

1849*

Die , Freie Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. Der Abonnementspreis beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 durch die Dost bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. - Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" Erfolge. - Die Inserationsgebühreu betragen für die vierspaltige Petitzerle oder deren Raum 3 Kreuzer.

fl. 45 kr., auswärts stets von.wirksamem

Von der Opposition im parlamentarischen

Leben.

Wiesbaden, 27. Januar.

Ein Zeitungs-Zwiegespräch zwischen mir und dem Abgeordneten Schmidt hat die Vnanlassung abgege­ben, daß von mir die Nothwendigkeit, Partei zu er, greifen und die einer systematischen Opposition, be­hauptet wurde. Gegen diese Ansicht trat dieNass. Allgem." in einem hämischen Artikel auf, dem ich hier ausführlicher entgegentrete, weil ich diese Gelegenheit gerne ergreife, zur Läuterung der vielfach verworrenen Begriffe überOpposition" ein Scherflein beizutragen.

Zum bessern Verständniß lasse ich zuerst die Erklä- rung an den Abgeordneten Schmidt in No. 20 die­ser Zeitung, wie den Artikel in No. 23 derNassaui­schen Allgemeinen" vorauSgehen.

1. Dem Herrn -Abgeordneten Jost Schmidt gewidmet.

Daß es Ihnen nicht in den Kopf will,^Hr. Schmidt, sich einem leitenden Prinzipe, d. h. einer Partei unter- zuordnen, überrascht mich nicht. Einer Partei aber sich anschließen, heißt weiter nichts, Hr. Schmidt, als er­klären, daß ein Prinzip eine objek.ive Wahrheit höher steht als die subjektive Grille eines Einzelkopss; und um Sie von der Nothwendigkeit einer systematischen Opposition zu überzeugen, von der Sie eben, wie aus Ihrer gestrigen Erklärung in derNass. Allg." hervorgeht, keine Ahnung zu haben scheinen, erlaube ich mir nur, Sie auf die Geschichte aller Landtage und die Praxis in allen Verhandlungen, wo klare, selbstbewußte Männer sitzen, zu verweisen.

Seien Sie übrigens darüber nicht ungehalten, wenn ich mich manchmal mit Ihrer Person, wenn auch gerade nicht immer in lobende Weise, beschäftige undchehaupte, daß man es eben im gewöhnlichen LebenInkonsequenz" zu nennen pflege, wenn Jemand heute für reaktionäre, morgen für radikale Maßregeln spricht und einsteht. Gerade diese Rücksichtnahme sollte Ihnen beweisen, daß ich Ihrem Auftreten Bedeutung beilege. Es sind noch Mitglieder genug in der Kammer, welche, meiner An­sicht nach, ebenso inkonsequent sind, wie Sie, doch ich erachte es, offen gestanden, für Zeitverschwendung, mich mit einer Kritik der Thätigkeit dieser Mitglieder zu beschäftigen. I. Oppermann.

II.f* In No. 20 dirFreien Zeitung" nimmt es deren Redakteur dem Abgeordneten Schur idt übel, daß derselbe so frei ist, bei seinen Abstimmungen in der Ständekammer seiner eigenen Ueberzeugung zu folgen, und dozirt demselben die Nothwendigkeit der Unterord­nung dieser seiner Ueberzeugung, welche Hr. Opper­mann wegwerfend mitsubjektiver Grille eines Ein- zelkvpfes" zu bezeichnen beliebt, unter eine objektive

Wahrheit; und^ diese ist hört! eine systema­tische Opposition! d. H. also eine Opposition ge­gen alle Regierungsvor schläge als solche, mögen sie nach der Ueberzeugung des einzelnen Abgeordneten noch so vortrefflich, zum Wohle des Landes noch so nothwendig sein!

Wahrlich ein kostbares Geständniß aus dem Munde eines Wortführers einer Partei, welche die Welt glau­ben machen möchte, daß sie die Sache der Freiheit und der Moralität zu der ihrigen gemacht habe!

Also Hr. Oppermann verlangt von einem Ab­geordneten nach seinem Sinne, daß er gegen seine innigste Ueberzeugung, gegen seinen Eid, den er bei Antritt seiner Funktionen»geschworen, seine Abstimmung nur nach dem Befehle eine Parteichess richten solle, daß er ein Höriger dieser Partei sei, daß er seine gestimmte Stimme (wie der brave alte Jahn sagt) mit in die Versammlung bringen, dort also folgerichtig auch taub gegen alle Gegengründe sein und blindlings dem Partei- interesse dienen soll? Und das soll Freiheit sein? Ein solcher Abgeordneter soll noch den Namen eines ehren- hasten Mannes verdienen? Ist diese Lehre wohl um ein Haar besser, als die der so viel geschmähten Je­suiten, welche ebenfalls gänzlicheUnterordnung der subjektiven Grille eines Einzelkopfes" unter dem Be­fehle des Oberen verlangten, und nach dem bekannten Grundsätze:der Zweck heiligt die Mittel", kein Be­denken trugen, zur Erreichung ihrer Absichten sich der verwerflichsten Mittel zu bedienen.

Ehre dem Abgeordneten Schmidt und der großen Mehrzahl unserer Abgemdneten, welche ebenfalls von Hrn. Oppermann der Inkonsequenz geziehen werden, daß sie in die Tiefen dessen, was dieser Staatskunst nennt, nicht eingeweiht sind, und daß sie das Bewußt­sein eines redlichen, überzeugungstreuen Mannes für höher achten, als den etwas zweideutigen Ruhm eines Parteigängers, der sich zum blinden Werk­zeuge fremder Zwicke hingibt

Vor einigen Tagen schrieb mir ein Mann aus dem Amte Wallmerod, ein Geistlicher beliebe seinen Pfarr- kinbern die Freie Zeitung als einenMisthaufen" zu schildern, und ihnen das Lesen derselben unter Andro­hung ewiger Höllenstrafen zu verbieten.

Nun kommt unsere gute Nachbarin, die ofsizielle Nass. Allgemeine, und bringt in ihrer 23ten Nummer, in Dem bekannten Sprechsaal, ein Artikel gegen mich, in welchem sie mich als einen Anhänger der Lehre der Jesuiten dem geneigten Publiko zur geneigten Darnach­achtung darstellt.

O! ich unterliege schier unter der Last dieser Vor­würfe! der eine droht schon den Lesern der Fr. Zeitung mit den Strafen der Hölle, was mag er erst dem Redakteur derselben wünschen! Ist es nicht barbarisch schrecklich, so mit einem armen Menschenbilde umzu- gehen? Habt Ihr denn gar kein Herz in eurem christ­lichen Busen ihr wüthenden Herrn?

, Das Artikelchen in No. 23 der guten Nachbarin ist ein aus reinem Unsinn zusammengekvchter Brei, aber ü"lgnet, umunschuldigen" Seelen, namentlich auch solchen tn unserer Kammer, die Begriffe zu ver­

Um dießSand in die Augen Streuen" »Mrlt# aber nicht, um mich selbst gegen die plumpen Angriffe jenes Artikelchens zu vertheidigen, - fand ich mich veranlaßt, diese Zellen nrederzuschreiben. p

3$ E davon schweigen, daß der Spaßmacher, der durch jenes Artikelchen auf dieunschuldigen und redli­chen Gemüther tn der Kammer wirken möchte, die Er­klärung, welche ich in No. 20 d. Bl. dem Abgeordneten Dchmldt diesem Helden der Consequenz wid- mete ganz verdreht widergibt: daß er nämlich behauptet, tn dieser Erklärung seienobjektive Wahrheit" und lystuuatlsche Opposition" indentisch genommen wäh- reno doch dort nur in der systematischen Opposion formell der Weg angezeigt wird, wie die materielle Joee, das Prinzip einer Partei, zur Geltung gebracht werden könnte -: dem spaßhaften Burschen ist höchst wahrscheinlich die Sache selbst nicht klar geworden.

Verwahren muß ich mich nur dagegen, als trete ich der wahrhaft wahnsinnigen Definition vonsystemati- fcher Opposition ', welche der gemüthliche Correspondent mit dem doppeltbesternten Kreuze gibt, bei, oder als hatte ich gar einen solchen Unsinn behauptet. Die De- simtio» des gemüthlichen Burschen lautet:systema­tische Opposition, d. h. also eine Opposition gegen alle Regierungshandlungen als solche, mögen sie nach der Ueberzeugung des einzelnen Abgeordneten noch so vor­trefflich, zum Wohle des Landes noch so nothwendig sein!"

Eine systematische Opposition ist aber eine solche, welche mit dem von der herrschenden Partei angenom­menen höchsten Prinzip (also etwa dem des Schein- konstitutionaliSmuS) nicht einverstanden sich erklären kann, und das von ihr als wahr und richtig gehaltene Prin­zip (also etwa das demokratische) zum Herrschenden im Staate mach n möchte, und demgemäß als eine ver­bündete Macht stark durch die Einigkeit und wirk­sam durch eine geregelte Organisation das herr­schende Prinzip zu stürzen sucht.

In Staaten, wo eins der eben genannten Prinzipien aufs Entschiedenste und auf längere Zeit gesiegt wie etwa in Nordamerika stellen sich neue Prinzipien gegen einander freundlich auf, wie etwa das deS Frei­handels gegenüber dem der Schutzzölle.

Den bewußten Anhängern eines bestimmten Prin­zips kann nun begreiflicherweise weniger darauf an­kommen, daß eine Regierung einmal einen guten Vor­schlag macht: sie will vielmehr, daß die Regierung un­bedingt ihr Prinzip anerkenne, weil sie dann mit Recht annimmt, daß die einzelnen guten Vorschläge nicht mehr als bloß vereinzelte dastehen werden.

Zu behaupten aber, eine systematische Opposition müsse nun alle Vorschläge der Regierung verwerfen,

III.

Auszüge

aus der Kirchenchronik der Pfarrei Cleeberg, geführt von Friedrich Wilhelm Schellenberg, Pfarrer zu Cleeberg, Herzoglich Naussauischen Amtes Usingen, seit August 1840.

(Fortsetzung.)

Circumvaganten betreffend:

Auf Erlaß des bischöflichen Commissarius, Herrn Geheime-Kirchenrathes Dr. Wilhelmi, vom 18. v. M., auf Bericht vom 10. November, die in 1845 gehaltenen Kirchenvisitationen betreffend. Zu Cleeberg wird in rub- ricirtem Erlasse an den Herrn Decan S e u f f t zu Usingen bemerkt:Der Neigung, ohne besonderes Gewerbe in der Welt herumzuzichen, deren uachtheilige Folgen auch hier wieder geschildert werden, muß mit Kraft und Ernst von Seiten des Geistlichen sowohl, als der übrigen ein­flußreichen Gemeindcglicder möglichst entgegengewirkt werden, wie denn auch die Staatsregierung ihre desfallsige Unterstützung wiederholt zugefügt hat."

An Herrn Pfarrer Schellenberg zu Cleeberg mit dem Hinzufügen: Ich versäume nicht, Ihnen dieses zu ihrer Bemessung mitzutheilen. Usingen, den 21. Januar 1846. Senfft."

Uebersicht der Gebornen zu Espa:

Ein Knabe Espaer Eltern, der 1832 zu London

Little Alie Street in Nr. 15 Wells Yard geboren wurde."

1846. Fligenwedler und Landgänger:

Usingen, im Februar 1846. Divaskalia, Nro. 43. Donnerstag den 12 Februar 1846 :diejenigen, welche die irrige Ansicht hegen, als läge Die Beförderung und Ermunterung einer ehrbaren Emigration nach den gesnnden Districten Nordamerika'^ nicht im Interesse Deutschland's und der deutschen Regierungen, mögen wissen, daß die Hessisch-Nassauischen Bettelfahrten der sogenanntenFlie- genwedler" undLandgänger" wieder in vollem Schwünge sind und wie ein fressender Krebsschaden am Körper des Volkes immer weiter um sich greifen. Soll man zu solchem Elende schweigen? Soll man es nicht der Oeffent- lichkeit übergeben, daß etwa 10 Kinder aus dem Amt Usingen durch hessische Fliegenwedler in England herum- geschleppt werdeu, ohne daß ihre Eltern die geringste Aussicht hätten, sie jemals wieder zu sehen, weil in Eng­land jeder Accord Geseykraft hat und diese gefährlichen Menschen die armen Kinder zu Unterschriften zwingen. Die Wahrheit ist, daß von den Behörden Alles ge,chieht, dem Uebel zu steuern, aber ohne Erfolg. Das Uebel liegt tiefer und ist in der Verarmung ganzer Gemeinden begründet. So lange also eine Auswanderung in Masse aus diesen armen Dörfern nicht möglich gemacht wird, so lange dürfen auch die Vaterlandsfreunde nicht hoffen, die Schande getilgt zu sehen. Ich schließe meinen Be­richt, indem ich die Ansicht ausspreche, daß diesem un­

glückseligen Vagabundelebeu nur dadurch Abhülfe geschafft werden kann, daß man jegliche Art jener ehrbaren Aus­wanderung nach Amerika fördert oder ihr doch wenigstens nicht entgegenwirkt."

Die Didaskalia enthielt seit 1844 ähnliche Berichte über die Landgänger des Amtes Usingen."

Uebersicht der Gebornen zu Espa:

Von den Töchtern zu Espa ist eine geboren zu New-Aork und eine andere zu Philadelphia."

Katechumenen in dem Auslande anno 1846:

Von den der Schule entwachsenen Catechumenen besuchten das Ausland in 1846 von Cleeberg 9 Jüng­linge und 5 Jungfrauen; von Espa 9 Jünglinge und 8 Jungfrauen; von Weiperfelden 5 Jünglinge und 4 Jungfrauen. In Summa : 23 Söhne und 17 Töchter. Im Ganzen 40 Katcchnmencu."

1847. Uebersicht Der Gebornen und Gestorbenen :

Ein Knabe und ein Mädchen sind im Auslande geboren und fünf Personen sind im Auslande gestorben. Die Gebornen und Gestorbenen waren von Espa."

Cleeberg, den 10. October 1848.

In fidem ext ractus

F. W. Schellenberg, Pfarrer.