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daraus folgenden Ereignissen bieten dem aufmerksamen Beobachter reichen Stoff zu ernsten Betrachtungen. Eine der mißlungensten Wahlen des ganzen Amtes ist die der Gemeinde Berod. Sie gibt sprechendes Zeug­niß von dem finsteren Geiste, welcher daselbst herrscht. Der gesinnungstuchtige und thatkräftige Schultheiserei- verwalter, welcher wegen seiner halbjährigen Dienstfuh- rung in der Gemeinde des Guten mehr förderte, als sein Dienstvorgänger in vierzehn Amtsjahren, war ein i Hemmschuh am VeidummungSwagen d r Ultramontanen. f Den Lehrer, welcher mit kräftiget Dienstführung un- j tadelhaftes Betragen vereinigte, wollte er nicht fortja­gen, was doch derHirte", wegen seiner blkmnten Duldsamkeit" bei der Menge im Gerüche der Heilig­keit stehend, dringend forderte. Wegen dieses groben Dienstfehlers besiegte ihn bei der gestrigen Wahlschlacht der im verwichenen Sommer entlassene Schultheis, wel­cher von dem Pfarrer zur Beseitigung der Religionsge- fahr als Kandidat empfohlen war.

O frommer Sieg! O hehrer Triumph! Die saueren Mühen sind vergessen und in fiegtrunkener Freude fd) üt aus den Kehlen:Es lebe die Religion, der Herr Pastor; der Schullehrer wird fortgejagt!"

Diez, 24. Januar. (Was man im Schlaf nicht Alles thut!) Die Bemühungen unseres con» flitutionell - monarchischen Vereins für Freiheit, Gesetz und Ordnung sind mit einem glänzenden Erfolg ge­krönt nach der anstrengenden Thätigkeit vor der Bür­germeisterwahl ist der edle Verein tu einen sanften Schlaf verfallen, der für die Ruhe der Stadt um so wohlthä- tigea ist, als sie sich, der eigentlichen Bestrebungen für Aufrechthaltung der Ordnung müde, endlich nachwah­rer Ordnung" sehnt.

"Dem jugendlichen Verein kehren jedoch auch im Schlafe die Bilder wieder, die seinen Geist beschäftigen er träumt.

So täumte es d.mselben gestern Abend von einem deutschen Kaiser, der mit noch kräftigeren Fäusten, als es hier zu geschehen pflegt, die liebe alte Unordnung wiederherstelle. Im Schlafe wurde eine Adresse an die souveräne Nationalversammlung beschlossen und da­rin erklärt, daß sie ganz nach dem Wunsche des consti- hiHünctkn Vereins zu Diez handelte, wenn sie einen erblichen Kaiser für Deutschland schaffen und diese Würde dem König von Preußen, in dankbarer Anerkennung seines volksfreundlichenRedens", verleihen würde. Die Herren Dahlmann und Genossen werden nun gewiß nicht länger mehr zögern, nachdem sich auch der vielbesagte Ordnungsverein in Diez so entschieden aus­gesprochen, uns nun endlich mit dem zu erfreuen, für was wir die März-R volution unternommen, mit einem ganz unverantwortlichen Kaiser an der Spitze Deutsch­lands, oder besser der constitutionell-monarchifchen Ver­eine.

Daß einige wenige Uebelgifinnte es unternommen, hier einenVerein zur Wahrung der VolkSrechte" zu gründen, der, ungeachtet es wenig bi saunt war, bei seiner Constituirung bereits 54 Mitglieder zählte, ist nicht Schuld des konstitutionell', n Vereins, es geschah, dieweil er eben schlief."

0 Darmstadt, 22. Jan. (Volksversammlung zu Auerbach.) Gestern fand in dem benachbarten Auerbach ^^#*23f^^^^^^fK die von dem Märzverein zu Darmstadt dort veranstaltete Einführungsfeier der Grundrechte statt. Man war Darmstart auS dem Weg- gegangen, erstens, weil es in der Bannmeilensteecke liegt, und eine Volksversammlung unter freiem Him­mel nicht hätte gehalten werden dürfen, zweitens, weil man zum etwaigen Gebrauch der Stadikirche Hje Kir- chcnb-Horde hatte fragen müssen, und man dazu keine Lust hatte, und drittens, als ihr guten Seelen, die ihr damals auf der famosen Kranichsteiner Volksversamm- hing wait, o ihr kennt die Darmstädter Gemüthlichkeit der obligaten Stockp'ügel und ihr widerwärtiges Zopf- thum, das sich auf der plattesten Basis entwickelt, so daß ihr euch denken könnt, warum man das freundlich­stille Auerbach dem widrig langweiligen Darmstadter Boden vorzog. Man mußte hier entweder Störung oder gänzlich- Theilnahm'osiMt fürchten.

Die Feier in Auerbach ging in der größten Ruhe und Eintracht vor sich. Mehrere tausend Menschen waren zugegen. Der Märzverein hatte die Einrichtung getroffen, daß erst die Volksversammlung unter Leitung des von ihm ernannten Präsidenten, mit Vorträgen Dreier, besonders bezeichneten Redner nebst Musikstücken, statt finde, daß dagegen nachher die Versammlung nach einer Neuwahl eines Präsidenten beliebig debattiren köme. Neben der Aneikennm'g der Grundrechte, inso­weit sie solche verdienen, wurden sie von verschiedenen Rednern der schä-ssten Kritik unterworfen, mit welcher sowohl dieselben als auch der König von Preußen nebst demEdlen" sehr wenig zufrieden sein mögen. Man stimmte ab, wer den König von Preußen als Kaiser wolle und siehe da eine Hand erhob sich unter Tausenden und die machte abwehrende Bewegungen: Vox populi, vox Dei: nur wird sie nicht mehr be­rücksichtigt !

Wahl-Siege der Demokratie in Rheinland und Westphalen.

Worringen, 22. Januar. Euch Brüdern Alle zur Nachricht, daß wir in unserer heutigen Wahl, trotz der kniffigen Eintheilung unseres Gemeinderaths, trotz aller derschwarzweißen" Zettel, den völligen Sieg da­von getragen.

Gladbach, 22. Januar. Trotz aller pietistischen

Anstrengungen, trotz Ritz und Gudenau hat die Demo­kratie hier, in Neuwerk, in Viersen, in Dahlen, so wie den Landgemeinden mit ganz entschiedenen Majoritäten gesiegt.

Emmerich, 23. Januar. Das Resultat der Ur­wahlen hat auch hier in dem glänzenden Siege der Demokratie von Neuem den gesunden Sinn des Volkes dargethan.

Essen,^22. Jan. ^ Sowohl die Mantmffel'schen Andeutungen, als auch die schändlichen Intriguen des Harkort-Meusebach'schen Wahl-Comitcks sind hier auf steinigten Boden gefallen, denn bei den heutigen Ur- Wahlen hat die Demokratie den vollständigen Sieg errungen.

Warendorf, 22. Jan. Ich beeile mich, Ihnen das so eben kund gewordene Resultat der heutigen Wah­len mitzutheilen. Von 17 Wah'männern sind 12 ent­schiedene Demokraten.

Düren, 22. Janur. Auch hier fi-d, nach der Aachener Zeitung, die Wahlenzum größten Theil ganz freisinnig ausgefallen."

Aus dem Siegkreise, 23. Jan. Im ganzm Kreise haben die Demokraten entschieden die Oberhand behalten. In Siegburg sind 5 Demokraten uud3H?u- ler gewählt worden. An allen übrigen Orten war das Resultat viel günstiger für dik^,D mokratie.

Aachen, 23. Jan. Die ^Wahlen sind auch hier­für die Demokratie günstig ausgefallen.

Werl. Auch hier siegte die demokratisch? Partei in den Wahlen. Die wenigen durchgrschlüpftrnSalz- juuker" entscheiden nichts.

In Dortmund haben die Demokraten ebenfalls vollständig gesiegt. 17 Wahlbezirke wählten 24 Demo­kraten. Abends ein Triumph-Fackelzug.

Münster. Vollständiger Sieg. Von 84 Wahl- männern 30 Republikaner, 38 demokratisch-konstitutio­nelle, nur 16 theils schwarz-weiße, theils schwankende. Nur ein Geistlicher, und der Eine ist links!

Paderborn. Von 36 Wahlmännern 32 entschie­dene Demokraten. In der Umgegend gleicher Sieg der Demokratie. In Salzkotten 9 Demokraten von 10 Wahlen. Im Dorf Elsen sämmtliche 4 Wahlmänner Demokraten.

Morgen Näheres über diesen fast unglaublichen Triumph der Demokratie.

Cleve, 22. Jan. Derkoustitutionlle Preußen- verein" hat auch nicht eineu einzigen Kandidaten durch- gkfrtzt. Gewählt wurden die 33 vom Wahlverein vor­geschlagene Männer. Möge die Demokratie überall einen gleichen Triumph feiern!

Aus dem Oberbergischen, 23. Jan. Glän­zender Wahlsieg der Demokratie in Bensberg. In Reus­rat) (sonstschwarz-weiß") die Hälfte der Wahlmänner Demokraten ! (N. NH. Z.)

Münster, 19. Jai. Herr v. Vincke, Abgeord­neter zur deutschen Nationalversammlung, gab neulich die Erklärung, daß Herr Temme, der Landesgerichts- dinktor und ehemalige Abgeordnete der Berliner V r- einbarungsversammlung, nicht im Zuchthause sitze. Temme unb die ausgesuchten Abgeordneten des west- phälischen Congress.s sitzen nichts nunder und nichts mehr, alsim Zuchthause!" Unter demselben Dach ist dem Gauier und dem Schuft, dem Mörder und Dieb der .Aufenthalt angewiesen. Dasselbe Gewehr, welches für diese geladen, ist auch für Jene. 15' lang und 11' breit ist jeder Raum, in w lchem die po'iti- schen Gefangenen, zu je einem oder zwei eingeschlossen sind. Die stark vergitterten Fenster waren vor Kurzem innerhalb roch mit einer Lattenwand versehen, so daß an das Fenster selbst nicht gelangt werden konnte. Ein vollgestopfter Strohsack ohne Kopfkissen und zwei Decken würde das Lager bilden, wenn nicht Freundeshand der breiten Grundlage durch andere Meubel abgeholfen hätte. Das Licht steckt in einer drahtumgebenen Be­hausung, so daß nicht einmal ein Fidibus daran ange­zündet, geschweige denn dabei gelesen oder geschrieben werden kann. Der Nachtstuhl, in Form eires Kübels, stand anfänglich in der Stube, wenn ich das Arrest- lokal so neunen darf, selbst, und ein Tisch war, we­nigstens in einem Lokale, gar nicht vorhanden. Der glückliche Bewohner desselben benutzte einen seiner bei­den Schemel mit vieler Geschicklichkeit hierzu. Dag ist der Aufenthalsort von Leuten die in ihrem besten Wis­sen mit vielen Hunderttausenden Bewohnern unseres Landes dasselbe gethan haben. Wenn Herr v. Vincke nun einen solchen Aufentshaltsort nicht ein Zuchthaus nennt, so mag er in seiner Anschauungsweise schon Recht haben. Fragen Sie aber hier einen Buben nach dem Zuchthause und wenn er sie nun hingeführt hat, nach Temme und den Andern, so wird ihnen der Haus­vater schon die Belleetag? zeigen. Die Freiheiten, welche vor einiger Zeit den politischen Gefangenen gewählt wurden, sollen, wie es heißt, auf Befehl des Herrn Hülsmann reichlich vermindert worden sein. He,r Hülsmann schien zur Z it, als Temme hierher kam, ein Freund desselben; er küßte ihn und umarmte ihn (doch ist das eine Sage); auch Herr Dierir war sein Freund (er trank mit ihm und mit ihm.) In der Bibel kommt eineXihnliche Scene vor. (T. Z.)

Trier, 23. Januar. Vox populi, vox dei! Das Volk hat in den gestrigen Wahl gesprochen und hat sich auf eine würdige Weise gerächt für all die Schmach, die man ihm angethan, für die Ehrenhaftigkeit, womit man ihm die Zusagen hielt, mit denen man ihm im vorigen März die siegreichen Waffen aus der Hand

praktizirte. In allen 18 Wahlbezirken der Stadt Trier & ^ demokratische Partei mit einer einzigen Aus­nahme den vollständigsten Sieg errungen: im 12. Be- Jirt haben die konstitutionellen ihren Candidaten mit ®ttin^ Majorität durchgesetzt. Auch in den Wahlen der Vorstädte bat mit Ausnahme von Hurlau- ben das demokratische Element sich siegreich Bahn ge­brochen. ^m Allgemeinen war trotz der großen Hoff­nungen der konstitutionell n Partei der Kampf in den einzelnen Wahlbezirken von vornherein den demokrati- schen Waffen entschieden günstig. Trier hat seine po­litische Ehre rein und makellos erhalten, Trier hat ge­zeigt, daß es politisch selbstständig geworden ist, daß es genau weiß, was es will, und daß es die Mittel kennt um seinen Absichten den Erfolg zu sichern. (T.Z.)

Jena. (Land tags wähl.) Bei der am 20. b. M. zu Jena ftattgefundencn Wahl eines Abgeordneten zu dem Landtage des Großherzogthums Sachsen-W.'i- mar feierte die demokratische Partei einen glänzenden Sieg, indem ihr Candidat, Ober-Appellatious-Gerichts- rath Schüler zu Ima, Mitglied der Nationalver­sammlung zu Frankfurt mit 559 Stimmen gewählt wurde, während der konst'tutioneUe Gegenkandidat, Su­perintendent Schwarz zu Ima, nur 135 Stimmen erhielt.

Die Nachricht befer Wahl erregte in Jena selbst allgemein die lebhafteste Freude, die eben versammelte 4te Compagnie der Bürgerwehr brachte dem Gewähl­ten ein lebhaftes Hoch, worin die versammelte Volks­masse einfhnmt?. So weiß ft b der gssunde Sinn deS Volks Bahn zu brechen trotz N'ichstruppen und Demo- kraten-Verfclgungen. (R.-Z.)

München, 22. Ja-. Heu'e wurde die Stände- versammlung eröffnet. Um 11 Uhr Vormittags begab sich der König in dem gewöhnlichm G »lla- Aufzuge in die Michaelskirche zum Gottesdienste. Bei der Ausfahrt aus dem Schlosse empfing ihn die versammelte zahl­reiche Volksmasse mit ernstem Schweigen. Unmittelbar vor seinem Wagen ritt eine Abtheilung der National­garde zu Pferd was noch nie gsschehen war den Zug schloß eine Abtheilung Kürrasnere. Erst als der König bei dem Gebäude des Ministeriums des Innern anlangte, brachten ihm die dort auf der Straße stehen­den Staatsdiener und Staatsdienst-Aspiranten ein Vivat, welches aber keinen bedeutenden Nachhall hatte, ja in Kurzem gänzlich verstummte, bis es sich auf gleiche Weise beim Aussteigen aus der Michaelskirche wieder­holte. Um zwei Uhr e> folgte die Anfahrt an das Ständehaus, kein Vivat war hörbar. Der König sprach sitzend mit fester Stimme und durchaus vernehmlich die Eröffnungsrede. Sie enthielt die Verheißung einer ganzen Litanei von Gesetzen, darunter eines wegen der Einkommens- und Kapitaliensteuer, w'gen der Presse und ihrer Polizei, wegen des deutschen Wechfelrechts, sie umging aber die Erklärung über die Grundrechte des deutschen Volkes mit der allgemeinen Bemerkung, daß in dem deutschen Vo'ke das Streben nach Einheit und kräftiger Gestaltung derselben erwacht sei, daß der Kö­nig dasfilde theile, dast deshalb Abänderungen der Ver- fastung nothwendig seien, und daß in dieser Beziehung der Ständeversammlung Gesetzesvorschläge gemacht werden würden. Der Anarchie solle m't aller Kraft entgegengetreten und ein Gesetz über Tumulte und Er­satz des hierbei verursachten Schadens vorgstegt werden.

Trotz dem, daß diese Eröffnungsrede den gehegten gerechten Erwartungen bezüglich der deutschen Verhält­nisse nicht entsprach, brach am Schlüsse derselben ein donnerndes Hoch aus, barg^raebt von den Landständen, nicht getheilt von den zum Erdrücken ungefüllten Gal- lerien. Bei der Nachbausefah, t des Königs wurde hie und da ein Vivat hörbar. Ich finde es kaum begreif­lich, daß ein Minister H intz für eine solche Thronrede stimmen konnte. (M. Abdz.)

Berlin, 22. Januar, Abends 6 Uhr. Die Demo­kraten haben bei den heutigen Wahlen in den meisten Wahlbezirken den Sieg davon getragen, trotz aller A.'-- strengungen der Gegenpa'tei. Auch aus der Umgegend lauten die Nachrichten günstig.

Die ungeheure Menge von Untersuchungen fällt selbst wohlgesinnten Blättern auf. Ganze Städte sind in Untersuchung, so Dahme bei Jüterbogk, so Cremmen, w il sie bald nach der Märzrevoluti'oa ihre Bürger­meisterabsetzten, und in vier in der Nähe von Wrietzen gelegenen Dörfern find sämmtliche männlich'Einwohner zu Zuchthausstrafe bis 8 Jabre verurtheilt, weil sie sich in den Märztagen gegen die Gutsherrschaft auflehnten. Und die Amnestie? Wort?, Worte! Rechnet man noch die St^uerverweigerungs- und Arbeitseinstellungs-Unter­suchungen und bergt dazu, so wird unser geliebtes Va­terland bald nur von Untersuchten und Untersuchern bewohnt sein. Da aber die ersten entschieden in der Majorität find, so könnten sie auch das Spiel einmal umkehren. (N. D. Z.)

Berlin, 19. Jan. Selbst die Männer der Ruhe n Wut prix finden die längere Dauer des Ministe­riums Brandenburg - Manteuffel sobald es einmal seinen eigentlichen Zweck, die erforderlichen Staatsstreiche abgethan, unnatürlich und unverträglich mit der endlichen Ausgleichung der schroffen Widersprüche zwi­schen der Vergangenheit und Gegenwart. Man be­ginnt allgemach auch in weiteren und sonst conservati- ven Kreisen den Zustand des öffentlichen Lebens druk- kend zu finden und sehnt sich nach neuem freien Auf- athmen; selbst diejenigen, die faktisch durch den Bela­gerungszustand gar nicht genirt sind, finden eine so